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Von Kindern und Produzenten... - Ein Interview mit GItarrist Andi Gutjahr

 

Sprachrohr bei TANKARD ist im Allgemeinen ja Sänger Gerre. Wir haben uns allerdings gedacht, warum nicht mal Gitarrist Andi Gutjahr vor das Mikro zerren. Andi ist zwar in Sachen Bandzugehörigkeit und Alter das jüngste Bandmitglied, er ist allerdings auch für den Großteil der Musik verantwortlich. Grund genug den blonden Gitarristen auch mal zu Wort kommen lassen und ihn über seinen Background und das Songwriting bei TANKARD auszuquetschen. Die eine oder andere coole Anekdote hatte er auch parat. Andi klingelte an einem Donnerstagnachmittag durch, als er es sich an einem sonnigen Spätsommertag  zwischen Kinder hüten und einkaufen am Mainufer in Frankfurt bequem gemacht hat.Tankard_Andi1.jpg

 

TT: Andi, wie bist du zum Gitarrespielen gekommen?

 

Andi: Mein eineinhalb Jahre älterer Bruder wollte unbedingt Popstar werden und hat unsere Eltern so lange genervt, bis sie ihm eine Gitarre gekauft haben. Er hat auch Unterricht gehabt, der einen Haufen Geld gekostet hat, aber das war aussichtslos *lacht* Irgendwann habe ich mir das Ding dann geschnappt, weil ich ja Rockstar werden wollte. Er wollte Popstar werden, ich Rockstar. Dann habe ich mir gedacht, so eine akustische Gitarre ist doch nicht so das Ding, ich war damals so 13 Jahre alt. Dann dachte ich mir, um richtig Gitarre zu lernen ist es jetzt schon zu spät, also habe ich mir einen E-Bass gekauft. Da habe ich auch schon die ersten Banderfahrungen gemacht und bin dann über den Bass an die Gitarre gekommen.

 

TT: Du hattest einige lokale Bands und mit Lightmare wart ihr ja auch überregional unterwegs und habt zwei Alben aufgenommen. Wie bist du bei Tankard gelandet, die ja wesentlich härter sind, als z.B. Lightmare?

 

Andi: Als Frankfurter Bub kannte ich Tankard natürlich schon lange und war auch auf Konzerten von denen. Persönlich habe ich die Jungs allerdings nicht gekannt und auch im Speak Easy (Seit `87 DIE Metalkneipe in Frankfurt) sind die mir nie besonders aufgefallen. Im Speak Easy hing dann irgendwann ein Aushang „Tankard suchen Gitarristen!“ mit Telefonnummern zum abreissen. Da hat sich ein Kumpel einen abgerissen und ich dachte noch „Warum reisst der sich da einen Zettel ab, der spielt ja noch schlechter als ich?“.  Er meinte nur „Vielleicht lerne ich die mal kennen und kann ein Bier mit denen trinken…“. Drei Tage später war ich wieder im Speak Easy und dachte mir, ach komm, das mache ich auch. Dann musste man noch eine Bewerbung schreiben und ein paar Fragen beantworten, ob man gerade im Knast sitzt und so einen Kram...das habe ich beantwortet und wurde dann auch eingeladen. Die haben mir die damals neue CD „Disco Destroyer“ geschickt, von der ich mir die leichtesten Songs ausgesucht habe…die waren ja nicht so schwer. *lacht* Das war „Serial Killer“ und noch zwei Songs. Das war aber ganz witzig, „Serial Killer“ konnten sie spielen, aber die anderen beiden nicht, das war dann eine eher kurze Probe. Wir haben dann 10 Minuten Musik gemacht und dann eine Stunde Bier getrunken und uns unterhalten. Also wie erwartet…*lacht*

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TT: Mittlerweile hast du das Songwriting, also die Musik, nicht die Texte, ja fast komplett alleine an der Backe. War das von Anfang an so oder lief das anfangs noch anders? Waren anfangs noch Songs übrig und haben die anderen da noch was beigesteuert?

