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KISSIN DYNAMITE sind über den Welpenschutz längst hinaus und müssen sich als erwachsene Band beweisen. Das mittlerweile sechste Album in 10 Jahren hört auf den Namen „Ecstasy“, ist wieder eine runde Sache und wirkt tatsächlich etwas erwachsener. Die immer noch vorhandene jugendliche Frische ändert sich langsam in Souveränität, tolle Songs haben die Schwaben aber immer noch auf der Pfanne. Wir nahmen uns Sänger Hannes vor und löcherten ihn zum Album, zur Band und zu seiner Tätigkeit als Songschreiber für andere Künstler, wo er sogar bis in den Schlagerbereich tätig war.

 

TT: Eure Kontinuität ist beeindruckend. Souverän alle zwei Jahre steht ihr mit einem neuen Album parat. Obwohl ihr letztes Jahr ein Live Album eingeschoben hattet, ist „Ecstasy“ zwei Jahre nach „Generation Goodbye“ fertig. Plant ihr so lange voraus, oder steht doch das Label vor der Tür und drängelt?

 

Hannes: Tatsächlich nichts von beidem! Es ist gar keine Absicht gewesen alle zwei Jahre ein neues Album zu schreiben. Viel mehr kitzelt es einem einfach nach einer gewissen Zeit in den Fingern und man will neues Material schreiben. Ich schätze so was nennt man den natürlichen Groove einer Band ;)

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TT: Mir sind an „Ecstasy“ zwei Sachen aufgefallen. Punkt eins ist die Musik, die wird Stück für Stück etwas massenkompatibler, um nicht zu sagen, immer mehr nach Airplay klingt. Einen gewissen „Metal“-Touch hat die Musik noch immer, er schimmert aber nicht mehr so offensiv durch. Ist das Absicht oder Entwicklung?

 

Hannes: Auch das folgt keiner Absicht eines Labels. Im Übrigen haben wir ja neben Sony Music bei Metalblade unterschrieben. Jedes Album von KISSIN DYNAMITE hat gewissermaßen seine ganz eigene Note. Das wohl metallischste Album war, wie der Name schon sagt, „Addicted To Metal“.  Das Glam-lastigste wohl „Money, Sex & Power“. Wir lieben große, mitsingbare Hooks, allein das macht unsere Musik schon kommerziell! Dass das neue Album so ist, wie es ist, verdanken wir dem Spirit der uns während der Schaffensphase begleitet hat. Wir hatten gute Laune und fühlten uns befreit, da unser Vertrag mit AFM erfolgreich erfüllt war. Wir schrieben einfach drauf los und es entstanden Songs mit einem schwereloseren Vibe. Vielleicht ist es das, was du meinst.

 

TT: Der andere Punkt sind die Texte. Ihr habt jetzt das sechste Album veröffentlicht und seid erst in der Mitte der Zwanziger. Bisher habt ihr in den Texten oft und gerne damit kokettiert, dass ihr noch recht jung seid. „Ecstasy“ wirkt textlich etwas reifer und erwachsener.

 

Hannes: Inzwischen sind wir Mitte/Ende Zwanzig und keine Teenager mehr. Man wird ja nicht nur im richtigen Leben reifer und erwachsener, sondern auch im musikalischen Leben. Ich denke das liegt auf der Hand. Allgemein muss man sagen, haben wir uns keinen Masterplan oder ähnliches geschmiedet für das neue Album, sondern schlicht und ergreifend mit einem frischen Wind ein neues Kapitel aufgeschlagen!

 

TT: Wieviel „Steel Of Swabia“ steckt noch in Kissin Dynamite? Vergleicht mal die sehr junge Band von damals, mit der erfahrenen Band von heute…

 

Hannes: Noch ziemlich viel! Wir sind immer noch eine wahre Brotherhood genau wie damals! In all dem was wir heute sind, steckt zwar deutlich mehr Ordnung und System. Aber dennoch kann keiner von uns wirklich sagen, was in ein paar Jahren sein wird. Wir versuchen schlicht und einfach (genau wie damals) den Moment zu genießen. Gerade diese Unbedarftheit der Anfangszeit flackerte beim Songwriting für „Ecstasy“ wieder auf, was ein sehr schönes Gefühl war! Denn nach „Generation Goodbye“ hatten wir ja keinen Druck. Handwerklich sind wir natürlich besser geworden, aber das ist eigentlich alles Kleinkram. Was wirklich zählt ist, ob der Spirit in der Band noch der Gleiche ist, der uns zusammenhält. Und da muss man sagen: Verdammt noch mal, JA!

