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Wacken Open Air 2023 - Festivalbericht

Wacken Open Air 2023 (Festivalbericht)

 

Wetter und Konferenzinfos

 

Tja was war da los? Irgendwie hat es gefühlt die halbe Welt mitbekommen, was da los war in Wacken. Doch was war wirklich los? Zwischen all den Nachrichten von Anreisestopp, Zollkontrolle, Matsch und Bändchenausgabe am Samstag?
Wir versuchen mal einzuordnen zwischen Erlebtem, wahrhaften Gerüchten und Infos der offiziellen Seite bzw. der Pressekonferenz am Samstagnachmittag.


Wacken und Matsch hat eine kleine Verbundenheit, dabei gab es in der Vergangenheit mehr Shine als Rain (um mal beim Slogan zu bleiben), allerdings gehen die Matschbilder natürlich um die Welt. Was war also diesmal anders?
Bedingt durch den trockenen Frühling konnte der Boden die ganze Wassermenge, die nach und nach in den Wochen vor Festivalbeginn niederprasselte nicht mehr aufnehmen. Die Aufbauarbeiten (siehe Harry Metal Videos) mussten teilweise dadurch schon verzögert werden, konnten allerdings durchgeführt werden. Doch wie Holger Hübner so schön sagte, sonstige Matsch-Wacken gab es, da waren die Besucher schon da. Diesmal sollten sie in übernässten Wiesen anreisen. Und das ging nur schlecht bis hin zu gar nicht mehr.
Es wurden Panzerplatten für Rettungswege verlegt, es waren Traktoren im Einsatz, die zunächst steckengebliebene Fahrzeuge auf den Platz zogen, dann einfach jeden einzelnen, da niemand mehr draufkam. Es folgte ein Rückstau bis zur Autobahn, das Netz war überlastet und es folgte ein Anreisestopp für Dienstagnachmittag.


Bilder von grünen Wiesen die unbenutzt waren zogen den Unmut auf sich, allerdings wurde später erklärt, was auf den Bilder nicht zu erkennen war, dass diese teilweise über 1 Meter hoch (!) unter Wasser standen. Diese waren noch nicht mal für Traktoren befahrbar.
Trotz Anreisestopp wurden die Nacht über Fahrzeuge auf die Wiesen gezogen, was ebenfalls für Unmut in den sozialen Medien sorgte. Man versuchte halt, die schon Angereisten irgendwie unterzubringen. Was nebenbei darin gipfelte, dass ein Flugplatz in der Nähe zunächst zum Notabstellplatz umfunktioniert, im Laufe der Tage zum offiziellen Campground wurde („Hungriger Wolf“). Es folgten 17 (!!) Shuttlebusse, Toiletten und ein eigenes Duschcamp bzw. ein eigenes Shirt für die Gestrandeten. Welch eine Leistung des Orga Teams.


Das alles bekam natürlich der frustrierte Autofahrer durch Facebook neben Fakenews nur bedingt mit. Es wurde die Kommunikation bemängelt, aber wenn man sich nur ansatzweise vorstellen kann, mit wie vielen Leuten und Behörden hier Optionen abgewägt werden mussten und was alles möglich und machbar sein konnte, ohne 85.000 Menschen in komplette Gefahr zu bringen, dann dürfte langsam Verständnis da sein, warum die Informationen nur nach und nach kamen.
Es kam die Meldung, niemand kommt mehr aufs Gelände. Und dennoch bleibt die Bändchenausgabe bis Samstag geöffnet? Ein Widerspruch? Nicht mit Erklärung. Thomas Jensen sagte, es war die Hoffnung, dass dieser Appell die Leute davon abhält, ihre Reise weiter anzutreten, da das Festival mit voller Besucherzahl nicht hätte stattfinden können.

 

Der Appell funktionierte, ca. 24.000 Leute kamen nicht in Wacken an. Lost? Nicht ganz, Geld zurück, Vorverkaufsrecht aufs Wacken 2024 zum Preis des diesjährigen (der offizielle Preis ist von 299 auf 333 Euro angewachsen) und ein exklusives Shirt für 6,66 Euro. Und der tausendfache Dank von Thomas der sagte, diese Leute seien seine wahren Helden.
Holger ergänzte, die Bändchenausgabe sei neben der Ausgabe auch Anlaufstation falls etwas mit dem Cashless Payment (Chip befindet sich am Band) nicht funktioniere und ebenso sei es möglich, auf das Campgelände mit der Karte zu kommen und man könne sein Band auch abholen, wenn man zunächst nur 4 Tage beim Nachbarn versacken wolle um sich dann erst der Musik zu widmen. Deswegen bleibt die Bandausgabe bis zum letzten Tag geöffnet.


Die Betonung lag darauf, dass es ein Appell war, niemand der zum Gelände kam wurde weggeschickt, aber ohne die Einhaltung des Appells hätte es nicht stattfinden können, so paradox es zunächst klingen mag.
Eine gut gemeinte Aktion ging nach hinten los, Leute die dennoch ein Festival wollten würden vergünstigt auf die Metal Days nach Slowenien fahren können. Bedauerlicherweise traf es dieses bekanntlich mit noch mehr Hochwasser und wurde komplett evakuiert.
Die Innfieldöffnzungsverzögerung am Mittwoch ergab sich dadurch, dass Stahlplatten von dort zu Campingplätzen transportiert wurden, um weitere Flächen befahrbar zu machen.


Über 18.000 Leute waren beim Wacken beschäftigt und kein einziger Posten fiel weg, obwohl ein Drittel der Besucher fehlte. Man kann leicht rechnen, dass der Schaden nicht nur in den zurückgezahlten Tickets besteht. Aber wer die Geschichte des W:O:A kennt, die Serie gesehen hat oder den beiden in die Augen sieht und die Wahrheit erkennt, der weiß, ja, sie nehmen gerne das Geld das gezahlt wird, aber sie haben einen anderen Antrieb das Ding zu rocken, und der ist nicht Geld. Denn sonst hätte es das Festival nie gegeben und wäre nie weiter verfolgt worden.

