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Ragnarök Festival 2013

Ragnarök Festival 2013

5./6.4.13 - Lichtenfels, Stadthalle

 

images/live-pic/2013_05/Ragnaroek-Titelfoto.JPGTraditionell hält der April mit Keep It True und Doom Shall Rise zwei Pflichtveranstaltungen bereit, von welchen mindestens eine mit dem Ragnarök kollidiert. Jedenfalls hatte ich seit 2007 nicht mehr die Gelegenheit gehabt, das Festival zu besuchen, doch heuer klappte es endlich mal wieder. Also auf nach Lichtenfels ins Treiben der Neowikinger. Nach sechs Jahren fällt auf, daß das Festival ein ganzes Stück gewachsen ist, wenngleich der Veranstaltungsort geblieben ist. Zwei Bühnen mit abwechselndem Programm bieten eine nahezu unablässige Musikkulisse, verschnaufen kann man da kaum mal. Da die Temperaturen noch reichlich winterlich waren, befand sich die Fanmeute auch meist kollektiv in der Halle, aber schließlich gab es auch viele gute Bands zu sehen und zu hören.

Kritisieren muß ich jedoch, daß man trotz Fotopasses nicht in den Graben gelassen wurde, wenn man lediglich mit einer kleinen Digicam anrückte. Da ich ausschließlich mit einer solchen fotografiere und damit auch ordentliche Bilder zustandebringe, erschloß sich mir der Sinn dieser Maßnahme nicht. Somit war es kaum möglich, gute Fotos von den Bands zu bekommen, wenn man sich nicht immer bis in die erste Reihe vorkämpfte. Zum Glück war Kollege Phil Keller von Undergrounded so freundlich, mir in dieser Hinsicht mit Bildmaterial auszuhelfen – danke!

 

 

 

Freitag, 5.4.13

 

Abinchovaimages/live-pic/2013_05/Abinchova.JPG

 

Los ging’s am ersten Tag mit Abinchova, einer mir bislang unbekannten Folk Metal-Band aus der Schweiz. Es muß ja nicht immer Eluveitie sein, andere Eidgenossen können das nämlich eine ganze Ecke besser. Abinchova war jedenfalls nicht die schlechteste Festivaleröffnung, jedenfalls legten sie schon eine recht engagierte Show hin und konnten das Publikum gut aufwärmen. Auch mir gefiel die Musik ganz gut, auch wenn sie mich nicht umblies. Aber wer will schon zu Beginn den Höhepunkt des Festivals hören? War beileibe nicht verkehrt.

 

 

images/live-pic/2013_05/Nothgard.jpgNothgard

 

Angestachelt durch einige Runden Nothgard im Auto war ich dann doch einigermaßen neugierig, wie sich die fränkischen Jungspunde live machen würden. Die Kreuzung aus Meodic Death und Pagan Metal klang jedenfalls recht interessant, die Besetzung mit drei Gitarren opulent. Allerdings lag es wohl nicht nur daran, daß der Soundmann erhebliche Probleme hatte, aus Nothgard einen guten Sound herauszulocken. Die vielen Gitarrendetails gingen jedenfalls souverän im Soundmatsch unter, was die Band aber nicht daran hinderte, eine powervolle Metalperformance auf die Bretter zu bringen. Das Publikum honorierte selbige mit angemessenem Jubel.

 

 

Hellrideimages/live-pic/2013_05/Hellride.JPG

 

Exotisch im Billing dann Hellride, die mit Metal auch im weitesten Sinn nichts zu tun hatten. Zwei Akustikgitarren und Gesang, das geht als Folk durch, soweit so gut, aber das staubige Wüstenflair paßte überhaupt nicht zum Ragnarök. Während ich mich um ein paar Fotos bemühte, wurde eine Nummer von System Of A Down angestimmt – nein danke, gleich wieder raus an die frische Luft.

 

 

images/live-pic/2013_05/Winterstorm.JPGWinterstorm

 

Auch Power Metal darf sich beim Ragnarök mal präsentieren, zumindest wenn wie im Falle Winterstorms noch deutliche Folkeinflüsse im Boot sind. Auf CD finde ich die Truppe ja nur mäßig begeisternd, wie verhielt es sich nun live? Nicht viel besser. Die kompositorischen Schwächen wurden ohne die opulenten Chöre noch deutlicher, und auch wenn die Band sich redlich Mühe gab, eine ansprechende Show auf die Bühne zu bringen, war das Ergebnis insgesamt zu harmlos, zu zahm und damit zu uninteressant. Hier präsentierte sich eine Provinzkapelle, welche zwar die Kumpels auf dem Dorf begeistern kann, in der weiten Welt aber bestenfalls belächelt wird. Ob der beste Song des letzten Albums, das wirklich gelungene „Dragonriders“, am Ende noch gespielt wurde, habe ich nicht mehr mitbekommen.

