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totentanz nr. 29

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Die maskierten Heavy Occult Rocker GHOST sind seit Grammy Gewinn, gut besuchten Tourneen und klasse Verkaufszahlen in aller Munde. Kollege Torsten und Ich wollten uns auch mal verzaubern lassen und besuchten die „Popestar“ Headlinertour in Wiesbaden. Am Nachmittag vor dem Gig stand uns einer der „Nameless Ghouls“ (zweifelsohne der höfliche und sehr intellektuell wirkende Bandleader und wer das wahrscheinlich ist verrät euch das Internet) im Tourbus Rede und Antwort…

 

Arno: Ihr seid gerade auf Tour um die neue EP „Popestar“ zu promoten. Wie läuft es bisher? Ich hörte von ausverkauften Shows…

 

Ja es läuft sehr gut, wir können nicht klagen. Alles ist klasse organisiert und wir haben schon ein paar Häuser ausverkauft. Das Publikum geht auch abends gut ab und das erfreut uns sehr. Also ich kann jetzt wirklich nichts Negatives über diese Tour sagen – wir spielen ja sogar in größeren Locations als das letzte Mal.

 

 

Arno: Kurz vor Beginn der Reise kam die „Popestar“ EP raus, erzähle doch bitte ein wenig über diese Veröffentlichung, die neben dem neuen Stück „Square Hammer“ noch vier Coverversionen von Echo and the Bunnymen, Simian Mobile Disco, Imperiet und Eurythmics beinhaltet…

 

„Square Hammer“ wurde am Ende der „Meliora“ Sessions geschrieben. Ich wusste gleich dass der Song nicht mehr auf das Album passen wird da die Arbeiten schon zu weit fortgeschritten waren. Außerdem war der ghost papa eremitusTrack stilistisch schon in der Art und Weise wie das nächste Ghost Album klingen wird. Ich weiß das nämlich bereits jetzt und für „Meliora“ hätte das Stück nicht funktioniert. Aber irgendwie wollte ich es doch rausbringen. Die Idee noch ein paar Covers zu recorden schwirrte mir im Kopf herum für diverse B-Seiten oder so. Dass es eine EP wird mit „Square Hammer“ als einzigen neuen Track von Ghost, war anfangs nicht geplant. Das hat sich dann so ergeben und es ist ja zur Tour ganz gut ein aktuelles Scheibchen am Start zu haben. Aber nochmal eine Cover EP (nachdem es außer der neuen „Popestar“ ja 2013 schon mal eine EP namens „If you have Ghost“ gab, mit einem Ghost Song Live plus vier Covers – Red.) wird es nicht geben. Klar covern wir mal wieder, aber dann eins, zwei Tracks vielleicht – keine ganze EP. Ich möchte nicht so vorhersehbar erscheinen.

 

Arno: Du scheinst die Konzepte für die Zukunft auch schon im Kopf zu haben – ich schätze mal die nächste Scheibe steht schon fest?

 

Ich schreibe sie gerade, ja. Thematisch weiß ich seit Jahren worüber die Scheibe handeln wird. Die Platte wird nach der US Tour aufgenommen. Also im Sommer dann. Es wird ein paar Monate dauern bis sie erscheint. Aber ich nehme auch während der Tour Demos auf. Ich gehe gerne sehr gut vorbereitet ins Studio.

 

 

Arno: Ihr werdet wieder mit Iron Maiden spielen. Da werden doch Teenager Träume wahr, oder?

 

Es ist ein tolles Gefühl. Wir haben ja schon paar Mal mit denen gezockt und sie kennengelernt. Vor allem die Crew, die sind mega nett und helfen uns wo es nur geht. Weißt du es ist lustig denn einer der Gründe warum ich jetzt hier sitze ist Iron Maiden. Ich saß als Teenager in meinem Zimmer und hörte „Live After Death“ rauf und runter und schaute mir das Klappcover mit all den Fotos an. So muss man touren, dachte ich. So spielt man Live! Das wollte ich auch machen für den Rest meines Lebens. Ich bin großer Fan von den Jungs und auch von Metallica. Es ist großartig wenn solche Größen einem einladen mit ihnen aufzutreten. Man kann so viel lernen von den Meistern – ich bin überglücklich mit solchen Idolen aufzutreten.