 

Neben den oben erwähnten Metal Days waren es auch zig andere Festivalveranstalter, die ihre Solidarität bekundeten, seien es das Summer Breeze, RockHarz oder das Party.San (um nur einige zu nennen). Außer eine wie so oft dummlabernde Internetseite, die sich den tollen Untergrund auf die Fahne schreibt, hatte mal wieder nur Häme vorzuweisen. Natürlich wird der Name hier nicht genannt, solch eine Bullshit Seite braucht keine weiteren Klicks, sei es auch nur ein Shitstorm.


Erwähnenswert umso mehr aber die umliegende Hilfsbereitschaft. Auf Facebook überschlugen sich die Meldungen von Privatleuten, die ihr Grundstück (inkl. Sanitärer Anlangen) für gestrandete zur Verfügung stellten. Als Beispiel sei ein Bauhaus genannt, welches die ausgestellten Gartenhütten kostenfrei als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stellte. Welch eine Solidarität. Erkennt ihr den Spirit von Wacken? Und der hier muss sein: habt ihr solch eine Solidarität bei einer anderen Kirmes schon mal erlebt?


Was war sonst los? Natürlich viel außer Musik. Die Wacken Foundation wie auch ein paar Sponsoren hatten ihre Stände, die Händler mit Metalzeug werden erfreulicherweise wieder langsam mehr, einen offiziellen Metal Markt gibt es leider noch nicht (wieder). Die Rainbow Bar, drei Biergärten mit teilweise Überdachungen, das etablierte Mittelalterland, Leinwände vor den Bühnen ohne Ende und natürlich Getränke und Essen. Bier 0,4 mit 5,50 Euro, Durchschnitt bei Großveranstaltungen. Käsespätzle für 11 Euro aber ein Berg, an dem ein Normalmensch zweimal essen dürfte. Diverse Burger, ungefähr 8 Euro. Viel, aber durchaus lecker. Dinnete, Fleischspieße und hundert Sachen mehr, alle am preislichen Schmerzlimit, woanders aber bei solchen Veranstaltungen eben nicht billiger. Qualität meistens gut, lauwarme Wabbelcurrywurst mit ungesalzenen Pommes vergessen wir lieber mal schnell.

Man muss wissen auf was man sich einlässt und Wacken ist eben nicht nur von den eingeplanten Tagen her ein kleiner Urlaub, sondern finanziell ebenso. Und noch was war da, Musik auf zahlreichen Bühnen. Vorhang auf für die Künstler!

 

Montag:

Durch zahlreiche Meldungen und Postings durfte gebibbert werden, kommt man da hin? Findet es statt? Many Matsch Metal und viele Traktoren, mehr gibt’s an dieser Stelle nicht zu erwähnen.

 

Dienstag:

Anreisechaos Deluxe, rund um Wacken auf allen Straßen und gefühlt im Kreis gedreht. Zumindest angekommen. Findet es nun statt oder abgespeckt oder nicht?

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch:

Am Montag kam schon die Ansage, das Infield wird erstmals mit den beiden Hauptbühnen Faster und Harder am Mittwoch geöffnet. Dadurch rutschte Doro von der minimal kleineren Louder Bühne dorthin und zusätzlich wurden Bands wie Broilers und Deine Cousine mal eben aus dem Ärmel geschüttelt. Die Verzögerung aber des Infields wurde weiter oben schon erwähnt, von geplanten 15 auf 18 Uhr. Was dafür sorgte, dass irgendwie niemand mehr so Recht wusste, wann wer wo genau spielt. Die Wacken App steckte da zeitlich auch noch im Matsch fest, diese versorgte einen Stunden nach dem Auftritt einer Band, dass diese bald spielen würde. Zeitparadoxen war übrigens kostenlos. Und dennoch konnte man am frühen Abend selbst Zeuge werden, was hier alles so hinter den Kulissen lief, denn während die Zuschauer schon feierten, waren Bagger im Einsatz, die diverse Stellen versuchten auszubessern.


Neben dem normalen obligatorischen Auftritt der Wacken Firefighters durften diese aber auch bei dem Motörhead Zug, der Prozession um Lemmys Asche, auftreten. Mickey Dee (mittlerweile Scorpions, ex- Motörhead) und Phil Campbell (ex- Motörhead) waren anwesend, der Zug umrundete einen Teil des Geländes und diverse Gerüchte sprechen davon, dass der Rest seiner Asche auf dem Gelände ausgeschüttet werden sollte bzw., jetzt neben seinen Stiefeln und Hut in einer Urne im Gasthof in Wacken steht. Doch so groß das Tamtam der Ankündigung auch war, so bekam man den Zug nur durch Zufall mit und was nun tatsächlich passiert ist irgendwie überhaupt nicht. Vielleicht ja irgendwann mal.


Skew Siskin mit Frontfrau Nina C. Alice durften so ziemlich als erstes an diesem Tag auf die Bühne und da zwischen ihr und Lemmy eine besondere Freundschaft existierte, war dies auch stimmig eingesetzt. Frauenpower satt gab es am Nachmittag auch mit Nevorsa. Aber auch wenn songtechnisch und spielerisch alles im grünen Bereich war und die Schnittmenge aus Thrash und Death Metal gut ankam, konnten doch Crypta mit den Ex-Mitgliedern Fernanda und Luana letztes Jahr einfach mehr Druck und Ausstrahlung rüberbringen. Was das Publikum nicht davon abhielt, bei Nevorsa zumindest einen kleinen Pit zu starten (angemerkt werden könnte noch, dass sich Pits zu Kraftakten entpuppen konnten, je nachdem wie heftig der Matsch gerade an den Schuhen zog).