 

 

Der Weg Einer Freiheitimages/live-pic/2013_05/DerWegEinerFreiheit.jpg

 

Ava Inferi wären wohl interessant gewesen, aber ich brauchte mal eine Pause. Zu den kontroversen Humanismus-Black Metallern war ich aber wieder am Start, klar doch. Auch wenn der Sänger mittlerweile ausgestiegen ist und Nikita neben der Gitarre auch noch diese Aufgabe übernommen hat, kann ein Auftritt dieser Band immer noch überzeugen. Der Weg Einer Freiheit prügelten sich gewohnt brachial und doch atmosphärisch durch ihre Stücke, vom Opener „Ewigkeit“ über „Lichtmensch“, „Nachtsam“, „Der stille Fluss“ und „Zerfall“ bis zum abschließenden „Neubeginn“ war eine Dreiviertelstunde Black Metal der gehobenen Klasse angesagt. Auch wenn die Trveness-Gemeinde sie verachtet, für mich bleiben Der Weg Einer Freiheit eine der derzeit interessantesten Bands ihrer Sparte. Bleibt abzuwarten, ob das mit der Gesang/Gitarre-Doppelbelastung eine Dauerlösung ist, aber warum nicht; überzeugen konnten sie wie eh und je.

 

 

images/live-pic/2013_05/Fjoergyn.JPGFjoergyn

 

Mein persönliches Highlight des ersten Tages stand natürlich schon vorher fest. Auch wenn Fjoergyn nicht unbedingt die Definition einer Liveband sind – meine bisher erlebten Auftritte ihrerseits hatten alle ihren gehobenen Reiz, und die Musik ist schließlich sowieso über jeden Zweifel erhaben. Ich hätte für den Auftritt nichts gegen eine komplette Darbietung des letzten Geniealbums „Jahreszeiten“ gehabt, aber natürlich wollten Fjoergyn auch das neue Album „Monument Ende“ vorstellen und ein paar ältere Sachen spielen. Was gab es also zu hören? „Betonlethargie“, „Monument Ende“, „Am Ende der Welt“, „Narziss(t)“, der Rest ist mir nicht mehr im Gedächtnis. Daß ich eine Dreiviertelstunde trotz bescheidenen Sounds in anderen Sphären schwebte und mich willig von den Klängen dieser Ausnahmeformation durch das Universum tragen ließ hingegen schon. Ebenso daß Veranstalter Ivo Raab bei zwei Songs das Mikro ergreifen durfte und von Chef Stephan L. den Gesang überlassen bekam. Hat Ivo sichtlich genossen, aber wie könnte man von Fjoergyn auch in irgendeiner Form enttäuscht sein? Großartig!

 

 

 

Agrypnieimages/live-pic/2013_05/Agrypnie.jpg

 

Da konnten auch Agrypnie nicht mithalten, trotz unbestrittener musikalischer Qualitäten und eines sehenswerten Auftritts. Mit „Der tote Trakt“ stiegen die südhessischen Avantgarde Black Metaller ein, man präsentierte sich gut eingespielt und atmosphärisch dicht. Frontmann Torsten konnte zusätzlich punkten, indem er wie üblich auf große Posen und pseudoböse Ansagen verzichtete, stattdessen salopp und natürlich mit den Fans kommunizierte. Nach „Kadavergehorsam“, „Trümmer“, „Schlaf“ und „Gnosis“ war schon beinahe Schluß, lediglich für eine verkürzte Version von „Asche“ war noch Zeit. Ich hätte mir auch gerne noch mehr Agrypnie gegeben, aber das holen wir dann beim nächsten Mal nach.

