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Holy Terror in China!

 

Mit „Breaking The Silence“ haben ASSASSIN aus Düsseldorf (incl. Ein Wahl-Chinese) nun endlich einen Nachfolger für ihre 80er Scheiben „The Upcoming Terror“ und „Interstellar Experience“ auf dem Markt. Seit dem Reunion Gig in Wacken, sind die Jungs eher durch Unbeständigkeit im Line Up und dem eher mäßigen Demo „The Club“ aufgefallen. Daher kommt das neue Album erschreckend souverän aus den Boxen. Gründe und Erklärungen liefert Gitarrist Michael Hofmann am Telefon.

 

TT: Es hat jetzt eine ganze Weile gedauert, bis ihr nach der Reunion mit einer neuen Scheibe parat steht. Habt ihr kein Label gefunden?

 

Michael: Nee, das war definitiv nicht das Problem. Das Problem hat am Anfang gestanden. Ich habe damals noch in Brasilien gewohnt und Robert (Gonella – Voc.) in China und da ist es schon schwierig sich zu treffen. Das mit dem „Treffen“ haben wir dann irgendwann mal in Deutschland hinbekommen. Das hat auch gefunkt. Dann hat es doch wieder nicht geklappt, weil der Bassist (Ur-Basser Lulle) keinen Bock mehr auf Thrash Metal hatte. Es halt ein bisschen gedauert und es kamen etliche Besetzungswechsel. Wir haben ja fast jede Show mit einem anderen Basser gespielt. Die ganze Zeit haben wir eigentlich feste Leute gesucht und das hat aber gedauert. Jetzt haben wir die und es passiert auch mal wieder was.

 

TT: Hattet ihr einen Deal gleich in der Tasche oder hat das auch eine Weile gedauert?

 

Michael: 2003 hat von uns keiner über einen Deal nachgedacht. Da kam die Idee von den Jungs von Wacken. Damals war ich aber noch nicht wieder dabei...

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TT: Das war noch mit Dinko und Scholli (den beiden Gitarristen der ersten Scheibe – Holg) oder?

 

Michael: Richtig! Auf die Resonanz von Wacken haben die sich gedacht, da könnte man doch weitermachen. Die hatten damals den Steif als Drummer (jetzt bei Holy Moses – Holg). Das war alles etwas durcheinander. Die Jungs hatten damals noch ein Demo gemacht, dass war aber alles nicht so zufriedenstellend und klang gar nicht mehr nach Thrash. Irgendwann haben sie mich gefragt, ob ich nicht wieder Bock hätte. Dann haben wir eine Zeit lang mit 3 Gitarren weiter gemacht. Dann lief das mit dem Steif nicht mehr so gut...hm...das passte aber auch alles nicht so zusammen, zu dieser Zeit. Jeder hatte eine Idee und wenn so viele Leute an einem Album arbeiten, da waren an die 10 Leute die da mitgeschrieben haben, da konnte das nichts werden.

 

TT: „Interstellar Experience“ hattet ihr damals bei Harris Johns (Tankard, Voivod) aufgenommen. Wolltet ihr die neue Scheibe gleich wieder mit Harris in Berlin aufnehmen oder hat sich das so ergeben?

 

Michael: Ich hatte die ganzen Jahre immer mal wieder Kontakt mit ihm. Er war auch eine Zeit lang in Brasilien und hatte auf einer Sodom Tour mit mir den Sound gemacht (Michael spielt von 90-91 bei Sodom- Holg). Nach einer Jägermeister Nacht hat er uns dann auch ein geiles Angebot gemacht. Das hat dann aber noch eine Weile gedauert, bis wir mit dem Songwriting für das Album fertig waren. Ich habe ihn dann angerufen und gefragt ob das noch steht. Er meinte nur: „Ja, klar...“. Das lief alles ganz ungezwungen ab. Groß über Geld haben wir nicht geredet, das große Erwachen kam dann erst später...haha.

 

TT: Auf der „Interstellar...“ hat er euch ja damals auch einen mördermäßigen Gitarrensound hingezaubert...Assassin_Michael

 

Michael: Ja, absolut! Den haben wir auf dem neuen Album leider nicht mehr so hinbekommen. Der Sound kam aber nur durch Zufall zustande.

 

TT: Angeblich hat er damals ja irgendeinen speziellen Mesa Boogie Amp einfliegen lassen? So etwas stand mal in einem Interview...

