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Clip Clip
(Universum/Pierrot Le Fou)

 

Jasna ist eine bildhübsche Schülerin aus dem Süden Belgrads, ihr Vater ist schwer krank und die Familienverhältnisse nicht die besten. Da ihr Vater nicht kann und ihre Mutter nicht will, sucht sich Jasna die Bestätigung, die eine Jugendliche nun mal braucht, bei Gleichaltrigen, auf Partys, im Drogenrausch und während bedeutungsloser Sexeskapaden. In Djole, einen ihrer Bettgenossen, verliebt sich das Mädchen, doch der ist zu keiner emotionalen Bindung fähig und behandelt Jasna als reines Sexobjekt.


Die letzten Filme, die uns vom Balkan erreichten, waren mit A Serbian Film und Leben und Tod einer Pornobande ja durchaus harte Kost. Clip versucht diese neue Tradition nun mit trister Atmosphäre und expliziten Sexdarstellungen fortzusetzen. Was dem Film auf jeden Fall gelingt, ist die Abbildung der Perspektivlosigkeit einer Nachkriegsgeneration. Eine durch neue Medien übersexualisierte Jugend hat kaum eine Chance, sich in dieser heruntergekommenen Umgebung zu orientieren. Werte sucht man in dieser Welt vergebens, das einzige Ziel der Mädchen scheint zu sein, den Erwartungen der Männer als immergeile Lustobjekte zu entsprechen, während sich der Ehrgeiz der Jungs darauf beschränkt, hart rüberzukommen und die allgegenwärtigen Wichsvorlagen von Youporn und Co vor dem eigenen Handy möglichst Vorlagengetreu nachzustellen.


Entsprechend dieser Prämisse finden weite Teile des Films durch den Sucher oder das Display von Mobiltelefonen oder Digitalkameras statt, egal ob belanglose Gespräche in der Schule, ausgelassene Mädelsabende in Unterwäsche oder eben harter Sex. Dies trägt ungemein zur Wirkung und Authentizität des Films bei, weist aufgrund des nicht gerade neuen Stilmittels aber auch einige Abnutzungs- und Ermüdungserscheinungen auf. Und auch die Hardcoreszenen, die im Übrigen vergleichsweise zurückhaltend und spärlich eingesetzt werden, fügen sich zwar gut in das Gesamtbild ein und unterstützen die Stimmung des Films, haben aber ebenfalls längst keinen innovativen Wert mehr und müssen sich durchaus auch dem Vorwurf des spekulativen Kalküls gefallen lassen. Aber im Ganzen betrachtet liefert Clip dann doch eine beeindruckende Milieustudie, die vor dem Hintergrund einer aus den Fugen geratenen Nachkriegsgesellschaft eine vielleicht gar nicht so sehr überspitzte Version dessen abliefert, was sich auch in den Schulen und Kinderzimmern der Ersten Welt abspielen könnte.


Die deutsche DVD bzw. Bluray hat ordentliches Bild und guten Ton in deutscher sowie serbischer Sprache. Trailer und Wendecover sind allerdings die einzigen Extras, die es auf die Disc geschafft haben.

 

(mosher)


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