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Wacken Open Air 2018

Wacken Open Air 2018

Das 29. Wacken Open Air ist Geschichte und wenn man sich vor Augen hält, dass bereits einige Tage nach Vorverkaufsstart schon über 60.000 Tickets für 2019 verkauft wurden, kann durchaus von einem gelungenen Event gesprochen werden, zumal sich der Verkauf für dieses Jahr wie in den Vorberichten bereits erwähnt, bis zum Schluss sehr schleppend hinzog.
Ob das Wetter diesmal dran Schuld war? Fakt ist, wer nicht unbedingt eine durch verschüttetes Wasser entstandene Pfütze aufsuchte, kam dieses Jahr komplett Matschfrei durchs Wochenende. Dafür gab es die Staublunge gratis, was aber auch dazu führte, dass sich etliche Festivalbesucher ein Tuch vor den Mund banden und man sich wahlweise vorkam, als ob die chinesische Angst vor Seuchen um sich gegriffen hätte oder aber lauter Wild West Banditen unterwegs waren.


Und obwohl Hitze vorherrschte, durch den immerwährenden Wind des Nordens konnte man auch diese aushalten. Einfach genug trinken (was ja generell für den Metal liebenden Menschen meist kein Problem darstellt) und seine Wasserflasche an den Trinkwasserstellen auffüllen. Nachwievor ein klasse Service, der so nicht selbstverständlich ist.
Aber auch die restlichen Getränkepreise blieben zum Glück stabil. 4 Euro für einen 0,4l Becher, da gab es in diesem Jahr ein Festival im Süden, das den 0,1 für 1 Euro Standard, der seit Jahren auf Großevents vorherrscht, schon überschritten hat. Ich gebe aber jetzt mal die Prognose ab, dass dies dem W:O:A für nächstes Jahr leider auch blühen wird. Denn ich weiß nicht, seit wie vielen Jahren diese Preise jetzt schon stabil sind, aber demnächst wird wohl eine Anpassung nötig sein.
Genügend Stände und ein eingespieltes Team gab es wie jedes Jahr, sodass man schon sehr unerfahren sein musste, um länger als eine Minute zu warten.


Bei einem Festival dieser Größenordnung kann man sich vorstellen, dass es jegliches Essen gab, was eben typische oder auch untypisch für solche Veranstaltungen ist, zumal der etablierte, angrenzende Mittelaltermarkt zusätzliche Optionen bot. Preislich nicht unerheblich, durchaus aber Standard, gab es den normalen Burger, Asiafood, Pommes, Gyros, Knoblauchbrot und und und. Einige gut, einige eher weniger und einiges hervorragend. Leicht zu erkennen an den Schlangen, die sich zum Ende des Festivals hin bildeten, denn über die Tage läuft einiges an Mundpropaganda.
Die Einlasskontrollen liefen ohne Verzögerungen problemlos ab, keine nennenswerten Zwischenfälle wurden gemeldet, leichte Anpassungen am Gelände (wie jedes Jahr), ein viel besserer, weil fast überall lauterer Sound als letztes Jahr und eine super eingespielte Organisation machten das Festival wieder zu einem gute Laune Spektakel der Superklasse. Nach wie vor ist das Wacken Flair unnachahmlich und findet sich auf keinem anderen Festival wieder.
Wer da war, weiß Bescheid, wer seit Jahren nicht oder noch nie da war, der denkt eh er weiß Bescheid, also wem soll ich hier noch was erzählen? Love it or hate it, der Erfolg gibt letztendlich Recht und wer Spaß will, der findet ihn dort oben in jedem Fall, ganz gleich ob im Kostüm, im Suff, vor den Bühnen bei lauter und geiler Musik oder mit Freunden beim Tanzen und Lachen. Feiern eben!

 

 

Mittwoch 01.08.18

Seit zig Jahren kann man eh schon davon ausgehen, dass Montags gefühlt die Hälfte aller Besucher auf dem Campingplatz ist, spätestens aber ab diesem Jahr, in dem erstmals die Frühanreisegebühr wegfällt und der Campingplatz somit ganz offiziell Montags seine Pforten öffnet, dürfte klar sein, es gibt am Mittwoch Massen an Besuchern die heiß sind auf das Programm.
Traditionell spielen Mittwoch und Donnerstag die Finalisten der einzelnen Länder des etablierten Metal Battle Newcomerwettbewerbs in der Zeltbühne. In diesem Jahr konnten den Sieg die aus China stammende Band Die From Sorrow einheimsen, dicht gefolgt von Motanka aus der Ukraine und An Theos aus Rumänien.

