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Rock Hard Festival 2012

ROCK HARD FESTIVAL – 25. bis 27. Mai 2012

Amphitheater/Gelsenkirchen

 

Alpha TigerBolt ThrowerGirlschool

 

Auch zum 10-jährigen Open Air war das Rock Hard Festival wieder eine rundum gelungene Veranstaltung mit bestem Wetter, bestens gelaunten Fans und natürlich jeder Menge fetter Musik. Wir haben für euch unsere persönlichen Highlights raus gepickt:

 

Freitag, den 25.05.2012

 

JEX THOTH

Ich war gespannt, wie sich der richtig gute 70er Jahre Doom der Amerikaner um Frontfrau Jex Thoth an einem sonnigen Mittag gestalten würde. Die Songs kamen eigentlich gut rüber, aber da die Band nicht sonderlich beweglich war (nun ja, bei Doom keine Überraschung), konnte man bei den Festivalbesuchern, die die Musik noch nicht kannten, wohl kaum punkten. Folglich war die Resonanz dann auch nicht sonderlich toll. Unsicher war ich mir, ob die hübsche, vielleicht etwas zu natürliche Jex nun mit ihrem Umhang und ihren etwas extravaganten, 60er-Jahre-SloMo-Beatclub-Bewegungen eher interessant, sexy oder völlig schräg rüber kommt… Mir hat’s gefallen, hat aber polarisiert. (ST)

 

RAM

Die schwedischen Ram stehen für klassischen Heavy Metal der guten, alten Priest-Schule ohne Schnörkel. Bei allen Extremen und Stilrichtungen, die das Rock Hard Festival so auslotet und die es auch so überraschend und spannend machen, ist es anderseits auch schön, dass auch ein paar Bands dabei sind, gegen die niemand musikalisch etwas haben kann. Der Set war insgesamt gut, auch wenn mir die Jungs auf dem KIT auch schon besser gefallen haben. (ST)

 

KRISIUN

Das infernalistische Brüder-Trio von KRISIUN ist am Start. Old School Death Metal ohne Kompromisse und geballter Präzision abgefeuert, bilden sich im Verlaufe des Gigs die ersten Moshpits des Festivals und der eine oder andere dürfte nach der Show erstmals über massive Nackenschmerzen geklagt haben. Brasilien hat ja mittlerweile eine ganze Latte an guten Bands im extremen Bereich zu bieten, aber die „Kings Of Killing“ von KRISIUN bilden hier immer noch die Speerspitze. (HH)

 

TURBONEGRO

It's Party Time! Erstmals durfte sich der Neue hinterm Mikro, Duke Of Nothing, einem großen Publikum in Deutschland präsentieren, wobei er und seine Mannen von Minute eins an abgingen, wie die sprichwörtliche Rakete. Ob „All My Friends Are Dead“ oder „I Got Erection“ - die Meute im Amphitheater gab sich textsicher und lautstark. Selbst die sechs neuen Songs des mittlerweile veröffentlichten „Sexual Harassment“-Albums fanden wohlwollenden Anklang. Thumbs up! (HH)

 

 

Samstag, den 26.05.2012

 

PORTRAIT

Die Jungs sind große Mercyful Fate Fans - und das hört man nicht nur auf aus der Konserve, sondern das merkt man auch an der Bühnenpräsenz vom zurückgekehrten Sänger Per Karlsson an: Natürlich mit verdrehtem Kreuz um den Hals und mit weißer Schminke im Gesicht. Da man das Original um King Diamond ja seit Jahren nicht mehr sehen konnte, ist die Band eine gute Überbrückung, bis Mercyful Fate endlich mal selbst das Amphitheater in Beschlag nimmt. Die Songs sind eh gut (die letzte Scheibe war ein paar Wochen in meiner „Heavy Rotation“ in der Familienkutsche), und die Jungs haben einen guten Gig abgeliefert. Insbesondere Per kam schön charismatisch rüber. Da die Bandmitglieder noch recht jung sind, werden die sich noch richtig gut entwickeln, wenn sie es noch eine Weile miteinander aushalten. (ST)

 

UNLEASHED

Unleashed mit „Where No Live Dwells“ war zu Beginn der 90er nach Entombed die zweite schwedische Sunlight-Death-Metal Band, die ich gehört hatte. Das war noch lange bevor dieser Sound zum Trend wurde und er irgendwann nur noch langweilig war. Hm, „Left Hand Path“ könnte ich mir auch mal wieder einlegen, hehe. Bei diesem Gesülze hier merke ich gerade, dass ich mittlerweile schon verdammt alt geworden bin. Warum sonst sollte ich wie ein Opa die „früher war alles besser“ Leier anstimmen und auch genauso abschweifen? Aber wer hier mitliest, ist ja selbst schuld. Also zurück zum Festival: Nun, schön sind Unleashed nicht. Da musste man sich noch auf Tankard gedulden. Aber gute Riffs kriegen die Jungs allemal hin. Am lautesten wurde von den Fans wohl der deutsche Refrain zu „Wir kapitulieren niemals!“ mitgegrölt. Aber ganz ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. (ST)