 

 

Dornenreich

 

Und dann Dornenreich…die touren mittlerweile so viel wie Cannibal Corpse oder Motörhead, oder? Jedenfalls scheine ich ihren Namen dauernd auf allen möglichen Billings zu lesen, aber man muß ja auch schauen, daß man überlebt. Und natürlich sind sie eine hochwertige Band, aber der zigste Dornenreich-Auftritt begeistert mich langsam auch nicht mehr. Wobei man ihnen nichts vorwerfen kann, denn ihre musikalische Kunst ist unbestritten. Vom Opener „Der wunde Trieb“ über „Flammenmensch“, „Jagd“, „In allem Weben“, „Erst deine Träne löscht den Brand“ und noch einige weitere Songs bis zum finalen „Wer hat Angst vor Einsamkeit?“ war es eine runde Sache, an der niemand etwas aussetzen konnte. Eigenwilliger Black/Dark Metal der anderen Art, wie er sein sollte. Nach den begeisternden Darbietungen Fjoergyns und Agrypnies war ich aber wohl nicht mehr so recht aufnahmefähig.

 

 

images/live-pic/2013_05/Shining.jpgShining

 

Die mittlerweile vollkommen überflüssigen Eluveitie ließ ich natürlich aus, aber Shining sollten schon noch sein. Die Schweden sind ja für kontroverse Liveshows bekannt, doch das dritte Album der Band war bislang mein einziger Berührungspunkt mit ihnen. Dementsprechend gespannt war ich, als es mit leichter Verzögerung losging. Die Truppe spielte kompetent auf, aber Niklas Kvarforth war natürlich Mittelpunkt des Geschehens. Rasierklingen warf er keine ins Publikum, dafür gab’s zur Begrüßung ein herzliches „Fuck you Germany“ sowie einige weitere Pöbeleien, dazu Gerotze in den Fotograben, nicht genug damit: Kvarforth steckte sich noch den Finger in den Hals und nötigte die Fotografen dazu, in Panik Reißaus zu nehmen, um nicht das Abendessen des Sangesmeisters abzubekommen. Daß irgendein dickbäuchiger Typ besoffen über die Bühne torkelte, sich einen kleinen Bärentanz mit dem Frontmann lieferte und schließlich von der Security entfernt wurde, paßte da irgendwie gut ins Bild. Musikalisch war es in erster Linie merkwürdig und weit von dem entfernt, wie ich Shining kenne, aber da bin ich dann wohl auch nicht kompetent. Ich fand die Show jedenfalls erfrischend und im positiven Sinne unberechenbar. Während zuvor Eluveitie mit einstudierten Ansagen und Bewegungsabläufen einen Reißbrettauftritt aus der Nuclear Blast-Retorte zeigten, waren Shining die bedrohliche und rock’n’rollige Alternative. Hatte was, asozial und übellaunig…cooles Ende eines ersten Festivaltages, denn bis Heretoir hielten wir nicht mehr durch.

 

 

Samstag, 6.4.13

 

Northlandimages/live-pic/2013_05/Northland.JPG

 

Zu den beiden ersten Bands haben wir es nicht geschafft; als wir pünktlich zu Northland eintrafen, war aber schon gut was los in der Halle. Northland? Der Name ist wohl nur aus andalusischer Sicht passend, stammt die Band doch aus Katalonien. Und sorgte gleich mal für freudige Reaktionen des Publikums, denn der Folk/Pagan Metal klang sehr ansprechend, wenn auch nicht originell. Ein Song erinnerte an Ensiferum, einer an Equilibrium, ein anderer leider an die unsäglichen Finntroll…aber insgesamt war das alles wirklich kompetent zusammengeklaut. Das halbe Dutzend Stücke („Northland“, „Whispers in the wind“, „Where the heroes die“, „The old town’s inn“, “Immortal forest song” und “Revenge”) war ein sehr angenehmer musikalischer Einstieg in den Tag, Originalität ist ja auch nicht immer wichtig. Northland können gerne wiederkommen.

 

 

images/live-pic/2013_05/Midnattsol.JPGMidnattsol

 

Das norwegisch-deutsche Team hatte dann die Aufgabe, den Gothic Metal auf dem Ragnarök zu vertreten. Daß Sängerin Carmen Espenaes die Schwester der ungleich bekannteren Liv Kristine ist, ist optisch wie stimmlich unverkennbar, musikalisch geht es bei Midnattsol ein wenig folkiger zu als bei Leaves‘ Eyes. Und auch besser, wenngleich ich dem heutigen Auftritt nicht so viel abgewinnen konnte wie meinem ersten Midnattsol-Liveerlebnis vor einigen Jahren beim WGT. Ob das an den etwas schwächeren neuen Stücken lag, weiß ich nicht; die Band spielte jedenfalls engagiert auf, zeigte eine gute Performance, Frau Espenaes war auch sauber bei Stimme. Beim Publikum kamen Midnattsol gut an, für mich waren sie heute allerdings nur eine weitere mehrerer solider Bands, der echte Funke fehlte.

