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Fleshgod Apocalypse - VelenoFleshgod Apocalypse - Veleno

(Nuclear Blast)

 

"Veleno", das fünfte Epos der Brutal Symphonic Death Metaller FLESHGOD APOCALYPSE aus Rom und Perugia, zeigt die Meister der Extreme auf ein Trio zusammengeschrumpft, zu dessen festen Kern lediglich noch die beiden Gründungsmitglieder Francesco Paoli (Vocals, Guitars, Drums (studio)) und Paolo Rossi (clean Vocals, Bass), sowie Francesco Ferrini (Piano, Orchestrations) gehören. Seit ihrer Gründung im Jahre 2007 haben die Technical Orchestral Deather immer wieder mit Besetzungsproblemen zu kämpfen und wollen daher die beiden neuen Live-Musiker Fabio Bartoletti (Lead guitar), sowie David Folchitto (Drums) nicht oder zumindest noch nicht als vollwertige Bandmitglieder ankündigen. Man wolle das ganze ruhig angehen und absolut sicher sein, dass die beiden auch wirklich optimal zur Band passen. Sopran-Sängerin Veronica Bordacchini, die seit dem 2011er Überalbum “Agony” nicht über die Funktion einer Gastsängerin hinausgekommen ist, kann im wahrsten Sinne des Wortes, ein Lied davon singen.

 

Wie ein gewaltiges Donnerwetter eröffnet der erste, dissonante und seinem Namen alle Ehre machende Track "Fury" die dramatischen Geschehnisse um "Veleno" (zu Deutsch „Gift“). Nach wie vor beherrschen derbe gedroschene Schlagzeug-Rhythmen, sowie das harsche, rohe Death Grunting von Francesco Paoli - der die grobschlächtigen, durchdringenden Gesangsparts nach dem Weggang von Sänger und Gitarrist Tommaso Riccardi erneut übernahm -, die Szenerie. Photo Credit: Dave TavantiHinzu gesellen sich klassische bis dissonant verzerrte Gitarren, bockstarke Soli, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, gehetzte Pianoklänge, symphonische Arrangements, die mal von brachialer Härte, mal melodischen Passagen ausgehebelt werden und nicht mehr aus dem FLESHGOD APOCALYPSE Konzept wegzudenken sind. Der zweite Track "Carnivorous Lamb" (fleischfressendes Lamm) beginnt da schon wesentlich melodischer, ja fast schon episch, wenn sich da nicht das Bedrohliche von Sänger und Multiinstrumentalist Francesco Paoli entfachen würde. Der sprichwörtliche „Wolf im Schafspelz“ eben. Das monströse, fiese und durchgeknallte "Sugar" dreht sich um die verheerende Wirkung von Heroin, sowie das langsame Verdrängen und letztendliche Verschwinden der eigenen Existenz. Ein weiteres Highlight stellt "Monnalisa" dar, das mit seinen eher gesprochenen, denn gesungenen Parts und aufgrund der symphonischen Ausrichtung sehr stark an einen CRADLE OF FILTH Song erinnert. "Absinthe" ist, mit seinen 06:09 Minuten Laufzeit das zweitlängste Stück des Albums, in dem der leicht angepisst klingende, aggressive männlicher Klargesang überwiegt, aber immer wieder von Francesco Paolis düsterer, urgewaltiger und machterfüllter Vorsehung durchbrochen wird. Ein extrem vielschichtiger Track, der seine toxische Seele durch seine magische Erhabenheit und prunkvolle Eleganz in Sucht umwandelt und seine Hörerschaft dadurch tief in seinen Bann zu ziehen vermag. "The Day We'll Be Gone" ist anmutig wie die Schöne und das Biest. Eine filigrane Nummer, in der sich der klare Gesang von Veronica Bordacchini mit der düsteren Stimme von Francesco Paoli zu vergleichsweise seichter, epischer Orchestermusik und Atmosphäre schaffenden Pianoklängen mischt. Die Kompositionen erzählen ohnehin eher eine Geschichte, als dass sie auf das typische 08/15-„Intro-Strophe-Refrain-Bridge-Strophe-Refrain-Bridge-Outro“ ausgerichtet wären.

 

So wirklich viel verändert hat sich aber nicht am Sound der Italiener. Photo Credit: Dave TavantiGegenüber dem grandiosen Vorgängeralbum "King" war eine Steigerung auch kaum noch möglich. Man hat sich jedoch ein weiteres Mal auf seine Stärken besonnen, ist vielleicht wieder etwas mysteriöser, düsterer und unnahbarer geworden, hat seine altbekannten Trademarks verfeinert und erneut äußerst gekonnt in Szene gesetzt. In FLESHGOD APOCALYPSEs musikalischem Reigen gibt es zwangsläufig immer eine ganze Menge zu entdecken. Damit sind die Technical Death Metaller so weit von Langeweile entfernt, wie die Menschheit auf ihrer kaputten Erde von einem friedvollen Umgang miteinander. "Veleno" ist eine perfekt inszenierte, hochtoxische und brachiale Extrem Metal Oper der Sonderklasse. Sie erzählt unter anderem die Geschichte der Rauschwirkung toxischer Stoffe, aber tut eben auch Kunde von Wahrheit, Hingebung, Wut, Macht, Betrug und Tod. Ein wahrlich wilder Ritt durch die Unterwelt, wobei das Orchestrale hier mehr als nur aufhübschendes Beiwerk ist. Die vielseitigen, diabolischen Symphonien kommen mir jedoch etwas sperriger, roher und weniger episch vor, als noch zu "KING"-Zeiten. Doch FLESHGOD APOCALYPSE haben längst ihre eigene Note und ihren eigenen Stil etabliert und achten peinlich genau auf den Aufbau, die einzelnen Arrangements, passgenaue Spannungsbögen, sowie das optimale Verhältnis zwischen brachialer Härte und anmutiger Melodie. "Veleno" bietet dem Auditorium somit einen ansprechenden, variantenreichen Mix aus technisch anspruchsvollem Death Metal, dramatisch aufgebautem Symphonic Metal und harschen Black Metal Versatzstücken. Die Bandbreite reicht dabei von crossrhythmischen und dissonanten Passagen in wütender Raserei bis hin zu eingängigen melodiösen Sequenzen in epischer Klarheit. Die disharmonischen Gitarrenläufe der immer wieder in schwindelerregende Geschwindigkeiten hochgefahrenen Stücke, die facettenreichen Gesangspassagen, sowie deren progressiver und komplexer Aufbau, wirken bedrohlich, verstörend, bisweilen gar irritierend.

