Aktuelles Magazin

totentanz nr. 29

Totentanz on

Aktuell sind 850 Gäste und keine Mitglieder online

 

Auf der Tour zum erstklassigen Album „Kunstraub“ traf ich die Band in total entspannter Atmosphäre im Backstageraum kurz vor deren Abendessen. Schlagzeuger Specki, der noch am gleichen Tag wegen ein paar Day Offs mit dem Zug aus München angereist kam, gab freudig Auskunft zum Album, der Tour und sonstigen Zukunftsaussichten.

inex-logo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TT: Hallo, wie läuft denn bisher die Tour?

 SpeckiSpecki: Tja, was ist gut? Ist gut wenn man viel lacht? Oder ist es gut wenn keiner krank wird? Oder ist es gut wenn viele Leute da sind? Also das ist immer der Fall. Die Hallen sind voll, die Stimmung ist super, wie du vielleicht hier mitkriegst. Hier im Cateringbereich sind Crew und Band zusammen (wenn man nicht von den Gesichtern her wüsste, wer zur Band gehört könnte man dies wirklich nicht unterscheiden. Anmerkung des Interviewers). IN EXTREMO ist eine große Family. Wir sind auf Tour über 40 Leute, die immer mit dabei sind, samt Catering und Köchen. Es läuft super!

 

TT: Koch ist auch mit dabei?

 

Specki: Drei Köche! Über 40 Leute, zwei Busse, drei Trucks. Und es ist auch immer interessant, wie für die einen der Tag um 7 Uhr anfängt, z.B. für die Köche, die dann das Frühstück für die Crew vorbereiten und wenn dann um 8 Uhr die letzten aufhören, die Musiker, die dürfen dann erst mal schlafen. Tourleben ist schon sehr schön. (Sprichts und grinst.)

 

TT: Ihr spielt ja auf einer Tour immer viel neues Zeug der aktuellen Scheibe, was ich persönlich sehr gut finde. Wie setzt sich denn bei euch die Setlist zusammen, also nach welchen Kriterien entscheidet ihr und macht ihr das alle zusammen?

 

Specki: Also es gibt drei Leute in der Band, die sich in erster Linie so ein bisschen um die Titel kümmern. Da muss man berücksichtigen, was erst mal grundlegend gespielt werden muss. Ich sag mal die STONES gehen nicht von der Bühne ohne „Satisfaction“ gespielt zu haben oder AC/DC ohne „Highway To Hell“. Ich will mich nicht mit den Bands vergleichen, aber es gibt auch bei IN EXTREMO einige Songs die dürfen nicht fehlen wie z.B. „Vollmond“ oder „Spielmannsfluch“. Und das sind dann schon mal 6 oder 8 Songs. Dann haben wir die Songs, bei denen man sagt, die hatten wir schon lange nicht mehr gespielt. Das sind dann die Songs, die von Tournee zu Tournee immer rotieren. Da kann’s dann sein das der „Wind“ weichen muss für ein „Omnia sol temperat“. Das sind die meisten Songs und dann gibt’s noch die neuen Songs der neuen Platte. Und das sind auch 7 oder 8, was sehr viel ist. Die meisten spielen da 2 oder 3.

 

TT: Also ich find’s sehr gut.

 

Specki: Ja wir finden unsere neue Platte auch selber sehr geil, (lacht) so dass es schade wäre die Songs erst in ein paar Jahren mal auszupacken. Und das nimmt uns auch keiner krumm, im Gegenteil: Die Leute feiern die Sachen total ab und können alle Texte und das, obwohl es die Platte erst seit 8 Wochen oder so gibt. Und so setzt sich ein IN EXTREMO Programm zusammen, wobei es pro neuer CD immer schwieriger wird.

 

TT: Müsst ihr die Spielzeit ein Stück verlängern.InEx Git

 

Specki: Ja man kann’s auch verlängern, aber es ist wie ein guter Kinofilm, da gibt’s zwar auch die Ausnahmen wie Herr der Ringe usw. die drei Stunden gehen aber…ich sprech da immer von mir aus: Wenn ich auf ein Konzert gehe und die Band hört nach 2 ½ Stunden nicht auf, dann geh ich. Ich mag keine drei Stunden Konzerte. Das ist halt meine persönliche Meinung, aber das wär so als wenn Spiderman nach drei Stunden immer noch zwischen Hochhäusern schwingt und dann sag ich: Alter das hast du vor na Stunde auch schon gemacht. Deswegen sag ich zwei Stunden ist ein gutes Maß. Du überforderst keinen, du schaffst es, eine Spannungskurve aufzubauen oder zu halten und außerdem ist man auch irgendwann mal Platt. So wie ich Schlagzeug spiele, da könnt ich nicht in der Woche sechs Konzerte spielen.

