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Cathedral - The Last SpireCathedral – The Last Spire

(Rise Above Records)

 

Cathedral sind nicht mehr. Das zehnte Album der Bandgeschichte markiert nach 23 Jahren den Schlusspunkt für eine der originellsten und experimentierfreudigsten Doom Metal-Bands überhaupt. Nachdem Cathedral schon 2011 ihre letzte Show gespielt haben, lösten sie sich nach dem Erscheinen von „The Last Spire“ auf – ganz einfach, weil es laut Lee Dorian Zeit dafür wurde: Wenn's am Schönsten ist, soll man halt aufhören. Dass es die altgedienten Engländer zum Abschied noch mal richtig krachen lassen, wäre definitiv zu schwach formuliert. Nein, diese Platte ist ein Statement: Es ist, als wollten Cathedral nach zwei Jahrzehnten die Essenz ihres Schaffens definieren. Nach dem extrem düsteren Intro Entrance to Hell, in dem, begleitet von Rabenkrächzen, Glockenläuten und Störgeräuschen immer wieder der Ruf des Leichenträgers „Bring Out Your Dead“ zu hören ist, eröffnet das Album mit dem zentnerschweren Pallbearer, dessen rohes Riffing einmal mehr deutlich macht, wie hart und druckvoll Doom sein kann. Dass die anderen hier versammelten Stücke dieser Doom-Granate in nichts nachstehen, genügt eigentlich schon, um dieses Album als geglücktes Abschiedsgeschenk zu feiern. Aber obwohl „The Last Spire“ stringenter ausgefallen ist als der faszinierende Vorgänger „The Guessing Game“, spielt das Unerwartete und Verrückte auch hier eine tragende Rolle: Es wirkt nur – und das macht den besonderen Reiz des Albums aus – alles viel homogener als auf dem Vorgänger. Egal, ob Lee Dorian wie im Opener singt, als hätte er den Verstand verloren, ob Xylophon-Klänge jähe Szenenwechsel erzwingen oder ein morbider Sprechgesang den Hörer mit sich in die Tiefen der Hoffnungslosigkeit zu ziehen versucht (Cathedral of the Dammed), ob verstörende Wah-Wah-Effekte (Tower of Silence), hypnotische Orgelklänge (Infestation of Grey Death) oder hysterisches Gelächter (The Last Laugh): Cathedral bleiben ihrem Hand zum Experimentellen, Makabren und Psychedelischen treu. Nirgendwo wird das deutlicher als in „The Observation“, das sich eigentlich jeder Beschreibung entzieht: Celloklänge aus dem Mellotron, ungreifbarer Frauengesang, spacige Keyboard-Solos und natürlich die lavaartigen, alles plattwalzenden Riffs machen The Observation zu einem der faszinierendsten Songs der Bandkarriere. Insgesamt haben Cathedral also zu einem rundum würdigen Abschluss gefunden. „Forest of Equilibrium“ hat 1991 Maßstäbe für den Doom gesetzt. „The Last Spire“ setzt nun auf seine eigene Weise Maßstäbe: Es dokumentiert, wie weit sich die Band entwickelt hat und wie sie sich dabei doch immer treu geblieben ist. Es bringt alles, was Cathedral ausmacht, auf den Punkt. Wer immer irgendwann ans Aufhören denkt: Genau so sollte man es machen.

 

(Torsten)

 

http://www.cathedralcoven.com/

 


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