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T. S. Orgel - Der Skandal

T. S. Orgel - Der Skandal

(Heyne Verlag)

 

- New-Food-Thriller mit diversen Längen und einigen Schwächen -

 

Berlin in der nahen Zukunft, zu einer nicht näher bestimmten Zeit im Winter. Mit einer erschütternden Erkenntnis im Gepäck macht sich Journalist Peter Heigen auf den Weg zu seiner Freundin Lisa. Dort kommt er allerdings nicht an. Stattdessen landet Peter, nach einem vorsätzlich an ihm verursachten Unfall, schwer verletzt im Krankenhaus. War dies eine Warnung oder hatte man ihn gar töten wollen? Als Peters Schwester Anna Heigen, eine ruhelose Weltenbummlerin, von dem Unfall ihres Bruders erfährt, reist sie sofort an, um gemeinsam mit Peters Freundin Lisa Dorner für ihn da zu sein. Anna, die in der nun verwaisten Wohnung ihres Bruders unterkommt, lässt sich in der Folge schnell in den Bann von Lisas und Peters Aktivistengruppe ziehen. Eine neuartige Hirn- und Nervenkrankheit ist aufgetreten. Offensichtlich sind die Krankheits- und Todesfälle auf künstlich gezüchtetes Laborfleisch, welches eigentlich als Heilsbringer für die gesamte Ernährungswirtschaft dienen sollte, zurückzuführen. In dem weltweit agierenden Großkonzern Light Foods und deren CEO Dan Light ist schnell ein Sündenbock gefunden...und schon ist er perfekt: Der Skandal!

 

Hinter dem Pseudonym T. S. Orgel verbirgt sich das Brüderpaar Thomas (* 1973 in Görlitz) und Stephan Orgel (* 1976 in Görlitz), welches Fanatstikfreunde unter anderem von den erfolgreichen Romanserien "Orks vs. Zwerge" und "Die Blausteinkriege" her kennen dürften. Mit ihrem neuen Biothriller "Der Skandal" haben sich der Grafikdesigner und der Verlagskaufmann erstmals auf fremdes Terrain begeben und sich dem durchaus interessanten, wie aktuellen Thema in-vitro-Fleisch angenommen. Im Stile Marc Elsbergs oder Andreas Brandhorsts entwerfen die beiden Schriftsteller auf 448 Seiten, ein durchaus brisantes Szenario. Die Geschichte galoppiert anfangs geradezu über die Buchseiten des rasanten Biothrillers. Die beiden Autoren binden die Gegebenheiten der jeweiligen Situationen und Lokalitäten geschickt in ihre Geschichte ein. Sie kehren dabei ohne viel Geschwafel direkt wieder zum Kern der Geschichte zurück. Doch genau diesen Aspekt lassen Thomas und Stephan Orgel ab einem gewissen Zeitpunkt nahezu vollkommen außer Acht, was daraufhin in einem kontraproduktiven Effekt mündet. Der Spannungsbogen wird aufgeweicht, ja regelrecht platt getreten und unnötig in die Länge gezogen. Weit über 250 Seiten lang geschieht wenig bis gar nichts. Der gemächlich und unaufgeregt vor sich hin plätschernde Aufbau stört gleichermaßen Lesefluss, wie Spannung und erstickt den anfänglichen Lesespaß im Nu.

 

Eine wirklich stichhaltige und nachvollziehbare Erklärung, warum die Firma Light Foods in Verdacht geraten ist, erfolgt auch bis Seite 250 nicht. Da ist es doch sehr verwunderlich, dass sich die, ansonsten recht intelligent wirkende Anna Heigen, aufgrund haltloser Behauptungen, von der Aktivistengruppe zu einer hirnrissigen und hochkriminellen Aktion anstiften lässt, auf die sie trotz jeglicher fehlender Kausalitäten prompt eingeht. ©Birgit MühlederDass dieser Schuss nach hinten losgehen muss, ist so klar, wie das Amen in der Kirche. Befremdlich fand ich ebenfalls den Aspekt, dass Anna hunderte Seiten lang nicht an ihren, schwerverletzt im Krankenhaus liegenden Bruder denkt, für den sie das irrsinnige Wagnis, das schnell im Gefängnis enden kann, auf sich nimmt.

 

Obschon mir der harmonische, bildhaft ausstaffierte Schreibstil der beiden Autoren durchaus zusagt, wirkt der "Der Skandal" auf mich stoisch runtergerasselt und in den Raum geworfene Informationen uninteressant. Es wird das Gebaren der Fleischindustrie thematisiert, welches bereits in zigtausend Talkshows mindestens ebenso oft durchgekaut wurde. Flair und Atmosphäre entwickeln sich in dieser Weise kaum. Auch der anfängliche "grüne Weltverbesserungsflair", welcher mit dem erhobenen Zeigefinger gegen den Fleischkonsum wettert, macht die dünne Ausgangslage nicht besser. Das Autorenteam T. S. Orgel geht mir hier zu energisch auf das allgemeine Essverhalten, Zusatzstoffe im Essen, Fleischersatz aus dem Labor und sonstiges Food Engineering ein, was mir persönlich die Leselaune etwas vergällte. Das Personal ist überschaubar und authentisch gezeichnet, doch die sprunghafte Erzählweise, bei der man als Leser nicht immer sofort mitkommt, war mitunter harter Tobak. Vielleicht ging es ja nur mir so, doch ich wusste häufiger gar nicht mehr, wo sich das ganze überhaupt abspielte. Die Recherchen zu "Der Skandal" sind gut, die Pointen eher flach. Dabei bedienen sich Thomas und Stephan Orgel sämtlicher Klischees, was mit der Zeit regelrecht nervtötend wirkt. Ihr Biothriller lebt von der Konversation, kommt aber erst nach 300 Seiten wieder so richtig in Fahrt. "Der Skandal" schaut somit für mein Befinden leider nicht großartig über den Tellerrand einer Fernsehfilmproduktion der Öffentlich-rechtlichen hinaus. Schade!

 

(Janko)

 

https://ts-orgel.de/tso/

https://www.facebook.com/tsorgelautor

https://www.instagram.com/tsorgel/

 

T. S. Orgel - Der Skandal

Heyne Verlag

Biothriller

ISBN: 978-3-453-32210-3

448 Seiten

Paperback

Erscheinungstermin: 12.07.2023

EUR 16,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

Weitere Formate:

eBook (epub) ISBN: 978-3-641-28941-6

Erscheinungstermin: 12.07.2023

EUR 11,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

Hörbuch Download ISBN: 978-3-8371-6303-2

Erscheinungstermin: 10.07.2023

EUR 25,95 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

"Der Skandal" beim Heyne Verlag: https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Der-Skandal/T-S-Orgel/Heyne/e601358.rhd

 

Leseprobe: https://www.penguin.de/leseprobe/Der-Skandal/leseprobe_9783453322103.pdf


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