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totentanz nr. 29

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tankard

 

Interviews mit Gerre sind immer Willkommen. Gerre ist immer ein unterhaltsamer und redefreudiger Gesprächspartner und einer der wenigen, der ohne sich dauernd wiederholende Phrasen auskommt. Hinzu kommt, dass der Tankard Fronter immer die eine oder andere Anekdote parat hat und auch gerne mal aus dem Nähkästchen plaudert. An diesem sonnigen Donnerstag in einer Rock- und Fußballkneipe in Frankfurt war er sogar richtig in Plauderlaune, ob das an dem guten Apfelwein liegt, lasse ich mal dahingestellt.

 

 

Zum Anfang erst mal fast die gleiche Frage, wie beim letzten Mal. „A Girl Called Cerveza“ ist eure 15. Scheibe. Beim letzten Interview hattest du noch gemeint, dass Annihilator auch so viele hätten. Tja, die kommen im Moment „nur“ auf 13 Studioalben.

 

Gerre: Zur letzten Scheibe habe ich in einigen Interviews auf den Bierkasten angespielt. Da waren 14 Flaschen drinnen, für die 14 Alben. Ich habe da aus Spaß gesagt, die Kiste machen wir noch voll. Von daher könnt ihr  noch mit einigen Scheiben rechnen. Zudem haben wir mit Nuclear Blast ein neues Label und die geben richtig Gas. Da läuft bei der Veröffentlichung einer CD eine ganz andere Maschinerie an. Mit Videotrailer und Studiovideos, groß das Plattencover enthüllt. Die geben schon sehr viel Gas. Der Florian Milz macht seinen Job schon sehr super. Der Andy Siry, der uns gesignt hat, ist ein alter Tankard Fan. Der will es halt noch  mal wissen. Die neue Tankard kommt am gleichen Tag raus, wie die neue Testament. Mal sehen, was da geht, vielleicht noch mal einen Schritt nach vorne.

 

Ich finde, dass die neue Scheibe ein ganzes Stück melodischer ausgefallen ist. Vom Riffing her, aber auch die Soli sind etwas dominanter.

 

Gerre: Der Andy (Gutjahr, Gitarre) ist ja eher ein traditioneller Heavy Metal Gitarrist. Die größter Änderung, würde ich sagen, war ja der Produzentenwechsel nach der „Thirst“. Vom Andy Claasen zu Michael Mainx. Wir waren ja immer zufrieden mit dem Andy Claasen, der macht aber eher einen Bombasto Sound und wir wollten halt mal etwas Transparenteres haben. Ich finde die „Vol(l)ume 14“ auch nach wie vor gut vom Sound, wir wollten die Gitarren jetzt aber etwas knalliger haben. Ich denke mal, dass ist jetzt eine ganz gute Mischung. Immer noch recht transparent, aber knallt ganz gut. Ein Vorteil war auch, dass wir im Studio 23 in Frankfurt aufnehmen konnten. Das war eigentlich gar nicht so geplant, aber der Michael Mainx hatte vor und nach uns dort eine Produktion. Da war es vom Organisatorischen her einfacher und es war auch ganz angenehm, mal in Frankfurt aufzunehmen. Da konnte man immer mal schnell hinfahren und was ausbessern. Das war das erste Mal, das ich zu Hause schlafen konnte, wenn wir eine Platte aufnehmen.

 

Ich finde den Sound auch ziemlich gut. Speziell die Drums sind ordentlich, aber ballern nicht alles zu. Hattet ihr das vorher abgesprochen, dass es diesmal nicht ganz so trocken werden sollte?

 

Gerre: Als das langsam spruchreif wurde, dass wir in einem Jahr aufnehmen, haben wir uns zusammengesetzt. Das war bei Frank, unserem Basser, ich kam mit zwei Taschen CDs an und da haben wir uns durchgehört, wie es den evtl. klingen soll. Ich bin da eigentlich für alles offen. Wir sind dann auch auf den Trichter gekommen, dass wir nochmal mit dem Mainx aufnehmen wollen. Wir haben uns aber vorher mit ihm mal getroffen und geklärt, wie wir es haben wollen. Es soll transparent bleiben, aber ruhig etwas mehr knallen. Der Mainx kümmert sich auch sehr um den Gesang. Das ist zwar sehr anstrengend, aber er hat super Ideen. Da kommt auch kein falscher Ton durch, das gibt es bei ihm nicht. Er hat dann bei den letzten 3 Stücken angefangen Keyboard dazuzuspielen. Vorher hat er mir die richtigen Töne immer vorgesungen, dass hat nicht so ganz funktioniert. Zu dem Keyboard konnte ich aber gut nachsingen. Der Harris Johns (hat die ersten Tankard Alben produziert - Holger) hat auch viel Wert auf den Gesang gelegt, das war aber eher eine Qual bei ihm. „Sing mal einen halben Ton höher!“ Was weiß ich, was ein halber Ton ist *lacht*.