 

 

Arno: Sehr cool das! Ghost werden von unheimlich vielen verschiedenen Fan Lagern gemocht. Draußen vor der Halle sitzen Gothics, Metaller, Punks, Black Metal Freaks, Normalos – alles da….wie erklärst du dir das?

 

Weißt du als Teenager hatte ich lange Haare und Kutte an mit Patronengurt – also ein sehr metallisches Headbanger Aussehen. Würde ich genauso heute auf der Bühne stehen und genau den Ghost Sound machen den wir machen – es würde weniger Leute ansprechen. Ich bin mir sicher dass unser Image und unser Bühnen Outfit eine Menge zu der Popularität in verschiedenen Fangruppen beitragen. Denn man kann Ghost nicht in eine Schublade stecken deswegen interessieren sich Leute verschiedenster Gruppen für uns. Wir sehen einfach nicht wie Death oder Black Metaller aus aber auch nicht wie Gothics oder Alternatives. Wir sind was Eigenes und…keiner klingt wie Papa, haha.

 

Torsten: Ich habe eine Frage im Hinblick auf Euer Selbstverständnis, Euer Image und Eure Lyrics. Ich finde, Eure Texte und vor allem Eure Musik haben oft so einen verführerischen Zug. Der Black Metal, wo es ja auch um okkulte oder satanistische Inhalte geht, hat eine sehr aggressiven Haltung, da kannst Du das Böse von hundert Kilometern aus schon erkennen. Bei Eurer Band hingegen kommt das Böse in einer ziemlich subtilen Art und Weise daher, und man muss schon ziemlich genau hinhören, um das richtig zu verstehen. Meine Frage wäre also im Hinblick auf Euer Selbstverständnis: Spielt Ihr da eher mit einem Image? Oder nehmt Ihr das ernster, seid Ihr da auf einer Mission? Wie versteht Ihr Euch selbst im Hinblick auf das Okkulte?

 

 

