Cirith Ungol – All The ShadowsCirith Ungol – All The Shadows
(No Remorse Records)

Totgesagte leben länger. Hatten CIRITH UNGOL 2024 noch angekündigt, ihr Touren zukünftig aufzugeben, spielten die Amerikaner seither nur noch Einzelgigs (ist ja kein „Touren“). Nun erscheint mit „All The Shadows“ sogar ein weiteres Album. War Night Demons Jarvis Leatherby schon Teil des vorherigen CIRITH-UNGOL-Line-ups, ist nun auch sein Kollege Armand Anthony mit an Bord. Genau genommen ist Anthony aber für die Band nicht ganz neu, ist er doch seit der Reunion und allen seither veröffentlichten Alben der Haus- und Hof-Produzent der Band und half auch seit 2024 an der Gitarre aus.

Die beiden Gitarristen Jim Barraza und Greg Lindstrom sind dafür raus. Welchen Einfluss diese Veränderungen haben, können wir im Laufe der Besprechung behandeln.

Mit „All The Shadows“ steigen CIRITH UNGOL locker rockend in die Platte ein. Im Grunde eine straighte Heavy-Metal-Nummer, die vor allem von Tim Bakers atemberaubendem Gesang lebt. Spannend wird die Angelegenheit dann mit „This Mortal Stain“. Was als stampfender Rocker startet, wird im weiteren Verlauf zur klagenden Ballade. Mitreißend. Auch die klagende Gitarre in „Shallow Reflection“ hätte die alte Besetzung nicht besser hinbekommen, den funkigen Aufbau von „Empty Tomb“ wahrscheinlich auch nicht. Wer Angst hatte, dass sich durch die Veränderung im Line-up der CIRITH-UNGOL-Geist maßgeblich verändert, sei beruhigt. Mit „On Broken Wings“ gibt es einmal mehr auch eine überlange Nummer auf dem Album. Wie es sich für so einen Track gehört, wird behutsam Atmosphäre aufgebaut und die Intensität immer weiter gesteigert. Hier fällt einmal mehr auf: Man benötigt als Band keine zusätzlichen Instrumente, keinen Pomp, um einen Spannungsbogen zu unterstützen. Die basische Instrumentierung, der Einsatz von zweistimmigem (!) Gesang und eine Tempoverschärfung an der richtigen Stelle reichen vollkommen aus. Das kompakte „Hollow Nimbus“ lädt in seinen Strophen zum Tanz ein, während der leidende Tim Baker im Chorus jeden Lebenswillen raubt. Ein Lied, das viele andere Gruppen auf die erste Hälfte ihrer Langspieler gepackt hätten. „Venus In Thirds“ beschließt das Album doomig, triumphierend – so, wie man es als Fan von CIRITH UNGOL erwarten würde.

Am Ende steht so ein Album, mit dem die Wenigsten gerechnet hätten. CIRITH UNGOL sind nicht zurück, denn so wirklich weg waren sie in den letzten Jahren ja dann doch nicht. Wüsste man nichts davon, dass die Band zwischen den Werken ihre Gitarrenfraktion ausgetauscht hat, würde man als Fan nach dem Hören des Albums nicht darauf schließen. CIRITH UNGOL fühlen sich auch 2026 nach CIRITH UNGOL an – nicht nur, weil Michael Whelan einmal mehr ein Elric-Cover beigesteuert hat. Lang lebe CIRITH UNGOL!

(Manuel)

https://www.facebook.com/cirithungolofficial

 


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