 

Hat der Andy die Scheibe auch wieder alleine geschrieben?

 

Gerre: Hat er! Wie auch schon bei der letzten CD, ist der Großteil wieder vom Andy. Es kam zwar immer noch was von dem einen oder anderen aus der Band dazu,  aber im Grundsatz ist alles vom Andy. Bis auf den Refrain vom Titelsong, der ist von unserem alten Gitarristen Andy Boulgaropoulos. Das hört man aber auch irgendwie, der ist etwas punkig. Er kam zwar mit dem kompletten Song an, wir haben aber nur den Refrain genommen. Die Arbeitsweise bei uns ist so. Andy macht einen Song, drückt mir eine CD in die Hand und ich versuche mir am PC tankardpicirgendwas Schlaues für die Teile auszudenken. Dann fahre ich zum Andy, der hat ein kleines Studio und wir nehmen das als Demo auf. Meistens ist auch recht schnellklar, was z.B. der Refrain werden soll. Bei „Son of a Fridge“ z.B., sollte über den Anfang mit dem Geklimper gar kein Gesang, mir ist aber trotzdem was eingefallen. Der Olaf und der Frank kommen dann auch nach und nach zum Andy und spielen ihre Sachen ein. Wie immer bei uns, haben wir zu spät mit dem Songschreiben angefangen. Cover und Titel waren schon alles fertig, bevor irgendeine Note geschrieben war.

 

Bei vielen ist es ja umgekehrt...

 

Gerre: Bei uns nicht...aber wir gehen immer mit fertigen Songs ins Studio. Im Studio wird bei uns nichts mehr geschrieben, das geht nicht. Die letzten vier Wochen vor so einer Produktion bricht immer ein heilloses Durcheinander aus. Wir sind aber auch eine Band, die den Zeitdruck irgendwie braucht, damit was Gescheites dabei rauskommt. Die Texte sind auch fertig, wenn wir ins Studio gehen. Es wird aber immer mal noch etwas umgeswitcht bei den Texten, da legt der Michael Mainx viel Wert darauf. Wenn irgendwas nicht richtig klingt, dann wird mal ein anderes Wort gesucht. Ich habe mir immer für mich gedacht, 2-3 Takes und der Song ist fertig. Vielleicht kann man da noch 2% oder 5-10% rausholen und genau das macht der Mainx. Wir haben diesmal auch überhaupt keine Backings auf der Platte. Das bin alles Ich. Vielleicht mal 4 Stimmen übereinander gelegt. Der Frank (Thorwarth – Bass) meint, dass klingt tausend Mal besser, wenn ich das alleine mache, als wenn da drei Hansels rumschreien.

 

Kommen wir doch zu den Texten...

 

Gerre: Da kann ich nix zu sagen, die kapier ich selber nicht...

 

Scherzkeks! Auf der CD sind vorneweg 3-4 Songs die über Beziehungen gehen, im weitesten Sinne...

 

Gerre: Naja, wir sind jetzt alle über 40 und entdecken langsam das Thema Liebe für uns...*lacht*. „Metal Lady Boy“ fällt da ja ganz klar rein...

 

Was hat Doro, mit der du da im Duett singst, gesagt, als sie den Text bekommen hat?

 

Gerre: Das habe ich ganz geschickt angestellt. Die hat erst mal nur den Song mit den Pilotvocals bekommen. Danach hat sie gemeint, „OK, gefällt mir, mach ich“. Dann hat sie den Text bekommen. Der wurde noch ein bisschen entschärft, da kamen noch Wörter wie „Dick“ drinnen vor, die habe ich dann doch rausgeschmissen. Sie hat auch nicht hier aufgenommen, sondern zu Hause. Da werden immer irgendwelche Files hin und her geschickt, ich habe ja von so einem Kram keinen blassen Schimmer. Der Mainx hätte sie schon gerne im Studio gehabt, aber das ging aus Zeitgründen nicht.