Aber nicht nur Newcomer und Coverbands finden mittlerweile ihren Platz am eigentlichen Vortag des Festivals auf den Bühnen. So spielten zum Beispiel um kurz nach 17 Uhr die irische Punkband Stiff Little Fingers, die mit „Alternative Ulster“ ihren Set beendeten und zwar nicht ordentlich Druck verbreiteten, aber dennoch mit genug Spaß auf der Bühne standen um nach über 40 Jahren Bandgeschichte noch genügend Berechtigung zu beweisen. Kurz danach gab es dann ein Soloprogramm des Sängers von Marillion, Fish. nicht zu verwechseln mit Eric, seines Zeichens Sänger von Subway to Sally, die wohl etwas etablierter auf dem Wacken sein dürfte, trat dieser Meeresbewohner doch das erste Mal in Wacken auf. Der andere Kiementräger durfte mit seiner Zweitkapelle  Bannkreis etwa zeitgleich auf der Wackinger Stage (Bühne auf dem Mittelaltermarkt) auftreten. Neben erwähntem Eric, setzt sich die Band noch aus Sängerin Johanna, Bodenski, Simon Michael und Ingo Hampf zusammen, also bis auf die Weiblichkeit alles Mitglieder von eben Subway to Sally. Gespielt wird aber nur akustisches, weswegen die Band auch ihr „Live“-Debüt im ZDF Fernsehgarten bestritt. Deutlich flotter ging es auf der Wackinger danach mit Vogelfrey weiter, während im Zelt die Urrocker Nazareth auftraten. Songs wie „Hair Of The Dog“ oder die allseits bekannte Radioschnulze „Dream On“ sorgten dann für das erste Retro Feeling, wobei hier aber eben ein Original auf der Bühne stand. Man mag sich darüber streiten, ob eine Band nun noch als Original zählt, wenn nur noch der Bassist als Gründungsmitglied übrig ist, aber das ist ein anderes Thema.


Anders sieht das Ganze bei den Backyard Babies aus, die nach mehrjähriger Pause mit fast allen Originalmitgliedern einige Festivals beackern. Langjährige Fans munkeln zwar, dass die Luft raus sei, Songs wie „Dysfunctional Professional“, „Nomadic“ oder „Minus Celcius“ kommen aber immer wieder gut beim Publikum an und auf der Bühne wurde auch ordentlich schweißtreibend gerockt und gepost.
Danach kam, was kommen musste, kein Einlass mehr, froh war, wer schon im Zelt stand. Wenn Mittwochs Abends die Brasilianer Sepultura zocken, dann ist wohl klar, ohne Alternative auf eine der Hauptbühnen platzt das Ding aus allen Nähten. Doch anders, als es sich viele erhofft hatten, zockte die Truppe um Andreas Kisser heute kein Old School Set, sondern eröffnete mit „I Am The Enemy“ und bot mit „Kairos“, „Against“ oder „Choke“ durchaus gelungene Songs der Prä-Cavalera Ära. Dennoch, gegen die Klassiker konnten die neueren Songs nie anstinken und so gab es mit „Arise“, dem kultigen „Ratamahatta“ und dem unverzichtbaren „Roots Bloody Roots“ auch noch Etabliertes hinterher, das die zahlreichen Fans zufrieden stellten. Ebenfalls cool, als zweiter Gitarrist stand Johann, Sohn von eben erwähntem Andreas auf der Bühne.
Wer danach noch nicht genug hatte, konnte noch den Orgelklängen von Mambo Kurt lauschen oder die Metal Disco bis in die Nacht verfolgen.

 

Donnerstag 02.08.18

Auch wenn am ehemaligen Zusatztag, der jetzigen Night to Remember, das Festival schon längst in vollem Gange ist, so darf traditionell doch Skyline, die ehemalige Band von Festivalveranstalter Thomas Jensen, die Hauptbühne noch eröffnen. Wieder mit von der Partie ist Henning Basse am Gesang und zu Beginn wurde „Burn“ von Deep Purple in die Menge geblasen, bevor mit „Runnin Wild“ erstmals von der Truppe ein Airbourne Cover gezockt wurde. Wie sich herausstellt, und wie so oft in den Vorjahren, geben zwar nicht alle Songs, aber durchaus einige einen Vorgeschmack auf die ersten bestätigten Bands fürs nächste Jahr. Hier eben Airbourne. Die üblichen Verdächtigen wie Dio und AC/DC waren ebenfalls dabei, bevor es sehr interessant mit „Asche zu Asche“ von Rammstein zu Ende ging. Man darf gespannt sein.


