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Bang Your Head!!! 2018

BYH_2018_Logo.jpgDieses Jahr öffnete das Bang Your Head!!! zum zwanzigsten Mal seine Pforten auf dem Messegelände Balingen. Ein Jubiläum, dass leider von einigen Schatten getrübt wird. Die Probleme um geeignete, zugkräftige und bezahlbare Headliner, steigende Kosten, sowie sich oft wiederholende Bands, ist schon seit einigen Jahren Thema vieler Diskussionen, die im Netz oder im Facebook Forum des Bang Your Head!!! nachgelesen werden können. Eines der ältesten und arrivierten Festivals kommt somit langsam ins Wanken, während andere Events mit immer mehr Masse weiter expandieren. Eine Patentlösung gibt es hier natürlich nicht und es bleibt zu hoffen, dass man den richtigen Riecher hat, um das Festival wieder zu alter Größe auszubauen. Eine Tatsache ist, dass Bang Your Head!!! ist immer noch ein schönes Open Air, das mit dem Messegelände in Balingen über die vermutlich beste Infrastruktur auf dem einheimischen Open Air-Sektor verfügt. Zum Thema „Nachwuchs“, folgendes: Das Hallenprogramm war dieses Jahr für mich so gut besetzt, dass ich keine Hemmungen hatte beide Headliner (ACCEPT und POWERWOLF) zu schwänzen und mich in der stickigen Messehalle zu vergnügen.

 

Den hart umkämpfen Urlaubstagen in den Sommermonaten fällt bei mir auch dieses Jahr der Donnerstag zum Opfer und offenbart ein anderes „Problem“ des Bang Your Head!!!

Das Programm auf den vorderen Plätzen ist immer sehr stark besetzt. Fantastische Newcomer und bekanntere Bands geben sich schon zu frühen Spielzeiten die Klinke in die Hand. So entgehen mir die Schweizer Mädels von BURNING WITCHES und vor allem ECLIPSE, die schon letztes Jahr (ebenfalls donnerstags) die Halle zum Kochen brachten und dieses Jahr wieder groß abräumten. Auch über RECKLESS LOVE hatten viele nur Gutes zu berichten, während EXODUS, die nach der Spaßparade ALESTORM die Bühne enterten, endlich ein wenig Ernst auf das Messegelände brachten. DORO gab ein Duett mit Sabina Classen zum besten und auch EUROPE konnten die meisten überzeugen. Einige sortieren die Schweden immer noch unter „Pop“ ein oder wollen einfach nicht wahrhaben, dass sich die Band mittlerweile eher an Deep Purple und Rainbow orientiert.

 

 

Freitag, 13.07.

 

 

STRIKER

 

Zweiter Tag in Balingen und es geht los mit ´nem klassischen Dreierpack. Musikalisch gesehen, denn alle 3 Bands sind noch „Jungspunde“, die aber alle schon mal eine Maiden-Scheibe gehört haben und wissen, was NWOBHM bedeutet. Während bei ALPHA TIGER die Mucke zwar stimmte, der neue Sänger aber noch nicht so recht weiß, was er vor einem großen Publikum sagen soll, zeigen die nun folgenden Kanadier STRIKER, dass sie bereits weitaus mehr Bühnenerfahrung haben. Schon beim Opener „Former Glory“ stürmt die Band nach vorne an den Bühnenrand, bzw. auf den Laufsteg und hauen den anwesenden Bangern einen Kracher nach dem anderen um die Ohren. „Born to lose“, „Pass me by“, „Lethal Force“ und „Too Late“. Jeder Song kommt gut beim Publikum an und der Platz vor der Bühne füllt sich von Song zu Song mehr. Mir persönlich sind die Songs der Kanadier jedoch zu austauschbar. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: bei mir bleibt nix hängen, obwohl alles handwerklich top ist und die fünf Burschen sich den Arsch abspielen. Nach dem Lied für alle Autofahrer („Full Speed or No Speed“), folgen als Rausschmeißer „Phoenix Lights“ und „Fight for your Life“. Für mich haben STRIKER schulnotenmäßig mit einer guten 3+ alles richtiggemacht und bewiesen, dass solche Bands für das BYH!! genau richtig sind. Als Nächste kommen die, in meinen Augen, würdigen Goldmedaillen-Gewinner dieses Dreierpacks, in Form von Monument.

