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GEISTERFELS – Interview zum Debüt der französischen Black Metaller mit Komponistin und Lyrikerin Nebel vom 04.07.2018

 

- von romantischen Burgen und Schlössern an Rhein und Mosel, dem atmosphärischen Black Metal der 90er Jahre, der Ästhetik des Mittelalters und dem Verfall des Geistes -

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EISTERFELS haben mit „La névrose de la pierre“ ein kleines Universum aus puristischem, brachialem, leicht atmosphärischem Black Metal, gemischt mit mittelalterlich-romantischer Anmut geschaffen. Gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten Guillaume „Aldébaran“ Vrac (DARKENHÖLD) aus Versailles und Aharon Griffon (GRIFFON) aus Paris erzählt die Komponistin und Lyrikerin Céline „Nebel“ Rosenheim aus Dijon die Geschichte eines französischen Dichters, der Ende des 19. Jahrhunderts Mosel- und Rheintal besucht. Auf seinem Weg wird er von der Schönheit der unzähligen Burgen und Schlösser vollkommen eingenommen. Seine Gedichte bilden die Schnittmenge von wahrhaftigen Ruinen und den Ruinen des Geistes, hervorgerufen durch Sorgen, Zweifel und Neurosen.

 

Der Faszination an harter Musik, dem Mittelalter und seiner Geschichte, dem Vampirismus, der Poesie, dem Winter, der Kälte und der Finsternis scheint die ursprünglich aus Nizza stammende Lyrikerin erlegen. 2013 erfüllte sie sich einen lange gehegten Traum und gründete mit GEISTERFELS eine Black Metal Band. Ende letzten Jahres veröffentlichte sie ihr selbstkomponiertes Erstlingswerk „La névrose de la pierre“. Grund genug, ihr einmal auf den Zahn zu fühlen, wie es dazu kam und welche Mythen sich darum ranken...

 

Geisterfels - "La névrose de la pierre"Totentanz (TT): Hey Céline, euer Black Metal-Debüt, das vor etwa einem halben Jahr veröffentlicht wurde, verbindet Härte und Brutalität mit einer romantischen und mittelalterlichen Aura. Es ist ein puristisches und schnelles Album, mit enormer Dichte geworden. Es spiegelt die Schönheit der Aggression und des puren Chaos wieder, die ungefiltert an den Hörer weitergegeben wird, was das Epos aus Anmut und Vergänglichkeit vollends abrundet. Was hat dich dazu gebracht eine Black Metal Band mit GEISTERFELS zu gründen (übrigens sehr cooler und interessanter Bandname) und wie bist du mit Sänger Aharon und Multiinstrumentalist Aldébaran in Kontakt gekommen oder kanntet ihr euch bereits?

 

Nebel: Ich wollte mein Projekt schon seit einer ganzen Weile starten, aber der eigentliche Knackpunkt war eine Reise nach Heidelberg und ins Rheintal, im Speziellen nach Bacharach. Mit Aldébaran bin ich schon seit Jahren befreundet, Aharon kannte ich persönlich noch nicht. Ich habe ihm einfach eine E-Mail geschickt und ihn gefragt, ob er bei uns einsteigen will. Mir gefiel, was er mit seinem Hauptprojekt machte.

 

TT: Was machen die beiden, wenn sie nicht gerade mit GEISTERFELS beschäftigt sind?

 

Nebel: Aldébaran hat sein Hauptprojekt DARKENHÖLD, eine Mittelalter Black Metal Band. Das vierte Album, „Memoria Sylvarum“, wurde letztes Jahr veröffentlicht.

Aharon singt in GRIFFON. Eine Black Metal-Band aus Paris, die 2016 „Har HaKarmel“ herausbrachte. (GRIFFON werden Oktober/November 2018 ein paar Konzerte mit den Freiburger Folk/Black Metallern FINSTERFORST spielen/Anm. d. Verf.)

 

TT: Wie viel Einfluss hatten die einzelnen Musiker auf den Entwicklungs- und Schreibprozess der Musik? Habt ihr etwas neu arrangiert oder seid ihr mit fertigen Songs ins Studio gegangen?

