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                   Peavy Wagner (Rage, Refuge, LMO) - Klartext zur Zukunft! 

 

Als Peavy mit seinen alten Mitstreitern das Projekt Refuge gründete, um ältere Rage Songs live zu präsentieren, war die Freude überall groß. Als dann aber die Meldung kursierte, Rage haben sich aufgelöst, dies dann mit einem Line Up Wechsel dementiert wurde und daraufhin nur noch verwirrendere Aussagen die Runde machten, wurde es Zeit, bei Peavy durchzuklingeln, um mit Gerüchten aufzuräumen und die Zukunft von Rage, aber auch des Linguna Mortis Orchestra und eben dem neuen Projekt Refuge zu beleuchten.
Peavy stellte sich dabei ganz klar immer noch als der nette Kumpel von nebenan heraus und beantwortete die Fragen, selbst bevor sie gestellt wurden, aber lest selbst:

 

Totentanz: Moin Peavy, wie geht's dir?

 

Peavy: Ja, wie es einem so geht am frühen Morgen. Muss erst mal meinen Kaffee noch schlürfen. Aber ansonsten geht's mir gut.

 

TT: Karibik Reise gut überstanden?

 

P: Ja sicher, das ist ja auch wieder über zwei Wochen her. Bisschen Husten hab ich noch.

 

TT: es sind ja einige News im Umlauf, aber zunächst mal wollte ich dich etwas über Refuge fragen. Kannst du mir etwas zur Entstehung sagen, wie es überhaupt dazu kam?

 

P: Das ist im Grunde einem glücklichen Zufall zu verdanken. Das Universum hatte ein Einsehen und gab mir eine zweite Chance (lacht). Mit Manni (g, ex-Rage, ex-Grave Digger) war ich ja die ganzen Jahre lose befreundet aber ich hatte ja auch so einen Twist laufen mit Chris (dr, ex-Rage). Wir sind ja damals nicht im Guten auseinander, als die komplette Besetzung bei der "Ghost" scheibe abgehauen ist. Chris ist damals mit seinem Bruder mitgegangen (beide verließen inklusive dem zweiten Gitarristen und dem Produzenten die Band mitten in der Produktion des Albums, um die Pop-Rock-Band Sub Seven zu gründen - Anm. des Redakteurs) und das habe ich ihm damals sehr übel genommen. Du musst wissen, er war einer meiner ältesten Freunde, seit der Grundschulzeit kennen wir uns. Das war für mich ein Verrat an unserer Freundschaft und das hab ich ihm sehr übel genommen, weil er einfach ohne mit mir zu reden abgehauen ist. Deswegen hab ich dann auch 15 Jahre lang den Kontakt mit ihm gemieden, auch wenn er die letzten Jahre versucht hat, mit mir Kontakt aufzunehmen.
Aber in letzter Zeit hab ich da immer mehr drüber nachgedacht, ich wurde ja auch 50 und dann fängt man so an zu denken: "was willst du überhaupt noch vom Leben?" usw. Und dann dachte ich mir, bin ich eigentlich bescheuert? das ist dein alter Kumpel, er würde gern wieder mit dir befreundet sein und du lässt ihn immer wieder abblitzen, bloß wegen so nem Scheiß von vor 15 Jahren.
Und dann hab ich mir einen Ruck gegeben, wir haben uns getroffen, ein paar Bierchen getrunken und dann haben wir unser Kriegsbeil begraben. Und dann war der Weg von da bis das wir uns mit Manni treffen nicht allzu weit und als dann Leute aus dem Umfeld mitgekriegt haben, dass wir wieder Musik zusammen machen, da hat es nicht lange gedauert und die ersten Anfragen kamen dann aus dem Haus, wo wir früher zusammen geprobt haben.
Die haben einmal im Jahr so ein kleines Festival, wo die ganzen lokalen Bands spielen. Nix großes, Grillen, Bierwagen und so und die fragten dann, ob wir nicht nochmal ein paar alte Songs aus der damaligen Zeit spielen könnten. Und wir haben direkt zugesagt, hatten voll Bock drauf und haben das dann auch gemacht. Und auf einmal kamen von überall her neue Anfragen, könnt ihr das nicht bei uns auch mal machen. Da haben wir auf einmal aus der ganzen Welt Angebote gekriegt. Und dann hat sich das Ganze verselbstständigt und wir haben uns dann Refuge genannt, weil Rage konnten wir uns ja nicht nennen, Rage gibt's ja schon und refugedie wird es selbstverständlich auch weiterhin geben, nicht dass da irgendwelche Missverständnisse aufkommen (dazu später im Interview Ausführlicheres - Anm. des Redakteur). Und das, was wir mit der Besetzung damals gemacht haben ist natürlich nur ein Ausschnitt und sowas wollen wir dann in Zukunft auch machen.
Wir könnten in der Besetzung gar nicht das ganze Spektrum abdecken und die beiden haben auch ihre festen Jobs und Familie, so dass sie gar nicht die Zeit hätten, in einer Band wie Rage fest mitzumachen. Aber Refuge wurde dann trotzdem aus einer Spaßbad eine richtige Band. Des Spaßfaktor steht zwar weiterhin ganz klar im Vordergrund, aber es ist keine Hobbyband mit Chaos, wir haben da jetzt auch ein richtiges Managment.
so also der Stand zu Refuge und mit Rage, das steht ja auf einem anderen Blatt.