Nach viel Verzögerung also öffnete das Infield (laut Thomas Jensen sein Höhepunkt des ganzen W:O:A) und Skindred durften mit ihrem Crossover die Hauptbühne beackern. Mit schwerem Mantel und Stachelsonnenbrille bewaffnet schritt Sänger Benji über die Bühne und zeigte seinen kontrollierten Wahnsinn. Die Menge wurde angestachelt und sprang auf Befehl mit und die Band konnte überzeugend aufzeigen, dass Crossover angesagt sein kann, back tot he 90ies also. Währenddessen durften zeitgleich Deine Cousine aus Hamburg auf der Louder zocken. Während Frontfrau Ina mit der wohl emotionalsten Ansage im Zwischenspiel des ersten Songs („St. Pauli“) des ganzen Festivals direkt mal punkten konnte, „glänzte“ die Begleitband mit schrill-hässlich-gewagten Neonoutfits und Pornoschnauzern. Harter Tobak am Mittag.


Stylisch in eine andere und doch ähnliche Kerbe „punktete“ dann Frontfrau Noora von Battle Beast, indem sie ihre Haare in irgendwelche Hörner stopfte und mit ihrer Röhre irgendwie immer wieder an Bonnie Taylor erinnert. Das passt dann auch zur Musik, die unbedingt den 80ies Synthie Pop in den Metal bringen will. Die stetig wachsende Zuhörerschaft bestätigt den Markt dafür und zumindest live drücken die Gitarren druckvoller als der Keyboard-Kleister, sodass hier die Legitimation im Metal Universum noch gegeben ist.
Am Rand erwähnt, weil am Rande spielend, dürfte noch Mambo Kurt sein, der natürlich im Repertoire nicht fehlen darf und seine schaurig schönen Töne mit seiner Stimme und Orgel vertont.


Ob die Broilers (und die anderen am Montag bekannt gegebenen Bands) nun wirklich eher spontane Sache oder geplant waren, eine Sensation ist dies dennoch, dass eine Band mit diesem Namen nicht auf dem offiziellen Billing (und Shirts) auftaucht. Mit „Zurück zum Beton“ eröffneten die Düsseldorfer ihr Set und nicht wenige dürften sich diesen zur Abwechslung unter ihren Füßen gewünscht haben. Bassistin Ines, sonst auch oft am Grinsen, bekam selbiges gar nicht mehr aus dem Gesicht, aber so erging es der gesamten Band irgendwie. Ein kurzes „Breaking The Law“ als Zeichen der Verbundenheit zum Metal war zwar ehrenhaft, aber bestimmt nicht notwendig, nachdem die Wackener zeigten, dass sie die Hits wie „Meine Sache“, „Ist da jemand?“ oder „Gib das Schiff nicht auf“ lauthals mitsingen konnten. Sammy wanderte umhangen von seiner Gitarre rastlos über die Bühne und jeder ist sich sicher, das hier war der erste, aber bestimmt nicht der letzte Auftritt dieser sympathischen Band auf dem Acker, der die Welt bedeutet.


Leider leider aber muss man hier von einer Fehlplanung reden, denn Universum 25 (bestehend aus Mitgliedern von Dritte Wahl, Slime, Eisbrecher, Fiddlers Green und In Extremo) dürften wohl für 95% der Broilers Fans interessant sein, bekamen so aber natürlich ihre Chance genommen, auch Leute zu erreichen, die sich bisher noch nicht mit dem Debüt Album beschäftigt hatten, denn sie spielten zeitgleich zu den Broilers. Dennoch fanden sich einige Fans vor der Bühne ein und genossen den ersten Auftritt dieser Band, die hoffentlich noch weitere Alben veröffentlichen wird. Fürs erste Mal war das Ganze auch gut, auch wenn Sänger Michael die Texte offensichtlich komplett ablesen musste (einzige Ausnahme die Refrains sowie das Cover „Der Traum ist aus“) und dabei zu offensichtlich versuchte, dies zu überspielen indem er stur seinen Arm als Abdeckung der Augen benutzte. Verständnis ist da, denn zeitgleich sind In Extremo immer noch mit der Burgentour unterwegs und zwei Sets mit viel Text, noch dazu sowas neues zu lernen wäre ultra schwer, aber genau deswegen hätte es ruhig ein wenig mehr Mut sein können, kurze Ansage und dazu stehen, dass halt einiges noch nicht sitzt und fertig. Störte aber nur marginal, deswegen bitte mehr von dieser Band und ein neuer Auftritt zu einer faireren Zeit.


Phil Campbell and the Bastard Sons beackerten danach die W.E.T. Stage, welche passenderweise gegenüber dem Mininachbau der Rainbow Bar lag, an dem dann noch einmal Mr. Kilmister zu Ehren ein Jacky-Cola getrunken werden konnte. Der Mix aus eigenen und Motörhead Coverstücken konnte die Anwesenden zwar beglücken, ist aber natürlich niemals Ersatz fürs Original sein.
Dafür kam die letzte Ehrung des verstorbenen Bassisten und Frontman beim Auftritt von Doro, die mit zahlreichen Gästen auf der Hauptbühne ihr rundes Bühnenjubiläum zelebrierte. Während Mickey Dee die Drums beackerte und Phil in die Saiten schlug, zeichneten 400 Drohnen ein Lemmy Ass welches sich zum Antlitz von Ian Frasier bildete und auf der Bühne „Ace Of Spades“ als Cover ertönte (zuvor gab es in gleicher Besetzung schon „Love Me Forever“). Früher im Set konnte noch Herr Belladonna (Anthrax) „Antisocial“ mit der Dame performen, während Hansi Kürsch bei „Rock Til Death“ davon überzeugte, dass er die wohl best passendste Stimme zu kraftvollem Heavy Metal besitzt. Die eigentliche Gastgeberin aber benahm sich fast wie immer auf der Bühne, irgendwie aber noch überschwänglicher als sonst und stöhnte ein ums andere Mal wie toll das alles sei, dass bei allem Spaß und Zuwendung ein paar Stirnrunzeln gepaart mit verhaltenem Lachen über die Gesichter der Zuschauer huschte.