 

Andi: Nee, bei der ersten Platte lief das noch völlig anders, da sind die Songs noch im Proberaum entstanden. Bei meinen anderen Bands vorher, also hauptsächlich bei Lightmare, lief das ähm…professioneller.*lacht* Da haben wir zu Hause schon Sachen aufgenommen und Parts am Rechner zusammengefummelt. Bei Tankard stand noch ein Kassettenrecorder im Proberaum und die Jungs kamen mit Parts an, die sie zum Teil schon wieder vergessen hatten. Vor dem ersten Album hatte ich noch ziemlich Respekt. Sind meine Sachen auch das richtige für Tankard? Da war ich noch unsicher, ob meine Songs so gut passen. Es war schon komisch, den ersten Song für Tankad zu schreiben. Auf der ersten Platte mit mir („Kings Of Beer“) ist auch nur ein Song von mir drauf, der Rest ist von Olaf (Zissel - Drums) und Frank (Torwart – Bass).

 

Tankard_Andi.jpgTT: Hatten die anderen dann mit der Zeit keinen Bock oder keine Ideen mehr? Waren deine Sachen dann einfach besser oder war das eine ganz normale Entwicklung?

 

Andi: Das war eine Entwicklung. Obwohl, auf der nächsten Platte („Beast Of Bourbon“) kam schon das meiste von mir. Wir haben den Songwritingprozess modernisiert und schon vieles mit dem Rechner aufgenommen, festgehalten und auch mal hin und her geschoben, bevor ich mich dann noch mal mit dem Gerre zusammengesetzt habe. Die anderen beiden waren bestimmt schon etwas froh, dass ihnen diese Arbeit abgenommen wurde. Dem Frank macht das Songs schreiben schon Spaß, nur sind ihm 10 Songs zu viel. Dem reichen wohl so 2-3 Songs pro Album.

 

TT: Hast du als Gitarrist Einflüsse und Vorbilder gehabt?

 

Andi: Das verändert sich halt auch immer, ich gehe mal zu meinen Anfängen. Das sind ganz klar alle Scorpions Gitarristen, besonders Michael Schenker…aber auch Yngwie Malmsteen, war ein Einfluss….der kann das schon. *lacht*. Wenn ich an die Bay Area Sachen denke, sind das auf jeden Fall Exodus und auch die Gitarrenarbeit von Metallica finde ich cool. Die „Master Of Puppets“ ist von der Gitarrenarbeit her eine geile Platte…und die neuen Sachen…naja…

 

TT: Also du 1998 eingestiegen bist, waren die klassischen Metal-Sparten ja noch ziemlich am Boden, da ging es es so langsam wieder mit dem klassischen Metal los. Als die Sache wieder anlief und es wieder mehr wurde, hast du da mal überlegt, dass es eventuell etwas zu viel werden könne, sollten die Jungs wieder groß auf Tour gehen wollen oder hast du dich eh pudelwohl bei den Jungs gefühlt?

 

Andi: Im Jahr 2000 hatte der Gerre ziemliche Probleme mit der Stimme, da haben wir gar nichts gemacht. Danach hat er gemeint, komm, wir probieren es langsam mal wieder. Das hat sich langsam gesteigert, bis wir wieder auf einem Niveau von 30-35 Shows im Jahr waren. Es hat etwas gedauert und war nicht so ein „Zack, jetzt geht’s los!“. Da ich immer gerne und viel Musik machen wollte, war das auch kein Problem. Mit Lightmare haben wir ja mal eine Zeit lang quasi 3x die Woche in Alt-Sachsenhausen gespielt. Davon konnte ich ja nie genug bekommen. Mittlerweile sieht das etwas anders aus, wenn man zwei Kinder hat. *lacht*

 

TT: Hast du unter deinen Alben mit Tankard ein Lieblingsalbum? Eins, auf dem deine besten Songs sind, wo es richtig „Klick“ gemacht hat und du bei der Band angekommen warst oder eins, zu dem du sonst irgendeine besondere Beziehung hast?

