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Im Auftrag Des TerrorsIm Auftrag Des Terrors

(Koch Media)

 

Das Handeln und Wirken von Jacques Vergès - Sohn einer Vietnamesin und eines Franzosen - wird in dieser spannenden, nicht wirklich einfachen Dokumentation porträtiert. Vergès ist ein einem kolonialisierten Land aufgewachsen und widmet die ersten Jahre seiner Profession als Anwalt, der Verteidigung von Befreiungskämpfern, die sich gegen eine Kolonialisierung wehren. Seine Anfänge und seinen Ruf hat er sich in Algerien geschaffen, mit der Verteidigung algerischer Terroristen, die gegen die französische Besatzung gekämpft haben. Seine Motivation, die Verteidigung für diese Gruppe zu übernehmen ist bei seinem eigenen familiären Background noch leicht zu verstehen und nachvollziehbar. Er hat sich jedenfalls damit einen Namen geschaffen und einen Ruf aufgebaut, der im Laufe der Zeit aber eher zweifelhaft wird. Aus einem Sympathisanten für Freiheitskämpfer scheint im Laufe der Zeit ein Verteidiger für jeden zu werden, den kein Mensch (nicht einmal ein Jurist) mit gesundem Menschenverstand irgendwie verteidigen würde. So baut er im Laufe der Zeit vor allem Kontakte zu ersten international agierenden muslimischen Terrornetzwerken (Heutzutage unter dem Namen Al Quaida bekannt) und widmet sich deren Verteidigung. Er hat enge Kontakte zu Waddi Haddad – seinerzeit der Drahtzieher und Chef islamischen Terrors – und verteidigt auf seinen Befehl dessen Gefolgsleute. Aber auch Kontakte (die Vergès allerdings immer wieder abstreitet) zum internationalen Topterroristen Carlos werden gezeigt. Vergès Negierungen in diesem Fall wirken beinahe lächerlich, wenn man sieht, dass er auch die Verteidigung von Carlos Gefolgsleuten übernimmt. Ebenfalls unter Vergès juristischer Protektion finden sich RAF Mitglieder. Trauriger Höhepunkt Vergès wird allerdings die Verteidigung von Klaus Barbie – auch unter dem Namen „Schlächter von Lyon“ bekannt – mit der er zeigt, dass er anscheinend jeden verteidigen würde, nur um seinen Namen in der Öffentlichkeit zu sehen. Weiteres trauriges Highlight in seiner Anwaltkarriere ist die Verteidigung des serbischen Diktators Slobodan Milosevic vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal, dieser Punkt kommt in der Dokumentation leider nur kurz am Rand zur Sprache und wird nicht ausführlich behandelt. Hat er sich am Anfang noch der Verteidigung unterdrückter Gruppen angenommen (ihre eigenen kriminellen und terroristischen Taten lassen wir mal kurz außer Acht), zeigt er unter anderem mit der Verteidigung eines Altnazis sowie eines Diktators (dessen Ideen er auch noch für Gut heißt), dass er seine eigenen Ideale – nämlich den Kampf für die Freiheit sowie gegen die Unterdrückung und Kolonialisierung - pervertiert und Grenzen (die nicht überschritten werden sollten) überschreitet. Jaques Vergès wird von der Presse nicht zu unrecht als „Anwalt des Teufels“ bezeichnet!

 

Regisseur Barbet Schroeder („Barfly“) hat sich mit der Dokumentation „Im Auftrag Des Terrors“ über Jacques Vergès auf ein schwieriges Terrain begeben. Einerseits dieser in unseren Breitengraden wohl den wenigsten wirklich ein Begriff und andererseits fehlen den meisten (mir vor allem aufgrund meines Alters) die Hintergrundinformationen. Nichts desto Trotz hat Schroeder eine packende, fesselnde Dokumentation geschaffen, die zu Recht international gelobt und zu guter Letzt mit dem französischen Oscar – den César – für die beste Dokumentation ausgezeichnet wurde. Er lässt den Hauptprotagonisten ebenso wie frühere Weggefährten und Experten zu Wort kommen und schönt nichts. Gelungen ist ihm die Charakterzeichnung eines sehr intelligenten und aufgrund seines Intellekts überpotenten und gelegentlich stark eingebildeten – ich nenn ihn mal - juristischen Terroristen, den nichts anderes scheint Vergès zu sein. Einer der nicht selbst auf den Zündknopf drückt, aber die Verteidigung der ausführenden übernimmt und deren Ideale er teilt. Hier wird nichts geschönt und keine Position für oder gegen einen der Protagonisten übernommen. Der Zuschauer soll und wird sich nach 133 Minuten Spielzeit seine eigene Meinung bilden.

 

Die DVD erscheint in einer Amaray Hülle mit Wendecover. Auszuwählende Tonformate sind Deutsch und Französisch, sowie deutsche Untertitel. An Extras gibt es den Originaltrailer und ein 25 minütiges Interview mit dem Regisseur. Schade nur, dass nicht mehr Extras beiliegen, die einige Hintergründe noch besser beleuchten.

 

(Zvonko)


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