Eine andere Grande Dame des Metal feierte hingegen ihren Abschied auf Raten, denn das letzte Open Air von Holy Moses stand an. Zunächst auf 16 Uhr auf der Louder angesetzt musste Frau Classen nun auf die W.E.T. ausweichen, zog dies aber zu später Stunde tapfer durch und begeisterte die Menge abwechselnd mit Power am Mikro (während den Liedern) oder fast schon etwas esoterischer Ausstrahlung (während den Ansagen). Nebenan verklungen zuvor noch die Töne von Pentagramm, bei der ein 69jähriger Bobby wie ein 89jähriger wirkte und man diesem Herrn nicht im Dunkeln begegnen möchte. Zum Glück war die Bühne in zartes Rosarot gehüllt.
Eine Frontfrau gab es aber am Mittwoch noch zusätzlich, Beyond The Black, mit Jennifer Haben im Gepäck durften die Main Stage bespaßen. Frau Haben zog sich mindestens vier Mal im Laufe des Sets um und fuchtelte zu Beginn mit zwei blauen Lichtschwertern rum und leider leider geht der Eindruck der gecasteten Band nie wirklich vorbei. Fans feierten, somit alles bestens und der Mittwoch konnte, trotz zeitlichem Durcheinander als erfolgreiche Eröffnung verbucht werden.

 

Donnerstag:

 

Beim internationalen Metal Battle konnten diesmal bedingt durch die allgemeine Lage nicht alle Bands antreten, die Veranstalter versprachen aber den 4 Bands, die es nicht auf die Bühne schafften, im nächsten Jahr einen regulären Slot zu bekommen. Feiner Zug, den Pokal 2023 konnten dieses Mal Phantom Excalvier aus Japan mit nach Hause nehmen.


Zu einer weiteren Überraschung luden Peavy und Rage ein, indem sie mit erst kürzlich veränderter Besetzung zwei kleine Konzerte gaben (eines im Presse Zelt und eines später am selben Tag im Landgasthof im Dorf). Warum die Band sich mit diesen kleinen Bühnen zufrieden gab bzw. diese Prestige Auftritte notwendig waren, sei dahin gestellt, die Leute feierten natürlich auch dies ab.
Offiziell durften ja Skyline, die ehemalige Band von Jensen, die Hauptbühne eröffnen, was dann dieses Jahr durch den Mittwoch hinfällig war. Leider aber verlor der Auftritt nicht nur dadurch an Bedeutung, sondern auch die Spielfreude, die Akzeptanz des Publikums und die Auswahl der Sänger konnte in der Vergangenheit viel besser umgesetzt werden. Wer da am zweiten Mikro teilweise growlte bleibt immer noch ein Rätsel und wo sich in der Vergangenheit auch schonmal Größen das Mikro überreichten, blieb dies von namenhaften Acts 2023 unbesetzt und die Auswahl der Coversongs hat ebenfalls leider nichts mehr mit versteckten Ankündigungen für das kommende Jahr zu tun. Das geht deutlich besser, wie die Vergangenheit zeigte.


Da räumten Dark Tranquility mit ihrer Spielfreude und positiven Ausstrahlung trotz Death Metal auf der Louder Stage schon deutlich mehr ab, während The Real McKenzies ihren Wacken Einstand mit Irish Folk auf der Wackinger Stage zelebrierten.
Nicht mehr ganz so taufrisch präsentierte sich die All-Girl-Band Vixen. Einige Fans dürften froh gewesen sein, einen Auftritt ihrer ehemaligen Heldinnen gesehen zu haben, verhaltene Reaktionen aber zeugten eher von der fragwürdigen Stimme von Lorraine. Viel viel besser gealtert sind da Uriah Heep, die als alte Männer immer noch genügend Bewegung auf die Bühne bringen, zumindest angemessen für ihren Hardrock, der mittlerweile 50 Jahre auf dem Buckel hat. Alte Männer waren somit auch im Publikum gerührt und sangen lauthals „Lady In Black“ mit, welcher endlich mal in einer normalen Version live dargeboten wurde. „Sing for me, ja genau“ formulierte ein freudiger Bernie. Status hin oder her, live sind Uriah Heep (mittlerweile?) den immer wieder zelebrierten Deep Purple deutlich überlegen.


Hammerfall haben zwar nie an Popularität eingebüßt, doch irgendwie schien in der Mitte der Karriere mal die Power weggefallen zu sein. Zumindest live, was sich aber bei den letzten Konzerten zum Glück voll ausgebessert hat und so auch in Wacken. Die Schweden, die seinerzeit ihr Auslandslivedebüt in Wacken ablieferten, gaben einen guten Querschnitt ihrer Alben zum besten und schafften es auch, in die überzähligen Midtempo Nummern genügend Dampf unterzubringen, sodass ein gelungener Auftritt attestiert werden konnte. Die Zeiten, in denen man sich über Oscars Outfit lustig machte sind zum Glück vorbei, allerdings ist der Mensch selbst dran Schuld, wenn er seinen Bizeps angespannt zeigen möchte und somit ein Witz dennoch auf seine Kosten geht.
Während Pennywise dafür sorgten, dass bei ihrem Old School Punk Old School Menschen zunächst einen kleinen Mosh und dann einen chaotischen Circle Pit vor der Louder starteten, durfte Mrs. Jutta Weinhod mit Velvet Viper auf der LGH Clubstage im Dorf zeigen, dass sie auch mit stolzen 75 Jahren noch fähig ist, eine Heavy Metal Band zu führen.