 

Michael: Wir wollten einen ultrabrutalen Sound haben. Wenn du aber keine Ahnung hast, wie willst du dahin kommen? Wir hatten ja auch keine genaue Vorstellung wie. Wir hatten unsere Marshall Amps mit einem Tube Screamer davor. Wenn man das laut vor der Box hörst, klingt das schon ganz gut. Wenn das aber etwas leiser aus den Studioboxen kommt, klingt das schon wieder scheiße...haha...na ja, fast. Wir haben nur zu ihm gesagt, „Das ist zu wenig Verzerrung. Wir brauchen mehr Verzerrung! Das muss alles härter sein, wir haben keinen Bock auf so eine Scheiße“...haha (schmeißt sich fast weg am Telefon).Harris meinte nur, man könne noch das und jenes machen. Auf einmal kam er mit einem kleinen Verstärker an, das war dann dieser Boogie, den er gemietet hatte...

 

TT: ...also doch nicht einfliegen lassen...

 

Michael: Ich hab keine Ahnung, wo der den her hatte, aber einfliegen hätte von der Zeit nicht hingehauen und wäre wohl auch zu teuer geworden...

 

TT: Klingt aber besser als „ausgeliehen“...

 

Michael: Haha...stimmt...am Ende war das dann so. Wir hatten drei Verstärker und den Verzerrer hintereinander geschaltet. Den Tube Screamer vor den Boogie. Den Boogie als 1. Vorstufe vor den Marschall als, zweite Vorstufe und noch einen anderen Amp als Endstufe. Dann haben wir zu ihm gesagt: „Jetzt klingts geil!“. Ich habe ihn auch gefragt ob er das wieder so hinbekommt, er wusste aber auch nicht mehr genau, wie er das gemacht hatte.

 

TT: Wie zufrieden seid ihr den mit „The Club“ im Nachhinein? Das Demo kam 2005 raus und war ja nicht so der Reißer, auch wenn einige Songs jetzt auf „Breaking The Silence“ gelandet sind.

 

Michael: Das ist halt so eine Sache. Ich hatte ja gesagt, das alles etwas durcheinander war und dass jeder an den Songs mitgeschrieben hat. Das war auch kein richtiges Thrash Album. Ich kann verstehen, dass es nicht so gut ankam, wenn man was wie „Interstellar...“ erwartet. Da kamen so viele Ideen zusammen und jeder hatte ja auch andere Sachen zwischendurch gemacht. So kam das zustande. Nur der Robert hat immer Thrash gemacht. Der kann ja auch nicht singen...ist ja auch kein Sänger. Wir haben ihn ja auch noch nie Sänger genannt...

 

TT: Als „Brüllbolide“ wurde er in einer News bezeichnet...

 

Miachael: Jaaaa...haha...das fand ich geil, habe ich auch gelesen. Das ist echt das beste Wort für ihn...haha. Das ist auch jedem bei uns aufgefallen....ähm...“The Club“ war eher so ein „sich wieder finden“ würde ich sagen. Wir hatten uns vorher auch keine richtigen Gedanken gemacht, wie das Album klingen soll. Einer wollte seine Mutter grüßen, der andere einen Song über seine Freunde machen...dann kommt so was dabei raus. Ich kann schon verstehen, warum das nicht so gut ankam.

 

TT: Deswegen war ich überrascht, das „Breaking The Silence“ sehr einheitlich rüberkommt. Halt wie aus einem Guss und nicht so zerfahren. So, gehen wir mal ein paar Jahrzehnte zurück. Assassin haben sich Mitte der 80er schon alleine durch die beiden Demos einen rieseigen Bekanntheitsgrad geschaffen. Das erste Demo ging, trotz des üblen Sounds, über 500 mal weg und das zweite noch mal doppelt so viel. Heute stellen viele ihre Demos ins Internet zum kostenlosen Download. Denkst du noch daran zurück, wie man mit einer Kassette quasi die Welt erobern konnte?Assassinband_2011

 

Michael: Ich denke, dass ist schon immer noch dasselbe. Zum Teil kommen aber wirklich noch Leute mit den original Kassetten an und wollen die signiert haben. Ich habe auf den Demos zwar nicht mitgespielt, aber das ist schon ein cooles Gefühl. Das wurde damals ja noch alles per Hand gemacht. Kopiert und gefaltet und jetzt, über 20 Jahre später, hat das noch einer. Jetzt in Japan zum Beispiel, haben wir auch von den Demos welche unterschrieben. Das ist echt bizarr...

 

TT: Ich hatte mir damals beide Demos zusammen bestellt. In dem Umschlag waren dann mehr Flyer und Zettel und kopierte Poster mit Autogrammen und Gedöns drinnen, als Demo...haha...