 

 

Under That Spellimages/live-pic/2013_05/UnderThatSpell.JPG

 

Vom polierten Gothic Metal zum rohen, ungehobelten Black Metal. Auch wenn Under That Spell auf Corpsepaint verzichten, war ihr Gig doch eine Hommage an alte Zeiten, als man nach der Probe noch gemeinschaftlich zur Kirchenbrandstiftung schritt. Rauh und ungeschliffen, eiskalt und haßerfüllt, so muß es sein. Nicht umsonst trug das erste Stück den Namen „I set the fire“, des weiteren gab es „Zenith“, „Abyss“, „Black“, „Their last creation“ und „I am the prophet“ zu hören. Blastbeats, Gekreisch, fieses Riffing; hier kam die Traditionsfraktion voll auf ihre Kosten. Es mag erstaunlich anmuten, in wieviele Unterstilarten der Black Metal sich mittlerweile aufgespalten hat, aber es ist gut, daß es auch nach wie vor Bewahrer der unvermischten Lehre wie Under That Spell gibt, der Gig war absolut überzeugend.

 

 

images/live-pic/2013_05/InVain.JPGIn Vain

 

Die folgenden In Vain waren mir gänzlich unbekannt, doch bereits beim ersten Stück wurde klar, daß man sich diesen Auftritt anschauen sollte. Einfach zu definieren war die Musik nicht – ein eigenwilliger Mix aus Death, Doom, Pagan und naja, nennen wir es Avantgarde Metal. Was die Norweger auf die Bretter legten, war jedenfalls gleichermaßen anspruchsvoll wie mitreißend, trotz der nicht unbedingt einfach zugänglichen Musik war die Meute vor der Bühne schnell zahlreich und In Vain wurden von Song zu Song verdientermaßen gefeiert. Das gesangliche Wechselspiel wirkte im Vergleich zu viel zu vielen anderen Bands (nicht beim Ragnarök sondern allgemein) endlich mal nicht ausgelutscht und vorhersehbar, das Zusammenspiel war präzise, die Songs allesamt wirklich ansprechend gestaltet. Diese Truppe sollte man im Auge behalten.

 

 

Obscurityimages/live-pic/2013_05/Obscurity.jpg

 

Nach In Vain war dann Pause angesagt, um Essen zu fassen. Zwei Bands verpaßt, aber Obscurity mußten selbstverständlich sein, denn ihre letzten Alben konnten mich absolut überzeugen. Für heute war eine Spezialshow angekündigt, was zumindest in optischer Hinsicht paßte; viel Feuer und Nebel sorgten für einen angemessenen Rahmen. Und dazu eine Band, die einfach nur eine Hammershow auf die Bretter brachte. Gut eingespielt, mit charismatischer Bühnenpräsenz, kraftvoll durch und durch – das war die Macht! Ob Klassiker wie „Bergische Löwen“ und „Blut und Feuer“ oder neueres Material wie „Tenkterer“, „Fimmbulwinter“ und „Obscurity“, bei welchem eine Handvoll Fans den Refrain mitgröhlen durften; hier stand die beste Band des Tages auf der Bühne, keine Frage. Ich war vollkommen begeistert, dem Publikum ging es nicht anders. So sieht eine kriegerische Pagan Metal-Show aus, wir alle wären den Löwen willig in die Schlacht gefolgt. Schade nur daß nicht mehr als 50 min zur Verfügung standen, aber ich gehe davon aus, daß Obscurity beim nächsten Mal drei Stunden Spielzeit haben, oder?

 

 

images/live-pic/2013_05/Riger.JPGRiger

 

Riger, beileibe keine schlechte Band, konnten da bei weitem nicht mithalten. Die Todesschwadron aus dem Osten hat in meiner Gegenwart immer gute Konzerte abgeliefert, war auch heute nicht anders, aber nach dem mächtigen Obscurity-Auftritt war die Luft weitgehend raus. Und auch wenn die Qualität von Nummern wie „Des Blutes Stimme“, „Hinter Mauern aus Stein“, „Brandschiff“ oder „Auf die Ahnen“ unbestritten ist, konnte ich mich heute nicht für Riger begeistern. Die Fans sahen es zum guten Teil anders und feierten die Band ordentlich ab, ich hingegen sparte mir das für das nächste Riger-Konzert auf.