 

TT: Kommen wir nochmal zum neuen Album. Ich finde es ist ne Ecke härter wie das vorherige. Wie kommt das zustande? Sagt ihr selber, ok, beim letzten sind wir ein Stück zurückgefahren und geben jetzt wieder mehr Gas? Nicht unbedingt vom Songwriting sondern eher vom Sound her.

 

Specki: Sehr interessante Frage, aber ehrlich: Wir sind 7 Leute in der Band plus zwei Produzenten und wir gehen drei Monate ins Studio, aber keiner weiß was am Ende raus kommt. Du hast zwar die Songs und du hast Ideen und Texte und ne Vorstellung, aber es hat jeder seine eigene Vorstellung. Du sagst da nicht wir wollen jetzt mehr rockiger oder mehr melancholischer werden. Du hast am Anfang vielleicht einen rockigen Song, der kommt am Ende zwar nicht als Ballade raus, aber vielleicht als eher poppiger Song. Und von einem, bei dem du denkst das ist eher so ein B-Seiten Song der keinen beim Bügeln stört wird auf einmal die Single und du denkst: Was issen jetzt los?

 

TT: Der Titel „Kunstraub“ ist ja von dem tatsächlichen Kunstraub, der breit in den Medien war, inspiriert und das ist ja eigentlich relativ kurz vor der Albumproduktion erst passiert. Das heißt ihr geht ja relativ spontan an die Titelwahl und an die Texte ran?

 

Specki: Das war auch so. Ich glaub der war im November 2012 und wir sind im April ins Studio um die Produktion zu machen, haben aber ja schon ein Jahr vorher an den Songs gearbeitet. Und natürlich ändert sich da auch viel durchs jammen usw., aber als der Kunstraub dann passierte war ganz schnell klar, dass so der Titel des Liedes heißt und der Text war dann auch schnell geschrieben. Die Story, dass zwei Typen mit ihren Schraubenziehern ins Museum gehen und da millionenschwere Dinger klauen, das is einfach so cool und so dreist, da fällt dir auch en Text ein. Wenn dabei noch 30 Leute drauf gehen, dann wird’s schon wieder schwieriger. Aber wenn da jemand so losgeht, dann iss das so lässig – ich glaub der Text war in 2 Stunden geschrieben. Am Anfang war’s eigentlich auch nur ein Arbeitstitel, es hat sich aber ganz schnell herauskristallisiert, dass das Album so heißen wird. Und die Plattenfirma und alle anderen Leute aus dem Umfeld waren auch direkt dafür.

 

TT: Ich fand auch die Idee der Limited Edition sehr cool, bei dem du dir das Cover selber stecken kannst.

 

Specki: Ja, das hat ja auch gepasst: Es waren ja sieben Gemälde die geklaut wurden, von daher hat alles gepasst wie Arsch auf Eimer.

 

TT: Eine Sache die ich schade finde ist, dass der Song „Meie Din“ nur auf der Bonusausgabe von glaub Saturn zu finden ist. Ich find den Track sehr geil weil er so aus dem Rahmen fällt und der könnte so genauso auf „Weckt die Toten“ stehen. Warum ist der Song nicht auf die reguläre CD gekommen?

 

Specki: Der Grund ist einfach, dass wir gesagt haben, auf die CD kommen 12 Songs. Ein Album von IN EXTREMO braucht keine 14 oder 15 Songs um zu beweisen, dass es ein gutes Album ist. Und da sind dann keine Lückenfüller drauf. Da ist es uns wichtiger zu sagen, da sind 12 gute Songs drauf, als wenn es 15 sind und man hätte sich zwei oder drei sparen können. Es klingt jetzt blöd wenn ich das sage, weil ich hab darauf gespielt und die Songs mitgeschrieben, aber wenn ich die CD höre, dann kann ich die durchhören und muss bei keinem Lied weiterskippen. Uns ist die Homogenität ganz wichtig, denn wir sind ja keine unanstrengende Band, die nach Mädchenchor klingt. So ein Dudelsack kann dir auch gern mal auf den Sack gehen, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

TT: Komm daher der Name?

