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Gamma Ray, Serious Black, Neonfly (Aschaffenburg 2015)

Gamma Ray, Serious Black, Neonfly – Aschaffenburg, Colos-Saal
(04.12.2015)

 

Zum 25. Bandjubiläum wollten Gamma Ray auch ohne neues Album unbedingt auf Tour gehen und betitelten diese daher einfach mal “Best Of The Best – Party Tour 2015“. Und wie man dem zugehörigen Interview im Heft vernehmen kann, war die Band selbst überrascht über den Besucheransturm. Auch in Aschaffenburg war Gammaray – TOURder Laden nahezu ausverkauft. Was im Colos-Saal aber auch gleichzeitig heißt, der Saal war proppenvoll, aber auf dem Gang zur Toilette war noch Luft ;-)
Ansonsten aber stimmte alles wie immer in dem Club: Megaflottes Thekenpersonal, sauberer und lauter Sound, Bomben Stimmung und pünktliche Anfangszeiten. Von daher stand einer Partysause nichts mehr im Wege.

Eröffnen durfte dies die Band Neonfly. Die britische Band, die schon seit 2007 existiert, kannten wohl die meisten Zuschauer nicht und auch mir sagte der Name zunächst nichts. Doch als der Eröffnungssong „Whispered Dreams“ erklang, bimmelte es auch im Gedächtnis wieder. Ein klasse Song mit fröhlicher Happy Metal Melodie, der sich durch seinen Refrain, einmal gehört, auf lange Zeit festsetzt. Gitarrist Frederic Thunder hat wohl ein kleines Indianerflair, denn zu seinem Bühnenoutfit gehörten angesteckte Federn und sein Nachname wird wohl auch nicht so angeboren sein.
Generell aber war die Band ein perfekter Anheizer fürs Publikum und ich hätte gerne mehr von der Show gesehen, musste aber zu jenem Zeitpunkt das schon oben erwähnte Interview führen.

Als nächstes waren dann Serious Black an der Reihe. Ursprüngliches Gründungsmitglied Roland Grapow (Masterplan, ex-Helloween) ist schon seit einiger Zeit nicht mehr mit an Bord und Noch-Mitglied Thomen Stauch (u.a. ex-Blind Guardian) fehlte auch erneut, wurde aber durch Drum-Springer Alex Holzwarth ersetzt. Das waren zwar nicht die einzigen Fehl oder Umbesetzungen, aber dazu später mehr.
Zunächst mal muss man der Band aber eine große Spielfreude attestieren und Sänger Urban Breed hätte mit seinem Outfit und Aussehen direkt als (böser?) Zauberer aus einem Fantasyfilm entspringen können. Die Songs waren dem Publikum auch eher geläufig als die von Neonfly, oder die Aschaffenburger waren einfach schon mehr in Stimmung, denn die Band erhielt wesentlich mehr als nur einen Achtungsapplaus. Zwischendrin wurde auch mal zur Auflockerung ein Medley aus Kiss und Scorpions Songs angestimmt.
Mehrfach aber vernahm man neben der facettenreichen Stimme von Urban aber auch einen Frauengesang, nur war eben keine Frau auf der Bühne. Darüber wurde zwar kein Wort verloren, wohl aber über den fehlenden Keyboarder. Denn selbstironisch wollte Sänger Urban seinen Freund, den Keyboarder vorstellen, suchte die Bühne etwas ab, zuckte mit den Schultern und legte ein Grinsen auf, bis dann der nächste Song mit einem Keyboardintro loslegte. Auf jeden Fall eine der besten Arten damit umzugehen, wenn eine Band auf Einspielungen derart zurückgreift oder greifen muss.