 

Der Song gefällt mir am wenigsten auf der CD. Ich finde den am Ende irgendwie zu lang, da hätte man etwas straffen können...meiner Meinung nach...

 

Gerre: Das ist auf meinem Mist gewachsen. Ich nehme mir die Kritik aber zu Herzen...haha. Im Dezember war Doro ja in Aschaffenburg. Ich finde Doro ja Weltklasse. Sie hat eine Super- stimme und macht so viel Power live und einer der nettesten Leute ,die ich im Metal Business kannengelernt habe. Die macht wirklich alles für ihre Fans. Aber auch total entspannt. Da hüpfen 50 Leute im Backstage rum, aber die ist total entspannt. Aber wie gesagt, ich tankard coverwar auf dem Konzert, wir hatten auch schon was getrunken und ich stand dann auch mal in der dritten Reihe. Da sieht sie mich „Hey, der Gerre von Tankard, was machst denn du hier. Komm mal auf die Bühne!“. Da bin ich dann hochgestolpert und habe „All We Are“ mit ihr gesungen. So eine halbe Minute, dann habe ich gemerkt, Oh, ich wanke ganz schön, ich gehe besser wieder runter, bevor es peinlich wird. Dann später, Backstage, kam mir die Idee, ich habe sie darauf angesprochen und E-Mails ausgetauscht. Dann habe ich wochenlang nix gehört, aber dann kam ein „OK, machen wir“.

 

Ein Tatsachenbericht ist der Text zu „Metal Lady Boy“ aber nicht, oder?

 

Gerre: (holt tief Luft)...pfff...einem Bandmitglied von uns, ist da was passiert, ich darf den Namen aber nicht verraten...*lacht* Nee, das ist eine fiktive Story. Wir haben im Juli 2011 in Bangkok/Thailand gespielt und die Hälfte der Crew, ist noch eine Woche da geblieben. Aber du raffst da echt gar nix mehr. Ist das jetzt Männlein oder Weiblein? Mir kam dann natürlich die geisteskranke Idee, einen Text darüber zu machen.

 

 

Was hast du eigentlich zu „Son Of A Fridge“ zu sagen. Der Titel klingt nach einer sehr obskuren Geschichte...

 

Gerre: Das ist auch ein etwas ernsterer Text, wo einer in einen Inner Deep Freeze Status gelangt, weil er Angst hat...und...ähm...ach, ich kapiere den Text auch nicht so richtig. *lacht*

 

In „Witch Hunt 2.0.“ geht es ja mit Sicherheit um die moderne Hexenjagd im Internet…

 

Gerre: Ja, die ganzen Vorteile die du hast durch das Internet, du bist mit allen Leuten connected, kannst schnell Informationen austauschen....der Kram. Wenn ich mir überlege, wie ich Anfang der 80er an den Exciter Fanclub in Kanada geschrieben habe und vier Wochen später kam dann eine Antwort, das war schon geil. Aber jetzt, wenn Leute anonym über andere herziehen, das ist halt nicht unser Ding, sogar schon richtig bedenklich. Da kann man ja Leute richtig fertig machen.

 

In „Not One Day Dead“ geht`s darum, das ihr in den ganzen Jahren nie aufgehört habt…

 

Gerre: Jaja, Selbstbeweihräucherung hoch 10! Das musste mal sein. Bis auf den kleinen Schlenker bei der „The Tankard“. Mitte der 90er, war Thrash Metal oder überhaupt der ganze klassische Metal weg. Aber wir waren irgendwie immer da. Das honorieren die Leute auch. Bei Konzerten sieht man dann so alte Säcke wie uns, aber auch teilweise 16-17 jährige Kids. Das ist schon sehr geil. Ich weiß jetzt nicht, ob das wieder so ein Thrash-Hype wie Mitte der 80er ist, aber schau mal, die neue Kreator („Phantom Antichrist“) ist gerade auf Platz 5 in den Deutschen LP Charts eingestiegen, dass ist der Hammer!

 

In den 80ern, war die ganze Sache halt noch neu, diesen Effekt  wird man heute nicht mehr haben.