 

Specki: (Lacht) Ja wahrscheinlich. Und deswegen sagen wir 12 Songs und mich hätte dieses „Meie Din“ unter den normalen Songs gestört. Das Album ist sehr rockig, sehr modern und dennoch ist der Mittelalterpart präsent und sehr homogen eingebunden in die Platte. Wenn du dann mit so na reinen Mittelalternummer ums Eck kommst, brichst du die Homogenität auf und das wollten wir nicht.

 

TT: Thema Ausland: Ihr wart ja schon oft erfolgreich in Mexico unterwegs. Welche Länder sind denn noch interessant für euch bzw. gibt es Länder wo ihr sagt, den Markt wollen wir jetzt mal knacken? Oder sagt ihr euch, wenn’s passiert, dann passierts.

 

Specki: Iss  ne schwierige Frage. Wir sind ja eine deutschsprachige Band und dafür eh schon sehr erfolgreich im Ausland. Nicht nur eben in Mexico oder Süd oder Mittelamerika, sondern wir waren auch in China, oder (überlegt)… wir waren überall, auf der ganzen Welt.

 

TT: Jetzt schon mit dieser Tour?

 

Specki: Nein, das Album ist ja noch zu neu. Zuerst mal wird Europa erledigt und im April geht’s auf ne – für ne deutschsprachige Band – extrem lange Russland Tour mit glaub ich zehn Shows. Das macht sonst niemand, nicht mal RAMMSTEIN oder die HOSEN, da sind wir glaub ich die einzige Band die das durchzieht. Und das auch erfolgreich, es kommen in Russland mehr Leute als hier. Dann ist wieder Amerika, dann gehen die Festivals los und ich weiß gar nicht was noch alles kommt. Mit dem neuen Album sind wir auf jeden Fall die nächsten 1 ½ bis 2 Jahre weltweit unterwegs. Und das von Asien über Europa bis Amerika. Aber kein Australien oder Afrika.

 

TT: Und habt ihr denn gesagt, Russland nehmen wir uns mal vor weil da die Verkäufe eh gut sind oder hat sich das so ergeben?

 

Specki: Es ergibt sich allein daher, da die Infrastruktur geboten sein muss, dass wir touren können. Das ist nicht einfach mit so na großen Band und so na großen Crew. Wenn ich jetzt in ‘nem Jazz Trio spielen würde, dann würd ich sagen ich nehm meine Trompete, setz mich in den Flieger und fahr dahin. Und das ist ja ei uns nicht so. Die Leute haben ne hohe Erwartungshaltung und wir machen das dann auch nur wenn wir sicher sein können, dass die Leute sagen „Wir haben IN EXTREMO“ gesehn. Wir müssen zwar Abstriche machen, das ist ganz klar, aber wir wollen da nicht total abspecken. In ein paar Länder kriegst du ja die Pyroeffekte gar nicht rein. Mich haben sie mal am Flughafen rausgezogen, weil die dachten ich wär ein Terrorist. An einem Case von mir waren Schmauchspuren. Was ja auch klar ist, überall fliegt das Schwarzpulver rum und das liegt auf jeder Trommel, auf jeder Kiste. Und da springen dann die Hunde auf den Geruch an und die fragen dann „Was ist denn mit dir los?“. Jüngst erst passiert aufem Weg nach Russland. Wobei Amerika noch extremer ist, da wirste ja schon ohne Schmauchspuren behandelt wie ein Schwerverbrecher.
Aber so ist das, wir machen einfach unsere Sache, sind halt da und sagen aber nicht „Und jetzt schnappen wir uns die USA“ oder sowas.

 

liveinexTT: Gibt’s denn große Unterschiede zwischen den Zuschauern der verschiedenen Länder?

 

Specki: Ja gibt’s schon. Was auf jeden Fall sehr interessant ist, wenn die Leute in Russland kein Wort Deutsch sprechen aber die deutschen Texte mitsingen. Und das auch überraschend gut. Wenn du dann in Moskau bist und die Leute „Küss mich, Küss mich“ rufen und vielleicht gar nicht wissen was es heißt. Und ansonsten ist es natürlich so, dass die Leute im deutschsprachigen Raum oder europäischen Raum sehr verwöhnt sind. Jeden Tag kannst du hier auf zig Konzerte gehen. Hier tourt die ganze Welt und jede Produktion die im Musik Beriech unterwegs ist wird in Deutschland anhalten. Da merkst du schon dass die Leute reserviert und verwöhnt sind. Der Chinese, der zum ersten Mal ne Rockband sieht, weils vorher verboten war, der steht dann so da (macht einen erstaunten Eindruck nach). Das ist schon cool sowas zu sehn. Hier muss man sich als Musiker schon wärmer anziehn.