 

TT: Und kämen wir aber jetzt auch zu.  Mit Victor warst du ja jetzt 15 Jahre zusammen und hast dich ziemlich überraschend getrennt und man könnte vermuten, dass die Trennung jetzt etwas mit Refuge zu tun hat. Ist da was dran?

 

P: Das ist nicht richtig. Für die Fans draußen mag das überraschend kommen, aber für die Insider gar nicht. Die letzten Jahre haben sich Victor und ich ganz schön auseinander entwickelt. Die frühen Jahre hat das ganz gut funktioniert, aber ne richtig dicke Freundschaft zwischen uns hat da nie bestanden. Wir waren eher ein gutes Arbeitsgespann. Wir konnten gut miteinander arbeiten, gut zusammen Musik machen, nur privat hatten wir sehr wenig miteinander zu tun. Das war auch egal, das ist ja nicht unbedingt eine Voraussetzung um eine Band miteinander zu haben, aber in den letzten Jahren hat sich das ziemlich auseinander entwickelt.
Sowohl auf der persönlichen Ebene, da sind einige unschöne Dinge vorgefallen, als auch auf der musikalischen. Denn er hatte andere Vorstellungen was er so machen möchte als ich, was ich eben mit Rage machen möchte. Und rage ist eine Institution seit 30 Jahren, da geht es nicht um Personen oder auch darum was ich persönlich will, sondern es geht darum, dass diese Band für etwas steht und ich seh mich da eben als der Verwalter, der Verantwortliche dafür. Und viele Leute hat diese Band ihr Leben lang begleitet und wir waren an einem Punkt wo ich die Reißleine ziehen musste, damit rage eben nicht vor eine Wand fährt.
Deswegen musste ich mich von Victor trennen und in dem Zuge auch direkt von Andre (dr.), der auch nie direkt so mit mir befreundet war. Deswegen habe ich mich entschlossen, da einen radikal Schnitt zu machen.
Es wird also auf jeden Fall weitergehen mit Rage, aber wir hatten ja letztes Jahr schon beschlossen, mit Rage mal eine Pause einzulegen, denn wir waren schon etwas überpräsent. Wir haben an jeder Milchkanne dreimal gespielt, die Leute haben uns ständig gesehen und es hat ein bisschen gelangweilt gewirkt, so hatte ich den Eindruck. Die letzte Tour war auch relativ schwach besucht. Da wollten wir dann sowieso ein jahr Pause machen mit Außnahme der Sachen die schon gebutch waren, wie die Full Metal Cruise. Das fällt ja jetzt ins Wasser (tolles Wortspiel - Anm. des Redakteur) , aber die Pause werde ich jetzt auf jeden Fall einhalten und die Zeit nutzen um auch einfach mal ein wenig Abstand zu kriegen.
Und mein Plan ist, dass ich mit Rage so zum Jahresende hin eine Mini Tour zum Jubiläum des "Black In Mind" Album starte, wo eben dieses Album im Vordergrund steht. Und in dem Zuge werde ich das neue Line Up vorstellen, denn das gibt es auch schon. Das wird aber noch geheim gehalten. Jetzt sollen zuerst mal Refuge ein paar Konzerte machen, damit man eben auch den Unterschied zu Rage erkennt. Mit rage haben wir aber auch schon neues Material aufgenommen, eben ein paar Demos produziert. Und musikalisch wird es in eine Richtung gehen, die viele Fans in den letzten Jahren vermisst haben, wenn ich mir da mal so die Kommentare und Zuschriften anschaue. Geht also genau in die Richtung, für die Rage stehen (lacht).

