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Axel Rudi Pell, Powerworld (Aschaffenburg 2011)

Axel Rudi Pell, Powerworld

31.1.11 - Aschaffenburg, Colossaal

 

Axel rief, die Meute kam. Der Colossaal konnte heute das in diesen Tagen selten gewordene „Ausverkauft“-Schild an die Tür hängen; jahrelange konsequente Arbeit scheint sich doch auszuzahlen, ein schönes Gefühl. Auch der Großteil der Fans sah entsprechend aus; den heutigen Altersdurchschnitt im Publikum würde ich mal auf Ende 30 schätzen. Entsprechend gesittet ging es zu, man blieb von Circle Pits, Todesmauern und ähnlichen Erfindungen verschont, trotzdem war die Stimmung gut.

 

 

images/Powerworld.jpgPowerworld

 

Den Auftakt machte die mir bislang nur dem Namen nach bekannte neue Band von Ilker Ersin (ehemals Freedom Call) und Barish Kepic (ehemals Jaded Heart). Technische Qualität ist bei solchen Leuten natürlich garantiert, auch Ex-Pump-Drummer Achim Keller klopfte einen soliden Beat, der Keyboarder hingegen war daheim geblieben und ließ seine Parts aus der Konserve kommen. Und der Sänger? Ebenfalls nicht anwesend. Stattdessen war wenige Tage vor Tourbeginn Kepics ehemaliger Jaded Heart-Kollege Michael Bormann eingesprungen. Hut ab vor soviel Spontaneität, da stören auch die auf die Monitorbox geklebten Texte nicht. Der gute Michael war ordentlich bei Stimme, aber von seinem Ruf als deutscher Jon Bon Jovi ist wohl nicht mehr viel übrig, denn seit ich ihn das letzte Mal sah (2004, glaube ich) ist er merklich gealtert und hat mal eben geschätzte 100 kg zugelegt. Ab einer gewissen Leibesfülle sollte man keine tief ausgeschnittenen Shirts mehr anziehen. Optisch war es also nicht gerade ein Genuß, musikalisch leider auch nur begrenzt, denn bei allen handwerklichen Fähigkeiten sind wirklich zündende Songs doch ziemliche Mangelware bei Powerworld. Die Stücke versackten in der Regel irgendwo im Midtempo, kamen nicht wirklich in Fahrt und boten kaum mitreißende Parts, was sich auch in Publikumsreaktionen niederschlug, welche selten über einen Höflichkeitsapplaus hinübergingen. Eine Dreiviertelstunde mühten Powerworld sich ab, aber die Hälfte hätte es auch getan. Nicht unbedingt meine nächste Lieblingsband.

 

 

Axel Rudi Pellimages/Pell1.jpg

 

Die Reaktionen auf den Headliner waren da natürlich deutlich euphorischer. Wie gesagt; jahrelange Arbeit zahlt sich aus, stellt den Musiker jedoch auch vor das Problem, aus immer mehr Alben Songs für die Setlist auswählen zu müssen. Erst recht wird das schwierig, wenn man Herrn Pells Vorliebe für längere Improvisationen, Jams und Soli kennt. So gab es immer wieder gitarristische Einlagen zu hören, Ferdy Doernberg durfte mit einem Keyboardsolo glänzen und auch das obligatorische Terrana-Solo durfte natürlich nicht fehlen. Nun ist er ja ohne Zweifel ein guter Drummer aber leider viel zu unvariabel, als daß mich sein Jahr für Jahr kaum verändertes Solo noch vom Hocker reißen würde. Manchmal ist weniger doch mehr, aber da steht wohl ein übergroßes Ego im Weg. Ein Lichtblick war hingegen das Duell der Herren Pell und Doernberg, welches an glorreiche Deep Purple-Tage erinnerte und tatsächlich tiefe 70er-Atmosphäre atmete.

images/Pell.jpgAber Songs gab es natürlich auch noch. Abgesehen von „Fool fool“ kamen allerdings ausschließlich die Alben ab „Oceans of time“ zum Zuge, erinnern kann ich mich noch an „The masquerade ball“, „Strong as a rock“, „Mystica“, „Glory night“, das Rainbow-Cover „Temple of the king“, „Tales of the crown“ und die letzte Zugabe „Rock the nation“. Teilweise angespielt, in Medleys verpackt, mit gejammten Parts versehen, so ist das eben beim Pell. Zwar ist es prinzipiell begrüßenswert, wenn eine Band keine vorhersehbare Best-Of-Setlist herunterspielt, aber die vielen Soli gingen doch zu Lasten der Songs, derer ich gerne mehr gehört hätte. Nach 75 Minuten war nämlich auch schon Schluß, zwei Zugaben streckten die Spielzeit dann auf knapp 90 Minuten. Da wäre für einen Eintrittspreis von fast 30,- € doch mehr drin gewesen. Andere Bands sind schließlich auch nicht jünger und bringen da deutlich mehr Leistung. Alles in allem eine solide Leistung, welche aber auch nicht euphorisierend wirkte. Note 3, weitertouren. In ein paar Jahren schaue ich gerne wieder vorbei.

 

Bericht & Fotos: Till


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