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The 800The 800

(Koch Films)

 

Shanghai 1937. Die japanischen Besatzer sind in China eingefallen und drohen mit ihrer militärischen Übermacht weite Landstreifen für sich zu gewinnen. Shanghai - als Paris Asiens - gilt als eine der letzten Bastionen für den chinesischen Widerstand. Die zweigeteilte Stadt ist überwiegend in japanischer Hand. Lediglich die Konzession, ein als Schutzzone - unter internationaler (französischer, amerikanischer, britischer) Anwesenheit – zu verstehendes Viertel wird von den Japanern verschont, um nicht internationale diplomatische Verwerfungen zu provozieren. Neben der Konzession ist aber noch das „Si Hang-Warenhaus“ noch nicht in japanischer Hand. Das Warenhaus ist die letzte Verteidigungslinie und das patriotische Bollwerk der chinesischen Streitkräfte. Hier verschanzen sich rund 400 (sie sollen als die legendären „800“ in die chinesische Geschichte eingehen) chinesische Soldaten - bestehend aus Deserteuren, Bauern, Dieben und Studenten - um gegen die militärische Übermacht und 20.000 Mann starke japanische Armee zu kämpfen. 4 Tage und 4 Nächte harren die chinesischen Streiter aus und wehren die japanischen Attacken ab um die chinesischen Landsleute von ihrem Mut zu überzeugen und zum Kampf zu mobilisieren sowie die internationale Gemeinschaft dazu zu bewegen, China im Kampf zu unterstützen.

 

„The 800“ gilt als der erfolgreichste Blockbuster Chinas im Jahr 2020. Großen Anteil daran wird die Corona Pandemie haben und der Umstand, dass viele internationale Blockbuster nicht an den Start gegangen sind und massenweise Veröffentlichungen verschoben wurden. Nichtsdestotrotz ist „The 800“ ein Big Budget  Streifen, der den Vergleich zum Hollywood Blockbuster Kino nicht zu scheuen braucht. „The 800“ ist technisch Top und komplett hochauflösend sowie mit aufwendigen Spezialeffekten gedreht und das Set mit aufwendigen Kulissen gebaut. Optische Vergleiche zu neueren Hollywood Kriegsfilmproduktionen wie „Dunkirk“ und „1917“  braucht „The 800“ nicht zu scheuen. Qualitativ spielt man hierbei in der selben Liga.

 

Der Film ist technisch und handwerklich also auf höchstem Niveau. Inszenatorisch lässt sich auch nicht viel aussetzen. Die Hässlichkeit und Gnadenlosigkeit des Krieges wird in drastischen Bildern mit hohem Bodycount dargestellt und eingefangen. Der erste große Abschnitt des Films ist also ein guter, weil drastisch inszenierter Kriegsfilm. Der befürchtete chinesische Hurra Patriotismus und eine gehörige Portion Pathos kommen erst ab dem letzten Drittel auf den Plan, sind dabei aber auch nur selten unerträglicher als der vieler Hollywood Produktionen. Der auf wahren historischen Begebenheiten basierende Film ist staatlich mitfinanziert, womit auch nicht verwundert dass die Parteilinie im Blick behalten wird. Passend zum chinesischen Selbstbild und zur Staatsraison ist in „The 800“ das Kollektiv der Held und nicht der Einzelne. Wirft man einen Blick in die diversen Bonus Features sieht man, dass die chinesische Staatsmacht großen Einfluss auf die beteiligten Verantwortlichen und Schauspieler hat. Was diese vielleicht als Hingabe und Arbeitseinsatz in Bezug auf die Dreharbeiten so beschreiben, kommt beim neutralen Zuschauer einfach nur als Propaganda an.

 

Kurzum, „The 800“ ist in großen Teilen ein guter, weil drastischer Kriegsfilm, den sich Genrefans problemlos anschauen sollten, wenn sie die patriotischen und pathosgeschwängerten Propagndaeinschläge übergehen können.

Die Blu-ray von Koch Films hat satten Sound und scharfes Bild. Im Bonusbereich finden sich diverse Features zum Film, den Dreharbeiten und den mitwirkenden Akteuren.

 

(Zvonko)   


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