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Big in Sweden, aber kleine Brötchen bei uns?

 

Hardcore Superstar wollen es scheinbar wirklich wissen. Die Jungs aus Göteborg, haben nach noch nicht mal 18 Monaten, schon den Nachfolger zum großartigen „Beg For It“ am Start. Allerdings haben die Jungs nicht, wie bei den letzten beiden Alben, auf eine Hochglanzproduktion gesetzt, sondern das neue Album „Split Your Lip“ größtenteils live eingeholzt. Das Album steht somit mehr in einer Linie mit dem selbstbetitelten 2005er Meisterwerk. Dreckig und hart gespielter Sleaze Metal mit Thrash Attitüde vom Besten. Drummer Adde gab begeistert Auskunft...

 

TT: Ihr habt mit „Split Your Lip“ recht schnell einen Nachfolger zu „Beg For It“ am Start. Was gibt es über die neue CD allgemein loszuwerden?

 

Adde: Ich denke, es ist unser bisher persönlichstes Album und wir haben die Texte diesmal speziell über uns geschrieben. Es sollte nicht irgendwie cool klingen, sondern einfach ehrlich. Das gleiche gilt für den Sound und die Art, wie wir aufgenommen haben. Das ganze Paket ist einfach brutal und ehrlich...

 

TT: Das stimmt allerdings. Nachdem ihr die letzten beiden Alben mit einer Up-To-Date Produktion ziemlich auf Hochglanz poliert hattet, klingt „Split Your Lip“ wieder sehr rau wie euer selbstbetiteltes Album von 2005...

 

Adde: Weiter als auf „Beg For It“, hätten wir in Sachen „Produktion“ nicht mehr gehen können. Also sind wir wieder zurück zu den Basics gegangen. Wir standen beim Aufnehmen alle in einem Raum, nur Jocke stand hinter einer Glaswand. Wir haben die Songs dann einfach live rausgehauen. Nach jedem Song haben wir dann nur noch die Gitarren-Soli und die Backing-Vocals aufgenommen. Dann war der Song aber auch fertig. Es war aber auch ein tolles Gefühl. Man fährt abends nach Hause und der Song an dem man gearbeitet hat, ist wirklich fertig. Es wird nicht mehr stundenlang an irgendwelche Feinheiten gebastelt. Es war wirklich...hm...erfrischend, mal wieder zu den Basics zurück zu kommen.

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TT: ...die zweite Gitarre hast du vergessen. Die habt ihr dann auch noch nachträglich aufgenommen...

 

Adde: Ja, die hat Vic (Zino – Gitarre) gleich, nach einem gelungenen Take, einfach gedoppelt. Wir sind in den Regieraum gegangen und haben ihh beobachtet, während er die zweite Gitarre gleich hinterher gespielt hat. In neun von zehn Fällen, hat er den Song gleich in einem Take eingespielt. Wir haben den Songs auch mehr Raum gelassen und ein paar Noten weniger gespielt.

 

TT: Habt ihr die Scheibe wirklich in 5 Tagen aufgenommen? Das war zu lesen...

 

Adde: Ja, das stimmt. Natürlich wollten wir das nicht einfach einrotzen, es sollte natürlich und trotzdem gut klingen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel für eine Aufnahme geprobt. Wir waren für sechs Wochen in einem Studio, dort haben wir unser Equipment aufgebaut und geübt, als wenn das unser Job wäre. Wir haben um 10 Uhr morgens angefangen und nur mal Pause gemacht, wenn einer mal ins Bad musste. Das haben wir 5 Stunden täglich die ganzen 6 Wochen lang gemacht. Die Aufnahmen sollten nicht nach dem üblichen Schema laufen. Erst aufnehmen, dann den Take anhören, dann das Ganze noch einmal spielen...bis man Angst vor dem nächsten Take hat. Durch das extreme Proben, konnten wir die Aufnahmen so schnell machen. Das war ein richtig gutes Gefühl und richtig easy für uns...

 

TT: ...ein gutes Training, für kommende Shows, war das mit Sicherheit auch...

 

Adde: Klar, es spielt sich alles total leicht und es wird live wirklich klasse klingen.

 

TT: Laut den Interviews zum letzten Album, hat Jocke den Song „Hope For A Normal Life“ im Liegen eingesungen. Im Stehen am Mikro ist er wohl so ein Nervenbündel. „Split Your Lip“ sind mit „Here Comes The Sick Bitch“ und „Run To Your Mama“ zwei Balladen. Hat er die auch wieder im Liegen eingesungen?