 

TT: Ja es ist irgendwie gerade lustig, du arbeitest gerade meinen Fragekatalog ab, ohne dass ich dir eine Frage stelle.

 

P: (lacht) Entschuldigung.

 

TT: Passt, denn sogar die Reihenfolge stimmt.  Aber da muss ich eben kurz nochmal nachhaken, denn du sagst, es würde sich nach rage anhören. Aber der rage Sound hat sich ja in den letzten 15 Jahren doch sehr gewandelt.

 

P: Ja, genau das wurde ja in den letzten Jahren sehr kritisiert, dass zu viel Wert aufs Progressive oder aufs Gefrickel gelegt wurde. Viele Leute haben sich gewünscht, dass wir wieder ein bisschen straighter werden, wieder mehr in Richtung harten und ehrlichen Power Metal gehen und nicht so sehr dieses Dream Theater mäßige. Obwohl ich das sicherlich auch mit zu verantworten habe, denn ich selbst bin ja auch ein großer Dream Theater Fan und hab das dann auch mal lustig gefunden, so ein paar Sachen auszuprobieren.  Aber auch live wurde ja nichts mehr groß von dem alten Zeug gespielt, der Fokus lag immer auf Neuerem und wenn überhaupt, dann wurde nur sowas angerissen, immer die selben Songs und die wurden dann auch nur zur Hälfte gespielt. Das ging den Leuten etwas auf den Senkel, was ich auch gut nachvollziehen kann.

 

TT: Das heißt, da wird sich in Zukunft auch etwas ändern und die Fans können sich nochmal mehr Richtung Vergangenheit orientieren?

 

P: Naja, wir werden uns eben auf die eigentlichen Stärken mehr konzentrieren und machen keine großen Experimente, wie die Frickelleien, die vom eigentlichen Spielen ablenken. Wir werden aber auch kein Retro Album machen, mit dem wir nur in der Vergangenheit rumschwelgen. Das soll schon das neue offizielle Rage Album werden und wird auch seinen modernen Charakter enthalten. Aber es wird eben die richtigen Trademarks enthalten und nicht so sehr auf Experimente setzen.

 

TT: Für mich persönlich war es auch so, dass ich auf den letzten Alben immer nur vereinzelte Stücke gut fand, der Rest hatte mich nicht mehr so interessiert.

 

P: Ja, das trifft auch ungefähr die Durchschnittsmeinung der Rage Fans.

 

TT: aber in dem Zuge stellt sich für mich die Frage: Egal ob man das jetzt mochte oder nicht, Victor hat ja mit seinem Gitarrenspiel extrem den Rage Sound beeinflusst und er ist einfach ein super Gitarrenspieler und auch extrem gut für solche Komponisationen. Wird es schwierig ihn da zu ersetzen bzw. wird es schwierig für die neue Besetzung, live dann aus dem gesamten Backkatalog zu schöpfen?

 

P: Nein, das wird überhaupt keine Schwierigkeiten geben, denn ich hab da Leute gefunden, die mindestens auf dem selben Level wie Victor sind und die selber große Fans von Rage sind. Wir wollen auch mehr die Band in den Vordergrund rücken. Es soll nicht mehr so viel um die einzelnen Egos gehen, so wie in den letzten 15 Jahren. Da waren es ja irgendwie drei Stars auf der Bühne. Vor allem als noch Mike Terrana (dr) in der Band war, da ging es ja nur noch um die Egos, mit halbstündigen Solos von jedem. Und das wollen wir ändern, es soll also die Band im Vordergrund stehen bzw. die Musik und die Personen sollen in den Hintergrund rücken.  Und musikalisch sind beide mindestens auf dem Niveau von Victor oder Andre Hilgers. Da gibt es keine Probleme und wir können auf jeden Fall den gesamten Rage Katalog abdecken. Wir können jeden Song nachspielen und der klingt geiler, als auf den Platten (lacht).

