
Ganze 8 Jahre sind seit dem letzten Venom Album „Storm the Gates“ vergangen. In der Zeit gab es bei den Black Metal Urvätern zwar immer mal wieder Gigs aber auch Corona Pause, Plattenfirma Wechsel, etc.! Mit „Into Oblivion“ hauen die Briten Cronos (Vox/Bass), Rage (Guitar) und Danny (Drums) jetzt endlich neues Kraftfutter raus. In dieser Besetzung ist es das vierte Album, in der Venom Gesamtrechnung das 16. Werk. Als Fan erster Stunde bin ich begeistert von dem Teil und freute mich über die Möglichkeit Rage & Danny zu interviewen…Lay Down Your Soul!
Hi Jungs, bevor wir über euer neues schwarzes Album sprechen möchte ich gerne etwas in die Vergangenheit reisen. 2019 habt ihr die „Lucifer Rising“ Festivals in Deutschland gespielt, wie sind die Erinnerungen daran?
Rage: Sehr positiv! Wenn man auf einem Tagesfestival spielt trifft man mal kurz ein paar bekannte und muss dann schon auf die Bühne und wieder weiterziehen. Bei den „Lucifer Rising“ Festivals waren wir die ganze Zeit mit Dark Funeral und Midnight unterwegs, das machte Spaß. Die Jungs sind top, sowohl musikalisch als auch menschlich. Die Fans waren auch super und haben alles positiv aufgenommen. Auch die Hallen waren klasse, der Sound auch – es ist für uns immer schön durch Deutschland zu Touren. Wir waren in dieser Besetzung ja auch schon in Wacken oder auf dem „Bang your Head“ Festival – das war ein sonniger Tag und als wir kamen regnete es. Wir haben das englische Wetter nach Balingen mitgebracht, haha. Weißt Du es gibt aktuell sogar Überlegungen das „Lucifer Rising“ Festival zu wiederholen…
Das wäre geil. Danach kam dann Corona und hat die Welt ausgebremst…
Rage: Ja das kann man so sagen. Wir hatten alle Zeit das neue Album zu schreiben. Cronos und Ich richteten uns selbst Studios ein und konnten somit experimentieren, versuchen, probieren. Da kam viel Gutes für „Into Oblivion“ raus. Aber wir vermissten es zusammen zu proben und Live aufzutreten. Als wir dann endlich loslegen konnten gab es bei den Schlagzeug Aufnahmen technische Probleme und sie mussten wiederholt werden. Das gab uns nochmal Zeit weiter an den Songs zu feilen und Cronos hat dann seine Texte auch nochmal überarbeitet. Dazu kam dann noch das wir zur neuen Plattenfirma BMG wechselten. Hat sich also alles ganz gut gefügt und wir sind überglücklich das neue Album nun präsentieren zu können.
Mir ist aufgefallen das es ein paar neue Elemente und Ansätze im Venom Sound gibt. War das geplant oder ergab sich so?
Rage: Ja das war eine natürliche Entwicklung. Auf unserem „From the very Depths…“ Album steht mit „Smoke“ ein Song der schon irgendwie anders und innovativ war, den hatte ich oft im Kopf beim Komponieren. Ach schau mal – da ist Danny – wird auch Zeit das du kommst, Haha.
Danny: Hallo Leute, ich crashe eben mal euer Gespräch, haha.
Willkommen Danny – wir reden gerade über Neuerungen auf „Into Oblivion“…
Rage: Genau, es gibt progressivere Parts, andere Harmonien. Wir haben uns einfach mal alles getraut und wollten bisschen aus den Mustern ausbrechen aber auch nicht den typischen Stil verändern.
Danny: Dadurch das wir nochmal von vorne anfangen mussten haben sich noch weitere Ideen ergeben. Ich denke das Material ist nochmal gewachsen und hat sich verändert.
Rage: Wir sind alle Fans von 70er Bands und ich denke das hört man auch raus. Diesen Vibe haben wir dieses Mal irgendwie drinne.