 

Adde: Haha...nein, diesmal nicht...die beiden Stücke waren für ihn aber schon harte Arbeit. Beide Songs sind...hm...sehr nackt...auch die Texte sind sehr ernst. „Sick Bitch“ haben Jocke und Vic ja auch live zusammen eingespielt...

 

TT: Davon gab es ja auch ein Video aus dem Studio auf eurer Page...

 

Adde:...richtig...und „Run To Your Mama“ wurde ursprünglich komplett mit Band aufgenommen. Also mit Drums, Bass und Gitarren, aber wir haben dann die ganze Instrumentierung, bis auf das Klavier, weggelassen und es klang absolut klasse. Auch total nackt irgend wie...und sehr ehrlich. Auch die Vocals sind nicht entspannt, sondern sehr rau und aggressiv.

 

TT: Das ist jetzt die zweite Platte mit Vic. Er hat sich scheinbar gut in die Band integriert. War es schwierig für ihn? Immerhin war Silver (Ex-Gitarrist, verließ die Band vor „Beg For It“) ja von Anfang an Gitarrist bei HCSS.

 

Adde: Die Sache mit Silver war, er hat nicht viele Songs geschrieben. Als Vic in die Band kam, haben wir einen weiteren Songwriter gewonnen. Bisher haben Martin (Sandvick – Bass) und ich die ganzen Songs geschrieben. Vic wollte aber von Anfang an Songs schreiben. Deshalb wollte er ja auch unbedingt bei uns einsteigen, er mochte unseren Stil einfach. Das war auch der Grund, warum das neue Album so schnell fertig war. „Beg For It“ war gerade mal ein Jahr alt, als wir ins Studio gingen. Wir haben mit Vic definitiv einen Songwriter gewonnen. Er nimmt zu Hause Demos mit seinen Vocals auf und er hat ein wirklich gutes Gespür für Song-Melodien. Mein Lieblingssong auf dem Album, den Vic alleine geschrieben hat, ist „Last Call For Alcohol“. Ich liebe diesen Song, er ist absolut typisch für Hardcore Superstar. Als er ihn geschrieben hat, war er aber noch gar nicht in der Band...er ist wirklich perfekt für die Band.

 

TT: Ihr habt euren Stil nach „No Regrets“ (2003) ziemlich radikal verändert. Seinerzeit wart ihr vom Metal sehr weit entfernt. Das war mehr Punk, Rock und Rockabilly. Die Gitarren waren kaum verzerrt und euer Outfit war ganz anders. Was war der Grund für diese radikale Kurskorrektur?HardcoreSuperstar_Band3

 

Adde: Martin und ich, wollten damals das neue Album produzieren und auch einige Änderungen vornehmen. Nach „No Regrets“ löste sich die Band für 10 Monate auf, weil es einfach nicht richtig lief. Ich sagte den Anderen, dass ich etwas andere Musik machen möchte. Musik mit der ich aufgewachsen bin. Die Anderen fanden die Idee gut, die Musikstile, aus unserer Jugend, miteinander zu verbinden. Im Sommer 2004 erbte ich das Haus meiner Großmutter und Martin half mir es zu renovieren. Wir unterhielten uns während der Arbeit viel über die Band. Was wir jetzt machen sollten, wie es klingen könnte. Wir dachten auch darüber nach, etwas Thrash in den Sound zu integrieren, damit sind wir fast alle aufgewachsen. Darüber haben wir uns unterhalten während wir Wände strichen und etliche Reparaturen am Haus erledigten. Es war ein echt guter Sommer 2004. Im Endeffekt haben wir das neue Album geschrieben, während wir das Haus renovierten. Wir waren extrem inspiriert, als wir anfingen Thrash und Sleaze zu verbinden.

 

TT: Ihr habt da eine Mischung gewählt, die sonst noch niemand in dieser Art versucht hat. Immerhin haben sich in den 80ern die Thrasher und die Poser nicht so gut leiden können. Als es Mitte der 80er richtig mit dem Thrash los ging, habe ich meine Mötley Crüe und Ratt Scheiben immer noch gehört, während ich zu Possessed und Forbidden abgebangt habe.