 

TT: Bevor du zu IN EXTREMO kamst warst du ja auch schon Profimusiker und hast davon gelebt?

 

Specki: Ja, seit 14 Jahren.

 

TT: Macht man sich denn da noch Gedanken „was ist wenn’s nicht mehr hinhaut“?

 

Specki: Ja, macht man schon. Aber irgendwie wird’s immer besser. Kann auch sein dass ich gar nicht merke, dass ich auf den totalen Abgrund zusteure, aber mein Gott (lacht).

 

TT: Ich find’s eben interessant, denn es gibt ja die reinen Hobbymusiker, dann gibst die, die zwar erfolgreich sind, dennoch einen regulären Job haben müssen weils sonst nicht reicht und deswegen interessiert mich das, wie es bei jemandem ist, der schon seit Jahren davon lebt. Macht man sich da Gedanken, was ist wenn’s nicht mehr so läuft? Was macht man dann?

 

Specki: Es ist schwierig. Natürlich hat man ein bisschen Ängste. Wobei, ob das Ängste heißen muss oder einfach realistische Gedanken sind. Ich mein jeder wird älter und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in 25 Jahren noch die Art von Rock n Roll Lifestyle machen kann, wie ich es jetzt mache. Allein aus Alters oder Gesundheitsgründen kann ich da nicht mehr 6 Shows in der Woche spielen, weil ich dann einfach platt bin, wenn ich so reinhaue wie ich es jetzt mache. Ich glaube es geht irgendwie immer weiter und wenn man diese Art von Musik nicht mehr macht, dann macht man ne andere Art von Musik. Oder man hat so ne große Erfahrung und natürlich auch große Reputationen, wo ich dann sage „ich hab so und so lange bei IN EXTREMO gespielt“, wo ich mir sicher sein kann, dass ich auch weiter existieren kann. Und wenn ich nur en Buch drüber schreib, auf Lesereise gehe und irgendwelchen Kindern im Kindergarten vorlese und denen klar mache, dass sie sich auf jeden Fall vom Rock n Roll fern halten sollen (lacht).

 

TT: OK, dann noch zwei kleine abschließende Fragen. Was hörst du derzeit privat an Musik?

 

Specki: Ich hab heute zwei meiner Lieblingsalben wieder gehört. Das neue MUSE Album. Oder das neueste, so neu iss es gar nicht mehr: „Second Law“. Is glaub ist auch schon ein Jahr alt. Und das neue FOO FIGHTERS Album. Hab ich heute im Zug hierher gehört. Das ist so Musik die ich sehr gerne höre. Ich bin aber auch total Jazz begeistert und immer noch, nach wie vor, im tiefsten Herzen ein totaler Old School Metaller.

 

TT: Dann nenn mir doch mal deine 5 All Time Faves. Bands oder Alben, egal. Muss kein Metal sein, aber die, wo du sagst, das sind derzeit meine 5 Lieblingsalben, die würde ich mit auf die einsame Insel nehmen.

 

Specki: Was nicht fehlen darf ist ganz klar FRANK ZAPPER „Live in New York“. Ist glaub ich die beste Platte aller Zeiten. Puh, auf der Insel? Da braucht man ja ein bisschen was zum runterkommen.

 

TT: Naja, muss nich unbedingt ne Insel sein.

 

Specki: Uff, das iss ja ganz schwierig. Hoffentlich ist deine Kassette da drinnen lang genug (lacht und tippt auf mein Handy, das als Aufnahmegerät dient).

 

TT: Ich hab noch ne B-Seite.

 

Specki: (lacht)OK, dann ZAPPA nehm ich alles mit. Dann nehm ich mit MUSE. Dann noch ALTER BRIDGE, „Kind Of Blue“ von MILES DAVIS. Und die letzte die ich mitnehme, für meinen Kumpel Mille: „Pleasure To Kill“ von KREATOR.

 

TT: Sehr gut! Dann vielen dank für das Interview!

 

Specki: Bitte gerne.

 

TT: Und viel Spaß und Erfolg beim Auftritt!

 

Specki: Jo, jo.

 

Wie das Konzert war, könnt ihr hier nachlesen.

 

(Röbin)

 

www.inextremo.de

 


Musik News

Movie News

Bücher