 

 

Helrunar

 

Helrunar hatte ich bislang noch nie live gesehen, dabei sind die Pagan Black Metaller nun doch schon eine ganze Weile aktiv und auch live öfters unterwegs. Sollte ich in Zukunft wohl öfter mal hingehen, denn der Auftritt war sehr sehenswert. Viel Bewegung gab es nicht auf der Bühne, aber das brauchen Helrunar auch nicht. Ähnlich wie Slayer oder Krisiun bestechen sie durch ihre bloße Präsenz, ergänzt durch die über jeden Zweifel erhabene Musik. Der Pagan Black Metal kam auch beim Publikum sehr gut an, welches Songs wie „Älter als das Kreuz“ amtlich feierte. Nach dem vorherigen Durchhänger waren Helrunar das reinigende Feuer, welches neue Kraft verlieh und dafür sorgte, daß Körper, Geist und Seele wieder vollkommen wach waren. Toller Auftritt, euch werde ich sicher nicht zum letzten Mal gesehen haben.

 

 

Menhir

 

Trotz der blamablen Spielzeit von gerade mal einer Dreiviertelstunde hatte ich Menhir im Vorfeld Headlinerstatus zugebilligt. Schließlich ist das Thüringer Urgestein nach wie vor das unbestrittene Flaggschiff, wenn es um Pagan Metal aus deutschen Landen geht, entsprechend voll war es vor der Bühne, alle wollten sie sehen. Mein letztes Menhir-Konzert liegt Jahre zurück, seitdem hat sich Besetzung mal wieder fast komplett verändert, aber solange Heiko Gerull noch weitermacht, ist das Ende der Welt wohl noch fern. Das Conan-Intro fand ich sehr unpassend – bei Wotan oder Ironsword gibt es keine bessere Wahl als diesen besten Soundtrack der Filmgeschichte, aber für eine Band wie Menhir, welche mit Fantasy nichts zu tun hat sondern im Gegenteil auf historische Authentizität solch großen Wert legt? Nun denn, als es losging, war derlei Kritik aber vergessen. Menhir haben großartiges Songmaterial in der Hand und konnten entsprechend aus dem Vollen schöpfen. „Wotans Runenlied“, „Das alte Lied des Windes“, „Des Kriegers Gesicht“, „Menhir“, „Das verborgene Reich“…leider kein „Hildebrandslied“, aber das hätte den Rahmen natürlich gesprengt. Gerull war sehr gut bei Stimme, traf die Töne äußerst sicher und verzauberte alle mit seinem über die Jahre so gereiften Gesang. Leider präsentierten Menhir sich allerdings ansonsten nicht so top eingespielt; es gab so manche Unsauberkeit zu hören, und „Das verborgene Reich“ mußte gar mittendrin abgebrochen und von neuem begonnen werden. Der Bandchef war davon derart angesäuert, daß der Gig schließlich noch vor der Zeit beendet wurde und der Gerullinger entnervt sein Mikro einpackte, obwohl der eigentlich obligatorische Abschluß „Ziuwari“ wohl noch reingepaßt hätte. Ebenso gab es leider kein Stück vom eventuell noch 2013 erscheinenden neuen Album zu hören. Drei minus, liebe Thüringer, beim nächsten Mal hoffentlich wieder in besserer Form.

 

 

Solefald

 

Zum Abschluß des Festivals – denn die späteren Bands gaben wir uns nicht mehr – standen dann Solefald auf dem Programm. Nachdem sie all die Jahre überhaupt nicht live spielten, scheinen sie nun einiges nachholen zu wollen, immerhin steht bei ihnen noch so mancher Auftritt an. Heute auf dem Ragnarök war der atmosphärische Avantgarde Black Metal beileibe nicht fehl am Platz, doch obwohl ich Solefald wirklich mag, war langsam die Luft raus. Begeistern konnte ich mich jedenfalls nicht so recht für den Gig, obgleich der Sound in Ordnung war, die Musiker kompetent agierten und es auch sonst nichts zu bemängeln gab. Vermutlich war es für mich einfach die falsche Band zur falschen Zeit, eine Menge Leute empfanden anders und waren ein würdiges Publikum für Solefald.

 

Bis zum nächsten Mal, Ragnarök!

 

 

Bericht und Fotos: Till

Fotos von Nothgard, Der Weg Einer Freiheit, Agrypnie, Shining und Obscurity: Phil Keller (Undergrounded)

 


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