 

Andi: Hm…“Beast Of Bourbon“. Auf dem Album hat alles für mich gepasst. Ich habe immer sehr gerne mit dem Andy Classen gearbeitet. Mit Martin Buchwalter und Michael Mainx war auch super, aber beim Andy Classen hat es richtig Klick gemacht. Harris Johns war ganz anders drauf. „Was spielst du denn für Plektren? Damit kann man doch nicht spielen, nimm mal das hier…! Ach die Gitarre, spiel doch mal mit der hier. Spiel mal mehr wie Tankard, das klingt doch nicht nach Tankard. Spiel schmutziger! Du sollst schmutziger spielen!!! Mach halt mal…“ *lacht* Da bin ich irgendwie nicht so angekommen. Beim Andy Classen war das anders. Der war sehr genau und ist ja auch selber ein sehr guter Gitarrist. Das hat viel besser gepasst.

 

TT: Das ist ein gutes Thema, auf das ich auch noch kommen wollte. Ihr habt mit einigen Leuten aufgenommen, die in der Szene einen guten Namen haben, recht bekannt sind und zum Teil einige Klassiker aufgenommen haben. Harris Johns hat ja schon in den frühen 80ern gearbeitet und ist einer der alten Schule. Andy Classen hat nach meiner Meinung viel am Rechner gemacht und ich schätze ihn eher als Copy-Paste Typ ein. Michael Mainx sitzt wohl irgendwo dazwischen und Martin Buchwalter setzt auf moderne Studiotechnik und ist voll am Puls der Zeit. Ich tippe, auch nachdem was du erzählt hast, dass Harris Johns für den Gitarristen der wohl anstrengenste Produzent ist?

 

Andi: Ja, die hast du schon alle ganz gut analysiert! Die Produktion mit Harris, war damals seine erste digitale Produktion. Er hat dann die Parts immer direkt geschnitten. Ich habe einen Part gespielt und er hat dann erst mal 5 Minuten daran rumgefummelt. Das war recht zäh. Wir waren 4 Wochen im Studio und wir haben ohne Kilcktrack aufgenommen. Ich war mit Olaf von Anfang an da und habe ihm die Pilotgitarre für die Drums eingespielt. Das war morgens um 8 Uhr noch ganz gut, abends um 8 Uhr dann nicht mehr so….was natürlich nicht am Alkohol lag…*lacht*

 

TT: Wie läuft das Songwriting bei euch heute? Sind erst die Texte da oder schreibst du erst die Songs und gibst sie dem Gerre, damit er Texte schreiben kann?

 

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Andi: Wir arbeiten die zusammen aus. Wir haben immer ein paar Gitarrenparts, die bekommt der Gerre zugeschickt und hört sich die an und überlegt sich ein paar Gesangslinien. Dann treffen wir uns in meinem Homestudio, arbeiten die zusammen aus, überlegen welcher Part denn was werden könnte und bauen den Song schon mal auf. Dann nehmen wir die so auf, hören uns das ein paar Mal zu Hause an und treffen uns dann wieder, um eventuell etwas daran zu ändern. Wenn wir die Songs aufbauen, ist auch der Frank dabei.

 

TT: „One Foot In The Grave“ kam ja wieder überall gut an, was ist den dein Fave auf dem Album?

 

Andi: Hm…der Titelsong „One Foot In The Grave“ ist schon einer von meinen Highlights. „Syrian Nightmare“ ebenfalls. Beide Songs spiegeln am ehesten meine Wurzeln wieder, das sind eigentlich Power Metal Songs.

