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Die Belgier Ancient Rites haben eine ganze Zeit lang auf Eis gelegen, es ist satte neun Jahre her das die letzte CD „Rubicon“ erschien. Doch jetzt, 2015, kam urplötzlich die Meldung rein dass ein neues Werk namens „Laguz“ auf Massacre Records erscheint. So geschehn – Album gefällt – Sänger/Bandkopf Gunther Theys erzählt nun wie und warum…

 

Gunther, waren eure permanenten Line Up Probleme der Grund für die lange Stille?

 

Das war einer der Gründe für die 9 Jahre währende Pause zwischen der letzten und der neuen Scheibe. Ich kann mir gut vorstellen dass es überraschend war jetzt plötzlich wieder unseren Namen zu hören. Wir waren der Meinung erstmal wichtige Dinge wie Plattenvertrag, Studio Budget, etc. zu klären, bevor wir an die Öffentlichkeit gehen. Am Material gearbeitet haben wir eigentlich immer, es gab viele persönliche, finanzielle, organisatorische Dinge im Bandlager zu regeln. Als alles im Lot war haben wir zügig und effizient aufgenommen, einen Clip erstellt, das Artwork gecheckt und schließlich – zur Überraschung vieler – veröffentlicht! Also: wir leben! Ancient Rites waren nie eine Band die zu bestimmten Zeiten was veröffentlichen muss, wir hatten nie diesen „Industrie – Druck“. Wir bringen was raus wenn die Zeit reif ist und alle Umstände passen. Unsere Fans haben sich an unsere Arbeitsweise gewöhnt.

 

Wann genau begannen also die Arbeiten an „Laguz“?

 

Genaugenommen vor 9 Jahren, aber die Songs sind im Laufe der langen Zeit gewachsen, haben sich verändert und es gab auch mal Leerlauf. Die eigentlichen Aufnahmen fanden aber im Oktober 2014 statt und zwar im Spacelab Studio bei euch in Deutschland mit Produzent Christian Moos. Die orchestralen Sachen und meine Vocals wurden dann mit Co-Producer Oliver Phillips aufgenommen. Danach wurde im Spacelab gemischt und in Eroc´s Mastering Ranch gemastered.

 

Hast du als Bandkopf die ganze Musik geschrieben oder waren die anderen Jungs auch beteiligt?

 

Jedes Bandmitglied ist involviert. Die Jungs haben Demos ausgetauscht und die orchestralen Sachen mitarrangiert. Nur die Texte sind mein persönliches Gebiet. Die textlichen Inspirationen habe ich lange bevor auch nur ein Ton Musik geschrieben ist. Das Interesse an Geschichte ist schon Ewigkeiten in mir. Seit meiner Kindheit interessiere ich mich dafür. Ich benutze verschiedene Kunstformen um mich damit auszudrücken. Ich schreibe also nicht nur Musik und Texte sondern auch Blogs und graphische Novellen. Ich zeichne und male auch. Als Kind habe ich Flugzeuge und Militär Figuren angefertigt und bemalt. Ich gehöre verschiedenen Gilden an, wir haben Events wo wir in traditionellen Kostümen auftreten, Kämpfe vorführen, Tanzen, Lesungen abhalten. Wir schiessen mit Pfeil & Bogen, reiten, philosophieren, etc.! Die Leidenschaft für kulturelle Geschichte ist sehr hoch und das spiegelt sich auch in den Texten wieder. Ich mag historische Begebenheiten und geschichtlich fundierte Traditionen. Europäische, Orientalische, und noch viel mehr. All das fließt in die Ancient Rites Lyrics ein.

 

Hast du ein paar direkte Beispiele vom „Laguz“ Album parat?

 

Gerne. Also erstmal: es ist kein Konzept Album! Verschiedene Themen wurden behandelt und in schöner A.R. Tradition wird der Hörer in längst vergessene Zeiten und Welten entführt. Zum Beispiel der Song „Frankenland“, da geht es ums flämische Volk zu dem ich gehöre. Die kamen über den Rhein hierher aus Germanien. Dies passierte nachdem Caesar´s gallische Kriege das Volk entzweiten. Die Stämme ließen sich hier nieder und wurden von den Belgiern erstmal kritisch beäugt. Ein anderer Song behandelt den Aufstieg und Fall des antiken Karthago und behandelt auch deren dunkle Religion. Dann geht es auch um Kaiser Julian, eine tragische Figur der römischen Geschichte. Er wollte die alten Religionen wieder einführen und das Christentum abschaffen, wurde aber in der

Schlacht getötet – Gerüchte sagen von seinen eigenen Leuten! Im Song „Mind Unconquered“ geht es aber wiederum um die Stärke des Geistes und des Willens. Es ist eine positive Message darüber auch in verschieden sehr schweren Phasen des Lebens, und die hatte ich, stark zu bleiben und zu überleben. „Umbra Sumus“ handelt von der Sterblichkeit und das wir alle irgendwann fällig sind. In „Leg V Alaudae“ geht es um eine verfluchte römische Legion und im Titeltrack „Laguz“ gehr es um die gleichnamige Rune die unsere Vorväter deuteten. Die stand dafür dass man in harten Zeiten durchhalten muss um am Ende belohnt zu werden. Ich habe in den vergangenen Jahren schwere gesundheitliche Probleme durchstehen müssen und werde auch heute noch behandelt und muss Medikamente nehmen. Wenn mal wieder eine OP anstand oder ich starke Schmerzen hatte, dann hat mir der Gedanke an „Laguz“ weitergeholfen.