Danny: Mehr experimentell könnte man sagen. Die alten Bands waren quasi etwas „freier“, die haben einfach mal gejammt und mehr Ausflüge in andere Genres gemacht. Es gab nicht diese abgesteckten Grenzen „das ist Black Metal“ – „das ist Thrash Metal“. Die haben sich mehr erlaubt und es hat einfach gepasst. Aber natürlich muss Venom auch immer klar nach Venom klingen. Wenn Cronos den Mund aufmacht und loslegt ist das schon 100% Venom, harhar.

Könnt ihr mir speziell zu „Unholy Mother“ Infos geben – der Track ist meiner Meinung nach sehr überraschend…
Rage: Ja, da wird es auch irgendwann noch die lange Version von zu hören geben. Mit einem Intro und mehr Gitarren Solos. Das wird noch veröffentlicht. Yeah, der Song ist atmosphärisch ohne Ende. Ich steh auf Horrorfilme und wollte mal solche Bilder in Musik ausdrücken. Vielleicht hab ich zu viel „Stargazer“ von Rainbow gehört, haha.
Danny: Wir haben uns bei diesem Song, wie auch auf dem ganzen Album, die Bälle zugespielt und versucht die Grenzen auszuloten. Uns gegenseitig gefordert.
Wer hat die Keyboards auf dem Song gespielt?
Rage: Niemand! Es stehen keine Keyboards auf der Platte. Wir erzeugten diese Sounds mit Gitarreneffekten und selbst eingesungenen Chören. Menschliche Stimmen und Gitarrenschichten aufeinandergelegt. Das wars schon – wir sind nicht clever genug Keyboards zu benutzen, Harhar.
Welche textlichen Themen waren bei Cronos dieses Mal angesagt? Kam auch sozialkritisches vor? Der durchgeknallte Zustand dieser Welt lädt ja quasi dazu ein…
Rage: Das fließt in Untertönen immer mal wieder ein. Nimm z.B. den Song „Death The Leveller“, da geht es darum das wir im Angesicht des Todes alle gleich sind. Egal ob armes Schwein oder korrupter Politiker – wir sind alle irgendwann fällig. „As Above So Below“ könnte eine Story wie im Film „Das Omen“ sein. „Live Loud“ und „Lay Down your Soul“ sind natürlich Stücke über die Metal Fans. Über Konzerte und das Feeling das Heavy Metal vermittelt. „Man & Beast“ handelt von der menschlichen Natur und „Legend“ von zwei Riesen die in der Themse im Nordosten Englands hausten. Wir tauchen nicht sonderlich in die Politik ein, es ist nicht ganz das Thema Venoms, you know. „Deathwitch“ handelt von einer bösen Frau, Har Har…
Danny: So wie sie jeder schonmal kennengelernt hat im Leben, Har Har. „Nevermore“ ist übrigens eine Edgar Allan Poe Story. Wir bleiben da schon im Venom Kosmos, wollen aber nicht nur von den 7 Toren der Hölle erzählen, HarHar.
Durch den Wechsel zur BMG findet meiner Meinung nach viel mehr Promotion statt. Signing Sessions, Listening Sessions zur Veröffentlichung, Video Clips, etc…
Rage: Oh das ist absolut richtig. Ich finde z.B. auch solche Zoom Interviews viel besser als Telefon Interviews. Jetzt kann man das Gegenüber sehen und sich viel besser austauschen. Menschliche Interaktion ist sehr wichtig. Das Label macht das schon sehr gut und hat die richtigen Ideen um die Leute aufmerksam auf „Into Oblivion“ zu machen. Die wollen nicht nur „die legendären Venom mit ihren Klassikern“ – die wollen auch unser aktuelles Schaffen. Nicht nur Nostalgie, auch die Gegenwart.
Danny: Die geben sich echt Mühe. Es geht bei denen nicht nur darum das Album rauszuhauen und dann Tschüss! Es gibt zum Release Listening Partys mit Verlosungen. In London, Paris, Germany, USA und so weiter. Das ganze Social Media Ding ist ja heutzutage auch enorm wichtig. Die BMG handelt das alles top.
Bei eurem neuen Albumcover hat man das Gefühl der gezeichnete, weltberühmte Teufelskopf vom „Black Metal“ Album wird zu Fleisch und Blut…

Rage: Das ist 100% exakt richtig! Wir nennen ihn „Stan“ und Cronos versucht seit Jahren ihn wieder zu bringen. Auf dem „Metal Black“ Album ist eine Version von Stan zu sehen und im Hintergrund des „Fallen Angels“ Artworks ebenso. Mit diesem neuen starken Album und der fortgeschrittenen Computer Technik fanden wir den Zeitpunkt richtig Stan nun fleischgeworden abzubilden.