 

TT: Mit Tankard läuft es in den letzten Jahren ja extrem gut. Das ging zwar nicht von heute auf morgen nach oben, aber so richtig abzusehen war das auch nicht. Immerhin sind die letzten Alben alle in den Charts gewesen und ihr zieht mittlerweile rund 400-500 Leute, oft auch mehr…

 

Andi: Das wundert uns auch total, damit hätten wir nie gerechnet. Man sieht das aber auch auf den Konzerten. Es gab mal eine Zeit, da war ich der Jüngste auf einem Tankard Konzert. Mittlerweile gibt es wieder viel Nachwuchs, die auf Konzerte gehen. Das freut uns natürlich total.

 

TT: Nach dem Wechsel von AFM zu Nuclear Blast hat der Gerre mir gegenüber in einem Interview angedeutet, das da einiges anders läuft. Bei Blast passiert wesentlich mehr und vor allem ganz anders…

 

Andi: Ja, das ist halt absolut professionell. Wir sind vorher nie in den Charts gewesen und seit wir bei Nuclear Blast sind, war jedes Album in den Charts, das sagt schon vieles. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Musik jetzt angesagter ist, aber das ist es nicht alleine. Es gibt ein Veröffentlichungsdatum und daraufhin läuft die ganze Promotion. Bei AFM war das nicht so schlimm, ob die Platte jetzt diese oder nächste Woche verkauft wird. Der Flori (Florian Milz, NB-Promoter) macht Promotion, das ist schon der Hammer, was da passiert. Bevor das Album erscheint, sind bei YouTube einige Videos und Promoclips zu finden. Nuclear Blast stehen nicht zufällig da oben. Als bei AFM noch der Henner (Andy Allendörfer, 2005 verunglückter Gründer von AFM Records und Gitarrist/Sänger bei Squealer) die Firma noch unter Kontrolle hatte, war das eher ein Familienbetrieb. Henner hat auch sau viel für Tankard gemacht. Am Ende hatten wir aber den Eindruck, dass wir wirklich nur eine Band unter vielen waren und sich keiner so richtig Mühe gegeben hat.

 

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TT: Ihr seid ja nicht nur in Europa unterwegs, es kommt ja durchaus mal vor, das es eine kurze Tour durch Südamerika gibt. Da gibt es doch bestimmt die eine oder andere Anekdote zu erzählen, oder? Das wäre ein gelungener Abschluss, denke ich…

 

Andi: Ja, eigentlich tausende Sachen, das ist immer sehr witzig, puhh…die letzte Südamerika Tour war schon heftig mit 10 Konzerten in 11 Tagen in 9 Ländern. So viel sehen kann man da aber gar nicht, weil man nur am rennen und quasi täglich am Flughafen ist.

 

TT: Wie sind denn so die einzelnen Veranstalter drauf? Da gibt es doch bestimmt einige, die keine Ahnung haben oder völlig anderen Vorstellungen, wie man ein Konzert organisiert.

 

Andi: Oh ja, auf jeden Fall, da gibt es immer witzige Sachen. Also in Peru haben wir in einem Hinterhof gespielt, mit einer riesigen Open Air Bühne. Nebenan haben aber alle Leute ihre Autos geparkt, da sind, während wir spielten, durch die Lautstärke andauernd die Alarmanlagen losgegangen. Die Gigs dort waren zwischen hochprofessionell und dilettantisch eine echte Gratwanderung. Beim letzten Gig in Kolumbien standen wir am Flughafen, während noch um die 3000 Dollar oder so verhandelt wurde und wir wollten eigentlich nur etwas essen und trinken. Nach zwei Stunden Verhandlung sind dann Plastiktüten mit Dollarscheinen hin und her gewandert. Abends waren dann gefühlte 70 °C in der Halle und 1500 Leute da und es gab nichts zu trinken, also auch kein Wasser. Das ging gar nicht. Wir haben dann gesagt, ohne Wasser spielen wir nicht. Dann wollten die uns noch verarschen und haben uns Leitungswasser in Flaschen abgefüllt. Manchmal ist es schon kurios. Da wandern 3000 Dollar in Plastiktüten umher und abends ist kein Geld da, um Wasser zu kaufen.

 

(Schnuller)

 

http://www.tankard.info/

 


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