 

Michael: Ja, korrekt, geil. Haha...die Zeit war aber halt auch eine andere. Da konntest du nix anderes machen, als im Proberaum mit dem Kassettenrecorder aufnehmen. Für das zweite Demo wurde dann aber schon Geld in einem Studio ausgegeben...haha. Ich habe damals aber auch alles gesammelt was ging. Alle schwarz/weiß kopierten Magazine von A bis Z und Demos von allen möglichen Bands, die nie irgendwie weiter gekommen sind. Man wurde einfach nicht satt.

 

TT: Ihr habt letztens auch in China gespielt. Was war das für eine Erfahrung?

 

Michael: Der Robert lebt ja seit 10 Jahren in China. Der macht dort eine Fußballliga, IFFC heißt das Ding, das ist so eine International Friendship Geschichte. Der hat da natürlich die Kontakte, unter anderem zum Painkiller Magazin, die das organisiert haben. Wir hatten das Angebot in Japan zu spielen, dann ging es einfach nur darum, einen Flug zu bekommen, der über China geht. Der Japaner hat quasi unseren China Gig finanziert, dass war schon ganz cool. Es war aber ein bizarres Gefühl...ich sag schon wieder bizarr...aber das war es auch. Wir spielen da in China Songs wie „Fight To Stop The Tyranny“ und „Holy Terror“...

 

TT: Da ist ja eigentlich Ärger vorprogrammiert oder haben die das gar nicht geschnallt?

 

Michael: Weiß ich nicht...das hört sich jetzt blöd an. Wir hatten echt das Gefühl, in China haben wir mehr Freiheit, als in Japan. Da war alles offen, wir konnten kiffen, wo wir wollten, Nachts rumlaufen und saufen. Ok, das war in Japan auch kein Problem, aber am Zoll dachten wir, es gäbe große Untersuchungen und wir landen gleich im Knast. Das war aber kein Problem. In Japan haben die uns dann komplett gefilzt und durchsucht, das hätte ich eigentlich in China erwartet. Es hat auch keiner gefragt, ob wir „Fight To Stop The Tyranny“ nicht lieber weglassen wollen, das war nie ein Thema. Und das, obwohl es in China ja definitiv eine Zensur gibt. Bei dem Konzert waren dann auch zwei Funktionäre da, die ganz dubios rumstanden.

 

TT: Da Robert ja in China wohnt, wird es mit Konzerten bei uns ja recht schwer oder?

 

Michael: Nee, das ist schon alles abgeklärt. Jeder muss sich jetzt ein bisschen umdrehen, auch der Robert in China. Wir haben ein professionelles Booking und da wird schon einiges kommen. Wir haben geplant viel zu spielen und in der Band ist eben keiner der einen normalen Job hat, da sind wir recht flexibel. Nur der Robert muss in China mal für Ersatz sorgen, damit er hier rüber kann.

 

TT: Wird auch Zeit, ich habe euch erst einmal gesehen und das war `88 im Bootshaus Wiking in Offenbach...

 

Michael: Alter...das weiß ich noch...da sind ja Sachen passiert...das glaubst du gar nicht. Unser Basser Lulle hatte da in einer Hundehütte gepennt. Wir waren alle so besoffen und keiner wusste, wo geschlafen wird. Da war noch was mit einem Keller, da hat einer gepennt. Einer in der Hundehütte und einer ist in ein Hotel gegangen. Hat sich einen Vorhang runtergerissen und im Gang gepennt. Wir waren alle total ungeplant aufgeteilt...mit AOK haben wir da gespielt oder?

 

TT: Ja, die waren auch dabei...

 

Michael: Haha...ich weiß es noch, ein Wahnsinnskonzert...

 

TT: So, eine Frage habe ich noch. Im Pott war ja in Sachen Thrash extrem viel los. Die meisten Thrash Bands aus Deutschland kamen daher. Was sind deine LieblingsAlben aus eurer Ecke?

 

Michael: Die „Pleasure To Kill“ von Kreator ist bis heute der absolute Hammer. „Infernal Overkill“, aber Destruction sind nicht aus dem Pott. „Sodomy And Lust“ von Sodom war super, ab da habe ich Sodom ernst genommen. Die Sachen davor wurden ja eher belächelt. Das Stück selber ist auch der Hammer. Von Deathrow fand ich das erste Album „Riders Of Doom“ absolut super. Als die dann technischer wurden, war`s aus. Aber wir waren ja alle im gleichen Proberaum. Darkness gab es ja noch, die waren live immer sehr geil, aber auf Platte haben die mich nicht überzeugt.

 

TT: Wir haben ja schon drei. Das war es dann auch, eine schöne Geschichte war zum Schluss ja auch dabei.

 

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(Schnuller)


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