Die Ankündigung, dass endlich mal die Big 4 des Teutonic Thrash zusammen auftreten (nächstes Jahr in Gelsenkirchen, nach ein paar Tagen wie erwartet ausverkauft) dürfte bei Thrashern ähnlich für Verzückung gesorgt haben wie die angepasste Setlist Kreators gegenüber ihrer absolvierten Tour. Lag der Schwerpunkt da noch deutlich auf dem neuen Album „Hate über alles“, welcher als Titelsong auch hier für den Auftakt des Konzerts sorgte, so bezogen Mille und Co. hier deutlich mehr alte Klassiker ins Set. Ein stimmiges Bühnenbild, Lichteffekte und ein kurzes Auftreten des Bandmaskotchens inklusive Fackel reichten diesmal aus, um den rohen Thrash zu zelebrieren und nicht mehr übermäßige Knalleffekte und Luftschlangen zu versprühen.


Dafür gab es danach ein paar Bälle mit Kürbis Bemalung und somit war es Zeit für Helloween. Wie soll diese Band jemals eine Setlist richtig zusammenstellen? Die von Altfans verehrte Anfangsphase mit Kai am Mikro wurde durch ein Medley und „Heavy Metal (Is The Law“) gewürdigt, die Keeper Phase mit dem Titelsong und u.a.  in der zweiten Zugabe mit „I Want Out“, der neueste Streich mit dem Opener „Skyfall“ und „Best Time“ während die Kiske-lose Phase mit u.a. „Perfect Gentleman“ oder „Power“ gewürdigt wurde. Die allergrößten Hits wurden also doch irgendwie untergebracht, dafür stehen unzählige mehr oder weniger gleichgute Songs im Katalog der Band, die dadurch nicht zum Zuge kommen. Da mittlerweile aber auch jeder Helloween Fan die Gelegenheit gehabt haben dürfte, diese Besetzung mit diesen Hits zu sehen, wäre es für die nächste Tour mal an der Zeit, ein paar andere Hits auszugraben, sonst könnte sich hier langsam eine Übersättigung einstellen. Nicht jedoch an dem Abend und die gestern eingesetzten Drohnen konnten auch dort wieder ein paar hübsche Bilder präsentieren, natürlich neben anderem einen Kürbiskopf.


Amorphis zur gleichen Zeit auf der Louder schafften es nur bedingt, eine super Stimmung hinzubiegen. Der Sound schien zu dünn, die Spielfreude zwar vorhanden, aber gefühlt auch schonmal besser in vergangen Tagen und erst beim Doppelabschluss „House Of Sleep“ und „The Bee“ gingen die Fans richtig mit. Abbath hingegen auf der W:E:T ist halt kein Immortal und wer noch nicht erschöpft war, der konnte sich danach noch eine Dosis Metal Disco geben.

 

 

Freitag:

 

J.B.O. waren die ersten, die am Freitagmorgen riefen und das direkt zum Frühschoppen Konzert. Was an diesem jetzt anders sein soll als deren normale Festival Konzerte fragte man sich zwar, änderte aber nichts daran, dass der Platz vor der Louder gut gefüllt war und die Stimmung zu der frühen Uhrzeit (immerhin, 12 Uhr auf Wacken ist wie 7 Uhr morgens woanders) ebenfalls passend. Es folgte ein Querschnitt aus dem Repertoire, „Ein Fest“, „Schlumpfzoid im Stadtgebiet“ (stilecht mit Vadder Abraham), „Alles nur geklaut“ und der Eigenhit „Ein guter Tag zum Sterben“ mit blödsinnigem Dazwischengebabbel. Zum Schluss wurde es dann doch ganz kurz etwas ernster, die Strahler warfen nur noch blau gelbe Lichter und zum Aufruf für den Frieden gab es „Rockin In A Free World“.


Währenddessen hatten Kärbholz auf der Harder schon angefangen, etwas Deutsch-Metallisches ins Publikum zu werfen. Das kam zwar bei den Fans gut an, machte aber auch den Eindruck, als sei diese Platzierung auf der Hauptbühne etwas zu viel des Guten gewesen. Nichtsdestotrotz lieferten die Mannen um Sänger Torben gut ab. Und auch hier noch nicht ganz fertig, flatterte die Harpyie über die Wackinger und kam dort um einiges ruppiger rüber, als auf Platte. Steht ihr gut, genauso wie das Outfit inklusive weiß bemaltem Gesicht bei Sänger Aello.


Wie bei Helloween gabs bei Amaranthe gleich 3 Gesangsmikros, allerdings war eins davon weiblich besetzt und so war diese Abwechslung schon vorprogrammiert. Das durchgestylte Auftreten wohl ebenfalls, was der Stimmung keinen Abbruch tat, ähnlich wie der dreiste „We Will Rock You“-Beat-Klau bei „Archangel“. Egal, die Meute feierts und im Anschluss präsentierten sich Dust Bolt gegensätzlich nämlich als abwechslungsreichen, bodenständigen Thrash ohne Firlefanz aber mit viel headbanging on stage. Es scheint ja etwas in Mode zu sein, im Publikum zu stehen und einen Circle um sich zu kreisen, allerdings dürfte in diesem Jahr der Gewinner Lenny heißen, der mit Mikroständer und Gitarre und zwei Securitys in der wohl wirbelndsten Menge seinen Beitrag dazu leistete. Coole Nummer.


