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E.O. CHIROVICI - Das Buch der SpiegelE.O. CHIROVICI - Das Buch der Spiegel

(Goldmann Verlag)


- die zermürbende Suche nach der Wahrheit -
 
Peter Katz, Literaturagent bei Bronson & Matters erhält auf postalischem Wege einen Auszug aus einem Manuskript von einem gewissen Richard Flynn, das den Arbeitstitel "Das Buch der Spiegel" trägt. Angetan von Flynns Anschreiben, nimmt sich der Agent das Manuskript an einem freien Tag zum Lesen vor. Die Niederschrift erzählt von Anglistikstudent Richard Flynn vor knapp 30 Jahren, als die hübsche Laura Baines, im Jahre 1987, am Ende von Richards Studienzeit in seine WG einzieht. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, was unweigerlich darin gipfelt, dass sich Richard irgendwann in sie verliebt. Als Laura ihm eines Tages Psychologie Professor Joseph Wieder vorstellt, sie bei selbigem zu Abend essen und Richard mit dem Professor das ein oder andere Glas Alkohol trinkt, kommen Laura und Richard im Anschluss an den Besuch beim Professor zusammen und werden ein Paar. Professor Wieder, der als Koryphäe auf dem Gebiet der Psychologie bereits mehrfach als Gutachter bei Gericht bestellt wurde, bietet Richard einen Job an. Er könne seine mehrere tausend Bücher umfassende Bibliothek katalogisieren. Richard, der zusehen muss, dass er neben seinem Studium Wohnung und Lebensstil hält, nimmt dankend an. Professor Wieder, der Laura ein zweites Paar Schlüssel zu seinem Haus überlassen hatte, erlaubt Richard auch während seiner Abwesenheit die Katalogisierung in der Bibliothek fortzuführen. Er könne Lauras Schlüssel nutzen. Im weiteren Verlauf seiner Beziehung mit Laura bemerkt Richard, dass sie nicht immer ganz ehrlich zu ihm ist, will Laura jedoch anfangs nicht darauf ansprechen. Es stellt sich heraus, dass ihr Ex-Freund Timothy Sanders Laura immer mal wieder nachstellte, Briefe schrieb, anrief oder sie stalkte, was aber offensichtlich nicht weiter der Rede wert war, zumal Timothy Sander gegenüber Laura Baines nie gewalttätig wurde.

 

Bei seiner Arbeit in Jospeh Wieders Bibliothek entdeckt Richard ein verstecktes Manuskript des Professors mit vielen Fachbegriffen, das er aber nur kurz überfliegt und an seinen angestammten Ort zurücklegt. Bei seinen Gesprächen mit Laura über Joseph Wieder erfährt Richard, dass der Professor anscheinend geheime psychologische Experimente für eine Firma oder die US Army durchführt. Eines Tages, als Richard Flynn sein Tagespensum in der Bibliothek absolviert hat, sitzt ein Mann im Wohnzimmer, der sich als Derek Simmons vorstellt und Professor Wieder ab und an bei Reparaturen an und im Haus aushilft. Wie sich herausstellt, stand Simmons vor einigen Jahren vor Gericht, weil ihm zur Last gelegt wurde, er solle seine Frau umgebracht haben. Man diagnostizierte eine dissoziative Persönlichkeitsstörung, wies ihn in ein psychiatrisches Krankenhaus ein und hielt ihn dort ein paar Jahre fest. Professor Wieder kümmerte sich fortan um Derek Simmons. Auch nach seiner Entlassung, half ihm bei der Wohnungssuche und verschaffte ihm immer wieder kleinere Jobs auf seinem Anwesen. Richard ist fasziniert von Joseph Wieder, der in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 1987 einem tätlichen Angriff zum Opfer fällt und verstirbt. Am nächsten Morgen ist Laura ohne Abschied und auf Nimmerwiedersehen aus Richards und ihrem gemeinsamen Haus verschwunden. Doch an dieser Stelle bricht das Manuskript ab und Literaturagent Peter Katz wundert sich darüber, was Richard Flynn mit der Einsendung der Seiten bezwecken wollte. Wollte er den Mörder Preis geben oder sich gar selbst der Tat bezichtigen? War es Laura Baines, Derek Simons, Timothy Sanders oder jemand anderes?

