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Die Legende vom Lone RangerDie Legende vom Lone Ranger
(Koch Media)

 

Texas im Jahr 1854: Der kaum halbwüchsige John Reid muss mit ansehen, wie seine Eltern von einer Horde Ganoven barbarisch ermordet werden und die Farm der Familie bis auf die Grundmauern niedergebrannt wird. Nur der Junge überlebt, gerettet durch einen gleichaltrigen Indianer. Tonto nimmt John mit zu seinem Stamm, wo die beiden zu besten Freunden und Blutsbrüdern werden. Eines Tages taucht Dan Reid auf, um seinen kleinen Bruder der Obhut einer Tante in Detroit zu übergeben.


Als ausgebildeter Anwalt und überdies herangewachsen zu einem stattlichen Burschen, kehrt John in den Süden zurück, wo er erneut der einzige Überlebende eines Massakers ist und einmal mehr von seinem indianischen Freund gerettet wird. Um Cavendish, dem skrupellosen Hintermann der Anschläge, das Handwerk zu legen, wird Reid zum maskierten Rächer. Als Lone Ranger nimmt er gemeinsam mit Tonto die Verfolgung der Banditen auf.


Comicverfilmungen waren im Jahr 1981 noch nicht an der Tagesordnung, daher verwundert es nicht, dass sich die Herangehensweise an die Kinoadaption der (Radio-)Comicvorlage des Lone Rangers von heutigen Gepflogenheiten signifikant unterschied. Unverkennbar ist die Werkstreue in Hinblick auf die Auffassung, dass in Comics nicht immer alles logisch und hundertprozentig nachvollziehbar zu sein hat. Warum schießen beispielsweise silberne Patronen präziser? Und wieso avanciert das Greenhorn John lediglich durch die reine Verwendung eben jener Munition zum Meisterschützen? Auch die Story ist eher dazu angetan, ihr im Rahmen eines ausgedehnten Klogangs zu folgen, als den Zuschauer mit verworrenen Handlungssträngen zu überfordern.

 

Alles in allem ist Die Legende vom Lone Ranger schlicht ein zwar nicht gering budgetierter, aber dennoch schnell, billig und uninspiriert heruntergekurbelter Schnellschuss, mit dem ein weiterer Held der amerikanischen Popkultur noch etwas weiter gemolken werden sollte. Doch trotz dieser geradezu vernichtenden Ausgangslage und trotz insgesamt drei (!) Goldenen Himbeeren kann man dem Western-Comic-Crossover wirklich eine ganze Menge abgewinnen! Zunächst einmal sticht der Look des Films äußerst positiv ins Auge. Monumentale bis authentische Kulissen sowie eine erstklassige Ausstattung sorgen für die richtige Atmosphäre, in der sich unser Titelheld im hautengen Superhelden-Outfit mit Waschbär-Maske austoben darf. Dies gerät dann zwar selbst in den an sich nicht üblen Actionszenen recht langatmig (vor allem beim gefühlt zehnten Einsatz der aber sowas von unpassenden Marschmusik, wenn der Ranger zur Tat schreitet!), doch inhaltliche Leere und inszenatorische Unzulänglichkeiten können nicht verhindern, dass Die Legende vom Lone Ranger als harmloser No-Brain-Western absolut zu gefallen weiß.

Gut, gerade bei der trotz eindeutigem US-Look nicht zu übersehenden Anbiederung an den Spaghetti-Western, die Regisseur William A. Fraker hier praktiziert, verwundert die unglaublich langweilige und sinnlos in Zeitlupe aufgeblähte Sequenz, in der der Ranger sein Pferd einreitet, doch stark. Schließlich hatten die Italiener anno 1981 längst bewiesen, dass die Viehtreiber und Cowboys aus der goldenen Hollywood-Ära abgedankt hatten. Zu John Waynes Zeiten ließ sich das Publikum noch mit Motiven vom Bezwingen der Wildnis begeistern. Seit 1964 jedoch ist diese Form der Legendenbildung zu genau dem degradiert worden, was sie ist: einem amerikanische Mythos, der Platz machen musste für Kopfgeldjäger und Galgenvögel, denen von nun an die Leinwand gehören sollte.


So scheitert Die Legende vom Lone Ranger neben dem handwerklichen Geschick Frakers vor allem am Spagat zwischen einem halben Jahrhundert Western-Filmgeschichte. Aus der Retro-Perspektive eines neuen Jahrtausends entpuppt er sich dann aber doch als liebenswert verkorkste Kuriosität, die man sich ruhig mal antun sollte. Auch aufgrund der Beteiligung von Christopher Lloyd (Zurück in die Zukunft) als Butch Cavendish und Jason Robards (Spiel mir das Lied vom Tod) als Präsident Ulysses S. Grant – sowie der bizarr sinnlosen Kurzauftritte von Wild Bill Hickok, Buffalo Bill und General Custer.


Dass Die Legende vom einsamen Ranger, wie der Film bislang hieß, im Jahr des Kinostarts des Johnny Depp-Vehikels nicht mehr den kommerziellen Ansprüchen genügen würde und daher der Titel frisiert gehörte, ist logisch, nachvollziehbar und in diesem Fall auch nicht verwerflich. Viel mehr Neues bietet Koch Media mit der DVD-Veröffentlichung aber leider nicht, denn als Bonus ist neben Trailern zu drei weiteren Filmen lediglich eine Bildergalerie enthalten. Von technischer Seite her gibt es ansonsten keinen Grund zur Klage, der Film ist nunmal über 30 Jahre alt und das Bild entsprechend nicht glasklar. In Anbetracht des Alters aber können Bild- und Tonqualität durchaus überzeugen.

 

(mosher)


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