Auf dem RockHard Festival wurden Depressive Age noch oft als Überraschungssieger gekürt, aber man muss wahrscheinlich auch schon in Frühtagen Fan der Band gewesen sein, um den schrägen Gesang gut zu finden, der, wie berichtet wurde, live gerade noch schräger daher kam. Geschmacksache. Dafür ernteten Trivium auf der Faster eine verdiente, ausrastende Crowd, denn die Truppe um Herrn Heafy hat es geschafft, innerhalb eines Tages einen Ersatz für ihren erkrankten Bassisten Paolo zu bekommen. Was man der Show in keiner Weise anmerkte und so konnten bis zum Abschlusssong „In Waves“ die Meute ihren Gamerking abfeiern.


Twilight Force auf der Wackinger sorgten dann für Erstaunen. Mit Mänteln und teilweise mit Elfenohren beklebt, klebte der Sound noch mehr. Auf Platte irgendwie gut in Szene gesetzt und als Mischung von Rhapsody und Freedom Call gut verdaulich, war dies an dem Freitagnachmittag nur mit Unterzuckerung erträglich. Doch die Krönung kam schließlich noch: Santiano. Schon wieder ein Hauptslot und schon wieder auf der Hauptbühne. Meinetwegen kann Roberto Blanko bei Sodom, Heino bei Rammstein und Blümchen bei Lord Of the Lost als Gast aufspielen. Ist witzig, ist teilweise symphytisch und stört nicht. Aber eine Band wie Santiano, die einfach nix und gar nix mit Metal zu tun hat auf einen Hauptplatz einer der Hauptbühnen zu platzieren ist und bleibt scheiße, da gibt’s nix dran zu rütteln!
Dafür konnten dann die Donots entschädigen. Auf Scheibe etwas zahm war davon auf der Bühne nichts mehr zu spüren und Sänger Ingo machte den Eindruck, als ob er nicht wusste, wo er noch seine Energie unterbringen sollte, was schließlich darin gipfelte, dass er sich ins Publikum stürzte, ein Circle Pit um ihn herum entstand und er sich singenderweise zum Crowdsurfen begab. Das Cover von Twisted Sister und ein kurz angespieltes „Caught In A Mosh“ mit schön falsch schräger Textzeile und die Band dürfte ein paar neue Metal Fans bei ihrem Debüt auf dem Wacken dazu gewonnen haben. Verdientermaßen.


Und während vor der Louder noch gepogt wurde, konnte auf der Faster über die Spielfreudigkeit von Megadeth gejubelt und gestaunt werden. Wortkarg war Dave zwar immer noch (erste Ansage nach ca. 20 Minuten), allerdings sah man ihm die Freude richtig an und bei drei Songs in der Mitte bzw. am Ende bei „Holy Wars“ einen Herrn Friedmann als dritten Gitarristen auf der Bühne, das dürfte wohl für viele Fans ein Höhepunkt des Freitags gewesen sein.
Kontrastreich präsentierten sich Dog Eat Dog mit Saxophon und HipHop Rock Vermengung. Die Altfans mochten es, ob weitere Erfolge gefeiert werden können, mag bezweifelt werden.


Verhältnismäßig leer war des bei Deicide, entweder sind die großen Zeiten des Death Metal komplett vorbei oder das Wacken Publikum hat andere Prioritäten, was Glen und seine Leute nicht davon abhielt, ihren Satansbraten ins Publikum zu feuern. Irre Grimassen und irre Geschwindigkeiten überzeugten die eingefleischten Die Hard Anhänger und nach einer Stunde Spielzeit war die Band klitschnass, verabschiedete sich mit einem „Thank You Motherfucker“ und wurde dafür mit Sprechchören bedacht. Hier regierte nicht die Masse vor der Bühne, sondern dankbare Liebhaber dieses selten gehörten Death Metals.


Auf der anderen Seite erklärte eben die Harder, wo die ganzen Leute waren: Iron Maiden luden ein und es war mal wieder voll. Doch für einen nicht unerheblichen Teil sorgten Maiden diesmal auch für Unmut. Die Setlist hätte ja jedem bekannt sein dürfen und es ist auch bekannt, dass die Engländer für ein Festival keine Ausnahme machen. Dennoch fühlten sich einige um ihre Hits betrogen. Dabei sollte man dankbar sein, endlich auch mal andere Songs zu hören und da das letzte Album ebenfalls überzeugen konnte, kamen diese Songs auch super rüber. Aber auch das sahen einige als Anlass zum Nörgeln, auf Sparflamme sei die Band gewesen. Schätze eher, ein Großteil der Besucher nahm die langsameren und längeren Lieder einfach nur so war. Und der fehlende Livestream für die daheimgebliebenen? Ja, ein Ärgernis und hier hätten die Irons auch mal eine Ausnahme machen können. Was hat denn diese Band noch zu verlieren? Geld? Ansehen? Status? Irgendwann sollte man einsehen, dass einem dies keiner mehr nehmen kann und einfach mal mehr zurückgeben, als nötig wäre. Ansonsten aber ein guter Auftritt mit einer guten Setlist und endlich mal Songs, die man selten oder noch nie zuvor gehört hat.

 

Ville Valo, alias VV, zog dann die ehemaligen 90ies Goth-Herzschmerz-Fans vor die Louder, aber so richtig gesund wirkte dieser nicht. Klar wurde „Join Me“ gespielt, aber die richtigen Hits der Frühwerke seiner Band (z.B. „You’re Sweet 666“) blieben aus, genauso wie coole Ansagen oder eine Verabschiedung. Dafür ähnelt Herr Valo nicht mehr einem Teenieschwarm sondern zunehmend einem abgemagerten Junkie. Das war irgendwie nix, bzw. nicht so viel wie man gerne gehabt hätte.