Danny: Stan ist älter geworden mit grauem Bart und so, haha. Aber er ist jetzt „in your Face“ und bereit euch zu holen. Ich habe schon ein brandneues T-Shirt mit dem Artwork und es sieht klasse aus.
Das Album wird aber im Booklet auch gezeichnete Artworks haben?
Danny: Oh ja, das Artwork von „Lay Down your Soul“ mit den blutigen Armen wird im Album sein, ebenso weitere zu den textlichen Themen.
In den letzten Jahren ist Vinyl wieder enorm wichtig geworden. Auch euer Album erscheint im Gatefold mit verschiedenen Farben…
Danny: Eine Entwicklung die mich sehr überrascht hat und auch gefreut. Es sind nicht nur die alten Fans die mit Vinyl aufwuchsen, nein auch jüngere Metalheads stehen auf Vinyl. Ich glaube das Verlangen nach Physischem ist sehr Metal typisch. Sogar Kassetten werden wieder hergestellt, das ist verrückt. Vielleicht ist das ganze Spotify Ding eher was für Pop Fans? Aber die Zeiten als man kleine Plattenläden frequentierte um sich eine neue Platte zu kaufen sind wohl definitiv vorbei. Vinyl wird verlangt und das auch in vielen Farben – aber man lässt es sich ja dann eher von Amazon oder so senden.
Rage: Ich denke auch es ist sehr Metal typisch. Ich habe selber meine große Vinyl Sammlung mit Alben von UFO oder Iron Maiden. Die BMG ist da auch voll im Sattel und bringt unser Album entsprechend auch als Vinyl mit Farben raus.
Danny: Man sitzt da und hält das Album in den Händen und liest alle Texte, Infos und sogar Special Thanx. Man taucht richtig ein in die Materie. Ich glaube das ist heutzutage genauso wie früher in den 70er/80er Jahren.
Ihr seid in dem Line Up jetzt 17 Jahre zusammen und habt vier Alben aufgenommen. Wäre es nicht Zeit für ein Livealbum mit DVD?
Rage: Da wird immer wieder drüber geredet, oh ja. Wir haben Tonnen von Material aufgenommen auch auf Video. Nicht nur Live Konzerte, auch Backstage/Proberaum/etc. Material. 17 Jahre immer aufgenommen, auch Dannys ersten Gig 2009.
Danny: Jetzt mit dem BMG Label im Rücken könnte sowas realisiert werden. Die Jungs machen einen tollen Job und hätten sicher Interesse. Die Zeit wäre reif dafür.

In den letzten Jahren haben uns viele Größen der Metal Szene verlassen, z.B. Ozzy Osbourne, Phil Campbell, Ace Frehley. Wart ihr Fans?
Rage: Ich hab grade vor kurzem bei einem Motörhead Podcast mitgemacht, bin immer großer Fan gewesen. Phil war klasse, ein toller Gitarrist und ich hab ihn auch mal getroffen. Lemmy auch, aber da war ich zu schüchtern ein Wort rauszubringen, Har Har. Ganz ehrlich – ein großer Kiss Fan war ich nie, aber um die Bedeutung Ace Frehleys als Gitarrist weiß ich natürlich. Es ist alles furchtbar traurig denn oft sind die Musiker noch zu jung um zu gehen. Zum Beispiel Chuck Schuldiner.
Danny: John Sykes ist auch nicht lange her. Was für ein großer Einfluss, und Ozzy natürlich auch.
Rage: Wir sind alle in einem Alter wo man mehr und mehr Idole verabschieden muss. Es spornt einem aber auch an mehr Gas zu geben und als Musiker gut abzuliefern bevor es irgendwann nicht mehr geht. Man denkt bei sowas auch über die eigene Sterblichkeit nach und darüber was man zurücklässt.
Seid ihr privat eher dem klassischen Metal zugetan oder gibt es auch Newcomer die euch begeistern?