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TT: Ihr hattet noch keinen Besetzungswechsel in der Band. Ist die Chemie zwischen euch immer noch so gut und habt ihr ein Geheimnis dafür? Dieser Zusammenhalt ist ja das Thema im Video zu „You’re Not Alone“. War einer von euch schon mal kurz davor, das Handtuch zu werfen?

 

Hannes: Das habe ich ja in der Frage oben schon halb beantwortet. Wir kennen uns seit früheren Schultagen und sind zusammen durch die Pubertät gegangen, erwachsen geworden. So etwas schweißt zusammen. Und ja, „You´re Not Alone“ soll genau das beschreiben, was diese Band vom Gefühl her ausmacht. Auch das Gefühl zwischen Band und Fans. Wir wollen einfach eine gute Zeit haben. Leute von ihrem Alltag ablenken und sich gut fühlen lassen. Dennoch gibt es natürlich in einer inzwischen 11-jährigen Bandkarriere Hochs und Tiefs. 2014 drohte die Band auf unserer Tour in Spanien tatsächlich auseinander zu brechen. Da wussten wir nicht mehr wo uns der Kopf stand. Was richtig oder falsch war. Außerdem befand ich mich persönlich in einer handfesten Krise. In einer Nacht in Gijon sagte ich zu Andi, mit dem ich mich schon tagelang gestritten hatte: „Weißt du was? Fick dich, das war’s! Ich steige aus!“ Am nächsten Morgen stand mein Entschluss immer noch fest, aber wir spielten wenigstens die Tour zu Ende. Ich merkte dann mit der Zeit, dass nicht die anderen oder Andi das Problem war, sondern ich selbst. Langsam bekam ich wieder Freude daran und konnte mir nicht vorstellen KISSIN DYNAMITE jemals zu verlassen. All das gibt es ausführlich nachzulesen in unserer Biographie „A Road Paved With Gold“ als Beigabe der Limited Box Edition.

 

TT: Hannes, du bist bei Elephant Musik als Songschreiber für alle möglichen Künstler aktiv. Die Spannbreite geht von Schlager bis Metal. Wie schwer ist es für den Rest der Band, eigene Ideen oder Songs bei Kissin Dynamite unterzubringen, wenn man einen “professionellen Songwriter“ in der Band hat.

 

Hannes: Zunächst mal muss man sagen, dass Andi als Haupttexter der Band genau gleich stark im Songwriting Prozess beteiligt ist, wie ich. Wir funktionieren super als Team zusammen. Alle anderen sind da weniger aktiv, aber das macht auch nichts. Jeder innerhalb der Band hat seine wichtige Rolle und keiner versucht verkrampft, dem anderen ins Handwerk zu „pfuschen“. Trotzdem sind immer alle Ideen willkommen. Und so kommt es, dass auch beispielsweise Jim an Songs wie „Waging War“ mitgeschrieben hat.

 

TT: Es wird immer schwerer, sich als professioneller Musiker durchzuschlagen. Der Markt wird durch die globale Vernetzung eher größer als kleiner. Rein national erfolgreich Bands gibt es immer seltener. Reicht es bei euch, um davon zu leben und wie sind die Optionen, sollte es in absehbarer Zeit nicht mehr reichen?

 

Hannes: Ich lebe komplett von der Musik. Das liegt aber natürlich auch daran, dass ich sehr viel schreibe und produziere. Ich sage es mal so: Nur von der Band leben könnten wir. Aber dann darf man halt nicht die höchsten Lebens-Ansprüche haben.

 

TT: Habt ihr noch große Ziele? Gibt es ein bestimmtes Ziel, das ihr gerne erreichen möchtet? Eine bestimmte Location ausverkaufen? Für eine bestimmte Band eröffnen oder auf Tour gehen?

