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totentanz nr. 29

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JekyllJekyll

(Polyband)

 

Einen klassischen Stoff neu aufzulegen birgt immer ein besonders hohes Risiko. Wenn man nicht gerade dank neuester Technik einfach die bislang letzte Verfilmung optisch glattpolieren kann und dabei kaum etwas zu verlieren hat, muss man der Geschichte schon einen neuen Aspekt abgewinnen - beispielsweise indem man sie in unsere Zeit katapultiert. Nicht, dass auch dieses Vorhaben in filmhistorischer Retrospektive nicht bereits unzählige Male kläglich gescheitert ist, doch war es im Falle von "Jekyll" der einzig richtige Ansatz, die Erzählung von Robert Louis Stevenson in ein neues und dabei ansprechendes Gewand zu verpacken. So ist auch der Kniff, sich Dr. Henry Jekyll (hier: Jackmann) und Mr. Edward Hyde moderner Technik zu bedienen und sich per Diktiergerät zu verständigen oder von automatischen Fesselstühlen fixieren zu lassen, eine der beiden ganz großen Stärken dieser britischen Mini-Serie. Die zweite ist zweifelsohne Hauptdarsteller James Nesbitt! Das Feuerwerk, das dieser in seiner Doppelrolle abbrennt, sucht in der Tat seinesgleichen. Nesbitt verkörpert den braven Jackmann derart glaubhaft und harmlos, dass man kaum glauben kann, dass dies derselbe Schauspieler sein soll, der da als rüpelhafter, Sprüche klopfender Hyde sein rasendes Unwesen auf dem Bildschirm treibt. Dabei bleibt die optische Veränderung marginal und doch liegen Welten zwischen beiden Charakteren - wobei dem Zuschauer naturgemäß der pöbelnde und poppende Hyde den weitaus größeren Spaß bereitet. Über den Plot sollte man nicht viel verraten, denn beim Sprung in das 21. Jahrhundert hat sich die Geschichte von einigem Ballast befreit und so manche umgebungsbedingte Freiheit genommen. Vor allem verläuft die Story jedoch von der ersten Folge an auf unterschiedlichen (Zeit-)Ebenen, baut dabei jedoch dermaßen logisch aufeinander auf, dass es sich wirklich nicht empfiehlt, einzelne Folgen auszulassen oder gar später einzusteigen. Und damit man erst gar nicht in diese Verlegenheit kommt, bringt Polyband die sechs für die BBC produzierten Episoden auf zwei DVDs in die Läden. Und diese werden nicht nur ansprechend im weißen Amaray präsentiert, sondern liefern die Serie auch in ebensolcher Qualität. Am Bild gibt es nichts zu meckern und der Ton ("nur" Stereo in deutscher sowie englischer Sprache) geht für eine TV-Produktion absolut in Ordnung. Auch die Extras sind für eine Serie nicht von schlechten Eltern, denn eine 35-minütige Doku über die Adaption und ein viertelstündiges Feature zu einer der kompliziertesten Szenen geben interessante Hintergrundinfos und einer Länge und einer Qualität, wie man sie von vergleichbaren Produktionen nicht unbedingt gewohnt ist. Hier kann man also wirklich einmal rein gar nichts falsch machen, denn "Jekyll" bietet sechs 50-Minüter voller Twists und tonnenweise Spaß, die handwerklich wie eine der besseren aktuellen Mystery-Serie daher kommen.

 

 

 

(mosher)


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