(Folkert)BYH_2018_Monument.JPG

 

 

MONUMENT

 

Viele gute Reviews konnten die Briten MONUMENT schon für ihre bisherigen Alben einfahren, was sie live locker bestätigten. Bei gnadenlosen Sonnenschein in voller Ledermontur und Sänger Peter Ellis sogar mit Jacke, legten die Jungs mit viel Action auf der Bühne los. Das Iron Maiden an allen Ecken und Enden Pate stehen stört niemanden. Die Vocals, sowie die Gestik, von Sänger Peter sind stark an Bruce Dickinson angelehnt und die Songs atmen ebenfalls den Spirit der mittleren Iron Maiden. Selbst der deutsche Gitarrist Dan Baune hat sich die Moves bei Janick Gers abgeschaut, übertreibt es aber nicht so sehr wie sein Vorbild. Einzig die vereinzelt eingesetzte Double-Bassdrum ist ein markanter Unterschied zu den Vorbildern. Starke Show!

 

 

BYH_2018_NightDemon.JPGNIGHT DEMON

 

NIGHT DEMON stehen vermutlich kurz vor der Auswanderung nach Europa, so konsequent wie jede Steckdose in unseren Breitengranden beackert wird. Das die Band zurzeit zu den besten Live-Acts gehört, hat sich herumgesprochen, denn entsprechend gut gefüllt ist es mittlerweile. Obwohl nur als Trio unterwegs, ist der Sound bei NIGHT DEMON immer dicht und fett. Selbst die große Bühne in Balingen füllen die Jarvis und Armand locker durch ihre souveräne, aber nie übertriebene Performance aus. Die Band ackert sich vom Opener „Welcome To The Night“ bis zum abschließenden „Black Widow“ queer durch ihre bisherigen Veröffentlichungen und lässt auch die erste EP nicht aus. Während „The Chalice“ spukt der Night Demon über die Bühne und versucht das Publikum zu verführen. Ohne Erfolg, man feiert lieber die Band ab, als sich von zwielichtigen Skeletten ablenken zu lassen. Coverversionen hat man eigentlich nicht mehr nötig, die oft überraschende Wahl eines Covers gehört aber regelmäßig zu den Highlights in der Setlist. Diesmal zaubern Jarvis und Co den Scorpions Klassiker „In Trance“ aus dem Hut, der zu dritt in einer fantastischen Version dargeboten wird. Ganz große Klasse!BYH_2018_JagPanzer.JPG

 

 

 

JAG PANZER

 

Die Truppe um Bandkopf Marc Briody und Götterstimme Harry Conklin ist auch nicht zum ersten Mal in Balingen und sind definitiv gern gesehene Gäste. Mit dem Opener des aktuellen Albums „Born Of The Flame“ steigt man gleich flott in die 50 Minuten ein. Harry, mittlerweile wieder mit längeren Haaren, ist wieder mal fantastisch bei Stimme, geht aber im sehr basslastigen Sound etwas unter. Auch die Gitarren verschwimmen etwas, da der Bass, und besonders die Bassdrum, sehr dominant abgemischt wurden. Ein Fakt, der auch auf dem aktuellen Album „The Deviant Chord“ mehrfach bemängelt wurde. Die vereinzelt vom Band eingespielten Keyboards hätte es unter diesen Umständen nicht auch noch gebraucht. Stark waren neben „Black“ und „Shadow Thief“ für mich natürlich die Songs von „Ample Destruction“, das mit „Warefare“ und „Generally Hostile“ bedacht wurde. Mächtig motiviert war Mark Briody, der sich gegen Ende des Gigs noch einen Ausflug in Publikum erlaubte. Nicht dabei war allerdings Joey Tafolla. Wenn man den Metal Archives vertrauen kann, hört seine Vertretung mit dem Rhandy Rhoads (Klamotten)/Carlos Carvazo (Frisur)-Gedächtnis Look auf den Namen Ken Rodarte.