 

Hannes: Das klingt ja nahezu so, als müssten wir lange drüber nachdenken, ob wir überhaupt noch Träume haben. Es gibt in Wirklichkeit viele Dinge, die wir erreichen möchten! Headliner Status auf den großen Festivals zu erreichen zum Beispiel! Aus den Headliner Club Touren, Headliner „HALLEN“- Touren zu machen.

Kurz gesagt: Wir wollen KD noch mehr an die Leute herantragen! Wir wollen, dass wirklich jeder weiß, wer wir sind. Ob es dann gefällt oder nicht.

 

TT: Welche Band(s) haben euch früher inspiriert? Was sind eure All-Time Faves?

 

Hannes: Bei mir waren das vor allem AC/DC, Scorpions, und Guns’n’Roses. Das sieht beim Rest übrigens sehr ähnlich aus.

 

TT: Welche Bands haben euch in letzter Zeit am meisten beeindruckt? Die Rock/Metal Szene ist sehr aktiv. Es gibt von Bands die den 80ern huldigen, bis hin zu neuen/modernen Bands ein riesiges Spektrum. Was hat euch am meisten überrascht?

 

Hannes: Da will ich nur einen Namen nennen: Ghost! Ich feiere die Band gerade sehr ab. Wahnsinnig geile Songs und ein stimmiges Konzept! Hab die Band jetzt auf Wacken erlebt und bei mir sprang der Funke voll über. Das fand ich überraschend, da ich bis vor zwei Jahren noch dachte „Ok, noch so ´ne Band die sich hinter Masken versteckt“ :-)

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TT: Du bist mittlerweile bei Elephant Musik als Songwriter beschäftigt und hast dort auch mit Pop und Schlager zu tun. Wie bist du dort reingerutscht?

 

Hannes: Ich habe seit ich denken kann sehr viel geschrieben. Anfangs natürlich nur für meine Band. Da Elephant Music unsere ersten drei Platten produziert hat, haben sie meinen Ehrgeiz und meine Fähigkeiten wahrgenommen. Irgendwann sagte ich mal zu ihnen „Hey lasst mich doch auch mal einen Song für eines eurer anderen Projekte versuchen.“ Dafür waren sie zum Glück offen. Also schrieb ich ein paar Songs für „Oonagh“, deren Debütalbum sich direkt über 300.000-mal verkaufte.

 

TT: War es schwierig, bei der einen oder anderen Sache die Rock- bzw., Metal-Brille abzusetzen und sich auf eine andere Herangehensweise an das Songwriting einzulassen?

 

Hannes: Überhaupt nicht. Songwriting ist Gefühl. Und ich habe als Mensch ja nicht nur einen Gefühlszustand, sondern viele. Die Kunst ist, sich darauf einzulassen und sich natürlich auch in die Welt hineinzuarbeiten. Der Rest ist dann nur noch Handwerk.

 

TT: Was hat dich bei dieser Arbeit am meisten überrascht oder auch gewundert?

 

Hannes: Dass man es kann, ironischerweise. Früher dachte ich wirklich ich kann nur Rock Songs schreiben. Aber es bringt erstaunlich viel Spaß und „befreit“ einen auch davon immer gleich zu denken. Das tut extrem gut, vom einen Extrem, zum Beispiel „Metal“, zum anderen Extrem „Schlager“ zu gehen.

 

TT: Wie ticken Künstler, die Ihre Musik nicht selber schreiben und fast alles vorgesetzt bekommen?

 

Hannes: Das weiß ich nicht; ich kann ja nicht in sie hinein sehen :-)

 

TT: Gib es irgendwelche lustigen oder skurrilen Storys, die du dort schon erlebt hast?

 

Hannes: Es gab schon hin und wieder den Moment wo ein A&R eine Woche vor Abgabe einer LP noch schnell einen Uptempo Song haben wollte. Da kommt man dann schon ins Schwitzen. Sowas würde mir bei KISSIN DYNAMITE im Traum nicht einfallen. Ich fange lieber sehr früh mit dem Schreiben an und hab hinten raus Zeit zu „sortieren“.

 

(Schnuller)


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