Der Versuch, sich mit dem todkranken Richard Flynn direkt in Verbindung zu setzen missglückt dem Literaturagenten jedoch. Als sich Agent Peter Katz kurz darauf mit Richards Lebensgefährtin Danna Olsen trifft, gibt diese an, von einem derartigen Manuskript keine Kenntnis zu haben. Das Ganze erweist sich demnach als Sackgasse. ©privatAls Peter Katz dem jungen, freiberuflichen Reporter John Keller von dem Richard-Flynn-Manuskript berichtet, ist dieser sofort Feuer und Flamme und macht sich auf die Suche danach. Von der Neugier gepackt, stürzt sich der Freiberufler in ein Chaos aus Lügen, Intrigen, falschen Anschuldigungen, Mord und Totschlag. Keller stößt bei seinen Recherchen über den Mord an dem berühmten Professor Joseph Wieder auf so einige Ungereimtheiten, denen er nur allzu gerne auf den Grund gehen möchte. Jeder erzählt seine Variante der Geschichte. Keine stimmt mit der anderen überein. Keller bekommt Lügen aufgetischt und Teilwahrheiten serviert. Doch wem kann er trauen, wer lügt ihn an und wer sagt die Wahrheit? Der Reporter John Keller versucht gegen alle Lügen und entgegen jeden Widerstandes die Wahrheit ans Licht zu zerren. Er unterhält sich immer wieder mit den damaligen Beteiligten. Doch nie Stimmen die Aussagen überein. Keller versucht auch über Bekannte der Beteiligten, ehemalige Kollegen des Professors oder damalige Ermittler mehr herauszufinden. Und wo steckt überhaupt der zweite Teil des Manuskripts? Gibt es ihn überhaupt, wurde die Geschichte gar nicht komplett zu Papier gebracht oder am Ende zu Teilen gar erfunden? John Keller wird regelrecht obsessiv investigativ, ist aber auch irgendwann am Ende und kann nicht mehr. Die zermürbende Suche nach der Wahrheit erweist sich also als schwieriger als gedacht.

 

"Das Buch der Spiegel" erinnert mich von der anfänglichen Stimmung her ein wenig an "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" von Joël Dicker. E.O. (Eugen Ovidiu) Chirovicis Roman ist, mit seinen gerade mal 384 Seiten, natürlich bei weitem nicht so komplex gehalten, besitzt aber zu Beginn ein ähnliches Flair, wie die Geschichten des französischen Bestsellerautors. Wer die Romane von Joël Dicker verschlungen hat, dürfte also höchstwahrscheinlich auch mit E.O. Chirovicis modernem Schreibstil konform gehen. "Das Buch der Spiegel" ist eine durchaus charismatisch, intelligent, gemütlich, nett, auf der anderen Seite aber auch recht unspektakulär erzählte Geschichte, ohne wirkliche Höhen und Tiefen, die in ihrem weiteren Verlauf jedoch melancholische, wenn nicht gar triste Züge annimmt. Innerhalb der kaum zu greifenden, kühlen Atmosphäre macht sich nach und nach eine gewisse Endgültigkeit, Einsamkeit und Trostlosigkeit breit, doch die Spannung steigt ganz allmählich an, je tiefer der Leser in die Geschehnisse eintaucht. Ein Buch also, wie geschaffen für nasskalte und neblige Herbsttage. Das Lokalkolorit ist nicht üppig ausgestaltet, aber doch ausreichend um sich ein Bild der jeweiligen Kulisse machen zu können. Die handelnden Personen sind gut, aber nicht tiefgründig gezeichnet. Das braucht es im Falle von "Das Buch der Spiegel" aber auch gar nicht, denn die Erzählung ist in drei Abschnitte unterteilt, die von verschiedenen Personen in der Ich-Form erzählt werden. Dies wirkt jedoch dann irritierend, wenn der Leser gedanklich noch bei der Person des vorherigen Abschnitts weilt. Auch der Umstand, dass sich die Personen nach knapp dreißig Jahren zumeist noch recht detailgetreu an alle Einzelheiten zu erinnern glauben, wirkt auf mich ein wenig befremdlich. Die Spannung fällt zur Mitte des Buches hin ein wenig ab, was die Geschichte unnötig langatmig erscheinen lässt. Es ist der erste internationale Romanerfolg des 1964 in Făgăraș, Rumänien geborenen, rumänisch-ungarisch-deutschen Schriftstellers E.O. Chirovici, der mit seiner Frau und seinem Sohn in London und Bukarest lebt. "Das Buch der Spiegel" erschien bislang in 40 Ländern.

 

(Janko)
 
https://www.facebook.com/EugenOvidiuChirovici/
 
Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Das-Buch-der-Spiegel/E-O-Chirovici/Goldmann-TB/e532395.rhd
 
E.O. CHIROVICI
Das Buch der Spiegel
Kriminalroman
Originaltitel: The Book of Mirrors
Originalverlag: Century
Aus dem Englischen von Werner Schmitz, Silvia Morawetz
Taschenbuch, Klappenbroschur, 384 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48755-4
€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Goldmann
Erscheinungstermin: 18.06.2018


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