 

TT: OK, du hast ja schon gesagt, du willst die neue Besetzung noch nicht bekannt geben, aber wie schätzt du das ein. Wird der Druchschnittsmetal-Hörer sagen "ach ja, den kenn ich" oder sind das komplett neue Namen?

 

P: Für den normalen Metal Fan sind das komplett neue Namen. Ein paar Insider kennen die Leute, aber es sind noch keine großen Namen. Vom Alter her sind sie zwar noch keine 50 wie ich, aber auch keine 20 mehr. Einer ist 36, der andere 40, also schon erwachsene Leute (lacht).

 

TT: in den News kam auch raus, dass du das Linguna Mortis Orchestra (kurz LMO) weiterführen willst, obwohl Victor da auch viel gerade im Bereich der Orchestrierung beigetragen hat. Wird das dann auch die neue Besetzung von Rage mittragen oder siehst du das dann komplett abgekapselt?

 

P: Nein, nein. Das LMO wurde ja durch rage begründet, wir haben da ja Mitte der 90iger damit angefangen. Daher stammt ja auch der Name und das ist einfach ein Teil von Rage und wird auch ein Teil davon bleiben. Wenn ich mit dem Namen auftrete, dann immer im Zusammenhang mit dem Namen Rage, so wie es auch bei dem LMO Ding war, da stand ja auch immer "featuring Rage" mit dabei. Und natürlich werde ich auch den Namen behalten, rageden weder ich nicht Victor schenken oder so. das wird auch immer ein Teil davon bleiben, der gehört einfach dazu und es soll keine eigenständige große Band daraus werden, so wie Victor das jetzt vielleicht gern gemacht hätte.
Ich denke wir werden frühestens 2017 da wieder was machen. Vielleicht auch unter dem Motto, weil sich die "XIII" zum 20. dann jährt. das würde ja sehr gut passen. Und ich kann mir auch vorstellen, dass wir neues Material aufnehmen, das ist mit den neuen Musikern problemlos möglich.
Und von Victor weiß ich, dass er auch ein Orchester Projekt machen will, das wird dann aber eben unter anderem Namen laufen, denn den Namen kann ich ihm einfach nicht geben. Was er da genau machen will, kann ich nicht sagen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er da mit Leuten zusammen arbeitet, mit denen das letzte LMO Album entstanden ist, aber die genauen Pläne kenne ich nicht.

 

TT: Das ist der Hammer, du greifst wirklich jede Frage vorweg auf. Bei mir steht als Stichpunkt auf dem Blatt "Victors Zukunft?".

 

P: (lacht) Echt? Gedankenleser.

 

TT: Ja, ok, dann haben wir den Punkt auch. Zusammengefasst heißt das also, Rage haben ein neues Line Up und werden eine Platte aufnehmen, LMO steht in verbindung mit Rage und wird weitergeführt und Refuge steht als eigenes Band nebenan und wird aber auch eine Platte aufnehmen?

 

P: Das ist richtig. Wir knüpfen mit Refuge natürlich zuerst mal an unsere Rage Vergangenheit an. Aber da die Chemie so gut stimmt, passierte das ganz von selbst, dass wir angefangen haben, auch neue Ideen durchzuspielen. Da sind dann auch die ersten Songs entstanden, die für mich auch dieses Vibe haben, was wir früher so hatten. es wird wahrscheinlich von selbst darauf hinaus laufen, dass wir da ein neues Album machen. ich hab das gar nicht so genau geplant, aber zu 99% wird es ein neues Album geben, dennoch schätze ich, dass wir nicht vor Jahresende da näher ran gehen können.  Wir werden das natürlich so machen, das wir uns terminlich nicht in die Quere kommen und vom musikalischen her so, dass wir mit Regufe das Old School abdecken und mit rage eben alles quer, was ich mir so in den ganzen Jahren erarbeitet habe.