Die Pfälzer Crematory sind zwar arg Geschmacksache, allerdings wirkt die Band sehr bodenständig und fannah, sodass Sänger Felix ohne Probleme das müde wirkende Volk zum Mitmachen mobilisieren und dementsprechend nach den Liedern bzw. dem Auftritt tosenden Applaus einfahren konnte. Nicht selbstverständlich um diese Uhrzeit nach diesen Tagen. Lord of the Lost battelten sich dann zum Abschluss noch mit Bloodbath auf verschiedenen Bühnen und dürften auch das unterschiedlichste Publikum begeistert haben. Während die einen stilecht mit Blümchen die Eurovision Kids und Neuzeit-Gother beglücken, durfte die Schwarzmetall Fraktion den technisch anspruchsvollen Death Metal der Allstars aus Schweden begutachten. Und bevor am nächsten Morgen durch einen Sintflutartigen Regenguss all der getrocknete Matsch wieder aufgeweicht wurde und zumindest auf dem Gelände zu den krassesten Verhältnissen der gesamten Woche wurde, konnten die Wackinger danach noch halbwegs trockenen Fußes zum Zelt zurück watscheln. 

 

Samstag

 

Nach kurzem Surfausflug auf Stahlplatten im Vorbeigehen an der W.E.T. Stage am frühesten Samstagmorgen fünf in weiß gehaltene Gestalten die über die Bühne huschten gesehen und die sich als Enemy Inside herausstellten. Sängerin Nastassja glich in ihrem Ganzkörper Stretch etwas einer früheren Britney Spears, die Musik wies zum Glück keine große Ähnlichkeit auf und im Gesamten zwar ein gewagtes Outfit, aber nicht ganz so schlimm wie Anzüge auf der Bühne. Dennoch gings weiter zu Masterplan, die auf der Harder versuchten, die Fans vor die Bühne zu bekommen. Was sich als nicht einfach herausstellte. Ungefähr 5 oder 6 Reihen konnten normal stehen, ansonsten gab es eine riesige Fläche, durch die entweder nur in Slo-Mo oder mit Hilfe Matsch-affiner Leute das Durchschreiten möglich war. Die Band versuchte, das Beste draus zu machen, die Setlist war weise mit Schwerpunkt auf die ersten beiden Alben gewählt, Drummer Kevin verdrosch sein Kit mit sichtlichem Spaß und beim Sound konnte man meinen, die Power Metaller wollten den Boden mit Druckwellen trocken föhnen. Das nennt man mal mit kickstart wach werden.


Ein wenig später kamen Angus McSix auf die Louder und, nun ja. Wer Klamauk mag und einfach nur spinnernd alten He-Man Zeiten hinterher trauert, der durfte seine Freude bei der Show ausleben, was da letztendlich live gespielt war, dürfte den meisten ähnlich wie bei Kiss egal gewesen sein. Wers mag wurde glücklich und um die (künstliche?) Kunstformel perfekt zu machen, angesagt beim Party Publikum sind ja auch Tekkno Beats mit „dömm-dö-dömm-dömm-dömm“ Gesängen und so gabs diese auch im letzten Song. Jo.
Die Ukrainer Jinjer sorgten in den Vorjahren zunächst mal durch die krasse Chamäleon Stimme von Frontfrau Tetjana für Aufsehen, dann kam der Krieg und ungewollt wurde noch mehr Rampenlicht auf die Band gestrahlt. Talentiert ist die Truppe sicherlich, ob die Erfolgskurve bei den teils doch arg sperrigen und verwurbelten Songstrukturen bleibt, wird die Zeit zeigen. Alestorm etwas später auf der Nebenbühne machten es ihrem Publikum auf jeden Fall einfacher und statt der obligatorischen Riesengummiente gab es diesmal einfach drei Riesengummienten auf der Bühne. Warum auch nicht, war ja Platz. Das Publikum erwies sich als singfreudig, wurde dankbar mit einem Mittelfinger und dem DuckTales Outro entlassen und Sänger Christopher suchte sich den Platz, dem ihm auf der Bühne genommen war, im Publikum und ging in Bühnenklamotten und bestens ausgelegten Turnschuhen einfach mal quer übers Gelände spazieren und ward noch am späten Nachmittag un(um)gezogen auf dem Gelände gesichtet.


Wenig später gaben Killswitch Engage von Anfang an Vollgas, das Publikum war ebenfalls direkt am Start, auch wenn die dichte Besiedlung wohl am ganzen Tag ausblieb (was wenig verwunderlich ist, bei den vorherrschenden Verhältnissen und nach gefühlt 300h Vollgas auf dem Acker Anm. der Red.). Am Schluss grüßte die Truppe noch die Dropkick Murphys und gen Himmel Dio und zockte „Holy Diver“. Ebenfalls soll ein schottischer Pirat mit unpassendem Schuhwerk im Publikum gesichtet worden sein.


Nestor muss man zu Gute halten, dass man ihnen zu jeder Zeit abkauft, mit Herzblut bei der Sache zu sein und zeigten sich auch in Ansprachen richtig sympathisch, allerdings spielt die Band eher lahmen 80iger Pop-Rock im Stile von Survivor oder Kansas. Fans dieser Art finden das bestimmt Klasse und freuen sich schon auf das Rock of Ages, jüngere eher auf Saltatio Mortis. Doch Alea sollte aufpassen. Falls der Sänger nichts eingeschmissen hatte, so könnte er Opfer übler Untersuchungen werden, denn sein Körper produziert anscheinend Speed, Kokain und irgendwelche Dopingmittel gleichzeitig. Was für eine Energie. Die Setlist bot nach dem eher modernen Start „Alive Now“ zwar auch einige Hits „Wo sind die Clowns“ oder „Dorn im Ohr“, ansonsten aber eher etwas mehr zum Thema Wickinger und Mittelalter angepasst und mit Peyton Parrish einen zeitweisen Gast am Mikro. Allerdings ist fraglich wie man „Große Träume“ einfach aus dem Set raushalten kann. Krasser Auftritt, aber dafür gibt’s Abzüge, Freunde!