Nebenan ging es dann direkt mit Dokken weiter, die zahlreiche Hard Rock Fans glücklich machten. Im Zelt allerdings wurden eher die Death Metal Fans glücklich gemacht, denn mit Gruesome war dieses Jahr die Band am Start, die wohl am ehesten das Erbe von Chuck Schuldiner weiterträgt. Das mag wenig eigenständig sein, wer aber Songs von „Scream Bloody Gore“, „Leprosy“ oder „Spiritual Healing“ mag und gerne Stoff aus dieser Zeit in anderem Gewand hätte, der wird sich bei den Amis richtig wohl fühlen. Zumal Sänger Matt auch in seiner Ansage klar stellte, dass sie zwar eigene Songs schreiben, sich aber immer noch als Tribut Band für Death sehen. Somit kommt zu den klasse Songs noch ein Sympathie Faktor hinzu, wobei es auch Schwachsinn wäre, diesen Einfluss zu verleugnen.
Zeitgleich spielte auf der Hauptbühne eine Band, bei der keiner weiß ob dies nun als Tribut, Cover oder was auch immer durchgeht. Dirkschneider, mit Vornamen U.D.O., zockte sein zweites Tour Set vor begeistertem Publikum. Lustig jedenfalls, wie sich Accept und der ehemalige Frontman gegenseitig die Klinke in die Hand drücken und somit jedes Jahr dieselben Lieder auf dem Acker erklingen. Metaller sind manchmal schon nicht ganz so innovativ. Aber gut, angekündigt war ja das zweite Tour Set und das beinhaltete eben auch ein paar B Klassiker. Wobei ich selbst noch fürchtete, davon dann wenig zu kennen, kamen mit „Livin For Tonite“, „Midnight Mover“ oder „Breaker“ dann zwar Songs die nicht zum Standard gehören, aber dennoch jedem bekannt sein müssten, der sich jemals mit der Band beschäftigt hat. „Up To The Limit“ schön hoch gekrächzt, „Screaming for a Love Bite“ dann als gute Laune Schwenker und das Doppel aus „I’m a Rebel“ und „Balls To The Wall“ als Abschluss und man dachte sich kurz, scheiss auf Innovation, genau das will ich doch hören zum Abfeiern.


Düster wurde es danach mit Behemoth, die mal gleich mit Ultrasonnenschutzfaktor im Gesicht auf die Bühne traten. Und trotz weißer Gesichter und strahlendem Wetter eine gehörige Portion Düsterkeit verbreiteten. Wer’s mag wurde glücklich, alle anderen verschlug es entweder zum warten auf Hatebreed vor die Louder Stage, die danach ein amtliches Hardcore Brett ablieferten und auf der Bühne abgingen wie sonst was. Doch vorher, zeitgleich zum Black Metal von Behemoth, zockten im Zelt noch Converge, eine dienstalte Hardcore Punk band mit leichten Grindcore Einschlägen. Die Band an sich war tight, was aber mit Sänger Jacob los war, kann wohl nur der örtliche Speed Dealer erklären. Während Barney von Napalm Death zwar mit seinen Zuckungen auffällt, rannte dieser hier wie von der Tarantel gestochen von links nach rechts, schlug und trat um sich, wirbelte das Mikro hin und her und grunzte dazwischen unverständliche Laute in sein Mikro. Anfangs noch spektakulär um ein Lächeln hervorzuzaubern, irgendwann aber auch merklich nervig und vielleicht mit ein Grund, warum die Band es trotzt langjährigem Bestehen nicht viel weiter in der Szene geschafft hat.
Ganz anders präsentierten sich dann Danzig, die ihrerseits zwar nicht das ganze, aber immerhin ein Großteil ihres Erstlingswerkes Danzig auf die Bühne brachten, welches vor genau 30 Jahren das Licht der Welt erblickte. Doch auch wenn es natürlich in dieser großen Masse zahlreiche Fans des kleinen aber muskulösen Mannes gab, die Masse wartete doch auf den letzten Song, bei dem der Herr seine Mutter ruft. Dennoch muss man Glen attestieren, dass er mit Spaß und Enthusiasmus auf der Bühne war. Nach Eskapaden in der Vergangenheit hätte es durchaus ein ähnliches Fiasko werden können wie seinerzeit mit Marilyn Manson. Musik vielleicht nicht jedermanns Sache, Performance mäßig aber durchaus der Bühne würdig.


