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PassionPassion

(Ascot Elite)

 

Brian de Palma hat uns in den 70ern und 80ern so einiges geliefert. In seinen frühen Werken finden wir irrwitzige Komponisten ("Das Phantom im Paradies", 1974), übersinnlich begabte Menschen ("Carrie", 1976 / "Teufelskreis Alpha", 1978), einen Psychopathen mit Doktortitel ("Dressed To Kill", 1980), Auftragskiller ("Blow Out", 1981), Verbrecherkönige ("Scarface", 1983) und Voyeure ("Der Tod kommt zweimal", 1984). Stets besetzt mit großen Namen, wie z. B. Piper Laurie, Sissy Spacek, John Cassavetes, Kirk Douglas, Michael Caine, Nancy Allen, John Lithgow, Al Pacino und Michelle Pfeiffer.

Seine Liebe zu Alfred Hitchcock und Dario Argento war nie von der Hand zu weisen, doch de Palma imitierte sie nicht einfach. Stattdessen ließ er sich beeinflussen und inspirieren. Er spielte mit den Elementen seiner Vorbilder und schuf dabei Neues. De Palma verstand es immer, seine Zuschauer mitzunehmen, sie mit langsamen Kamerafahrten, dem Einsatz der Steadicam und durch das Split-Screen-Verfahren zu packen. In seinen Sets erkennt man deutlich eine Liebe für Kunst und Architektur, dazu hat er noch ein ausgeprägtes Gespür für Farben. Untermalen ließ er dieses visuelle Konglomerat gerne von Pino Donaggio als Komponisten.

De Palmas teils traumartige Inszenierungen gehen Hand in Hand mit der Musik – besonders schön in "Dressed To Kill" und "Carrie". Viele seiner Filme lassen immer gerne einen gewissen Humor aufkommen, was sie sehr sympathisch macht. Auch sexuelle Themen und einen Hang zu drastischen Mord-Sequenzen bedient er auf brillante Art. Gerade bei Morden mit Klingen, die er zu lieben scheint, erkennt man die Nähe zu den Filmen von Dario Argento.

 

Nach seinem letzten großen Thriller "Der Tod kommt zweimal" (1984) wandte er sich vom Thriller-Genre etwas ab und versuchte sich an anderen Themen. Erst 1992 kehrte er mit "Mein Bruder Kain" zum Genre zurück, aber blieb nicht lang. In den 90er Jahre widmete er sich dem massenkompatiblen Themen des Mainstream-Kinos. Er drehte Filme wie "Mission Impossible" (1996) oder "Spiel auf Zeit" (1998).

Erst im 21. Jahrhundert näherte er sich langsam wieder seinen Wurzeln. 2002 erschien der Erotikthriller "Femme Fatal" und 2006 der Noir-Krimi "The Black Dahlia". Nach dem Kriegsdrama "Redacted" (2007) verschwand er für einige Jahre wieder aus dem Filmbusiness.

Mit „Passion“ versuchte er da anzusetzen, wo er in den 80er Jahren aufgehört hatte.

Doch schaffte er den Sprung in die Jetztzeit?

 

Die über alles erhabene Christine (Rachel McAdams), Leiterin einer Marketing-Filiale in Berlin, arbeitet mit ihrer Kollegin Isabelle (Noomie Rapace) an einem Werbekonzept. Sie scheinen sich dabei sehr nahe zu sein, doch Isabelle hat ihre Augen für den gemeinsamen Kollegen Dirk (Paul Anderson), der wiederum ein Geheimnis mit Christine teilt. Als Christine Isabelles Idee beim Firmenchef J. J. Koch (Dominic Raacke) als ihre anpreist, friert die gute Laune zwischen den beiden Frauen ein und es kommt zu Machtkämpfen und Intrigen, die in einer Katastrophe enden.