Heaven Shall Burn zündeten nach einem kurzen Intro, bei dem sich Sänger Marcus etwas das Lachen verkneifen muss, direkt mal 324 Pyros und zockten sofort einen Kracher nach dem anderen: „Endzeit“, „Bring The War Home“ und „Protector“. Kein Wunder, dass das Publikum abging wie eine medizinische Kapsel für den Anus und zahlreiche Crowdsurfer am Start waren. Marcus bedankte sich eifrig und meinte: „es hört sich zwar komisch an, aber ja, wir sind ne Hobbyband und ihr habt uns von der kleinsten Bühne zur besten Zeit auf diese gebracht“. Die Band schaffte es, dass sich der erste große Circle Pit des Jahres um den Tower drehte und beendete mit "Valhalla" ihr Set, mit coolem Blind Guardian Outro, sprich, Hansi am Mikro vom Band.


Als Weidner, alias Der W 15 Minuten später als geplant die Bühne betrat, waren die Besucher anscheinend nicht mehr ganz so zurechnungsfähig. Da jeder von einer der Bühnen kam, die alle (mit Sicht von der Bühne aus) von links kamen, staute es sich dort und war bis nach hinten gefüllt, wobei die rechte Seite total ungenutzt blieb. Weidner kommentierte dies auch damit, dass man dorthin gehen könne, die P.A.s seien alle an, aber reagieren wollte keiner. Tat dem Konzert keinen Abbruch und wurde passenderweise mit dem geilen neuen Song „Der Berg bewegt sich nicht“ untermalt. Ansonsten spielte Der W gerade sein Jubiläumskonzert und Abschluss der Tour und hatte wahrscheinlich einen Mega Kontrast zu den Clubshows vor sich. Sein Sohn Elvis kam als Gastspieler genauso zu Zuge wie ein Megaphon als Strophenverstärker und so lieferte die Truppe ein solides Konzert ab, welches aber im Club bestimmt doppelt so viel Kraft ausstrahlte, wobei auch hier die Lautstärke an die Obergrenze gefahren wurde.


Auch Beartooth starteten mit 15 Minuten Verspätung (garantiert dem geschuldet, dass jeder die Chance hatte, den Promoters Farewell zu folgen, allerdings kann man dann auch demnächst die Zeiten direkt so legen…)  und gaben auf der größeren Fläche ebenfalls alles, um die müden Fans noch bei Laune zu halten. Caleb Shomo kam oberkörperfrei raus, drehte gleich am Rad, und trotz des einsetzenden Regens und relativ wenig Besuchern war die Stimmung super und bei Songs wie "In Between" oder "Body Bag" übernahm das Publikum oft den Gesang. Mit einem Bad in der Menge verabschiedete sich die Band und der Rest wartete auf die Absch(l)usstruppe. Wahnsinn wie viele Metalheads immer noch ausharrten, um die irischen Bostoner von Dropkick Murphys zu erleben, trotz einsetzendem Abschlussregen. Aber ja, wieso sollte es auch anders enden als es begonnen hatte und Sänger Ken, der den familienbedingt abwesenden Al immer noch souverän vertreten kann, bekam nach dem Intro sein Grinsen auch nicht mehr aus dem Gesicht. „Rose Tattoo“ und „Shipping Out To Boston“ bildeten ohne den eigentlich traditionell am Ende gespielten langsamen Song das Abschlussdoppel und das Feuerwerk hinter der Doppelhauptbühne zeigte: Das Wacken 2023 schließt seine Pforten, zumindest auf dem Infield denn irgendwo konnten ein paar ganz verkorkste Hirnwindungen noch den simplen Klängen von Igorrr lauschen.
Die Wacken Wickinger wurden entsprechend auch noch ausgetauscht, das Motto des nächsten Jahres ist „Witches & Warlocks“ und wurde fürs 33. Wacken mit 33 Bands angekündigt.

 

 

 

 

Fazit

 

Wacken ist immer anstrengend, in diesem Jahr aber enorm. Vom krassen Anreisestress, über verschlammte Wege bis hin zum normalen Übermüdungskater, Dauerbeschallung und Overload im Hirn durch permanente Eindrücke die vom Staunen über Kopfschütteln bis zum schallenden Gelächter reichen. Laut Behörden das friedlichste Wacken überhaupt, auch in Relation zur geringeren Besucherzahl gesehen. Das befürchtete Abreisechaos blieb aus und Wacken 2024 war in 4,5h nach offiziellem Vorverkaufsstart ausverkauft. Es war, ist und bleibt DAS Hilight des Jahres und Holger und Thomas behielten Recht, dieses Wacken geht definitiv in die Geschichte ein.
Schade, dass J.B.O. Recht haben und Wacken tatsächlich nur einmal im Jahr ist, andererseits: wer würde zweimal im Jahr Wacken verkraften? Danke Holger Hübner, danke Thomas Jensen, danke den Behörden, danke an die 18.000 Mitarbeiter, danke an die ganzen Bands und deren Crew und danke an die tausenden Metal Fans die den Norden abgefeiert haben und die solidarisch dieses Jahr verzichteten! Ihr habt es möglich gemacht, dass die beste Party der Erde 2023 stattgefunden hat! See you in Wacken 2024, rain or SHINE, faster, harder, louder.

 

Text: Röbin

Zuarbeitung: Kati, Jogi, Wessi

Pics: Röbin, Kati, Jogi, Wessi

 

(Röbin)

 

www.wacken.com

 

 


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