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totentanz nr. 29

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Geisterfels - La névrose de la pierreGeisterfels - La névrose de la pierre

(Six Raw Records)

Die Debüt Schwarzwurzel „La névrose de la pierre“, der französischen Black Metaller GEISTERFELS, hat sich für die puristisch-brachiale, traditionsbewusste, gleichwohl atmosphärische, in gewisser Weise auch melodische Schiene des tiefschwarz gefärbten Genres entschieden. ABIGOR, SATYRICON, ULVER, KVIST und GEHENNA sind die Vorbilder und eine der vielen Quellen an Inspiration, die GEISTERFELS zu dem geformt haben, was sie heute (fünf Jahre nach ihrer Gründung) sind. Hinter dem Pseudonym „Nebel“ steckt Céline Rosenheim (der Nachname ist ebenfalls ein Pseudonym), eine hübsche, junge, französische Schriftstellerin, die neben sämtlichen Kompositionen und Texten für „La névrose de la pierre“ bereits mehrere historische Fantasy Bücher in Frankreich veröffentlicht hat. Der Faszination an harter Musik, dem Mittelalter und seiner Geschichte, dem Vampirismus, der Poesie, dem Winter, der Kälte und Dunkelheit scheint die ursprünglich aus Nizza stammende und heute in Dijon lebende Lyrikerin erlegen. 2013 erfüllte sich Nebel einen lange gehegten Traum und gründete mit GEISTERFELS ihre eigene Black Metal Band. Kurzerhand holte sie Guillaume „Aldébaran“ Vrac (DARKENHÖLD) aus Versailles, der sämtliche Instrumente einspielte, sowie Aharon Griffon (GRIFFON) der sich für die schonungslos frostigen und grobschlächtigen Vocals verantwortlich zeigte, mit ins Boot.

Die verhältnismäßig dumpfe Aufnahme verwischt den Gesamtsound ein wenig, wodurch die Bassdrum einiges an Druck verliert. Das sollte man beim nächsten Output unbedingt im Auge, bzw. im Ohr behalten. Ansonsten ist das Schlagwerk von Aldébaran furios, niveauvoll, variabel und versiert eingespielt worden. Many, many Blasts, Crossrhythmik, Breaks, Wechsel, alles auf den Punkt. Auch seine teils psychotischen Gitarren und sein omnipräsenter Tieftöner sind definitiv bockstark gezockt und die perfekte Gewandung für die jeweilige Situation. Innerhalb der Breaks wird auch mal auf herkömmliche Heavy Metal Melodien zurückgegriffen. Die Leads werden überwiegend fies in trällernden Tremolo vorgetragen, was für eine gewisse Fingerfertigkeit spricht, den Gitarrensound zusätzlich aufpimpt und ihm bisweilen einen leicht orientalischen oder mittelalterlichen Touch verleiht. Das Ganze ist aber derart hart und brachial verpackt, dass man da schon genauer hinhören muss. La névrose de la pierre im Metallbox A5 FormatAharons' Reibeisen-Kreischgesang geht durch Mark und Bein, ist machterfüllt, kräftig und definitiv überzeugend. Dabei verzichten GEISTERFELS in ihrem dichten, bedrohlichen Soundgebilde auf jeglichen elektronischen Schnickschnack. Man spielt vielleicht mal mit dem Stereosound und steuert den Gesang, wie bei „La sentinelle du Rhin“ geschehen von links nach rechts und umgekehrt an, was richtig gut rüberkommt, aber das war es dann auch schon mit den elektronischen Spielereien. Auf „La névrose de la pierre“ gibt’s nur geisterhafte, leicht melancholisch eingefärbte, böse und neurotische Klänge zu vernehmen. Selten steuert man, wie im Mittelteil zu „Im Nebel" geschehen Ruhepunkte an, um im nächsten Moment voller Urgewalt zurückzuschlagen. GEISTERFELS’ harscher Black Metal ist in gotische Textgewänder gehüllt und hat die Ästhetik, sowie die Spannung des Moments sauber eingefangen. Ihn umschlingt eine physisch nahezu greifbare Aura aus dogmatischer Intensität und krankhafter Machtbesessenheit. Es ist die Schönheit der Aggression und des puren Chaos, die ungefiltert an den Hörer weitergegeben wird und das Epos aus Anmut und Vergänglichkeit vollends abrundet. Solch harsche Musik hätte ich der, vergleichsweise zierlich und zurückhaltend wirkenden Céline gar nicht zugetraut.