 

Adde: Es ist doch okay, wenn man sich von einem Forbidden Album wie „Twisted Into Form“ und „Forbidden Evil“ inspirieren lässt. Man schreibt einen Song mit einem thrashigen Riff und einem melodischen Refrain. Das hat uns eine Menge Spaß gemacht, wie Kinder im Süßwarenladen *lacht*

 

TT: Es gab doch bestimmt auch etliche Fans, die mit diesem Stilwechsel nicht so ganz einverstanden waren...

 

Adde: Ja, sicher, wir haben auch immer noch Leute die das nicht verstehen. Es wird aber immer Leute geben, denen die eine oder andere CD nicht gefällt. Wenn man in einer Band spielt, in der es nicht vorwärts geht, dann macht das keinen Spaß. Ich bin froh, das wir diese Stiländerung gewagt haben.

 

TT: Habt ihr euch schon Gedanken gemacht, in welche Richtung es beim nächsten Wechsel gehen könnte? Ich hoffe nicht, dass ihr da schon was geplant habt. Eine Idee wäre, als Gag einen richtigen Thrash Song aufzunehmen...

 

Adde: Wir haben ein großes schwedisches Magazin, das demnächst sein 20jähriges Bestehen feiert. Sie haben mich gefragt, ob ich nicht was für sie machen könnte. Ich habe darüber nachgedacht „Davidian“ von Machine Head zu Covern. Also alles alleine einzuspielen. Der Song ist gar nicht so schwer zu spielen. Vielleicht werde ich jemanden fragen, um den Song einzusingen, sollte ich das nicht hinbekommen. Da würde ich höchstwahrscheinlich Peter (Dolving) von The Haunted fragen, denn er wohnt nur ein paar  Minuten von mir entfernt. Er würde das bestimmt machen.

 

TT: Dieser 80er Poser Style ist in Schweden im Moment schwer angesagt. Wie findest du es, dass ein Style, über den in den letzten 15 Jahren viel gelacht wurde, jetzt bei euch wieder so angesagt ist ?

 

Adde: Ich denke, dass das Sleaze-Gerne ein Problem hat, sich weiter zu entwickeln. Anderen Gernes fällt das leichter. Viele neue Sleaze Bands, klingen genau wie die Alten. Was ich z.B. an Guns`n Roses mochte, und was ich an ihnen immer noch mag, sie waren viel mehr als eine Sleaze Band. Sie waren von den Beatles beeinflusst, genauso wie von der Punk Szene. Sie hatten ganz andere Einflüsse. Deshalb waren Guns`n Roses so viel mehr und erfolgreicher, als Warrant und Poison. Ich denke, viele neue Sleaze Bands, sollten versuchen, sich weiter zu entwickeln. Wir haben auch versucht, Stile miteinander zu verschmelzen, um etwas Neues zu bekommen. Wenn es danach noch super klingt, ist das ein Bonus... *lacht*...wenn man Eis mit Pizza mischt, kommt auch nichts dabei raus. Vergiss es... *lacht*...in der Szene ist meistens zu viel Jack Daniels unterwegs und keiner macht sich richtig Gedanken um die Musik...das ist meine Meinung dazu.HardcoreSuperstar_band2

 

TT:  Ich war diesen Sommer (2010) wieder in Schweden. Unter anderem auch im Sticky Fingers Club in Göteborg. Neben „In Flames“, gibt es dort auch eine Ecke mit Devotionalien von Euch...ihr wart wohl öfter in dem Laden?

 

Adde: Oh ja...wir sind dort quasi aufgewachsen. *lacht*. Der Besitzer des Clubs ist ein Mitglied dieser alten schwedischen Rock Band Namens Swedish Erotica und er war immer sehr cool zu uns. Als wir noch eine richtige Garagen-Band waren, hat er uns viel geholfen. Er hat uns Gigs besorgt und uns auch oft in seinem Laden spielen lassen. Er will demnächst wohl noch einige Ecken mit anderen Bands aus Göteborg verzieren, aber die erste Band die er dafür im Auge hatte, waren wir. Natürlich gibt es eine Ecke für In Flames. Er will jetzt noch eine für Mustasch und für eine Band mit Namen „Soundtrack Of Our Lives“. Ich glaube, es gibt im Moment 4 Ecken, die Bands gewidmet sind. Ich glaube für The Haunted soll es demnächst noch eine geben. Da werden wohl alle Göteborger Bands verewigt, die es irgendwie geschafft haben. *lacht*...oder so ähnlich. Eigentlich eine sehr coole Idee...