Aber vorweg: rundum gelungen und einfach nicht zu toppen am ganzen Wochenende: Judas Priest! Welch eine grandiose Show, welch eine klasse Setlist und welch eine mega Performance. Klar, der erste Wacken Auftritt mit satten 2 ½ Stunden wird auf die Art nicht mehr zu toppen sein, aber der zweite ließ befürchten, dass die Luft endgültig raus sei. Was aber hier geboten wurde und vor allem wie Rob heutzutage singt, unglaublich. „Firepower“, ok, guter Song vom geilen neuen Album, „Grinder“, geil, „Sinner“, krass, „The Ripper“ mit ultra Atmosphäre und stimmigen Videountermalungen, „Lithning Strike“ um das neue Album erneut zu präsentieren, „Bloodstone“ sehr geil, „Saints In Hell“ für die old old School Fraktion, „Turbo Lover“, immer wieder gut, „Tyrant“ ebenfalls wie „Night Comes Down“ nicht zu erwarten und ein wahnwitziges „Freewheel Burning“. Ein Highlight des neue Albums „Rising From Ruins“, die kurze Befürchtung „You’ve Got Another Thing Comin‘“ mit den berühmten „oh-uoh-uoh-yeah“ Einleitungschören wäre der letzte Song, dicht gefolgt von „Hell Bent For Leather“ und einem zwar minimal modifizierten, aber dennoch überragend gesungenen „Painkiller“, bei dem auch Scott, wie eigentlich die ganze Zeit, beweisen konnte, welch krasser Drummer dieser Mann ist.
Und die Zugabe: „Metal Gods“, wirklich zum niederknien, „Breaking The Law“, wohl von jedem im Schlaf mitzugröhlen und pünktlich für die Uhrzeit „Living After Midnight“. Priest Fan, was willst du mehr? Dazu eine grandiose Lichtshow und ein druckvoller Sound, wahrscheinlich mit verursacht durch Andy und Richie. Besser geht nicht, mehr Gänsehaut geht nicht, Priest is Back und hoffentlich noch viele Jahre so. Headliner für nächstes Jahr? Von mir aus, wer braucht schon Innovation? ;-)

 

Freitag 03.08.18

 

Normalerweise ist 11 Uhr ja nicht die super Frühaufsteher Zeit. Doch wenn das offizielle Programm schon bis 3 Uhr nachts geht und der Campingplatz eben wirklich nie schläft, dann kann es schon mal sein, dass die All Girl Band Thundermother sich trotz erstklassig gespieltem Hardrock mit müden Gestalten vor der Bühne abkämpfen muss. Da zieht dann auch nicht mehr ein langgezogenes Shirt als Rockersatz von Sängerin Guernica. Cannibal Corpse danach zur besten Mittagszeit hat dann irgendwie schon sowas wie Tradition und eignet sich bestens dafür, den Staub vom Vortag aus den Gehörgängen frei zu schütteln. Angefangen mit dem geilen Titelsong der neuen Scheibe „Red Before Black“ und geendet mit einem Song, der ja so gar nicht gespielt werden kann in Deutschland, haben die Death Metaller dann wohl alles richtig gemacht.


Das aber haben auch Amorphis. 1997 noch irgendwann um Mitternacht in der Zeltbühne, jetzt um die Mittagszeit draußen und musikalisch hat sich auch einiges verändert. Aber genau, wie das Open Air sich von damals gewandelt hat, ist es nicht besser oder schlechter geworden. Nur anders eben. Und ein Song wie „Silver Bride“ erzeugt einfach nur Gänsehaut, selbst bei glühender Mittagshitze. Den aufkommenden Durst kann aber prima mit der nachfolgenden Band Korpiklaani abgeholfen werden, sorgen diese doch dafür, dass dem Publikum mitgeteilt wird, welches Getränk sie zu sich nehmen sollen (mal Tequila, mal Bier, mal Wodka). Zählt man dann noch mit, wieviele da getrunken werden sollen, dann weiß man, Finnland hat zumindest am Freitagmittag alle acht Hauptbühnen bestens im Griff gehabt. Oder waren es sechs? Sieben?


Mr. Big auf der Louder Stage? OK, Faster wäre nicht so passend während dort zeitgleich Epica spielt, Harder wäre sehr lustig bei „To Be With You“, aber eben nicht machbar, weil zeitgleich, dann muss es wohl die Louder sein. Aber es darf ja auch mal ein Päuschen sein, bis Schandmaul dann auf der Harder spielen. Nunja, lassen wir mal die Bühnennamen sein. Natürlich ist diese Band für die eigentlich passende Wackinger Stage viel zu groß, was auch der Andrang am Nachmittag zeigt. Und die Lautstärke, in der „Vogelfrei“ oder „Walpurgisnacht“ mitgesungen werden, unterstreicht dies nur. Vielleicht aber sang nicht wirklich jeder Fan mit, denn auf der Bühne tanzte eine Gebärdensprachdame fleißig mit. Ob das Vereinzelte glücklich machte, kann ich nicht behaupten, zum stimmigen Bühnenbild trug es jedenfalls nicht bei. Zum Abschluss gab’s noch mit „Dein Anblick“ was zum kuscheln, bevor erneut Finnland ran durfte, diesmal in Form von Children Of Bodom. Diese eröffneten mit „Are You Dead Yet?“ und gaben auf der Faster mal so richtig Gas (einmal muss es eben doch noch erwähnt werden, wenn‘s denn mal schön passt). Alexi trug ein schönes Cannibal Corpse Shirt, hatte aber immer noch ein Speichelflussproblem. Das tat dem Konzert und insbesondere den Songs aber keinen Abbruch und das Set wurde erstklassig mit „Hate Crew Deathroll“ und „Towards Dead End“ abgerundet.