 

TT: Also dürfen die Fans zuerst ein neues Rage Album erwarten?

 

P: Naja, mit Rage werden wir wohl nicht vor nächstem Frühjahr ins Studio gehen.

TT: Das heißt es steht noch offen, ob zuerst ein Refuge oder ein Rage Album kommt?

P: Genau. In den nächsten Wochen werden wir da konkretere Pläne schmieden.  Im Moment passiert einfach zu viel und wir müssen mal schauen, wie sich das entwickelt.

 

TT: Aber gab es nicht auch mal kurz die Überlegung, zu sagen, ok, mit Refuge sind wir am Start, bei rage zeichnet sich eine Trennung ab, also bildet dieses Trio jetzt das alte/neue Rage Line Up?

 

P: Das stand nie zur Debatte, dass Refuge mal Rage werden würden. Rage sind eine professionelle Band und ich lebe davon seit 1987 und ich möchte noch weiter davon leben, denn ich hab ja nicht noch einen anderen Job. Insofern muss ich Rage auf einem ganz anderen Level machen, als wir das mit Refuge machen. Wie schon erwähnt haben Manni als auch Chris feste Berufe und Familie mit Kindern und die müssen jetzt nicht plötzlich einen aus Rockstar machen und das alles aufgeben. Das war also von vorneherein auch die Grundvoraussetzung, dass wir überhaupt ne Band machen. Es wird also immer eine Art Semi-Professionelle Band sein, was anders auch gar nicht möglich ist.
Zum anderen hat es auch musikalische Gründe, denn was wir mit dem Trio gemacht haben war natürlich sehr wichtig, weil wir da den Stil etabliert haben, aber über die Jahre kamen neue Aspekte und Elemente in den Sound von Rage, die ich mit Manni und Chris nicht übernehmen könnte. Die Sachen der letzten 15 Jahre könnten wir so gar nicht machen, weil die Jungs einfach einen ganz anderen Stil spielen. ich glaube das ist auch in deren Sinne, da hätten die glaub ich auch gar keinen Bock drauf.

 

TT: Gut, dann wären wir soweit mit den spezifischen Fragen durch, jetzt noch ein paar allgemeinere Fragen. Was hörst du denn derzeit so für Musik, irgendwas Neues entdeckt?

 

P: Was hör ich denn so? Da muss ich überlegen. Hmm. Ehrlich gesagt hab ich in der letzten Zeit nur Hörbücher gehört.

 

TT: Und was da so?

 

P: Ich hab letztens diese Parodie "Er ist wieder da" von Timur Vermes gehört (lacht). Und ansonsten bin ich sehr beschäftigt mit musikalischen eigenen Ideen. Ich hab da gerade einen Kreativ Schub (lacht) und schreib gerade jeden Tag ne neue Idee. Da kam ich gar nicht mehr so zum Hören. Aber auf dem Schiffchen hab ich mir ein paar Bands angeguckt (er meint die 70.000 Tons of Metal, bei der Refuge spielten - Anm. des Redakteur).

 

TT: Was waren denn da die Highlights für dich?

 

P: Also was mir sehr geil gefallen hat war Equilibrium. Das hat geknallt, die haben da ja voll die Schwarte krachen lassen. Und die neue Annihilator Besetzung. Ich weiß nicht wie neu die ist, aber die ist ja unglaublich geil.

 

TT: wobei das aber unklar ist, ob das eine neue Besetzung sein soll oder so ein einmal Ding, denn das war ja auch ein Ex Sänger von denen....

 

P: Der Sänger hat aber nur bei der einen Show zwei Songs gesungen. Und der war furchtbar (lacht). Ich hab mich schon länger nicht mehr mit Annihilator befasst, aber der Typ der da jetzt neben Jeff Waters Gitarre spielt und singt (er meint Dave Padden - Anm. des Redakteur) - Hammer der Typ. Unglaublich geil. Lange nicht mehr so ne tighte Band gesehen.

 

TT: dann nenn doch mal deine fünf All Time Faves, deine Lieblingsklassiker. Wobei mir und jedem Metal Fan bewusst ist, dass sich solch eine List eigentlich täglich ändert.