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CORELEONI

 

Gotthard Gitarrist Leo Leoni passiert mit seiner Hauptband scheinbar zur Zeit etwas zu wenig. Zusammen mit Gotthard Drummer Hena schnappt man sich also unter anderem den aktuellen Rainbow Sänger Ronnie Romero und vergnügt sich mit den älteren Songs des Gotthard-Backkataloges. Das macht scheinbar vor allem Herrn Leoni mächtigen Spaß. So ausgelassen und grinsend habe ich ihn bei meinen letzen Gotthard Gigs auf jeden Fall nicht gesehen. Romero ist mit seiner Stimme eine ganze Ecke näher an dem verstorbenen Steve Lee, als deren aktueller Sänger Nic Maeder, kommt aber in Sachen „Ausstrahlung“ auch nicht an Lee heran. Eine feine Sache, diverse alte Gotthard Klassiker mal wieder live zu hören. Die zweite Gitarre bearbeitete übrigens niemand anders, als Ex-U.D.O. Gitarrist Igor Gianola.

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OVERKILL

 

Ein paar Songs von OVERKILL waren noch drinnen, da ich dieses Jahr den parallel spielenden Crazy Lixx in der Halle den Vorzug gab. In den letzten Jahren haben die Mannen um Blitz Ellsworth ihren Status nicht nur halten können, sondern eher noch etwas ausgebaut. Die schweißtreibenden Liveshows sind immer wieder beeindruckend und auf eine entsprechend treue Fangemeinde kann sich die Band verlassen. Man weiß schließlich, was man bekommt. Unter den ersten sechs Songs fanden sich mit „Rotten To The Core“, „Hello From The Gutter“, In Union We Stand“ und „Coma“ gleich vier Klassiker. Aber wer davon genügend hat, darf damit auch gerne verschwenderisch umgehen. Während „Coma“ ging es aber in die Halle, um sich die erste Portion Glam abzuholen.

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CRAZY LIXX

 

Eigentlich hätten die LIXX das Zeug, ein ganzes Stück größer zu sein. Die Songs sind stark und auf der Bühne ist die Band auch über jeden Zweifel erhaben. Die Saitenfraktion macht extrem viel her, ist ständig einzeln und zusammen am posen und stellt nach der Hälfte des Gigs geschlossen die Six-Packs zu Schau. Es fehlt scheinbar lediglich an der Livepräsenz, um noch mal einen Schritt nach vorne zu machen, längere Tourneen waren in unseren Breitengraden bisher Fehlanzeige. Heute können sich die Schweden über eine gut gefüllte Halle freuen, die gut mitgeht und textsicher die Songs abfeiert. „Wild Child“, „Lock Up Your Daughter“ und natürlich „21 ´till I Die” sind gute Laune pur. Da schaut man auch darüber hinweg, das “Girl Of The 80s” fehlt und kein Song von “Loud Minority” im Set war. Sportlich war der Einsatz der Feuerfontänen in der sehr schwülen und stickigen Halle, deren Hitzewellen auch weiter hinten noch deutlich zu spüren waren. Tolle Band, da gibt es nix zu meckern, auch wenn man vieles schon mal irgendwo anders gehört hat.