 

Passion kommt wie eine Art „Best-Of –de-Palma“ daher. Man erkennt schon in der Eröffnungssequenz seinen Hang zu weiträumigen Wohnungen und großen Gemälden. Hier ist alles weiß und steril. Sehr schnell erlebt man vertraute Klänge, denn Pino Donaggio ist wieder mit an Bord und liefert einen teils sehr schönen Score ab, der bereits in den ersten 10 Minuten eine kurze, aber schöne, in blau getränkte Szene untermalt. Donaggio transportiert an manchen Stellen ein überragendes Achtziger-Gefühl. Im musikalischen Bereich wurde hier schon mal alles richtig gemacht. Da kann man zu recht von Heimatgefühlen sprechen. Neben Christines Wohnung ist der Hauptschauplatz die Werbeagentur am Potsdamer Platz. Dass der Film in Deutschland gedreht wurde, sieht man ihm überhaupt nicht an, wenn man über gewisse Gebäude hinwegsieht. [Das klingt jetzt im Zusammenspiel mit dem nächsten Satz unterschwellig irgendwie so, als wär das toll, dass man dem Film das nicht ansieht, dass er in Deutschland spielt. Ist das so gedacht?]

Doch einen typisch deutschen Makel gibt es dann doch. Wenn sich die deutsche Besetzung – vertreten durch zwei Kommissare und einen Staatsanwalt - zeigt und zu Wort meldet, glaubt man sich plötzlich in einem deutschen Fernseh-Krimi von der Stange zu befinden. Ein befremdliches Gefühl, das überhaupt nicht zum Rest des Film passen will.

Etwas unpassend und fast lächerlich wirkt die Frauengefängnis-Szene. Hier versuchte man in wenigen Augenblicken typische Knast-Klischees zu erfüllen. Zum Glück hält sich de Palma hier nicht lange auf, so dass das Ganze nicht groß ins Gewicht fällt.

Insgesamt hat es die männliche Besetzung schwer, denn das Zentrum liegt in weiblicher Hand. Rachel McAdams ("Sherlock Holmes", 2009), als blondes Miststück und Noomi Rapace ("Prometheus", 2012), als ihre Untergebene, machen einen sehr guten Job. Besonders Rapace, deren Charakter im Film stets in Bewegung ist, zeigt hier ihr Können und ihre enorme Ausstrahlung. Eindeutig der nächste Glücksgriff. Außerdem hätten wir da noch die deutsche Karoline Herfurth ("Das Parfum", 2006) als Sekretärin und waschechte Lesbe. Optisch steht sie etwas in Kontrast zu Christine und Isabelle. Von männlicher Seite gibt es Dominic Raacke ("Eurotrip", 2004), der sich aber nur kurz zeigt und Paul Anderson ("A Lonely Place To Die", 2011), der einfach nur widerlich daher kommt und seinen Spaß mit beiden Damen hat. Den Erotikbereich vernachlässigt de Palma auch nicht. Schon sehr früh am Anfang gibt es Bettszenen. Dazu präsentiert er uns noch einen Umschnalldildo und ein SM-Petplay-Dog. Für Christine machen sie alles.

Auch auf visueller Ebene sind ganz klare Merkmale zu erkennen. Wir bekommen sehr schöne Kamerafahrten, den Einsatz der Steadicam und eine tolle Split-Sceen-Szene zu Gesicht. In manchen Sequenzen wird es sogar sehr traumartig und es gibt ein paar schöne Spannungsmomente, auch wenn der Film so gut wie keine Action zu bieten hat. 

Die gesamte Inszenierung mag vielleicht auf der Handlungsebene etwas wenig bieten und manches Verhalten der Charaktere ist ein bisschen fragwürdig, doch all das ummantelt de Palma auf hohem

Niveau und zaubert all seine Merkmale aus dem Hut, die ihn so wichtig machen. Von Neuland oder Außergewöhnlichem ist er weit entfernt, doch Altes in neuer Form kann ja auch schmecken.

In dem Fall sogar sehr!

 

 

(Anmerkung: "Passion" ist ein Remake des französischen Films "Liebe und Intrigen" aus dem Jahr 2010. Da dieser nicht zur Sichtung vorlag, wird hier auf nicht auf den Originalfilm im Vergleich eingegangen.)

 

 

 

Die DVD und Blu-Ray aus dem Haus Ascot Elite hat eine sehr gute Bildqualität und bringt einen sauberen Ton mit. Das Bonusmaterial besteht aus einer kurzen Dokumentation und ein paar kurzen Interviews mit den Darstellern. Dazu gesellt sich der Originaltrailer, der deutsche Trailer und 7 weitere Trailer zu anderen Filmen.

 

(Bjoern Candidus)

 

 


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