 

TT: Auf eurer Homepage war ein Photo, auf dem Jocke vom Drumriser springt. Das Bild ist auch im Booklet der neuen CD zu sehen. Auf dem Bild hattet ihr eine riesige Bühne in einer wirklich großen Halle. Wenn ich da ein die kleinen Clubs denke, in denen ihr in Deutschland spielt. Sieht man auf dem Bild euer normales Bühnenbild von der Schweden Tour oder war das ein spezieller Einzelgig?

 

Adde: Das Bild wurde beim unserem letzten Gig in Göteborg gemacht. Als wir noch Kids waren, sind wir immer in diese Halle auf Konzerte gegangen. Ozzy hat dort gespielt oder auch Skid Row, als sie wirklich groß waren. Skid Row habe ich da sogar zwei Mal gesehen. Ja, und jetzt haben wir dort auch gespielt und haben den Laden ausverkauft. Das waren 3000 Tickets! Wir haben für diesen Gig all unser Geld genommen und in die große Bühne und die Show gesteckt und wir haben einen bekannten schwedischen Comedian engagiert. Er sollte uns vor der Show in der Umkleidekabine interviewen und das wurde dann schon in die ausverkaufte Halle übertragen. Im Umkleideraum konnten wir schon die Leute brüllen hören, als er über das Mikro bei uns im Raum die Leute fragte: „Okay you fuckers out there! Are you ready to meet the Boys?“. Das Publikum ging wirklich steil da draußen…das war Gänsehaut pur…Wahnsinn!

 

TT: Ihr habt euch so richtig einen Traum erfüllt...

 

Adde: Jaja, und deshalb ist das Photo in der CD so wichtig. Als Kids standen wir in der Halle und sagten: „Wenn wir diese Halle ausverkaufen, müssen wir sonst nichts mehr im Leben machen...“ *lacht*

 

TT: Ich habe euch letztes Jahr in Karlsruhe gesehen, da waren es vielleicht 300 Leute. Wie ist es für euch mal vor bis zu 3000 Leuten und dann wieder vor 300 zu spielen?

 

Adde: Das ist etwas merkwürdig in Deutschland. Wir verkaufen die Clubs in Finnland aus, in Schweden sind es noch mehr. Dann kommen wir nach Deutschland, und es kommt kaum jemand. Dann geht es nach Italien und es ist wieder totaler Wahnsinn. Als wir das letzte Mal in Mailand gespielt haben, war das die gleiche Halle wie bei Oasis! Alcatraz heißt die Halle und sie ist wirklich groß. Warum es bei euch, trotz der guten Reviews, nicht so in die Gänge kommt, kann ich mir auch nicht erklären.

 

 

TT: Das wir wohl auch an dem großen Markt bei uns liegen. Viele Bands haben Probleme mittlerweile die Hallen voll zu bekommen, weil echt viele Tourneen in Deutschland sind. Dazukommen noch die ganzen Open Airs im Sommer. In Schweden gibt es ja mit dem Sweden Rock, nur ein richtig bekanntes Festival.

 

Adde: Das stimmt wohl, es gibt zwar noch einige, aber die sind bei weitem nicht so groß und reine Metal Festivals gibt es höchstens noch 2.

 

TT: Wie sehen eure nächsten Pläne aus. Ich hoffe ihr kommt auch für die 300 Fans noch bei uns vorbei?

 

Adde: *lacht* Klar auf jeden Fall, wir wollen es bei euch ja auch noch schaffen. Wir sind ja nicht enttäuscht, wenn es ein paar Leute weniger sind. Aufgeregt bin ich immer, ob das 300 oder 3000 sind oder in welcher Halle auch immer. Spaß macht es immer. Solange ich nicht krank oder betrunken bin *lacht*. Wenn die Leute mitgehen, ist alles super. Letztes Jahr konnten wir immerhin auf dem Rock am Ring spielen. Das war auch Wahnsinn, Nachmittags gegen 16 Uhr auf der zweitgrößten Bühne mit Marilyn Manson, Korn und Killswitch Engage. Hoffentlich kommen ein paar Leute, nachdem sie uns dort gesehen haben. Das With Full Force wäre klasse oder natürlich Wacken.

 

http://www.hardcoresuperstar.com/

 

(Schnuller)


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