 

 

ANNIHILATORBYH_2018_Annihilator.JPG

 

Frühes Aufstehen am Anreisetag fordert so langsam seinen Tribut, aber die Hälfte erste Hälfte von ANNIHILATOR ließ ich mir nicht entgehen. Trotz den parallel spielenden Accept war auch ordentlich was los. Im Vergleich zur letzten Tour mit Testament war auf der Bühne wesentlich mehr Action und die beiden Waters-Sidekicks Aaron (Guit) und Rich (Bass) wirkten wesentlich souveräner und routinierter. Jeff Waters selber kann den Abgang seines ehemaligen Sängers Dave Padden aber leider nicht ganz kompensieren. Waters ist ein souveräner Frontmann, aber stimmlich leider doch etwas eingeschränkt. Dennoch zünden die Songs gut und sowohl altes und neues Material wird gut abgefeiert. Spielerisch ist natürlich nichts zu bemängeln. Die Band ist tight, super aufeinander eingespielt und technisch natürlich einwandfrei. Nach „Set The World On Fire“ und „Welcome To Your Death“ hatte ich dann aber genug für den ersten Tag und gab dem Ruf der Federn nach.

 

 

Samstag, 14.07.

 

 

EVERTALE

 

Von EVERTALE kannte ich zuvor definitiv keinen Ton und war überrascht, dass die Jungs knackigen Power/Speed Metal abfeuerten, der mich etwas an mittlere Blind Guardian erinnerte. Dem Namen nach hatte ich mit wesentlich mehr Keyboards und Zuckerguss gerechnet. Mit ordentlichem Stageacting und recht guten Sound konnten EVERTALE durchaus überzeugen. Das einige Chöre vom Band kamen ist nicht weiter tragisch, aber durchaus amüsant, wenn zeitweise niemand an den Mikros für die Backings parat steht.

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CLOVEN HOOF

 

Kein Bang Your Head!!! ohne eine Portion NWOBHM und diese gab es geballt am dritten Tag. Den Anfang machen CLOVEN HOOF, deren NWOBHM Wurzeln mit den Jahren etwas in den Hintergrund gerückt sind und sich mehr zum klassischen Heavy Metal entwickelt haben. In der aktuellen Besetzung sind seit einiger Zeit mit George Call (Vocals) und Danny White (Drums) zwei Herren von Aska am Start, die sich auch schon bei Omen als Söldner verdient gemacht haben. Trotz brütender Hitze betrat George Call die Bühne mit zwei Jacken bekleidet, derer er sich erst nach den ersten 3 Songs entledigte. Das CLOVEN HOOF auch nach etlichen Besetzungswechseln etwas zu melden haben, zeigt ein Song wie „Song of Orpheus“ vom letzten Album ziemlich deutlich, aber ohne Klassiker geht natürlich nichts. „Cloven Hoof“, „Highlander“ und natürlich „Gates of Gehenna“ dürfen nicht fehlen und ernten natürlich die größten Reaktionen. Einziger Kritikpunkt geht allerdings in Richtung George Call. Er könnte sich zumindest bei den Klassikern etwas mehr an die originale Phrasierung halten, anstatt den Songs zu sehr seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Ansonsten gab es aber nix zu meckern.

 

 

TYGERS OF PAN TANGBYH_2018_Tygers.JPG

 

Auf der Bühne stehen in prallem Sonnenschein die englischen Herrschaften der TYGERS OF PAN TANG. Bereits seit Ende der 70er aktiv, liefern sie bei jedem Gig immer noch (oder gerade deshalb) eine astreine Hardrock-Show ab. Mit ihrem Frontmann Jacopo Meille haben sie dazu auch noch einen Sänger, der nicht nur sehr sympathisch rüberkommt, sondern auch noch eine astreine Show hinlegt. Bereits beim Opener „Only the Brave” fliegen die Fetzen und man merkt es allen fünf Musikern an, dass sie einen Riesenspaß an der Sache haben. Das wirkt sich auch auf`s Publikum aus: alle haben Spaß und feiern Songs wie „Gangland“, „Euthanasia“, „Keeping me Alive“ und „Raised on Rock“ freudestrahlend ab. So muß ein gelungener Auftritt sein! Wenn zum Abschluß dessen dann auch noch die drei Bärtigen aus Texas zitiert werden („Tush“) und „Love Potion #9“ von den Clovers als Rausschmeißer kommt, dann hat nicht nur der Schreiber dieser Zeilen ein breites Grinsen im Gesicht. Eines meiner Highlights des 2018er BYH!!! Die TYGERS können von mir aus jedes Jahr hier spielen. Klasse Auftritt, gerne wieder.