Für einen Metal-Fan ist ja alles, was mit dem Okkulten und mit Satanismus zu tun hat, irgendwie ganz ghost bandnatürlich. Ich habe Rock'n'Roll mein ganzes Leben über geliebt, ich mochte die Rolling Stones solange ich denken kann. Schon da gab es „Sympathy for the Devil“. Ich komme aus einer künstlerisch sehr liberalen Familie. Meine Mutter arbeitete in einer Galerie, sie arbeitete mit Kunst, und mein älterer Bruder war ein großer Musik-Fan. Bei uns gab es eine Menge Musik, eine Menge Film, viele Gespräche, viele Diskussionen. Monetär gesehen waren wir nie reich, aber kulturell gesehen schon. Der erste Extreme Metal-Künstler, den ich wirklich mochte, war King Diamond, da war ich 8 Jahre alt - und danach wurde es immer nur schlimmer und schlimmer. Für mich als ein Individuum ist der Teufel, wie wir ihn – speziell in Musikkreisen - kennen, eher ein kultureller Teufel als ein böses Wesen, das aus dem Untergrund hervorkommt und all diese Verwüstung verursacht. Ich denke, wenn man das wirklich Böse sehen will, das wirklich böse, dann sollte man in den Nahen Osten schauen, da hat man sozusagen Black Metal in echt. Und ganz offensichtlich hat das nichts mit Black Metal oder Death Metal oder Venom zu tun. Also seien wir ehrlich: Wenn wir über das Böse und über Satanismus reden, dann sprechen wir von einem kulturellen Satanismus, einem kulturellen Teufel, der eher ein Symbol für Freiheit, Intellektualismus und einfach für eine komplett andere Haltung ist - es geht nicht darum, böse und niederträchtig zu sein. Ja, ich hatte definitiv das Gefühl, auf einer Mission zu sein: Ich glaube nämlich, dass es diesbezüglich Nuancen gibt. Und nach einigen Jahren und einigen Alben habe ich glaube ich einen Weg gefunden, das zu erklären oder zu illustrieren, und zwar anders – ich sage nicht: besser oder schlechter, ich sage nur: in einer etwas anderen Art und Weise -, als viele andere das tun. Viele meiner eigenen Freunde sind in Black Metal Bands, die die Hölle als einen Ort des Feuers und des Schmerzes beschreiben und das sehr gut machen. Ich glaube aber, dass es da noch weitere Nuancen gibt, also möchte ich ein alternatives Bild zeichnen. Das heißt nicht, dass das, was sie sagen, nicht richtig wäre – genau das ist der Grund, warum ich nicht sage, wir seien eine Black Metal Band. Wir sind keine Black Metal Band, und meine Mission ist es nicht, Black Metal zu den Massen zu bringen. Auf der anderen Seite würde ich es als Freund, Fan und Supporter guter Musik lieben, Deathspell Omega mit auf Tour zu haben, die ich für eine der heutzutage besten Black Metal Bands halte. Aber das ist halt nicht das, was ich mache. Ich versuche nicht, zu sagen, wir sind wie Deathspell Omega oder wie Watain. Weißt Du, gerade in der Metal-Welt gibt es manchmal so eine Engstirnigkeit, dass man sein eigenes Ding so beschützen will – das sind UNSERE Überzeugungen, das ist UNSERE Geschichte, geh also nicht raus und verkauf sie an die Masse! Richtig! Es tut mir leid, wenn Leute das so sehen, aber das war nie die Intention. Die Intention war, eine Art Alice Cooper meets Death SS meets Mortuary Drape zu schaffen, dabei aber eine Art Pop/Rock in einer Art Proto-Metal-Band zu spielen. Es ging nie darum, Mayhem herauszufordern oder sowas. Das hatte ich nie auf dem Schirm.

 

Arno: In den letzten Jahren sind etliche legendäre Musiker von uns gegangen. Welcher Verlust schmerzte dich am meisten? Bowie? Lemmy? Prince? Chuck Berry?

 

Ich denke es war Lemmy. Man hat immer das Gefühl gehabt das Lemmy da draußen sitzt mit Whiskey Flasche und zwei Bräuten im Arm. Ich kenne Motörhead schon ewig da mein Bruder auch großer Fan war. Ich hab sie oft Live gesehen aber Lemmy nie persönlich getroffen. Mikkey und Phil waren 2015 während der letzten Motörhead Tour mal bei einer unserer Shows und wir hatten jede Menge Spaß. Sie luden uns ein zu einer Motörhead Show zu kommen, Spaß zu haben und Lemmy mal „Hallo!“ zu sagen. Wir mussten aber in den Süden fahren und sie nördlich, also entschieden wir einfach nächstes Mal vorbeizuschauen. Zu diesem nächsten Mal kam es dann nicht mehr da Lemmy im Dezember 2015 verstarb. Ich war geschockt und lernte daraus dass man Gelegenheiten ergreifen sollte wenn sie sich bieten. Ich hätte ihm so gerne mal die Hand geschüttelt. Ich hätte einfach da sein müssen um die Jungs auf der letzten Tour zu supporten. Das ist echt ärgerlich. Motörhead – Tough Guy Rock´n Roll – jetzt gibt es die Band nicht mehr. Man sollte so alte Bands supporten so lange es sie noch gibt, denn irgendwann sind sie weg…wie auch Dio, Bowie. Von diesen alten Größen kann man nur lernen. Wir müssen uns erfreuen an der Zeit die wir noch mit ihnen haben!

 

Soweit also der „Nameless Ghoul“, der einen sehr sympathischen Eindruck hinterließ und uns dann eine tolle Show am Abend bot! Ghost? Gerne wieder!

 

 

http://ghost-official.com/

 


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