 

TANKARD

Nun folgte das dreckige Dutzend, denn TANKARD hauten gleich 12 oftmals alkoholgetränkte Songs in das begeisterte Rund. Von „Zombie Attack“ über „Morning After“ bis zu „Rectifier“ waren jede Menge Classics (or soon to be classics) vertreten ehe das kongeniale Bier-Triple am Ende mit „Freibier“, „Die With A Beer In Your Hand“ und selbstredend „Empty Tankard“ aus tausenden von durstigen Kehlen erschallte. Wieder mal ein extrem kurzweiliger Auftritt zu dem auch „der Bomber“ vom „King Of Beers“-Cover und eine hübsche Tanzmaus ihren Beitrag leisten durften. (HH)

 

PSYCHOTIC WALTZ

Wie würden sich Psychotic Waltz zwischen Tankard und Bolt Thrower schlagen? Wie funktioniert der geniale Prog-Metal denn am Tag? Diese offensichtlichen, brennenden Fragen waren mir völlig scheißegal, denn ich habe Waltz bisher immer in Topform und immer magisch erlebt. Nach dem schönen langen KIT-Gig hatte ich gar keine Bedenken, dass ich nicht begeistert sein könnte. Die Jungs um Devin Graves (the artist formerly known as Buddy Lackey) sind auch ausgesprochen sympathisch. Devon selbst mischt sich ja gerne bei Konzerten unter die Besucher – und das hat er diesmal wieder auch stundenlang gemacht. Fannähe nennt man das. Musikalisch war das Ganze wie gehabt erste Sahne. Insbesondere wenn das Material den Konzertbesuchern nicht so bekannt ist, ist „I Remember“ mit dem Querflötenspiel der Song, der die Leute am meisten in ihren Bann zieht. Aber auch sonst fand ich die Songs mit den charismatischen Gebärden von Devon wie gehabt genial. Vermisst habe ich „And The Devil Cried“ – aber bei der Spielzeit muss es ja Abstriche geben. Weil das Totentanz ja vielleicht ein Rest Objektivität behalten möchte, muss ich zugeben, dass Waltz auch nach der über 10jährigen Auszeit nicht alle gleichermaßen ansprechen kann. (ST)

 

Turbonegro UnisonicWasp

 

BOLT THROWER

Bolt Thrower als Headliner beim Rock Hard Festival sind ja eine sichere Nummer. Vor einigen Jahren haben die Briten ja schon mal richtig abgeräumt. Habe ich mir sagen lassen, denn meine Erinnerungen an diesen Abend sind reichlich getrübt… Egal. Es gibt nur wenige Death Metal Bands, die einer solchen Position im Billing gerecht werden können. Neben der Musik sind auch Bolt Thrower sehr sympathisch und Fan-nah, wie zum Beispiel das sehr preiswerte Merchandise zeigt. Der Groove der Kriegsmaschinerie erschütterte also das Amphitheater und fast alle feierten mit. Richtig gut. Trotzdem hatte ich gedacht, dass die Reaktionen noch etwas enthusiastischer ausfallen würden. Vielleicht waren aber die meisten nach dem Feiern von zwei verdammt heißen Tagen auch einfach etwas platt. (ST)

 

Sonntag, den 27.05.2012

 

ALPHA TIGER

Das Outfit der Jungs im gelb-schwarzen Biene-Maja-Outfit (vielleicht standen auch Stryper Pate?) war schon mal gewagt – schließlich passen diese Farben ja doch eher nach Dortmund als in’s blaue Gelsenkirchen. Auf ihrem Debüt „Man Or Machine“ lieferten die Jungs eher eine Mucke ab, aus der man die Einflüsse der goldenen 80er von Queensryche, Crimson Glory oder die erste Lethal heraushören kann. Insgesamt besitzen die Jungs (noch?) nicht der Klasse der genannten Bands, aber die Ansätze sind da. Als erste Band am Sonntagmittag hat man es eigentlich recht schwer – aber es waren schon recht viele Fans wieder da und die Resonanz war auch viel besser als man es erwarten konnte. Insgesamt hatte die Band viel Spaß auf der Bühne und macht einen guten, unterhaltenden Eindruck. Dabei haben natürlich auch die Songs geholfen, die Live auch gut hängen bleiben. Daumen hoch – bin für die Zukunft sehr gespannt, ob die Jungs mehr amerikanische Coolness und amerikanische Arroganz in ihre kommenden Scheiben packen können. Das braucht es noch, um ganz großen US-Prog-Metal zu machen. (ST)

 