Im Zelt bolzten dagegen Schmier und seine Mannen von Destruction alles und jeden weg und spielten ein Old School Set vom Feinsten. Eröffnet mit „Curse The Gods“, die Butcher Songs, „Life Without Sense“ oder zum Abschluss „Bestial Invasion“, Schmier zeigte dem internationalen Publikum, dass Destruction im Zelt, meiner Meinung nach, besser funktionieren, als auf einer der Hauptbühnen, wo sie zuvor sonst immer zockten. Zeitgleich zeigte eine zierliche Doro dem ebenfalls internationalen Publikum, dass sie, trotz mehrerer Unkenrufe der einheimischen Metaller, auf der großen Hauptbühne bestehen kann. Sie hat eben mindestens genauso viele Anhänger wie Hater und somit durchaus eine Berechtigung, auch wenn passionierte Wackengänger manchmal gähnen dürften. Aber hier dürfte ruhig wieder die Innovationskeule her, denn die pendelt schließlich gerade so, wie der eigene Geschmack es bevorzugt. Amon Amarth Sänger Johann gab jedenfalls bei zwei Songs Beistand und diesmal gab es gar kein „All We Are“. Scherz! Konstant traditionelle Innovation?


Eigentlich kann man ja nicht von Old School sprechen, doch wenn man überlegt wie lange die 90iger zurück liegen, dann gehören Clawfinger auch nicht mehr der neuesten Generation an. 25 Jahre hat deren „Deaf Dumb and Blind“ Album auf dem Buckel und das feiern die Herren, während gleichzeitig eine Band neuerer Generation noch ältere Musik zelebriert: Die Blues Pills warten im Zelt auf. Wer hätte das gedacht? Vor einigen Jahren hätte man erwartet, dass diese Kapelle eine der Hauptbühnen entern wird, doch erstens ist das Wacken-Publikum wohl nicht halb so Mainstream wie es der Underground Metaller gerne hätte und vielleicht ist die Retro Welle auch einfach langsam am abebben, weil ganz Altes eben auch nur bedingt wieder Neu sein kann (siehe Schlaghosen Anfang des Jahrtausend). Und noch was geht zeitgleich ab, ebenfalls mit Frauenpower am Mikro. Nightwish zieren die Faster Bühne. Auffällig sind drei Dinge: Sängerin Floor wirkt auf der Bühne viel netter als auf Promofotos, die Videoleinwanduntermalung ist allererste Sahne und lädt wunderbar zum Träumen ein und die Setlist setzt zwar auf die bekanntesten Hits, sprich Singleauskopplungen, hat damit aber leider auch die verweichlichsten Songs vermehrt im Programm.


„Wish I Had An Angel“ kommt ja noch kraftvoll, „Come Cover Me“, obwohl keine Single, kommt da schon seichter daher, „Elan“, „Amaranth“ oder „Nemo“, eins davon hätte auch ausgereicht. Für Rock am Ring o.ä. wäre dies verständlich gewesen, für Wacken eher weniger. Zum Schluss hin „The Greatest Show On Earth“ mag zwar unerwartet kommen, sollte aber einem Festivalauftritt nicht die Zeit stehlen und eher auf einer Hallentournee zum Tragen kommen. Super gespielt, super Showeinlagen, symphytische Sängerin, aber völlig falsche Setlist.
Während im Zelt Zwei Mann zeigen, wie man enormen Krach zelebrieren und dabei dennoch strukturiert vorgehen kann, beweisen Mantar und auf der Hauptbühne zeigen uns Running Wild, wie man es leider wieder nicht richtig macht. Fangen wir mal mit dem positiven an: Die Lichtshow ist imposanter als beim letzen Mal, „Riding The Storm“, „Port Royal“, „Blazon Stone“ und natürlich „Under Jolly Roger“ sind geile Songs und werden gut daher gebracht. Eine Zugabe aber mit „Soulless“ und „Stick To Your Guns“ zu beenden und im Set überall B-Ware zu streuen erschließt sich mir nicht. Dazu kommt ein irgendwie kraftloser Sound. Während Judas Priest am Vortag aus allen Rohren schossen und Konzertgerecht alles wegballerten, kommt man sich bei Running Wild vor, als ob die Alben auf Zimmerlautstärke vor sich hinlaufen, damit man sich nett unterhalten kann. An der Lautstärke lag es aber nicht, durch den schwachen Sound wurde lediglich das Gefühl vermittelt. Man fragt sich, ob die hohen Erwartungen Schuld seien, aber bei allem, was man über Priest die letzten Monate lesen konnte, waren dort die Erwartungen mindestens genauso hoch, denn nach dem letzten Running Wild Auftritt gab es zwar Hoffnung, aber doch geerdete Ansprüche. Und selbst die wurden nicht richtig erfüllt. Sorry Rolf, das war irgendwie wieder nichts Sensationelles.