(Folkert)

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GIRLSCHOOL

 

Gefühlt etwas mehr los ist bei GIRLSCHOOL, die mit „Demolition Boys“ und „C’mon Let’s Go“ gleich in die Vollen gehen. Dass die drei Mädels, mit Ausnahme der verstorbenen Kelly Johnson, noch im Original-Line Up unterwegs sind, haben sie den meisten ihrer Wegefährten voraus. Entsprechend gut eingespielt sind die Damen natürlich und stehen trotz großer Hitze in voller Leder-, bzw. Lackmontur auf der Bühne. Etwas mehr mit der Hitze zu kämpfen hat scheinbar Drummerin Denise, deren Kopf hinter dem Drumkit hochrot leuchtet, dass man doch etwas Angst um die Frau an den Drums hat. Die bunt gemischte Setlist macht Spaß, der Sound ist ebenfalls gut und die vier Damen lassen auch nach 40 Jahren auf der Bühne nichts anbrennen. Mit „Emergency“ geht eine unterhaltsame Stunde sehr schnell zu Ende.

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PRIMORDIAL

 

Noch mehr Leute versammeln sich bei PRIMORDIAL, die ich heute tatsächlich das erste Mal sehe. Erfolglos versuchen die Iren, die strahlende Sonne mit ihren dunklen Hymnen zu vertreiben, die ihre Wirkung in einem dunklen Club vermutlich besser entfalten. Eine intensive Show wird trotzdem geboten. Fronter Alan ist nie um große Posen verlegen und zieht diese auch souverän auf dem Laufsteg in Balingen durch, ohne aufgesetzt zu wirken. Nach dem dritten Song „To Hell or the Hangman“ gönne ich mir aber eine Pause im Schatten, um bei Loudness wieder parat zu stehen.

 

 

LOUDNESS

 

In den 80ern waren sie eine echt große Nummer und brachten seinerzeit jährlich neue Alben raus, die fast alle zu den eigenen Klassikern gehören. Nach diversen orientierungslosen Jahren ist man mittlerweile wieder in der Spur und hat sich auf seine Stärken besonnen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, fanden gleich die ersten vier Songs des aktuellen Albums „Rise to Glory“ ihren Weg in die Setlist. Mit dem Doppel „Soul on Fire/I’m Still Alive“ gab es auch zum Anfang zwei davon zu hören, bevor mit „Crazy Nights“ einer der Klassiker ausgepackt wurde. Rein optisch erinnert natürlich nichts mehr an die bunten Klamotten und auftoupierten Frisuren von damals. Im aktuellen Video zu „Soul on Fire“ konnte man LOUDNESS noch in Lederklamotten etwas aufgemotzt begutachten, auf der Bühne wurde eher die Wohlfühlgarderobe ausgepackt und der Aktionsradius war eher begrenzt. Spielerisch dagegen gab es nicht zu meckern. Akira Takasaki ist immer noch ein fantastischer Gitarrist, der seine Leads lässig aus dem Ärmel schüttelt und Sänger Minoru war wirklich gut bei Stimme, wenn auch hier und da ein paar Töne unterstützend aus der Konserve kamen. Sein Englisch ist allerdings nicht viel besser geworden. Die aus den üblichen Phrasen bestehenden Ansagen waren zwar ganz gut zu verstehen, die Texte selber eher weniger. Beim abschließenden Speed-Kracher „S.D.I.“ habe ich jedes Mal „Yesterday“ verstanden. Toll war es trotzdem…