 

Nebel ©GEISTERFELSNebel: Ich habe alle Texte und Riffs geschrieben. Aldébaran hat die Bass- und Drumlines hinzugefügt oder neu arrangiert. Er hat auch einige Harmonien in den Gitarrenparts ausgearbeitet, um die Musik anzureichern und er brachte seine Erfahrung in Sachen Aufnahmen ein. Aharon kam später dazu, als sämtliche Instrumente bereits aufgenommen waren.

 

TT: Was kannst du mir über die Herangehensweise an euer Debüt sagen? Wie lief die Produktion und wo habt ihr produziert?

 

Nebel: Die Instrumente wurden bei Aldébaran zu Hause aufgenommen. Wir wollten einen Old School Sound haben, so etwas wie den atmosphärischen Black Metal der 90er Jahre. Aldébaran hatte so bereits mit DARKENHÖLD aufgenommen und er wusste, dass wir hinsichtlich der Produktion dieselben Geschmäcker und Erwartungen hegten.

 

TT: Die relativ dumpfe Aufnahme verwischt den Gesamtsound ein wenig und geht leider auch etwas zu Lasten des Drumsounds. Unter anderem leidet die Bassdrum enorm. Waren die Möglichkeiten im Studio begrenzt oder wolltest du den Sound einfach so?

 

Nebel: Nun, es ist eine Drum Machine, also ich würde sagen, wir haben die Katastrophe verhindert, die selbige nur allzu oft mit sich bringt. Aber ich mag diesen organischen Drumsound. Die Wahrheit ist aber, dass ich keinen Schlagzeuger finden konnte, nur Typen die zusagten, aber schließlich doch nichts taten. Also hoffe ich, dass wir für das nächste Album jemand passenden finden werden.

 

TT: Wie bist du auf den Albumtitel "La névrose de la pierre" (Die Neurose des Steins/Anm. d. Verf.) gekommen und was bedeutet er für dich persönlich?

 

Nebel: Viele Songs auf dem Album stellen eine Parallele zwischen den Ruinen eines Schlosses und dem Verfall des Geistes in einer poetischen Metapher dar, also wollte ich diesen Spirit in den Titel integrieren. Das Thema ist mir sehr wichtig, denn es beinhaltet weit mehr persönliche Betrachtungen als das was man von einem Album erwarten könnte, das von Burgen handelt.

 

TT: Du hast einen deutschen Text zu "Der Tod und die schwarze Gräfin" geschrieben. Was ist so faszinierend an der deutschen Sprache? Ist es die Härte im Vergleich zum eher euphonischen Französisch?

 

Aharon ©GEISTERFELSNebel: Ich liebe die deutsche Sprache und ich finde sie eigentlich gar nicht so hart. Dieses Konzeptalbum ist von vielen deutschen Schlössern inspiriert, deshalb wollte ich mindestens einen Song in dieser Sprache haben, obwohl ich sie nicht fließend beherrsche.

 

TT: Du hast Gastsänger b. von DAEMONHEIM für dieses Stück engagiert. Wie kam es dazu?

 

Nebel: Als ich beschloss der Band auf Facebook zu folgen fragte mich Bastian, wie ich denn auf DAEMONHEIM komme, da sie in Frankreich nicht sonderlich bekannt sind. Wir fingen an uns zu unterhalten und er half mir dabei, den Text zu "Der Tod und die schwarze Gräfin" zu korrigieren. Also fragte ich ihn, ob er ihn nicht auch singen wolle. Eigentlich war seine die erste Gesangsaufnahme, bevor Aharon zur Band stieß.

 

TT: Du spielst Klavier und Gitarre, warum bist du nicht auf deinem eigens komponierten Album zu hören? Zumindest konnte ich nichts Offizielles lesen, dass dich als mehr ausgibt, als „nur“ Komponistin und Texterin der Songs. Vor allem wäre ein bedrohliches Pianospiel mit etwas Lautstärkedynamik (vielleicht als Opener, Interlude, Bridge oder einfach nur als Instrumental) passend, würde es doch die kalte aber romantische Atmosphäre unterstreichen.

