Aktuelles Magazin

Totentanz on
Totentanz Magazin bei Facebook

Free PDF 

Aktuell sind 478 Gäste und keine Mitglieder online

ENSLAVED - UtgardENSLAVED - Utgard
(Nuclear Blast)


ENSLAVEDs neues Progressive Rock/Progressive Black Metal Release "Utgard" ist ein äußerst charismatisches Album geworden, das in dieser Form durchaus seinesgleichen sucht. Seit ENSLAVED im Jahre 1991 aus der Band PHOBIA hervorgingen [damals zählten die Herren Kjellson (voc.) und Bjørnson (g.) gerade mal 17, bzw. 13 Jahre], haben die Nordmannen, aus Bergen in der Provinz (Fylke) Vestland, immer wieder interessante und essenzielle, musikalische Metamorphosen durchlaufen. Auch als Viking Metal bezeichnet, fließen immer wieder natur- und kosmosverbundene, folkloristische und mythologische Elemente in ihren wandlungsfähigen Stilmix ein. Dass man sich dabei, trotz traditioneller Orientierung stets auf der Höhe der Zeit bewegt, ist für ein Szene-Bollwerk wie ENSLAVED geradezu selbstverständlich. Und so hat man nach dem 2017er Erfolgsalbum "E" erneut ein Epos aus Progressiv Rock, bisweilen mit Jazz verpaarten 70ies Elementen, teils derben Black und Death Metal Gewittern, sowie diversen Zutaten aus Maultrommel, Flöten, Klavier, choralen Klargesängen, Akustikgitarren und elektronischen Effekten geschaffen. Das verspricht eine recht verschwurbelte, absolut abgefahrene und vor allen Dingen auch wirklich gut gelungene Mischung.
 
"Utgard" markiert das 15. Album in der annähernd 30-jährigen Bandgeschichte des norwegischen Quintetts. Dass hier Abwechslung groß geschrieben wird, versteht sich von selbst. Schwer zu beschreiben also, was den geneigten Hörer auf "Utgard" erwartet. Der Opener "Fires in the Dark" macht das deutlich und steht als eine Art Wegweiser und Gradmesser zugleich Pate für den Rest des Albums. Hauptsächlich melancholischer Klar-, ja fast schon opernähnlicher Gesang, aber auch raspelndes, verständlich prononcierte Death und Black Growlings, mischen sich in die progressive Mischung aus folkloristischem Chorgesang, Akustikgitarren, treibendem Riffing, schwerfälligem Drumplay, spacigen Leads und dramaturgischen Black Metal Elementen. Photo: Roy BjørgeDarauf folgt die dynamische Black Metal Nummer "Jettegryta" mit ihrem eindringlichen, meist langgezogenen Death Growling, bzw. Black Metal Gekeife, die jedoch ebenso mit ihren etwas ruhigeren, anmutigen Klargesangspassagen und den extravaganten, bisweilen gar jazzigen Richtungswechseln an neuere OPETH-Werke erinnert. Bei "Sequence" haben wir es mit einer groovig, creepigen 70ies Rock/Black Metal Nummer zu tun, die von Anfang an Spaß bereitet und wie Ebbe und Flut ineinandergreift. Ein nahezu perfekter Song, der sich seine sperrige Jazzbridge allerdings gänzlich hätte sparen können. Beim vierten Track "Homebound" werden immer wieder deftige Black Metal Passagen zwischen melancholisch anklagende Prog Rock Sequenzen geschoben. Was hierauf folgt, ist das offenbar von Utgards Herrscher Utgardloki gesprochene Interludium "Utgardr", das einen ganz klaren Hörspielcharakter aufweist.

 

Immer wieder reichert das Five Piece seine neun treibenden Tracks mit diversen Keyboard-Effekten an. So avanciert "Urjotun" in seinem fetzig, knalligen Drumplay und den, sich leicht dem Westernstyle anbiedernden Saiteninstrumente zu einer dynamischen Elektro/Prog Rock/Ambient Black Metal Nummer, die mich jedoch nicht in vollem Umfang zu überzeugen weiß. Ähnlich ergeht es mir auch mit dem darauffolgende Black Metal Song "Flight of Thought and Memory", der in lowen, fast schon blumigen 70ies Rock übergeht, um dann in einer Symbiose aus Black Metal/Prog Rock auszuklingen. Den schlechtesten Song des Albums markiert für mich jedoch "Storms of Utgard". Eine beinahe gelangweilt wirkende Komposition, die zwar mit ihren spacigen Momenten punkten, mich aber nicht wirklich einnehmen kann. Den Schlussakkord zu "Utgard" setzt die waschechte Prog Rock Nummer "Distant Seasons", die in dieser oder ähnlicher Form sicherlich auch von KATATONIA hätte stammen können. Photo: Roy BjørgeDie Songs, welche die unterschiedlichsten Stimmungen in sich bergen, werden fast durchgehend von einer unterschwelligen Melancholie begleitet. Der "neue" Schlagwerker Iver Sandøy, der 2018 zu ENSLAVED stieß, ersetzt im Übrigen Cato Bekkevold, welcher 15 Jahre lang seinen Drumsound zur Band beisteuerte. Iver Sandøy war jahrelang ENSLAVEDs Produzent und brauchte sich dementsprechend nicht wirklich in das soundtechnische Geschehen einzuarbeiten.

 

Das 44:46 Minuten rotierende "Utgard", dessen Cover abermals von ENSLAVEDs Haus- und Hof-Pinsler Truls Espedal stammt, kommt mit einem 16-seitigem Booklet. Es ist ein nicht so leicht zu verdauendes Album geworden, das seinem Auditorium einiges an Kraft und Willen zur Aufmerksamkeit abverlangt. Es ist in dieser schnelllebigen Zeit aber definitiv auch ein Entschleuniger. Die thematischen Begleitungen der unterschiedlich gearteten Gesänge dringen dabei tief in Gedanken über die Verbundenheit zur Natur, die nordische Mythologie, Wikingersagen, Mystik und Spiritualität ein. Auch wenn "Utgard" sicherlich seine harten Momente hat, wäre es alles andere als richtig, hier von einem harten Album oder gar von Extrem Metal zu sprechen, wie in einigen Ankündigungen im Vorfeld zum Release bereits geschehen. Die einzige Extreme, die man gelten lassen kann, ist die extreme Vermischung der verschiedenen Genres. Bei der außergewöhnlichen Astralreise "Utgard", die schon mal orientalische Klänge verwertet und gerne mit Lautstärkedynamiken arbeitet, kann man durchaus von einer gewissen Extravaganz und einem ausgewiesenen Alleinstellungsmerkmal sprechen. Dass eine derart sonderbar anmutende Mischung zusammenpassen und funktionieren kann, stellen ENSLAVED mit "Utgard" eindeutig unter Beweis. Man sollte auf jeden Fall offen für die Vermischung der unterschiedlichen Genres sein, ansonsten wird man sicherlich so seine Schwierigkeiten mit "Utgard" haben, welches meiner Meinung nach zum Ende hin ein wenig schwächer wird.

 

(Janko)

www.enslaved.no

www.facebook.com/enslaved/

 

 

Lasst euch nach "Utgard", in die Welt der Riesen und Trolle entführen:

Jettegryta:

www.youtu.be/xkEXIpym5E0

 

Homebound:

www.youtu.be/92ptxt1FQiU

 

Urjotun:

www.youtu.be/xkEXIpym5E0


Musik News

Live Reviews

Movie News