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white-wizz.White Wizzard – Flying Tigers

(Earache)

 

Das Aufkommen der „New Wave of Traditional Heavy Metal“ ist zweifellos das Beste, was der Metalwelt in den letzten zwanzig Jahren passiert ist. Bands wie Enforcer, Steelwing, Cauldron, Wolf oder White Wizzard entdecken die Tugenden des klassischen, vor allem britischen Heavy Metal neu. In der Kreativität, Spielfreude und Vitalität dieser Bands spiegelt sich wider, dass man sich nicht etwa darauf beschränkt, die alten Tage wiederaufleben zu lassen, sondern dass man den Stil der NWOBHM aufgreift, zur Grundlage des eigenen Schaffens macht und schöpferisch weiterentwickelt. Klar hört man immer wieder Referenzen wie Maiden oder Priest heraus, teilweise auch zu US-Bands wie Dio oder Manowar, aber darin erschöpfen sich diese Bands nicht. White Wizzard zeigen das auf ihrem neuen Album beispielhaft. Zugegeben: Das Album braucht einen Moment, um richtig in die Gänge zu kommen: Das ziemlich punkige „Fight to the Death“, die eher gemächliche Midtempo-Nummer „West L.A. Nights“ und das ziemlich ruhige, aber leider auch etwas zähe „Starchild“ sind zwar nicht schlecht, überzeugen aber nicht zur Gänze. Erstmals zeigen White Wizzard mit dem Titeltrack, wohin die Reise geht: „Flying Tigers“ ist eine flotte Nummer, die zwar ein bisschen nach Maidens „Gangland“ klingt, ansonsten aber mit tollen Bassläufen und zweistimmigen Bass/Gitarrenläufen ausgestattet ist und in der das gesangliche Spektrum erstmals  nach oben hin ausgereizt wird. Auch das total verspielte „Night Train to Tokyo“ überzeugt mit hervorragender Gitarrenarbeit und munterer Steve Harris-Bassarbeit, die sich im Übrigen sowieso durch das gesamte Album zieht. Das flotte „Night Stalker“ kommt über ein „ganz nett“ nicht hinaus und markiert noch mal einen kleineren Einbruch, bevor das Album endgültig in die Zielgerade biegt: Das Album-Highlight „Fall of Atlantis“ mit seinem sperrigen, orientalisch angehauchten Strophenriff und seinem extrem eingängigen Refrain ist mit Abstand die progressivste, epischste und komplizierteste Nummer auf dem Album, zugleich aber ein echter Ohrwurm. „Blood on the Pyramids“ macht genau da weiter: Orientalisch anmutend, progressiv und episch. Der Songtitel ist sicherlich nicht zufällig gewählt, erinnern doch die die beiden letztgenannten Stücke in ihrer Grundstimmung nicht zuletzt an Maidens Powerslave. Das über 9 Minuten lange „Demons and Diamonds“ wartet mit einer Hommage an Black Sabbath auf und ist mit seinen langen Instrumentalparts ein Beleg für die immense Spielfreude dieser Band - überhaupt machen die ungewöhnlich langen Instrumentalparts auf diesem Album einen guten Teil seiner Attraktivität aus. Auch das jazzige Instrumental „Dark Alien Overture“ überzeugt auf ganzer Linie. „War of the Worlds“ ist ein düsteres Stück, das abermals diese eigenwillige „Powerslave“-Atmosphäre einfängt. Das dramatische und fast opernhafte „Starman's Son“ schließlich rundet das Album perfekt ab.  White Wizzard, die auf ihrer EP „High Speed GTO“ noch stärker nach Danko Jones, sprich: nach Cabrio mit offenem Verdeck, klangen, was ja durchaus auch seine Qualitäten hat, und auf dem Debut „Over the Top“ mit straighten und energiegeladenen Old School-Nummern überzeugten, gehen mit „Flying Tigers“ neue Wege in Richtung Progressivität, Komplexität und Epik. Dass das neue Album aufgrund der drei bis vier weniger gut ins Konzept passenden Stücke weniger konsistent ausgefallen ist als der Vorgänger, zeigt, dass sich der Fünfer aus L.A. nicht auf seinen Lorbeeren ausruht und auf Nummer sicher geht, sondern sich ausprobieren und neue Terrains erschließen will. Den Stil aber, den White Wizzard auf den herausragenden Stücken dieses Albums – und die machen schließlich den größten Teil aus – zelebrieren, verfolgen sie so gekonnt und überzeugend, dass man hoffen darf, dass sie ihn weiter ausbauen. Trotz der offensiv zur Schau getragenen Maiden-Einflüsse sind die unglaublich spielstarken Kalifornier keine Epigonen, sondern fangen den Spirit, den die Eisernen Jungfrauen zu ihren besten Zeiten transportierten, ein und entwickeln ihn in einer leicht modernisierten Variante weiter. Insgesamt also ein äußerst starkes Album, das darauf hoffen lässt, dass die NWOTHM noch lange anhalten wird!

 

(Torsten)

 

http://www.myspace.com/whitewizzard

 


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