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Killing Joke, The Icarus Line, The Crying Spell (Frankfurt 2012)

Killing Joke, The Icarus Line, The Crying Spell

1.5.12 - Frankfurt, Batschkapp

 

Nachdem mich das einfallslos betitelte, musikalisch aber umso interessantere neue Killing Joke-Album absolut überzeugen konnte, freute ich mich sehr, die Meister mal in einem Club zu sehen. Bislang waren mir Killing Joke ja nur auf großer Festivalbühne begegnet. Daß die Batschkapp nach einem sonnigen Tag der Arbeit nur zu etwa zwei Dritteln gefüllt war, verwunderte mich dann aber doch, noch dazu war der Großteil des Publikums schon im etwas gesetzteren Alter und vermutlich bereits in den 80ern auf dem Trip. Sollen sich die jüngeren Semester halt mit Schandmaul und ASP ruhigstellen lassen, die wahre Qualität gibt es hier.

 

 

images/live-pic/2012_10/TheCryingSpell.JPGThe Crying Spell

 

Bereits gegen 20.45 stand mit The Crying Spell die erste Vorband auf der Bühne. Der Anfangseindruck war schon mal grauenhaft; übelstes Studentenrockgeschrammel, da lag der Gedanke an Flucht nahe. Nach dem dritten Song war aber netterweise Besserung zu verzeichnen; die Band aus Seattle klang plötzlich ein ganzes Stück traditioneller und 80er-lastiger, Wave Rock der Marke Love Like Blood gab es zu hören. Zwar etwas hölzern dargebracht, trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung. Etwas unfreiwillige Komik kam zum Zuge, als der Sänger gleich mehrfach das Publikum anbettelte, man möge doch ein paar CDs kaufen, damit die Band genügend Benzingeld zusammenbekäme, um zum nächsten Konzert zu gelangen. Neben dem Angebot am Merchandise hielten die Roadies nach dem Gig den herausstolpernden Besuchern die durchaus fair bepreisten Scheibchen auch gleich noch direkt unter die Nase; Verkaufstaktik der offensiven Art. Bei aller Sympathie haben mich The Crying Spell aber dennoch nicht soweit überzeugt, daß ich dieses Angebot wahrgenommen hätte.

 

 

 

 

The Icarus Lineimages/live-pic/2012_10/TheIcarusLine.JPG

 

Deutlich besser als die zweite Truppe waren sie aber dennoch, denn was The Icarus Line anschließend abzogen, war schlicht und ergreifend beschissen. Keine Ahnung wie man das deklarieren soll, Noiserock, Geschrammel, was auch immer, dazu ein Spargeltarzan am Mikro, der entweder irre hineinbrüllte oder irgendwelche benebelten Stammeleien von sich gab. Optisch erinnerte der gute Mann an Iggy Pop nach einem Friseurunfall, ansonsten war der Auftritt aber schlicht und ergreifend eine Zumutung. Lange nicht mehr so eine Nerverei erlebt. Es darf gerne unkonventionell, brachial und durchgeknallt sein, aber The Icarus Line waren ein absoluter Reinfall. Vielleicht haben Killing Joke diese Band ja auch gebucht, um im direkten Vergleich zu strahlen, wer weiß. 

 

 

images/live-pic/2012_10/KillingJoke1.JPGKilling Joke

 

Umso größer war entsprechend der Jubel, als die Headliner die Bühne betraten und mit „Requiem“ eröffneten. Ein Einstand nach Maß und spätestens mit dem folgenden Knaller „European superstate“ waren alle wach und die Bude ordentlich am dampfen. Die Herren sind ja beileibe nicht mehr die Jüngsten, Killing Joke live ist aber immer noch eine Garantie für eine packende Show. In erster Linie natürlich wegen Jaz Coleman, der nun mal der Blickfang der Band bleibt. Sein manisches Tanzen, die psychotischen Blicke, kombiniert mit der unverwechselbaren (und sich in guter Form befindlichen) Stimme, das zieht das Publikum unweigerlich in seinen Bann, auch wenn ich den unvermeidlichen Overall weiterhin ziemlich daneben finde. Unauffällig aber solide präsentierten sich hingegen die anderen Musiker. Außerdem sollte festgestellt werden, daß Killing Joke trotz langer Geschichte und zahlreicher Klassiker sich nicht auf die eigene Vergangenheit verließen sondern auch das neue Material ausgiebig würdigten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, kamen insgesamt gleich sechs „MMXII“-Nummern zum Zuge („Rapture“, „Fema camp“, „Pole shift“, „Corporate elect“, „Primobile“, „On all hallows eve“), aber auch so mancher Klassiker durfte nicht fehlen. „The wait“, „Wardance“, „Love like blood“, ja das war fein. Vermutlich hätte sich der Großteil des Publikums einen stärkeren Schwerpunkt auf den alten Nummern gewünscht, doch die Band weiß um die Qualität ihrer neuen Stücke, und vielleicht ist es ihnen auch zu öde, immer wieder die gleichen Dinger abzuspielen. Insgesamt 18 Songs wurden der tobenden Meute dargebracht, was natürlich immer noch viel zuwenig ist, aber irgendwann muß ja auch mal Schluß sein. Im Falle Killing Jokes nach etwa 90 Minuten, was auch gleichzeitig die genaue Spielzeit darstellt, denn wie gewohnt hielt sich Coleman mit Ansagen sehr zurück und ließ lieber die Musik für sich sprechen. Was absolut überzeugte; die letzte Zugabe „Pandemonium“ beschloß einen geilen Gig, bei der nächsten Tour kommen wir gerne wieder.

 

 

Bericht und Fotos: Till


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