Lost Society – Hell Is A State Of Mind
(Nuclear Blast)
„Do you all remember Lost Society? You won’t believe how they look today!“ Mit einem solchen Clickbait-Satz ließe sich das neue Album der Finnen wohl treffend einleiten. Spielten Samy Elbanna und Co. auf ihren ersten drei Alben noch Retro-Thrash, ist das Quartett mittlerweile im Modern Metal angekommen.
Dabei vermischen LOST SOCIETY Elemente von Knocked Loose, Avenged Sevenfold und Falling In Reverse zu einem ungenießbaren Getränk. Optisch macht dieser Drink zwar einiges her und wird auch ansprechend serviert — entscheidend ist jedoch der Geschmack. Und der ist widerlich. "Afterlife" weiß bereits nicht, ob es in Richtung Rap Metal oder opulenten Stadion-Sound abbiegen will. Der Bogen hierzu wird später mit dem abschließenden Titeltrack geschlossen, der als Quasi-Schwesterstück auf ähnliche Elemente setzt und ebenso ziellos wirkt.
Im Schlussteil von "Synthetic" oder im Mittelteil von "L’Appel Du Vide" deutet sich immerhin an, dass hinter all den EDM-Beats und Effekten eine wirklich gute Metalband steckt. Die breit angelegten Halbballaden "Is This What You Wanted" und "No Longer Human" passen dabei ebenso ins Bild wie das tanzbare, White-Zombie-artig stampfende "Dead People Scare Me (But The Living Make Me Sick)".
Über die Edgelord-Texte des Albums hüllen wir besser den Mantel des Schweigens.
Waren LOST SOCIETY schon auf "No Absolution" (2020) und "If The Sky Came Down" (2022) in Groove- und Nu-Metal-Gefilden unterwegs, haben sie die Schraube auf "Hell Is A State Of Mind" deutlich überdreht. Zu viele Versatzstücke, die zwar den Zeitgeist aufgreifen, ihn aber nicht wirklich verstehen, führen zu einem Album, das eher ratlos zurücklässt. Um es hart zu sagen: Stilbewusstsein lässt sich nicht kaufen.
Am Ende einer solchen Besprechung kommt man sich als Rezensent immer etwas zwiegespalten vor. Man möchte das Album ehrlich einordnen, ohne der Band Unrecht zu tun. Es ist hörbar, dass hier mit Leidenschaft gearbeitet wurde, dass ein Gespür für Songwriting und enormes instrumentales Können vorhanden ist. Doch das Endprodukt bleibt unterm Strich unerquicklich. Bleibt zu hoffen, dass sich LOST SOCIETY entweder konsolidieren und auf weniger Stilmittel fokussieren — oder dass es da draußen eine Zielgruppe für genau diese Art von Musik gibt. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu.
(Manuel)
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