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The Call - Leg nicht aufThe Call - Leg nicht auf!

(Universum Film)

 

Jordan arbeitet als Telefonistin in einer Notrufzentrale. Als sie den Anruf der 16-jährigen Casey annimmt, steht ihre schwierigste Aufgabe bevor. Casey wurde entführt und ist gefangen in einem Kofferraum eines Serientäters. Da der Entführer Anfangs nichts von dem Telefont ahnt, unternimmt sein Opfer einige Ausbruchsversuche, die vom Täter allerdings immer verhindert werden. Da auch die Polizei mit der Ermittlung nicht weiterkommt, nimmt Jordan die Sache selbst in die Hand.

 

"The Call" fängt gleich sehr bildgewaltig an. Man sieht L.A. bei Nacht und neben den beleuchteten Wolkenkratzern hören wir die Gespräche einer Notrufzentrale. Das erinnert an "Talk Radio" (1988) von Oliver Stone und weckt gleich eine gewisse Sympathie. Nachdem wir Einblicke ins Innere der Notrufzentrale bekommen, lernen wir auch schon Halle Berry als Jordan Turner kennen, die gleich ins Geschehen gestürzt wird. Über Telefon versucht sie einem Mädchen zu helfen, was gerade überfallen wird. Doch ein Missgeschick von Jordan wird dem Mädchen zum Verhängnis. Das Mädchen wird entführt und wenig später tot aufgefunden. Jordan ist verzweifelt und stellt sich selbst in frage.

Sie tritt kürzer und macht nun Führungen durch die Räumlichkeiten der Notrufzentrale. Als plötzlich ein weiter Notfall eintrifft, übernimmt sie die Leitung ihrer Kollegin. Erneut wird ein Mädchen Opfer eines Serientäters (später findet man heraus, dass es sich um den gleichen Täter handelt), doch dieser vergisst dem Opfer sein Handy zu entreißen und sperrt es mit dem Zugang zur Welt in den Kofferraum.  Ein ziemlich dummer Fehler vom Täter, ohne den der Film aber nicht funktioniert hätte. Fataler weise, handelt es sich um ein Wegwerf-Handy, was sich nicht orten lässt, auch das muss natürlich sein. Casey (Abigail Breslin), die sehr viel Ähnlichkeit mit dem ersten Opfer hat, kommt in telefonischen Kontakt zu Jordan, die ihr mit allen Mitteln zur Seite steht. Ein mörderisches Spiel auf Zeit beginnt.

 

Bis hier stimmt eigentlich alles, auch wenn die Dünnhäutigkeit von Halle Berrys Charakter nicht wirklich zum Job einer Notruftelefonistin passen will. Als Nervenbündel geht sie jedenfalls durch. Außerdem lässt eine rasante Inszenierung viel anfängliche Spannung zu, die allerdings schnell durch unschöne Schnittsequenzen befleckt wird. Gerade in den späteren Actionszenen und den wenigen Gewaltszenen, friert das Bild in wichtigen Momenten für eine Sekunde ein, was als unschönes Stilmittel bitte schnell wieder vergessen werden sollte.

Jordan gibt Casey Tipps, wie sie aus dem Kofferraum die Aufmerksamkeit der anderen Autofahrer auf sich lenken kann. Auch hier weiß der Film zu packen und die Ideen sind gar nicht schlecht gewählt, auch wenn sie auf dem Boden der Zufälle wachsen, wie der Farbeimer, der sich im Kofferraum befindet.

Als dann die ersten Menschen auf Casey aufmerksam werden, hat die Polizei endlich eine Spur und kann die Verfolgung des Täters aufnehmen. Nachdem der Täter an einer Ampel halten muss, erweckt Casey die Aufmerksamkeit eines Fahrers, der schnell schaltet und dem Täter folgt.

Hier kommt es dann kurze Zeit später zu einer blutigen und letztlich tödlichen Auseinandersetzung zwischen dem Entführer und dem Augenzeugen. Nach einem erfolglosen Rettungsversuch, geht die Fahrt (diesmal im Auto des Augenzeugen) weiter. Leider fährt nun auch der Film herunter und verwandelt sich zusehends in einen amerikanischen Standartbrei, wie man ihn schon tausendfach gesehen hat. Die Polizei weiß jetzt Dank der Spuren, die der Täter an seinem ersten Auto hinterlassen hat, mit wem sie es zu tun haben. Die Verfolgung geht weiter und treibt die Polizei auf eine falsche Spur. Als dann der  Kontakt zwischen Jordan und Casey abreißt, macht sich Jordan selbst auf den Weg Casey zu finden und das ist der größte Fehler, den Regisseur Brad Anderson machen konnte. Wenn Halle Berry zu einer Clarice Starling ("Das Schweigen der Lämmer") verkommt und der Täter das ganze Sortiment von Hollywoods Psychopathen auf den Leib geschmiert bekommt, fällt der Film ins Bodenlose. Hier gibt es im Grunde kein Klischee, was nicht verbraten wird und lässt die spannende erste Hälfte ziemlich schnell vergessen. Anderson gelingt es leider auch nicht großes Mitgefühl für das Opfer zu erzeugen - Abigail Breslin als Casey weiß zu keiner Sekunde zu überzeugen und im Grunde hätte jedes Mädchen in diesem Kofferraum liegen können. Das Gleiche gilt auch für Michael Eklund als Täter. Auch hier bleibt ein mögliches Schreckgespenst auf der Strecke, denn Eklund weiß einfach nicht zu überzeugen. Wäre Brad Anderson im Finale ähnlich vorgegangen, wie in dem äußerst konsequenten "Buried" (2010) von Rodrigo Cortéz oder noch besser, in dem haushohen "Spurlos verschwunden" (1988) von George Sluizer, hätte "The Call" eine ganz andere Nummer werden können.

So bleibt am Ende leider nur ein lauwarmer Standartthriller aus Hollywoods Mottenkiste über, der im deutschen Fernsehprogramm bestimmt seine Dauerheimat auf RTL 2 finden wird. 

Schade.

 

Die Blu-Ray aus dem Hause Universum entspricht der ungekürzten US R-Rated Fassung, bietet ein 16:9 Vollbild und überzeugt durch einen HD-Sound in englisch und deutsch.

Das Bonusmaterial schmückt sich mit ein paar kurzen Dokus zum Film, wartet mit ein paar gelöschten Szenen und einem alternativen Ende auf. Außerdem gibt es den Trailer zu "The Call" und 9 weiteren Filmen.

 

(Bjoern Candidus)

 

 

 

 

 

 


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