 

"Veleno" ist ein exzellent umgesetztes Album voller prägnantem Ideenreichtum. Es bereitet einfach immer wieder Freude, den symphonic blackened Death Metallern zuzuhören. FLESHGOD APOCALYPSE sind und waren schon immer offen für den Ausbau ihrer Fähigkeiten und können gerade hier erneut positive Akzente setzen, denn die Dunkelhorde hat mit ihrem neuesten Epos die Spannung des Moments in seiner stilistischen Vielfalt perfekt eingefangen. Sie drücken Leidenschaft, Gefühle, Träume, Ängste, Wut, Visionen, Wünsche und Freuden aus, wie keine zweite Band in diesem Sektor. Die Italiener brennen auch auf ihrem neuesten Epos einmal mehr ein Großfeuer der Emotionen, vor einer bedrohlichen, dystopisch dramaturgischen Soundkulisse ab und trümmern sie sich durch den tödlichen Grenzstreifen zwischen Technical Death und dissonantem Orchestral Extrem Metal. FLESHGOD APOCALYPSE bieten ihrer Hörerschaft, durch den schier unerschöpflichen Quell an Inspiration, eine ganze Menge Abwechslung und Kurzweil, die mit einer unglaublichen soundtechnischen Dichte ausgefüllt sind. Photo Credit: Dave TavantiDas Todes-Bataillon baut mächtig viel Spannung und Action in ihre Soundstrukturen ein, die sie innerhalb der einzelnen Songs gekonnt aus- und umzubauen verstehen. Die drei Mannen aus dem Stiefelland bezeichnen sich schließlich selbst auch als Komponisten.

 

Das dystopische Neo Death Multiversum, dass FLESHGOD APOCALYPSE mit dem dynamisch intensiven "Veleno" geschaffen haben, umfasst in der Normalversion insgesamt elf Tracks, eine Spielzeit von 51:42 Minuten und endet mit dem titelgebenden Instrumentalsong. Das Digi, die Digitalversion, sowie die Digital Deluxe Version zieren mit dem RAMMSTEIN-Cover "Reise, Reise" und dem Track "The Forsaking" vom 2011er "Agony" Album in der Nocturnal Version zwei Bonustracks, die auf dem Bemusterungspromo leider nicht vorhanden waren. Die ausgewogen und harmonisch abgemischten Aufnahmen zu "Veleno", die sich über einen Zeitraum von drei Monaten hinzogen, wurden (was die Metal Parts anbetrifft) hauptsächlich in den renommierten, in Rom ansässigen Bloom Recording Studio, sowie gemeinsam mit dem langjährigen Freund und Aufnahmeleiter Marco Mastrobuono in dessen Kick Studio durchgeführt. Die Orchester- und Choraufnahmen hingegen entstanden unter Aufsicht von Daniele Marinelli im Musica Teclas Studio in Perugia. Für Mix und Mastering konnte man den Grammy-nominierten Soundguru Jacob Hansen (EPICA, THE BLACK DAHLIA MURDER, VOLBEAT) in dessen Hansen Studios in Dänemark gewinnen. Und auch wenn ich den rohen Metalanteil nach wie vor als meilenweit überlegen ansehe, kommen auf "Veleno" erstmals echte Orchesterensembles, wie zum Beispiel ein komplettes Streichquartett, ein klassischer Schlagzeuger und ein Barockchor zum Einsatz. Auch Gastmusiker wie Maurizio Cardullo (FOLKSTONE) und Daniele Marinelli, der Uilleann Pipes (den irischen Dudelsack) und Mandoline spielte, sind mit von der Partie. Der Weg hin zu einem kompletten Orchester ist scheinbar nicht mehr weit. Es ist schon absolute Spitzenklasse, was FLESHGOD APOCALYPSE mit "Veleno" abliefern, aber ich muss auch sagen, dass mir das 2016er "King"-Album doch einen guten Tacken besser rein lief.

 

(Janko)

 

www.facebook.com/fleshgodapocalypse

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Die neuesten Videos der Band checkt ihr hier:

Sugar:

https://www.youtube.com/watch?v=Xmq3iyW02b8

 

Carnivorous Lamb:

https://www.youtube.com/watch?v=3RMEoOl80SM

 

Healing Through War:

https://www.youtube.com/watch?v=mviUmbrvAP0

 

The Fool:

https://www.youtube.com/watch?v=yYJ4UmxGrIk


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