 

Du hast auch deutsche Sprache verwendet auf dem Album….

 

Richtig, „Frankenland“ habe ich ja schon erklärt und in „Von Gott entfernt“ geht es um die „Bokkenrijders“, zu Deutsch „Bockreiter“. Die haben im 18. Jahrhundert für Furore gesorgt.  Die haben Deutsch und Flämisch gesprochen, deshalb ist der Song in den beiden Sprachen gesungen. Sie waren eine Gruppierung von Soldaten, Händlern, Bettlern, Dieben und so weiter. Sie haben schwarze Messen gefeiert und wurden deshalb gefangen genommen und exekutiert. Ich habe alte Dokumnte und Bücher durchgestöbert um etwas mehr über diese unheimliche Gruppe verschiedenster Menschen zu erfahren. Ich habe herausgefunden das ein Vorfahre von mir zu den „Bockreitern“ gehörte…das erklärt ja dann wohl so einiges, har har.

 

Kommen wir zur musikalischen Seite. Die symphonischen Stellen haben zugenommen in eurem Sound. Wie kommt das?

 

Es war ein natürlicher Prozess. Mittelalterliche und klassische Musik gehörten schon immer zu uns, waren jedoch meist auf Intros und Outros limitiert. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr solche Parts in die Musik integriert, es war wie Film Musik die im Kopf AR Coverabläuft. Wir denken dass wir mit solchen Elementen den Hörer noch besser mitnehmen können auf die Reisen in die Vergangenheit. Ich habe viele geschichtliche Orte besucht und mich auch mit der Musik dieser Kulturen beschäftigt. In  meinem Kopf zeichnet sich beim Song schreiben ein Bild ab das man am Besten umsetzen kann wenn man ganz genau hinhört. Die symphonischen Parts passen gut zum metallischen Sound von Ancient Rites.

 

Ihr seit nun auf dem deutschen Label „Massacre Records“ beheimatet. Soweit zufrieden?

 

Wir wurden von einem deutschen Investor angeschrieben, der total auf Ancient Rites steht und mit Massacre Records arbeitet. Er ermöglichte auch die Zusammenarbeit mit Gordeon Music, die sich um die Presse/Promo Sachen kümmern. Die Reaktionen sind sehr gut und alle Beteiligten können von absoluter Zufriedenheit sprechen. Es kommen auch momentan Konzertangebote aus Deutschland, Holland, Frankreich, England, etc. rein – also alles Bestens!

 

Wie sieht es bei euch mit Re-Releases der alten Scheiben aus? Gibt es die Frühwerke überhaupt noch irgendwo?

 

Unsere Scheiben sind ausverkauft, nur „Rubicon“ gibt es noch. Es gibt viele Bootlegs, speziell Vinyl Scheiben die so nie veröffentlicht wurden. Oder umgedreht alte Vinyl Releases nun plötzlich auf dubiosen CDs. Auch sehe ich neue Shirts von Motiven die ich vor Ewigkeiten zeichnete. Ich wundere mich dann wo diese neu gedruckten Shirts herkommen? Ja – ich würde die alten Scheiben sehr gerne wieder veröffentlichen. Aber die rechtliche Situation ist schwierig, da wir verschiedene Plattenfirmen hatten und manche davon gibt es garnicht mehr. Es wäre toll wenn Massacre Records da was bewegen können, da es mich ärgert wenn Fans überteuerte Preise für Bootlegs hinlegen.

 

Und welche Mucke hört sich Gunther Theys zu Hause am Kaminfeuer an?

 

Letzte Woche habe ich „Static Age“ von The Misfits gekauft, ein Re-Release mit Bonus Tracks. Ich liebe die Band und ihren Touch für alte Horrorfilme. Ich habe auch die CD und Vinyl Scheiben von AC/DC, Judas Priest, Deep Purple, The Ramones und Motörhead im Schrank. Oder schönen alten Punk wie The Vibrators oder UK Subs. Ich entdecke auch gerne mal Bands im Netz, z.B. Thy Repentance aus Russland. Die singen in Muttersprache und komme sehr beeindruckend rüber. Ich erstelle oft Mix Cds mit Bathory, Beherit, Ennio Morricone, Wagner und so weiter. Alles Mögliche an Stilen vermischt, ich bin da sehr offen. Aber ich versuche mit Ancient Rites nicht beeinflusst zu werden sondern lieber etwas Eigenes, Originelles zu erschaffen. Egal ob das millionenfach verkäuft oder einer ARPICausgewählten Underground Gemeinde vorbehalten bleibt. Man muss sich selber treu bleiben und die Tatsache dass man Musik machen darf die auch Leute erfreut als Geschenk ansehen. Nach allen gesundheitlichen Schwierigkeiten die ich durchlief bin ich froh noch da zu sein, denn jede Sekunde zählt!

 

Es ist schön dich wiederzuhaben! Alles Gute mit der Band und viel Glück mit der neuen CD.

Danke dir Arno, sehr nett. Danke für das Gespräch und dir und deinen Lesern auch alles Gute!

 

Soweit also der symphatische Belgier, für den es zu hoffen ist das Ancient Rites an Popularität zulegen, sie haben es schon lange verdient. Die Interview Antworten mussten etwas gekürzt werden, da vor Allem die geschichtlich fundierten Aussagen Gunthers jeden Rahmen sprengten.

 

(Arno)

 

www.ancientrites.be

 


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