 

Nebel: Ich bin keine gute Gitarristin, also nutze ich meine Gitarre hauptsächlich zum Komponieren, aber ja, ich hätte Klavier spielen können. Ich hatte nur nicht die Möglichkeit zu Hause aufzunehmen und Aldébaran besitzt mehrere Keyboards. Von daher war es einfacher für uns, uns für die paar wenigen Parts in denen das Instrument involviert ist, auf ihn zu verlassen. Ich wollte kein Klavier Interlude (Zwischenspiel/Anm. d. Verf.) verwenden, weil es keine mittelalterlichen Aspekte beisteuert. Dungeon-Synth-ähnliche Intros sind meiner Meinung nach auch ein bisschen Klischee. Aber du kannst ein Klavierstück auf Youtube finden („A l'Encre de Tes veines“) („Mit der Tinte deiner Adern“...zu finden auf https://www.youtube.com/watch?v=xkpppEc1SAA / Anm. de. Verf.), wenn du wissen willst wie ich spiele. Vielleicht werde ich ja ein paar cleane Vocals zum nächsten Album beisteuern.

 

TT: Ihr alle liebt die alten Legenden, habt aber versucht, den historischen Hintergründen näher zu kommen und wollt dies in Zukunft mit der Band noch weiter verstärken. Wie wird das aussehen?

 

A5 MetallboxNebel: Ja, ich liebe Geschichte. Dieses erste Album ist speziell, denn es dreht sich eher um Romantik, als um das Mittelalter. In Zukunft werden wir uns auf etwas fokussieren, dass stärker mit der Geschichte des Mittelalters verwurzelt ist.

 

TT: Gibt es Pläne für Live-Aktivitäten mit GEISTERFELS oder ist es ein reines Studio-Projekt?

 

Nebel: Es ist ein Studio-Projekt. Ich weiß nicht, ob sich das später einmal ergeben wird oder nicht. Wir haben momentan keine Live-Besetzung.

 

TT: Was kannst du mir über euer Label Six Raw Records erzählen? Ihre Internetseite funktioniert im Moment nicht. Man kann sie nur über Facebook erreichen.

 

Nebel: Es ist ein junges Label mit Sitz in Burgund. Es konzentriert sich auf Black Metal, wird aber auch weitere düstere Musik Genres veröffentlichen. Das Hauptziel ist es, originelle Formate wie die A5-Metallbox, die für „La Névrose de la pierre“ hergestellt wurde, zu liefern. Die Website wird momentan auf eine

bessere Version umgestellt.

 

TT: Die unzähligen Burgen und Schlösser an Rhein und Mosel faszinieren dich. Ein Instrumental auf "La Névrose de la Pierre" heißt "Il neige sur l'Eltz" (Es schneit auf Burg Eltz). Ich habe sie mehrmals als Kind besucht. Für mich ist sie neben Schloss Marienburg, Schloss Pfalzgrafenstein (welches auch im Booklet abgebildet ist;-)), der Reichsburg und der Schlossruine Auerbach (die für mich eine enorme Aura ausstrahlt und auf deren Burgmauer eine 300 Jahre alte Waldkiefer wächst ;-)), Deutschlands schönste Burg. Als Kind war ich von der Burg Eltz fasziniert, um nicht zu sagen besessen. Warst du selbst schon mal dort und was sind für dich die faszinierendsten Dinge über das Mittelalter und seine Vermächtnisse?

 

Nebel: Ich war nur im Rheintal, aber die Schlösser sind im Winter geschlossen, sodass ich nicht alles sehen konnte was ich wollte. Du kannst dich glücklich schätzen, die Burg Eltz seit deiner Kindheit zu kennen. Sie ist mein Favorit mit Cochem (der Reichsburg/Anm. d. Verf.) und der Burg Lichtenstein („Im Nebel“ handelt von Letzterer), obwohl ich sie noch nicht besucht habe. Ich glaube Architektur war das Erste, was mich am Mittelalter interessiert hat. Mich fasziniert die Ästhetik dieser Zeit. Deshalb habe ich angefangen eine Menge Geschichtsbücher über die verschiedensten Aspekte des Mittelalters zu lesen.