 


Ekelhaft kniehohe Ringelsocken und komische Anzüge gehören der Vergangenheit an, Straßenklamotten sind angesagt bei In Flames. Leider gehört wohl auch guter Sound der Vergangenheit an, denn irgendwie war das im Vergleich zu den anderen Bands nicht wirklich gut. Seltsam bei einer Band dieser Größenordnung, aber man erinnere sich an Slayer 2003. Das Publikum geht trotzdem steil bei „Cloud Connected“ (mittlerweile schon als zweites verheizt) oder bei „Only For The Weak“. Beim dicken Circle Pit wurde dann nochmal ordentlich Staub aufgewirbelt, sodass nicht nur der Sound, sondern auch die Sicht verwaschen war, bevor dann die neuen (zumindest von der Presse als) Überflieger (bezeichneten) Ghost dem Wacken Publikum zeigen konnten, ob sie denn wirklich die neue Nummer Eins sind. Eines muss man der Band gestehen, durch den enormen Radioairplay von „Rats“, wurde die Nummer schnell geläufig und wer dann mit solch einer Nummer einsteigt, ist sich seiner entweder ganz sicher oder will nur noch eingefleischte Fans vor der Bühne, weil der Rest einfach davon geht, da er alles gehört hat was er kennt. Kurze Anekdote am Rand: Am Donnerstagmittag sangen zwei Metalheads, die sich unheimlich auf Dokken freuten, eben einen Song dieser Band. In meinem Kopf allerdings endete die Zeile immer wieder mit „Rrrrrats“, da diese Melodie exakt der glich, die Ghost als Pre-Chorus bei ihrem neuen Hit einsetzen. Als ich dies ansprach stimmten einige Metalheads, die beide Songs kannten, dem zu. Alles schon mal dagewesen? Innovation am Freitag? Mal sehen was der Samstag an Neuerungen bringt.

 

 

Samstag 04.08.18

 

Am Samstag eröffneten die Deutschrocker Betontod die Hauptbühne, dicht gefolgt von den Epic Metaller von Wintersun. Deren Sänger wie immer strahlte und richtig aus sich raus ging, was die krasse Musik der Finnen (schon wieder?) nur unterstrich. Zwei epische Tracks des Albums „Time“ inklusive dem Titeltrack wurden gezockt und man konnte attestieren,  dass die Wintersonne auch prima mit der des Sommers harmoniert. Nebenan zogen dann die lustigen Kumpanen von  Knorkator ihr Programm durch. Frontturner Stumpen in leckerer blauer Leggins, Songs wie „Alter Mann“, „Du nich“ und „Wir werden alle sterben“ gefielen den Leuten, Mitsingspielchen mit integriertem Bühnennamen („Das ist die Stage Louder“) und Deutschlands meiste Band der Welt hatte doch klar einen Lacher mehr, als die zeitgleich auftretenden Alestorm mit ihrem Entchen auf der Bühne und Bananenwasweißichwas Banner auf der Faster.


Den Namen Skindred hat man ja schonmal aufgeschnappt, aber dass die Band, die mit dem „Imperial March“ die Bühne betritt und als Backdrop einen Katzenkopf hat und eine Mischung aus Metal mit Rap und keine Ahnung was Einflüssen spielt so groß ist, dass diese Mittags auf der Hauptbühne spielt, hätte man irgendwie nicht vermutet. Oder einfach bisher ignoriert? Das bunt gemischte Publikum jedenfalls ging gut ab, was zeigt, dass die Relevanz wohl da ist. Sänger Benji muss sich wohl in seiner Lederjacke einen abgeschwitzt haben, aber seiner Perfomance tat dies keinen Abbruch und so feuerte die Band als Abschluss noch „Warning“ in die Menge während jeder Fan ein Shirt oder sonstiges Tuch über seinem Kopf schwang. Ob das den Staub vertrieb und für mehr Luft sorgte?


