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Lords of the StreetLords of the Street

(Koch Media)

 

Drogenboss Rodriguez gelingt mit der Hilfe seines Onkels, ebenfalls Gangster höherer Stufe, die Flucht aus dem Gefängnis. Endlich wieder frei, hat er aber gleich das nächste Problem: 15 Millionen Dollar Schulden, die seine Ex-Freundin irgendwo versteckt hat…doch die ist nicht mehr besonders gut auf ihn zu sprechen.

 

Zu Beginn verspricht Lords of the Street doch tatsächlich, ein eigenwilliger Trash-Abklatsch von beliebten Buddy-Movies á la Leathal Weapon zu werden. Hier ist einfach alles geklaut, was aus anderen Filmen rauszureißen war, sei es das Schwarz-Weiss-Muster des Copgespanns, das leidlich humorvolle Streitgespräch selbst während der hitzigsten Verfolgungsjagd oder aber die Eröffnungssequenz, die – losgelöst von der Haupthandlung – die beiden Protagonisten einführt, indem sie diese zu einem Tatort beordert. Dabei macht sich der Film durch winzig kleine Änderungen des bewährten Strickmusters zunächst sympathisch, wenn er die beiden Partner etwa ihren „Premierenfall“ versauen lässt oder wenn die Beiden sich darüber fetzen, ob der Vietnam- oder der Irakkrieg der „Härtere“ war. Vor dem Hintergrund der sagenhaft schlechten Ausstattung vor allem in diesen frühen Szenen – nach einigen Minuten befürchtet man gar, der Film könnte zu 100% in der Blue-Box gedreht worden sein, und die Explosionen erinnern an frühe Atari-Ego-Shooter – glaubt man bereits, einen herrlich schrägen Bier-und-Baller-Abend vor sich zu haben. Doch schon bald erweist sich die Komik von Lords of the Street als keineswegs so freiwillig, wie man es sich erhofft hatte. Je weiter die Laufzeit voranschreitet, in desto seichtere Regionen TV-artiger Polizeifilmlangeweile muss der Zuschauer hinabsteigen. Wer in einer Strichliste alle Standardszenen abhakt, dürfte wohl beim Abspann verblüfft eine annähernde Komplettbedienung feststellen. Da werden sexy Kronzeuginnen mit nach Hause genommen, dort allein gelassen, und man wundert sich tatsächlich, dass sie sich aus dem Staub machen, da wird die FBI-Observation, die natürlich am nächsten Tag ihr Ende mit dem Zugriff gefunden hätte, und damit die Arbeit eines ganzen Jahres von den beiden ungestümen Cops zunichte gemacht, da muss der Polizeipsychologe herhalten, weil unser schwarzer Superbulle zu brutal vorgeht, da steht sein weißer Kollege kurz vor der Pensionierung und wird doch tatsächlich noch einmal angeschossen…

 

Wie gesagt, würde uns all das mit einem Augenzwinkern serviert, so bestünde die verdammte Pflicht, diesen Film abzufeiern. Tatsächlich ist es jedoch so, dass sich Lords of the Street so ernst nimmt, dass aber auch jede Lockerheit auf der Strecke bleibt und sich dadurch ziemliche Langeweile ausbreitet.

Die Polizisten sind kaum sympathischer als irgendwelche x-beliebigen Fernsehermittler aus Miami oder New York, Kris Kristofferson macht dabei sogar einen erschreckend alten Eindruck. Doch wo Danny Glover seine Alterswehwehchen seinerzeit mit einem lakonischen „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“ kommentierte, scheinen weder Kristofferson noch – was viel schlimmer ist – sein Regisseur zu bemerken, dass sich der 70-Jährige krampfhaft und ungelenk durch den Film plagt. Dass allerdings einem Regisseur, der sich im Vorspann Mr. V nennt, mehr daran gelegen scheint, sein offensichtliches Zugpferd DMX (seines Zeichens übrigens auch CO-Produzent) cool in Szene zu setzen, als daran, die Polizeiarbeit eines Methusalems einigermaßen realistisch rüberzubringen und dabei auch Kristofferson seine Würde zu lassen, hätte man sich womöglich bereits im Vorfeld denken können. Umso schlimmer, wenn die wenigen kurzen Auftritte des Rappers dann auch noch den peinlichen Tiefpunkt des Tages darstellen. Aus nicht näher erläuterten Gründen ist DMX’ Figur, der auf Rache sinnende Bruder eines ehemaligen Opfers von Rodriguez, offenbar streng gläubig und verabschiedet seine Opfer mit pseudo-tiefgründigen Bibeltexten. Sicherlich liegt hier etwas von einer Hochstilisierung zum Racheengel in der Luft, allein hier fehlt der Sinn…

 

Lords of the Street ist kein Film, über den man sich beim oder nach dem Anschauen ärgert, aber er ist überflüssig. Wer Kristofferson oder meinetwegen auch DMX gerne in Aktion sieht, der mag mal einen Blick riskieren, für extrem laue Unterhaltung ohne wahre Höhepunkte taugt das Ganze so gerade noch. Aufgrund der schieren Masse an vergleichbaren Produktionen sollte man sich aber vielleicht doch zuvor über eventuelle Alternativen schlau machen.

 

Die deutsche DVD von Koch Media ist soweit in Ordnung, beim Bild war sicher nicht mehr möglich. Offensichtlich wurde nicht nur auf minderwertigem Material aufgenommen, sondern in der Post-Production auch noch derart an den Knöpfen gedreht, dass eine einwandfreie Beurteilung der Bildqualität praktisch unmöglich ist. Erkennen kann man zumindest fast alles… Der Ton verdient etwas mehr Lob, auch wenn man den ganz fetten Bums so manches Mal vermisst. Alle drei Spuren (Deutsch 5.1 und DTS, Englisch 5.1) sind aber solide und weisen untereinander keine nennenswerten Unterschiede auf. Das Bonusmaterial ist mal wieder sehr übersichtlich ausgefallen. Standard-Gedöns wie Trailer, Trailershow und Slideshow werden lediglich um ein siebenminütiges „Behind the Scenes“ bereichert.

 

(mosher)


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