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PRETTY MAIDS

 

Als einzigen (Co-)Headliner an meinen beiden Tagen standen PRETTY MAIDS auf dem Programm. Die Ankündigung das komplette „Future World“ Album zu spielen und endlich mal „Loud’n’Proud“ und „Needles in the Dark“ zu hören musste genutzt werden. Der Umbau mit anschließendem Soundcheck verzögerte den Beginn um gut 10 Minuten, trotzdem war der Sound während der ersten drei Songs noch nicht wirklich perfekt. Die Lautstärke, sowie Gitarren und Keyboards schwankten noch etwas hin und her, bis sie richtig eingepegelt waren. Gitarrist Ken Hammer steht immer noch gut im Futter und bildet eher den Ruhepol auf der Bühne. Sänger Ronnie ist dagegen noch immer top in Schuss und super bei Stimme. Einer der wenigen Sänger, von denen ich im Laufe der Jahre noch nie einen schlechten Gig gesehen habe. Neben Bassist René Shades ist auch Keyboarder Chris Laney (übrigens auch als Produzent/Engineer von Candlemass bis Crashdiet aktiv) ein absoluter Aktivposten. Laney bedient neben den Keyboards noch die zweite Gitarre und gibt den Backings noch mehr Fülle. Da das „Future World“-Album ein absoluter Klassiker ist, den jeder im Schlaf mitpfeifen kann, war das Publikum entsprechend textsicher und die Stimmung klasse. Nach dem in Albumreihenfolge gespielten Songs wurde das riesige „Future World“ Backdrop gegen ein nicht minder kleines des aktuellen Albums „Kingmaker“ ausgetauscht. Es folgten noch „Mother off all Lies“, „Bully Eye“, „Little Drops of Heaven“, sowie das abschließende “Red, Hot and Heavy”, dass wirklich ohrenbetäubend laut mitgesungen wurde. Kein schlechter Stand für eine Band, die bald 40 Jahre im Geschäft ist.

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VISIGOTH

 

Der nächste Hype oder der nächste geile Scheiß? Definitiv letzteres! Nach dem ersten Album „The Revenant King“ eher noch als Geheimtipp gehandelt, ging es nach dem Gig auf dem Keep It True so richtig vorwärts für VISIGOTH. Weitere Konzerte in Europa und das starke zweite Album „Conqueror’s Oath“, sowie eine Tour durch Europa mit lokalen Supportbands und schon ist man in aller Munde. Während auf der Hauptbühne gerade Powerwolf starteten, legten VISOGOTH mit „Dungeon Master“ in der mittlerweile passend düsteren Halle los, die trotz des parallel spielenden Headliners gut gefüllt war. Das textsichere Publikum spornt die, sowieso bin in die Haarspitzen motivierten, Jungs noch mehr an. Hymnen wie das schnelle „Blades in the Night“ oder die darauffolgenden „Blood Sacrifice“ und „Warrior Queen“ eignen sich bestens zum Fistraisen und mitsingen. Die Band selber ist mit jeder Pore und vollem Einsatz dabei, vor allem Frontman Jake, der selber großer Fan und Nerd ist und zurzeit seinen Traum lebt (siehe Interview im aktuellen Heft Nr. 29/2018!). Hier sitzen alle Leads, ob zweistimmig oder alleine. Jede Textzeile ist bestens phrasiert, so dass die Songs sofort in Fleisch und Blut übergehen. Das man auch bei Epic Metal für Abwechslung sorgen kann beweisen VISIGOTH ebenfalls. Schnelle Banger wie „Outlive them All“, rockiges der Marke „Salt City“ oder das stampfende „Mammoth Rider“ reißen sofort mit und lassen die Nackenmuskeln zucken. Ganz vorne natürlich epische Tracks wie das großartige „Traitor’s Gate“ und das finale „The Revenant King“, dessen Refrain jedes Mal für Gänsehaut sorgt. Wenn VISIGOTH dieses Niveau auf den kommenden Alben halten können, dürften sie, wie auch Night Demon, locker noch ein paar Stufen auf der Karriereleiter nehmen können. Zu gönnen ist des den sympathischen Jungs aus Salt Lake City auf jeden Fall.