Danny: Ich höre schon viel Altes wie Led Zeppelin, Deep Purple, Rainbow. Als Drummer bin ich fasziniert von Leuten wie Cozy Powell, Ian Paice, John Bonham und Bill Ward. Was die am Schlagzeug ablieferten ist unfassbar. Natürlich gibt es heute auch starke Drummer die unglaublich schnell und präzise spielen, ich finde aber mehr Herz und Seele bei den genannten Klassikern. Die neueren Bands klingen oft wie etwas das schonmal da war.
Rage: Ich wuchs in den 70ern auf und das prägte meinen Geschmack. Rory Gallagher, Humble Pie und sowas. In den 80ern dann Iron Maiden, Saxon und ähnliches. Dann kam Thrash und Death wie Exodus, Carcass, Cannibal Corpse. Aber es gibt auch jüngere Acts die ich mag, z.B. All in Vein oder Living in Shadows die eine fantastische Sängerin haben. Tailgunner mag ich auch, die starten gerade gut durch. Ich beschäftige mich schon mit aktuellen Sounds und versuche Einflüsse rauszuhören. Auf Youtube findet man Videos von Musikern die zuhause im Wohnzimmer hocken und noch schneller spielen als Yngwie Malmsteen aber das imponiert mir nicht. Geh auf die Bühne und zocke vor einem Publikum das voll abfeiert was du da machst – das imponiert mir! Reise mit einem stinkenden Van voller Equipment von Club zu Club. Stehe bei strömenden Regen am Straßenrand, weil der Van kaputt ist – das ist Bandleben, da muss man durch.
Danny: Wenn auf der Bühne die Technik versagt, die Show aber weitergehen muss – das ist Musikerleben. Auf dem Flughafen Stunden abhängen, weil der nächste Flug verspätet ist. Das kostet Nerven ist aber Teil des Ganzen. Nicht auf der Couch vor der Handycam Noten klassischer Musik nachzufideln. Geht raus und reißt euch den Hintern auf – dann wird es sich auszahlen.
Momentan gibt es noch weitere Bands/Projekte mit dem Namen Venom drinne. Was denkt ihr über die Aktivitäten der Venom ex Musiker?
Danny: Wir sind seit 17 Jahren in diesem Line Up zusammen und stolz darauf das es das konstanteste Line Up der Venom Historie ist. Natürlich gibt es ex Musiker und es gab auch Reunions aber das war nicht von langer Dauer. Wir konzentrieren uns auf das was wir machen und nicht auf das was ex Mitglieder machen.
Rage: Wir konzentrieren uns eher auf Taylor Swift, dass die kein Black Metal Album macht, Har Har.
Welches Venom Album ist das unterbewerteste eurer Meinung nach?
Rage: Das wäre „Calm before the Storm“ meiner Meinung nach. Es spielten zwei fantastische Gitarristen darauf (Mike Hickey und James Clare) und die Songs sind echt klasse. „Metal Punk“ oder „The Chanting of the Priests“ – der Hammer. Vom Original Line Up wähle ich „Possessed“. Das ist auch so irgendwie eine vergessene Perle mit geilen Tracks drauf. Hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.
Und welches Album ist der Favorit?
Danny: Das Neue natürlich. Du kannst es ständig hören und es wird nie langweilig. Immer wieder haben wir es laufen lassen um zu testen ob es etwas gibt das wir darauf ändern wollen. Wir sind total zufrieden damit aber natürlich auch mit den Vorgängern in diesem Line Up.
Okay, dann am Ende bitte noch eine Aussicht auf kommende Live Aktivitäten…
Rage: Es stehn noch ein paar Verträge über Festivals diesen Sommer an. Dann denken wir – wie eingangs in unserem Gespräch erwähnt – über eine eventuelle Fortführung der „Lucifer Rising“ Festivals nach. Das wäre was für den Herbst. Wir hatten viel Spaß dabei und es wäre klasse das zu wiederholen.
Danny: Es kommen Angebote rein und wir sortieren sie. Ich denke das wir in den kommenden Wochen mehr Neuigkeiten diesbezüglich ankündigen können.
(Arno)

































































