Da die Umbauzeiten im Colos-Saal immer schön kurz gehalten werden, war die Wartezeit auf die Hauptband nicht allzu lange und die „Ray’s“ starteten direkt mit „Heaven Can Wait“. Das ließ dann schon mal auf die versprochene Party hoffen. Und entweder man hat es über die News mitbekommen, oder liest es im Interview noch mal nach, Gamma Ray haben Zuwachs bekommen. Beim dritten Song „Fight“ (ihr wisst schon, der mit dem coolen „Carry On“-Refrain) enterte zum ersten Mal für den Abend Frank Beck die Bühne und übernahm den Hauptgesang.
Und was soll man sagen? Die Aschaffenburger sahen den Mann nicht zum ersten Mal, schließlich half genau jener, damals noch ziemlich unbekannte Sänger, Gamma Ray auf ihrer letzten Tournee aus, als Kai erkrankt war und nur vereinzelte Lieder singen konnte. Etwas erschlankter als zuvor, aber kräftig bei Stimme wird Frank nun also zukünftig wohl den größten Part des Gesangs übernehmen, wobei im Laufe des Abends auffiel, dass es durchaus auch Lieder gibt, bei denen der Hauptgesang auch mal bei den Strophen geteilt wird. Abwechslung ist dadurch natürlich garantiert. Und in Gesprächen zeigte sich auch, dass der Großteil mit dieser Änderung absolut kein Problem hat. Persönlich muss ich aber sagen, dass es noch ein wenig dauern wird, denn letztlich hat man eigentlich doch Kais sehr prägnante und eigene Stimmlage bei den Liedern im Kopf und Frank setzt dafür mehr Theatralik in seinen Gesang. Ich schätze aber, dass dies nur ein Gewöhnungseffekt ist und spätestens, wenn Franks Stimme auch auf dem neuen Album erscheint und man diese Lieder dann eben genau so kennt, wird er voll integriert und akzeptiert sein.
Was an diesem Abend auf jeden Fall schon ein Vorteil war, ist dessen positive Bühnenpräsenz und Agilität, denn das alles trägt natürlich zu einer coolen Show bei. Des Weiteren wären dann Klassiker Songs wie „I Want Out“ oder „Valley Of The Kings“. Und als letztes natürlich die restlichen Bandmitglieder: Dirk am Bass, der eigentlich nie still steht, Henjo an der Gitarre, dem man seine Krankheit auf der Bühne nicht anmerkte und Michael an den Drums, der zwar insgesamt etwas erdiger und rockiger spielt als sein Vorgänger, dennoch aber keinerlei Power vermissen lässt, wenn es bei schnelleren Songs eben darauf ankommt. Achja, ein Kai wäre ja auch noch da und der hatte wie immer eine Mega-Positive Ausstrahlung („wir haben jetzt zwei Wochen Pause gehabt und sind heiß drauf live zu spielen. Zwei Wochen ohne Metal, ey, das geht ja gar nicht“) und brachte seine Gesangesleistung super, wenn nicht sogar besser denn je zustande. Alleine „The Silence“ wurde in fast allen Tonhöhen so dargeboten, wie man es von Platte her kennt, was bestimmt nicht mal so aus dem Ärmel geschüttelt wird.
Einziger Kritikpunkt wäre höchstens noch die Setlist. Denn nachdem diese so knallig anfing, gab es doch ein paar Dämpfer. Ob man nun Fan von Drumsolos ist oder nicht, sei dahin gestellt, aber direkt danach ein Basssolo zu bringen ist vielleicht nicht so günstig, es sei denn es gibt ein 3 Stunden Programm. Und Interpretationsspielraum bleibt natürlich beim Titel „Best of the Best“. Wenn man dies als Rundumschlag sieht, der fast alle Alben berücksichtigt, dann war die Setlist vollkommen in Ordnung. Wirft man aber alle Lieder in einen Topf, so gibt es weitaus besseres als „Empathy“ oder „Dethrone Tyranny“.
Dennoch aber wurde wohl kein Fan wirklich enttäuscht, denn erstens merkte man dies an der super Stimmung und zweitens gab es dann ja auch noch (zum Teil als Medley zusammengefaste) Knaller namens „Heading for Tomorrow“, „Avalon“, „Rebellion In Dreamland“, „Ride The Sky“ und „Heavy Metal Universe“.
Mit „Send Me A Sign“ wurde dann das Publikum nach Hause geschickt und egal ob die Rays ein neues Album am Start haben, Personalwechsel erleben, angeschlagen durch Krankheiten sind oder ein paar Killerhits vermissen lassen, enttäuscht wird man von dieser Truppe eigentlich nie.

 

(Röbin)


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