 

 

Die Umbaupause zwischen Visigoth und Crashdiet nutzte ich nicht nur zum Luftschnappen, sondern warf für einige Songs einen Blick auf POWERWOLF. Was der Verein aus dem Saarland, sorry aus Transsylvanien natürlich, hier ablieferte, war eines Headliners wirklich absolut würdig. Das Bühnenbild machte echt etwas her und die Show war ein Hingucker. Dass der Platz entsprechend voll war und alle Anwesenden mit erhobenen Fäusten “We Drink your Blood“ skandierten, lässt auf jeden Fall folgendes Fazit zu: Die richtige Wahl als Headliner! Nicht meine Baustelle, aber eine tolle Show, das muss man neidlos anerkennen.

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CRASHDIET

 

Nachdem CRASHDIET tatsächlich zwei Alben mit dem gleichen Sänger veröffentlich hatten, setzte sich Sänger Simon Cruz während einer Japantour ab und ward nicht mehr gesehen. Nach über zwei Jahren Funkstille erschienen CRASHDIET plötzlich mit dem neuen Sänger Gabriel Keyes und dem neuen Song „We are the Legion“ wieder auf der Bildfläche. Im Frühjahr gab es einige Konzerte und nun standen sie zum großen Finale des BYH!!! in der Halle auf dem Programm. Als Eröffnung wurden mit „Tikket“ und „Riot In Everyone“ gleich zwei Klassiker vom ersten Album abgefeuert, dass insgesamt mit fünf Songs bedacht wurde. Mit Gabriel Keyes hat man einen starken Sänger ausgegraben, der optisch etwas bodenständiger rüberkommt als Simon Cruz, über eine mindestens gleichwertige Stimme verfügt und diese ebenfalls in beeindruckende Höhen schrauben kann. Kleine Mankos sind nur im Sound zu bemängeln. Der Basssound von Peter London ist heute etwas im Hintergrund, so dass bei den Soli ein paar Soundlücken zu bemerken sind. Das ändert allerdings nichts an der Stimmung. CRASHDIET haben etliche kleine Hits im Gepäck und können die Songs bunt durchmischen, es zündet auch nach drei Tagen Festival alles. Auch der neue Song „We are the Legion“ ist bestens bekannt und wird an fünfter Stelle zwischen „Queen Obscene“ und „Down with the Dust“ plaziert. Das eher selten gespielte „Die Another Day“ kommt eben so gut an, wie der folgende kurze Jam, der in „Used to Love Her“ von Guns’n‘Roses mündet. Im Zugabeblock wird mit „Miss Pain“ kurz ein alter Demosong, die schnellste Nummer, die CRASHDIET bisher geschrieben haben, angespielt. Mit „Rebel“ und „Generation Wild“ ist leider schon nach gut 60 Minuten Schluß, obwohl es laut Running Order noch bis 0.30 Uhr gehen sollte. Sehr schade, aber es ist schön zu wissen, dass CRASHDIET wieder da sind…und keinen Deut schlechter als bisher…

 

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Somit hätten wir das Bang Your Head!!! 2018 erfolgreich hinter uns gebracht. Jetzt warten wir gespannt, wie die angekündigten Änderungen aussehen werden und wie man das Festival für die nächsten Jahre aufstellen wird.

 

Besten Dank an Folkert für die Gastbeiträge (Striker & Tygers Of Pan Tang)

 

Alles andere, sowie die Bilder, gehen auf meine Kappe…

 

(Schnuller)

 


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