Immolation - Descent

(Nuclear Blast)

 

Dass Immolation unterbewertet sind, hat man schon so oft gelesen, dass es fast schon nicht mehr stimmt. Und doch muss man einmal mehr feststellen: diese Band müsste mit ihrem visionären Sound, ihrem widerspenstigen Charisma und ihren verteufelt guten Alben eigentlich viel weiter oben stehen. Stattdessen steht man nach wie vor mit einem Bein im Underground und mit dem anderen in der infernalen Hölle, die sie auch mit den neusten Stücken so meisterlich heraufbeschwören. Leute, im Ernst, was ist das für ein klaustrophobischer, stockfinsterer Brecher wieder. Mehr noch als auf dem nur guten Vorgänger legt die Death Metal-Instanz ihr ganzes beispielloses Können in die Waagschale, klingt dabei auch nach 40 Jahren noch frisch und haut hier zehn erstklassige Tracks voller brachialer Heftigkeit und unterschwelliger Melodiösität raus, dass man die Kinnlade kaum noch hochkriegt.

 

Zugegeben, „Descent“ ist dabei vielleicht kein kommender Klasssiker – dazu fehlt ein Hit wie beispielsweise „Father you’re not a father“ – aber die neue Scheibe ist doch in Schlagdistanz zu Meilensteinen wie „Close to a world below“ oder „Dawn of possession“. An letzteren erinnert dann auch das Cover, mit dem sich bei bandbiographischer Deutung ein Kreis schließen könnte. Wollen wir es nicht hoffen, denn die zu weiten Teilen in reproduzierender Belanglosigkeit dahindarbende Death Metal-Szene braucht eigenständige Bands mehr denn je. Immolation gehören zu dieser raren Spezie und deshalb kann ich nur jedem empfehlen, sich von den Veteranen in lichtlose Abgründe ziehen zu lassen.

 

(Chris) 

 

https://immolation.bandcamp.com/music


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