 

P: (lacht) Da müsste man eigentlich länger drüber nachdenken, aber wenn ich so spontan sagen soll:  Aus der Frühphase "Restless & Wild" von Accept, Metallica "Ride The Lightning" bleibt für mich auch immer eine der geilsten Scheiben. Was ich jetzt wieder entdeckt habe ist "Black Metal" von Venom (lacht). Das Ding fand ich als Teenager total geil. Dann diverse Dream Theater Alben sind für mich nach wie vor ganz oben. Oder auch die Blackwater Park.

 

TT: Ok, abschließend was ganz anderes. Eigentlich boomt die Metalszene, überall gibts Festivals, ständig Tourneen usw. und trotzdem wird es immer schwieriger, als Musiker zu bestehen. Wenn dir alle Möglichkeiten offen stünden, was würdest du tun, um das ganze System zu retten?

 

P: Ich weiß nicht wie man das machen würde, aber man müsste ja schon das Rad zurückdrehen. Irgendwie muss man es dazu kriegen, dass Musik wieder einen Wert hat. Die Industrie hat es zugelassen, dass Musik sich einfach so beschafft wird und die jungen Leute sind sich gar nicht mehr bewußt, was alles so dahinter steht. Alles andere bezahlst du, aber Musik steht da in der Wertschätzung irgendwie ganz unten. Das ist ein Unsinn, der da im Internet entstanden ist. Wie will man diese Entwicklung wieder zurück drehen.

 

TT: Das sehe ich ganz genauso und so wird es demnächst der Bücherbranche ebenso gehen, wenn man sieht, dass es jetzt schon eine Flatrate für eBooks zum Ausleihen gibt.

 

P: Genau. Das geht irgendwann jedem Künstler so, der ein Produkt herstellt, das irgendwie digitalisiert werden kann. Da bleibt dem Musiker nur noch der Live Auftritt. Und auf dem Sektor drängt sich dann alles, aber der Kuchen ist eben auch nur so und so groß. Jeder kann ja auch nur seinen Euro einmal ausgeben und logischerweise geraten dann die kleineren und mittleren Bands immer weiter nach hinten.

 

TT: das stimmt. Aber auf der anderen Seite kann man ja sagen, deine Zukunft sieht ja mit diesen drei coolen Projekten gar nicht so schlecht aus.

 

P: Ja, ich hoffe natürlich, dass die Fans meine Entscheidung verstehen und Rage treu bleiben. Ich kann mich da nur wiederholen und sagen Rage wird mehr Rage sein als die letzten 15 Jahre. Ich hoffe einfach, dass die Fans das alles nachvollziehen können.  

 

TT: Ich denke schon, denn du hast das ja jetzt hier und wirst das sicherlich noch in anderen Interviews genauso gut erklären und da sind die Entscheidungen ja absolut nachvollziehbar.

 

P: ja, die Kommunikation zu der Trennung von Victor ist halt dumm gelaufen. Da hat Nuclear blast auch so ein Kuckucksei gelegt. Die haben ohne bei mir nachzufragen einfach was übernommen was Victor denen hingelegt hat. Wir hatten eigentlich ein gemeinsames Statement ausformuliert und er hat dann auch einfach noch was anderes geschrieben. Da stand dann sowas von wegen er würde LMO weitermachen und in einem Nebensatz dann die Erklärung, dass er das aber unter einem anderen Namen tun würde. Aber die Leute lesen zuerst die Schlagzeile und dann geht so eine Info natürlich unter. Dann stand da noch, dass sich Rage auflösen und in Wirklichkeit sollte es eben heißen, dass sich die jetzige Besetzung auflöst.

 

TT: Aber die Fans wissen ja auch, dass du eigentlich bodenständig bist und eher als der Kumpel von Nebenan rüber kommst.

 

P: ja, da hat sich auch nicht viel dran geändert und es ist ja auch nicht so, als ob ich die ganzen letzten Jahre schlecht reden würde. Im Gegenteil, ich hab das ja alles gerne gemacht und die Sachen waren ja auch gut. Nur musste jetzt eben ein Cut her.

 

TT: OK, Peavy, dann vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

 

P: Ja, von mir auch vielen Dank. Tschühüss.

 

(Röbin)

 

http://www.refuge-metal.de

 

 

 

 

 


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