 

TT: Du scheinst wahrlich von der Muse geküsst... ;-) erzähl mir von deinen vielfältigen künstlerischen Betätigungsfeldern.

 

Aldébaran ©GEISTERFELSNebel: Ich bin hauptsächlich Schriftstellerin. Ich schreibe auch Filmskripte. Neben GEISTERFELS möchte ich ein Cold Wave-Projekt starten. Und ich mache auch einige Fotos in einem Alternative/Gothic Stil.

 

TT: Wie viele Bücher hast du bereits veröffentlicht und mit welchen Thematiken befasst du dich? Geht es hauptsächlich um historische oder fantastische Geschichten der dunklen Seite oder auch um Lebenserfahrungen / Perspektiven?

 

Nebel: Ich habe drei Gothic Romane veröffentlicht, und zwei weitere Bücher sind als Veröffentlichung geplant. Diese beiden sind historische Fantasy Romane, sie beschreiben eine Welt, die unserem Mittelalter sehr ähnlich ist. Ich würde auch sagen, dass ihnen allen eine dunkle Atmosphäre und ein pessimistischer Ton anhaftet.

 

TT: Du bist von Nizza nach Dijon gezogen. Was war der Grund für diesen Schritt? Dein Studium oder hatte das andere (musikbezogene) Hintergründe?

 

Nebel: Ich bin aus persönlichen Gründen nach Dijon gezogen, aber es ist eine wunderschöne Stadt und es ist inspirierend, an einem solchen Ort zu leben. Die Innenstadt ist sehr interessant für jeden, der mittelalterliche und Renaissance-Architektur mag.

 

TT: Ich habe gelesen, dass du des Weiteren historische, europäische Kampfkünste ausübst. Erzähl mir davon...und hast du bei all diesen Betätigungsfeldern überhaupt noch Zeit zu essen und zu schlafen?

 

Nebel: Es umfasst einen großen Zeitraum von der Antike bis zum neunzehnten Jahrhundert. Ziel dabei ist es, eine historisch korrekte Technik zu reproduzieren. Archäologie kann dabei helfen Anhaltspunkte zu finden. Die Wikinger haben beispielsweise nicht darüber geschrieben, wie sie ihre Waffen benutzten. Aber im späten Mittelalter wurden die Fechthandschriften immer zahlreicher. Also versuchen wir, sie zu analysieren und Bewegungen zu rekonstruieren, die aus martialischer Sicht sinnvoll erscheinen. Das Langschwert ist vielleicht die repräsentativste Waffe, aber wir haben auch Einhandschwert und Buckler (Faustschild), Rapier (degenartige Fechtwaffe), Dolch, Speer...und Wrestling.

Und nein, ich habe keine Zeit zu essen oder zu schlafen ^^

 

TT: Wie ist denn die momentane Situation im GEISTERFELS Lager? Das Release-Datum war, wie zuvor erwähnt bereits am 03.11.2017 und ist nun schon ein Weilchen her...

 

A5 Metallbox (insight)Nebel: Das Komponieren des nächsten Albums hat begonnen.

 

TT: Kannst du mittlerweile von deinen Veröffentlichungen leben oder hast du einen Hauptberuf?

 

Nebel: Ich verdiene meinen Lebensunterhalt nicht mit meinen künstlerischen Aktivitäten.

 

TT: Hast du noch ein paar letzte Worte für unsere Leser?

 

Nebel: Danke für dieses Interview, es war wirklich interessant. Ich hoffe, dass diese Worte einige Leser überzeugen werden, in unser Universum einzutreten.

 

(Janko)

 

 

Die CD Version (in der A5 Metall Box) ist für 12,- Euro erhältlich bei:

 

https://de-de.facebook.com/Geisterfels-730735943766643/

 

https://geisterfels.bandcamp.com/releases

 

Hier gibt es das komplette Debüt „La névrose de la pierre“ im Stream:

https://www.youtube.com/watch?v=rixwHhYZ-Cg


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