 

Die Thematiken des musikalischen GEISTERFELS-Kosmos drehen sich rund um geschichtliche Ereignisse des Mittelalters, die wunderschönen, romantischen, anmutigen Burgen und Schlösser an Rhein und Mosel, sowie die kalten Jahreszeiten, die unsere Vergänglichkeit wiederspiegeln. „La névrose de la pierre“ beschreibt die Reise eines französischen Dichters am Ende des 19. Jahrhunderts, der Rhein- und Moseltal besucht und fasziniert ist von den vielen Schlössern und Burgen auf seinem Weg. Seine Gedichte bilden die Schnittmenge von wahrhaftigen Ruinen und den Ruinen des Geistes, hervorgerufen durch Sorgen, Zweifel und Neurosen. Nebel liebt Literatur, Vampirismus, die Faszination die von der dunklen Seite ausgeht, das Mittelalter, die Poesie und die deutsche Sprache, was sich zum Teil in den Songtiteln und im Text zu „Der Tod und die schwarze Gräfin“ wiederspiegelt. Die Dreifaltigkeit des Atmospheric/Renaissance/Medieval Black Metal erschließt sich dem Hörer über ein klassisches, dramaturgisch-brachiales Klangbild im Dunstkreis der 90er Jahre. Die Tracks, die in der eigentlich doch weichen, euphonischen, französischen Sprache gehalten sind, werden von Frontkeifer Aharon jedoch so gar nicht euphonisch vorgetragen. Man könnte meinen, er kreischt sich an den romantisch poetischen Texten (die allerdings nicht wirklich zu verstehen sind) die Stimmbänder blutig. Eine Ausnahme macht da „Der Tod und die schwarze Gräfin“, welcher nicht von Aharon, sondern von Gastsänger b. eingesungen, nein eingekrischen wurde, der in aller Regel für die Sachsen-Anhaltischen Black Metaller DAEMONHEIM ins Mikro trällert.

Ein paar mehr Verschnaufpausen zwischen den furiosen, musikalisch dichten Soundteppiche hätten „La névrose de la pierre“ aber sicherlich auch nicht schlecht zu Gesichte gestanden. Vielleicht werden diese kleinen Oasen durch die, im nächsten Output geplante Einbettung mittelalterlicher Instrumente geschaffen. Neben dem Instrumental „Il neige sur l'Eltz“ beinhaltet „La névrose de la pierre“ (Die Neurose des Steins), dessen elegantes Cover im Übrigen die Burg Rheinstein in Rüdesheim nach einem Stahlstich von J.L. Rüdisühli um 1850 ziert, sieben weitere Tracks, die mit insgesamt 38:50 Minuten Rotationszeit zu Buche schlagen. Die puristische, undurchdringliche Black Metal Stahlwand „La névrose de la pierre“ kann als hochwertige A5 Metallbox zum Beispiel über die Bandcampseite (https://geisterfels.bandcamp.com/releases) oder via Facebbook geordert werden. Die umtriebige Komponistin führt neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin noch einen Facebook-Blog über französischen Black Metal (https://www.facebook.com/pages/Diabolus-in-Musica/494809830545135) und eine wirklich sehenswerte FB Seite über Amateur-Fotografie im gotischen Stil (https://www.facebook.com/Dame-Ermessen-460134677365381/).

(Janko)

https://de-de.facebook.com/Geisterfels-730735943766643/

 

 

Hier könnt ihr euch das komplette Album reinziehen:

https://www.youtube.com/watch?v=rixwHhYZ-Cg

 


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