 

Gerre: Bei uns steht ja eh der Spaß im Vordergrund. Die 90er waren schon hart, wenn man da in einem Jahr gerade mal 3 Gigs hat. Wir haben aber trotzdem durchgeprobt...

 

Wie war den die Show auf dem Rock Hard Open Air? Das war ja auch als spezielle Jubiläums Show angekündigt...

 

Gerre: War super! Wir sind gut angekommen und hatten ja noch ein paar Gimmicks eingebaut. Wir hatten zweimal eine Tänzerin auf der Bühne und hatten unseren Kumpel Bomber, den King Of  Beer (vom Kings Of Beer-Cover), auf einem Bierthron für die letzten zwei Songs auf die Bühne gefahren. Wenn du der Dame auf dem neuen Cover tief in die Augen schaust, wirst du merken, das es seine Zwillingsschwester ist...*lacht*

 

Und wo wir schon bei besonderen Shows sind, wie war es auf der 70.000 Tons of Metal?

 

Gerre: Gutes Stichwort, es gibt eine limitierte CD. Da ist das Video zum Titeltrack drauf und ein Boatleg, weil`s ja auf einem Boot aufgenommen wurde, von unserem zweiten Gig dort. Der war morgens um 4 Uhr und noch ein Interview mit I-Music One. Das waren halt 4 Tage Dauerparty. Als wir los Richtung Schiff wollten, mit Taxi und so, meinte ein Kumpel von uns, der auch unsere Homepage macht: „Transport ist organisiert!“...auf einmal kam eine Stretchlimousine vorgefahren. Wir mussten so lachen...aber auf dem Schiff war es schon geil. Die ganze Zeit Metal tankard wappenbis um 4 Uhr nachts und dann noch in die Karaoke-Bar. Rund um die Uhr Dauerbefeuerung, man trifft dauernd Leute und das ist alles eine große Familie. Blöd war nur, wir haben einmal unter Deck gespielt und einmal auf dem Pool-Deck. Der Gig wurde dann aber leider von 18Uhr auf 4 Uhr nachts verschoben, da war ich dann erst mal etwas angesäuert und habe da mal vorgesprochen. Aber es waren echt noch gut Leute da, von daher war es geil.

 

Du hast mit Bobby jetzt tatsächlich einen Song aufgenommen? Erzähl dazu doch mal was.

 

Gerre: Die Idee wurde ja letztes Jahr auf dem Rock Hard geboren, wo wir ja auch gefilmt haben. Das war bei der Buchvorstellung von...ähm...“Kumpels in Ketten“ oder so...wie hieß das noch.  („Kumpels in Kutten - Heavy Metal im Ruhrgebiet“ von Holger Schmenk + Christian Krumm – Holger).Da saßen wir bei der Buchvorstellung auf dem Rock Hard Festival und auf einmal kam eine Frage aus dem Publikum: „Wann macht ihr den endlich mal Musik zusammen?“. Das wurde dann immer so weitergesponnen, auch Bandnamen sollten die Leser dann einschicken. Der Waldemar Sorychta (Ex-Grip Inc), der ja auch die letzte Sodom produziert hat, hat ja noch 48 Mio. Hits in der Schublade, hat mir den Song geschickt. Das ging etwas hin und her, und ja.

 

 

 

OK, zum Schluß wie immer, was steht als Nächstes an?

 

Gerre: Ja, Festivals und Einzelshows, wie gehabt. Es haben ja alle Familie und wir haben uns irgendwann mal entschieden, das semi-professionell zu machen. Das hat seine Vor- und Nachteile. Mann kann halt nicht alles machen. Wir haben die Overkill Tour angeboten bekommen, das hätte ich vor 20 Jahren sofort gemacht. Auf der anderen Seite ist man total unabhängig, man muss nicht von der Mucke leben. Ganz im Ernst, wenn ich auf Konzerte gehe, sehe ich schon manchmal, das die Band schon 40 Gigs hinter sich hat. Ich merke ja auch nach 3 Tagen, das mir alles wehtut, man wird halt nicht jünger. Wir spielen das Summer Breeze, Bang Your Head, Party San, Headbangers Open Air...wir spielen wahrscheinlich noch in der Ukraine auf einem Festival, Bulgarien und nach Italien fahren wir. Der einzige Sinn dieser Band, ist auf der ganzen Welt möglicht viele Biere zu testen...

 

(Schnuller)

 

www.tankard.info

 

 

 


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