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Tarot, The Man-Eating Tree (Frankfurt 2010)

Tarot, The Man-Eating Tree

1.11.10 - Frankfurt, Nachtleben

 

 

Nachdem Tarot den Großteil ihrer Karriere über so gut wie gar nicht außerhalb Finnlands zu sehen waren, hat man nunmehr doch häufiger mal die Gelegenheit, das finnische Urgestein zu bewundern. Eine Gelegenheit, welche das Publikum gerne nutzte; das Nachtleben war nicht ausverkauft aber sehr gut gefüllt. Wozu nicht zuletzt Marco Hietalas Popularität in seinem Hauptberuf als Bassist bei Nightwish beigetragen haben dürfte – die meisten waren wohl angetreten, um ihn zu sehen, hatten „Nightwish“ auf der Stirn geschrieben (nein, nicht wörtlich). Es sei Tarot gegönnt, daß ihnen hierdurch etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, sie mußten lange darauf warten.

 

 

images/live-pic/2012_10/TheManEatingTree.JPGThe Man-Eating Tree

 

Los ging es mit dem Opener und dem ersten Spinal Tap-Moment des Abends, als das Intro mittendrin abkackte. Die Band nahm es mit Humor und stieg nach kurzer Verzögerung in ihr Set ein. Mit dem Material war ich nicht vertraut, aber sonderlich neugierig auf ihr Album machte mich der Auftritt auch nicht. Es war okay; The Man-Eating Tree spielen Gothic Metal, sehr pathetisch, mit großen Gesten und gewollt viel Atmosphäre. Was dabei herüberkommt, vermag aber nur anzudeuten, was die Band gerne darstellen möchte, die Songs vermochten mich jedenfalls nicht zu fesseln. Der Gesang des Frontmanns kam ebenfalls recht eindimensional daher, ein unaufhörliches Wehklagen, welches mit fortschreitender Spielzeit doch ziemlich nervte. Daß er durchaus eine variable Stimme besitzt, stellte der Mann leider ab und zu nur kurz unter Beweis. Nun denn, dafür hatte er im Deutschunterricht offenbar gut aufgepaßt und konnte hervorragend mit den Fans in ihrer Sprache parlieren. Sowas gibt einen Bonuspunkt, aber es reicht nicht aus, um die unspannende Musik aufzuwerten. Der Menschenfresserbaum darf gerne noch ein paar Übungsrunden drehen.

 

 

 

Tarotimages/live-pic/2012_10/Tarot1.JPG

 

Die Headliner des Abends wirkten dann doch eine Ecke souveräner und zeigten, daß sie ordentlich rocken können. Tarot sind nicht die Speerspitze des finnischen Metals, aber für eine amtliche Dosis Stahl ist man bei ihnen nicht an der falschen Adresse. Die Konzentration lag erwartungsgemäß eher auf den jüngeren Veröffentlichungen, während die Scheiben aus den 80ern eher stiefmütterlich behandelt wurden, zu hören gab es u.a. „Crows fly black“, „Pyre of gods“, das unnachahmlich cool betitelte „Satan is dead“, „Hell knows“ und zum Abschluß des offiziellen Sets meinen Favoriten „Crawlspace“. Ja da ging die Post ab, Tarot legten sich schön ins Zeug und rockten energiegeladen und tight. Die Band war gut eingespielt und gut aufgelegt, was in einer mitunter sehr schrägen Kabarett-Show auf der Bühne kulminierte. Hietala und Konsorten gaben sich nämlich alles andere als finnisch-schweigsam, unterhielten das Publikum mit allerhand witzigen Ansagen, nahmen sich gegenseitig auf die Schippe und sorgten so für zusätzlichen Unterhaltungswert. Was auf jeden Fall eine amüsante Sache war, ein wenig übertrieben sie es aber doch. Ich hätte jedenfalls nichts gegen etwas weniger Comedy und dafür zwei Songs mehr gehabt. So war der Set nach etwas mehr als einer Stunde bereits beendet, was heutzutage nicht mehr ungewöhnlich ist, aber für 23,- € an der Abendkasse sollte etwas mehr drin sein. Immerhin gab es mit „Warhead“ und „Traitor“ noch einen doppelten Nachschlag, bevor endgültig Schicht war und allerlei Fotoapparate und CD-Booklets der Herren Musiker harrten. Alles in allem war’s auf jeden Fall ein ordentliches Konzert und Tarot konnten ihren Ruf als sehenswerte Liveband verteidigen, aber beim nächsten Headlinergig erwarte ich auch eine würdige Spielzeit.

 

 

Bericht & Fotos. Till


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