'77

Was hat man denen denn in den Kaffee getan? AC/DC waren früher beileibe keine statisch agierenden Musiker und auch Airbourne geben grundsätzlich Gas. Die Spanier von '77 rennen sich bei ihrer frühmorgendlichen Show vor Enthusiasmus fast gegenseitig über den Haufen und selbst hinter dem Drumkit wurde einem Animal aus der Muppet-Show alle Ehre gemacht. Klar – die Musik ist 100%ig bluesgetränkter Rock'n'Roll wie ihn AC/DC zu Bon Scott-Zeiten feinstens zelebriert haben und damit nicht unbedingt mit Originalität überschüttet, aber die Frische mit der diese Band zu Werke geht, ist schon beachtlich … für meinen verkaterten Kopf fast schon zuviel des Guten! (HH)

 

GRAVEYARD

Graveyard war meiner Meinung nach die beste Band auf dem Rock Hard Festival 2012. Punkt. Einfach nur geil, wie lässig die Schweden sich durch ihren 70er Psychedelic Hard Rock um den „Hisingen Blues“ gewirbelt haben. Die ultimative Lässigkeit, Groove ohne Ende – diese Musik kam aus dem Bauch und ging direkt in’s Blut. Besonders Schlagzeuger Axel Sjöberg hatte neben dem Dauergroove auf seinem minimalistischem Kit auch ein Dauergrinsen. Ich denke, dass man die Band so früh nicht mehr auf einem Festival sehen wird, denn die gehen steil ihren Weg weiter nach oben. Sonst kapier ich die Welt nicht mehr. Wer immer noch nicht reingehört hat, sollte das schleunigst mal tun. (ST)

 

GIRLSCHOOL

Die britischen Rock-Ladies Girlschool sind hoch sympathisch: Man merkt, dass die Damen nach wie vor ihren Spaß auf der Bühne haben. Und natürlich kennt weiß man ob der Exzesse, welche die Band in den 80ern auf Tourneen z.B. mit Motörhead miterlebt hat. Oder im Rock Café in Niedernberg. Also Street-Credibilty ohne Ende. Die Songs finde ich recht gut, bin aber zu spät dazu gekommen, um den Kult in den 80ern miterlebt zu haben. Live funktioniert es dann auch, weil man den Spaß auf der Bühne spürt. Solide Unterhaltung. (ST)

 

UNISONIC

Nach dem durchweg mit guten Kritiken überschütteten Debüt durften UNISONIC nun ihre Live-Qualitäten unter Beweis stellen, wobei natürlich das ehemalige Helloween-Gespann Kai Hansen/Michael Kiske im Blickpunkt stand. Mit „Unisonic“ gelang dann auch ein Einstieg nach Maß, der mit „Never Too Late“ fort gesetzt wurde. Wer sich noch nicht mit dem Debüt beschäftigt hatte, zeigte sich stellenweise jedoch überrascht über die doch recht softe Ausrichtung der Songs. Aber dafür durfte man sich bereits im Vorfeld auf die angekündigten Helloween-Classics freuen und bei Song Numero 6 war es dann mit „March Of Time“ erstmals soweit. Michael Kiske hat stimmlich nach wie vor alle Trümpfe in der Hand. Trotzdem wurde man das Gefühl nicht los, dass er sich auf der Bühne nicht unbedingt pudelwohl fühlt, denn dafür schlackste das Goldkehlchen des öfteren doch zu unmotiviert über die Bretter. Nach der letzten Nummer des offiziellen Sets (der leider auch ein völlig überflüssiges Gitarrensolo der Herren Hansen/Meyer beinhaltete) standen dann die Kürbiskopf-Zugaben „Future World“ und „I Want Out“ auf dem Programm, welche lautstark im Rund des Amphitheaters mitgesungen wurden. Somit blieb ein gelungener Auftritt, der aber in Sachen Spielfreude noch Luft nach oben ließ. (HH)

 

PortraitPsychotic WaltzTankard

 

WASP

Während den letzten Tourneen glänzte Blackie Lawless mit seinen Mannen meist nur eine Stunde lang und presste einige Klassiker in Medleys, statt die volle Breitseite abzufeuern. Anders am heutigen Abend: Ein Klassiker jagte den anderen, von denen „On Your Knees“ den Anfang bildete. Es folgten unter anderem „L.O.V.E. Machine“, „Wild Child“, „Hellion“ und „I Wanna Be Somebody“. Letzterem ging die Übergabe der Gitarren an die Gewinner der Verlosung voraus, bei der sich Blackie allerdings zu schade war, sie selbst vorzunehmen. Götz übernahm selbiges und wurde anschließend von Herrn Lawless etwas harsch mit „You can leave now“ von der Bühne verscheucht. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, denn man feierte WASP nach allen Regeln der Kunst (und völlig zu Recht) ab. Krönender Abschluss eines mal wieder rundum gelungenen Festivals. (HH)

 

Text: Hansy (HH) und Sascha (ST), Fotos: Sascha.


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