Rüber zur Louder Stage und es war klar, die Pause hat den Apokalyptischen Reiter merklich gut getan. Nicht nur auf Scheibe, auch Live gewann man den Eindruck, der Band gehe die Luft aus. Doch nach kurzem Intro erschien passenderweise „Wir sind zurück“ dicht gefolgt von „Es wird schlimmer“. So kann ein Konzert gerne starten und die Meute dankte es mit Moshpits, obligatorischem Crowdsurfing und Circle Pits. Neue Songs wie „Franz Weiss“ konnten problemlos mit altem Material wie „Der kleine Wicht“ oder Klassikern wie „Friede sei mit dir“ mithalten, Fuchs dirigierte die Menge, die Saitenfraktion ließ gewohnt die Matten schwingen, ein gelungenes Comeback, wenn man es denn so nennen darf und dann in zwei Jahren wieder auf der ganz großen Bühne.
Während die Reiter also wieder einen drauflegen konnten, nutzen sich Steel Panther langsam ab. Beim ersten Mal denkt man sich noch, joa, lustig, überzogen, man grinst und denkt sich, die haben sie nicht mehr alle. Das denkt man jetzt zwar auch, aber die Witze werden nun mal nicht ausgetauscht und so bleibt alles beim Alten. Wenn aber eine Band von der Komik leben will, dann sollte sie auch mal die Witze austauschen. Noch dazu versuchen die Amis noch nicht mal mehr zu verschleiern, dass das Ganze ein nahtloses Playback Konzert ist. Vielleicht deswegen das Dauergrinsen von Sänger Michael. Der denkt sich wahrscheinlich auch, wir verarschen hier nicht nur die Girls die breitwillig ihre Hupen präsentieren, nein wir verarschen euch alle indem wir ne Heidenkohle dafür bekommen um einfach mal unsynchron so zu tun als ob wir zocken. Je nachdem wie man das betrachtet kann man ja immer noch drüber lachen oder den Kopf schütteln. Langsam neige ich zu letzterem.


Der geneigte Metal Fan wäre wohl eher bei den zeitgleich auftretenden Nocturnal Rites besser aufgehoben gewesen.
Dafür gab es geballte Power in jedem Fall aber bei Arch Enemy. Aber schon seltsam, die Truppe, liefert immer 100% ab, aber der eingefleischte Fan, der sie schon öfter in diesem und den letzten Jahren gesehen hat, spricht auf einmal von einem routiniertem Konzert, obwohl wirklich nichts anders ist, als zuvor. Selbst Schuld wenn man die Qualitätslatte immer so hoch hängt. U.a. „The Race“, „You Will Know My Name“ und „The Eagle Flies Alone“ kamen auf jeden Fall präzise und brachial rüber, wie man es erwartete und begeisterten somit auch das Publikum.


Dies tat auch ein Onkel Tom, der zwar schon (ähnlich Doro und Saxon) zum guten Ton von Wacken gehört, aber in letzter Zeit doch etwas an Qualität vermissen lässt. Live ist da natürlich immer noch eine Menge zu holen, zumal mit der Beergardenstage auch endlich mal die treffende Bühne für den alten Kapellmeister gefunden wurde, auf der er sich dann auch prompt mal hinlegt um im Liegen weiter zu singen. Immer für eine Überraschung gut, während zeitgleich die Kürbise ihre Reunion und gleichzeitig doch Besetzungsgleich spielen. Helloween, Pumpkins United heißt die Tour und das bedeutet nichts weiter, als dass zur aktuellen Truppe Kai Hansen und Michael Kiske dazu stoßen, während Michael Weikath und Markus Großkopf die Band ja nie verließen. Da aber die aktuelle Phase nicht außen vor gelassen werden soll, stehen eben Andi Deris und Sascha Gerstner ebenfalls mit auf der Bühne und am Schlagzeug sitzt Dani Löble. Die mittlere Phase wird zwar mit u.a. „Perfect Gentleman“ und „Soul Survivor“ präsentiert, Uli Kusch und Roland Grapow wurden aber nicht eingeladen. Dafür eine ultra coole Geste, denn Original Drummer Ingo Schwichtenberg kann bekanntlich nicht mehr an der Tour teilnehmen, und so wir dem verstorbenen mit einem Drumsolo gedacht, bei dem dessen Solo vom Band kommt und lauter Live Einspielungen über die Videoleinwand das Ganze untermalen. Wirklich eine nette und schöne Geste. Ansonsten werden die Songs immer mal wieder von Kürbiscomics unterbrochen oder die beiden Sänger witzeln etwas auf der Bühne rum. Was aber wirklich geil ist, ist die Liederauswahl und wie diese intoniert werden. Da singt dann ein Kai mal seine alten Stücke, ein Herr Deris seine neuen, Herr Kiske ebenfalls seine alten Kamellen und Andi und Michael wechseln sich bei den längeren Keeper Stücken ab. Alles untermalt von stimmigen Bildern und einer guten Lichtshow bei klasse Sound, Helloween Fan, was willst du mehr? Wer die Band so auf Tour noch nicht gesehen hat, sollte das im Herbst schleunigst nachholen. Ein geiles Paket wurde da geschnürt, Headliner würdig, 2 ½ Stunden lang und danach bestimmt nicht wieder zu sehen, denn wie man merkt halten Hellwoeen an ihrer jetzigen Besetzung fest und Kai wird wohl wieder Gamma Ray aktivieren, nachdem seine Mitstreiter mit The Unity gerade ihr zweites Album veröffentlicht haben.


