Wolves in the throne room - Estuary

(Century Media) 

Ja, die Wölfe sind längst im Thronsaal angekommen. Und ein besonders verkommenes Exemplar baut ihn sich gerade noch. Doch beschmutzen wir nicht die reine Kunst von WITTR mit Assoziationen zu gegenwärtigen politischen Widerwärtigkeiten. „Estuary“ taugt mit seinen kaum im Jetzt verankerten Kompositionen ohnehin hervorragend dazu, Eskapismus zu betreiben. Sehnsuchtsvolle Melodien tragen den Hörer weit hinfort. Anstatt sich diesen Leitmotiven allerdings wie früher abendfüllend hinzugeben, arbeiten die Wölfe immer wieder auf Brüche hin, die dann auch mal in Death Metal-artige Dumpfheiten führen können. Fremdle ich im Gesamtkontext etwas damit. Ist aber am Ende kein valider Kritikpunkt, sondern reine Geschmackssache.

 

Anders liegt der Fall bei den beiden geräuschigen Fadeouts, die nichts zum Album beitragen, außer hier und da kurz seinen Fluss zu stören. Insgesamt aber sind es doch wieder die feinen melodischen Läufe, die ,neben stoischen Keyboard-Gebilden, das musikalische Bild von „Estuary“ am nachhaltigsten prägen. Im Opener beispielsweise oder etwa in „The orca cliffs“ brechen helle, durchdringende Leads sofort das Eis.

 

"Foretold in reflections" hat von alledem nichts, stellt einen tieftönenden, lange im Midtempo verharrenden, archaischen Kontrapunkt dar, der "Estuary" noch eine ganz andere Seite abringt. Wandlungsfähig und kompakt wie nie, haben die Wölfe hier nicht viel weniger als Meisterliches vollbracht. Nach der eher unauffälligen EP zuletzt, war das nicht unbedingt zu erwarten.

 

(Chris)

 

https://wolvesinthethroneroom.bandcamp.com/music

 


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