Die alten Recken von Bonfire haben irgendwie auch nie an Biss verloren, wohl aber an Aufmerksamkeit. Gut, als die deutschen mit dem Ami Sound das letzte Mal auf der Hauptbühne spielten war das Wacken auch noch ein gutes Stück kleiner, jetzt also in der Zeltbühne und nicht mehr ganz so Neuzugang Alexx macht seine Sache richtig top und mit einer Best Of Mischung wird dem Publikum gegeben, wonach es verlangt. Dasselbe kann man auch dem Kontrastprogramm vor der Louder Stage attestieren, denn hier spielen Eskimo Callboy ihre Mischung aus Elektro Techno und modern Metal und kaum zu glauben, wie auch hier die Kuh zu so später Stunde noch am Fliegen ist. Gerade am Beispiel Bonfire/Eskimo Callboy lässt sich festmachen, wie unterschiedlich das Wacken Publikum gestrickt ist und dass hier durchaus alt auf jung und old school auf modern zusammenstoßen und es trotzdem jedem gerecht wird.
Dennoch bleiben manche tragische Fälle nicht aus, diesmal nicht auf dem Gelände aber unmittelbar davor, als Manilla Road Mastermind Mark Shelton verstarb und somit der Gig auf dem Wacken gecancelt wurde. Für diese sprangen dann kurzfristig Savage Messiah ein. Parallel dazu gaben In Extremo als letzte Band auf der Harder Stage ein Feuerwerk mit ihrem Best Of Set ab. „Quit Pro Quo“, „Frei zu Sein“ und der „Spielmannsfluch“ entrang nochmal die letzten Vibrationen aus den gereizten Stimmbändern und somit entließen In Ex die Fans ausgelaugt nach zig Tagen Party und geiler Musik in die Nacht.

 

 

Abschließend…

Was bleibt abschließend festzuhalten? Wer den Bericht von Anfang an gelesen und bis hierher tatsächlich durchgehalten hat (Respekt, Dank und Anerkennung dafür) wird bemerken, dass ich schrieb, es seien 60.000 Karten verkauft. Tatsächlich aber dauerte es keinen Tag weiter, bis das Festival schon wieder ausverkauft ist. Es spricht wohl für sich. Warum der Vorverkauf das letzte Jahr so schleppend lief? Man kann viel vermuten, Fakt ist, das Wacken Open Air bietet eine perfekte Organisation, ein unvergleichliches Flair und Spaß für Metaller jeglicher Art. Jedes Jahr gibt es Neuerungen und Änderungen und auch wenn die Bands manchmal gefühlt immer nur dasselbe abliefern, was ja durchaus auch gewollt ist, gibt es eben doch Innovation (ich kann es selbst nicht mehr hören, haha) im Metal Sektor.
Faster, Harder, Louder, das Motto, dass die drei Hauptbühnen tragen, kann diesmal ohne Umschweife unterstrichen werden, see you in Wacken Rain or Shine, endlich mal wieder mit letzterem und was soll man sagen? Wacken ist und bleibt das Highlight des Jahres! Kaum zwei Wochen her ist die Vorfreude auf 2019, dem 30 jährigem Jubiläum, jetzt schon zu spüren!

Up The Wackens!

 

(Röbin)

 

https://www.wacken.com/de/

 

(Leider ist unser Fotograf zwei Tage vor dem Festival abgesprungen, sodass es diesmal keine Nahaufnahmen der Stars gibt, dafür eben andere Impressionen des Festivals. Inno…? Ansonsten gaben für euch Jogi, Kathi, Kathrin, Wessi und Robin da oben richtigst Gas!)


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