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JONAS WINNER - Die PartyJONAS WINNER - Die Party

(Heyne Verlag)

 

- klischeebehafteter Flickenteppich voller Zufälle und Ungereimtheiten -

Als Brandon Hill damals, im Jahre 1986 im zarten Alter von 17 Jahren zu einer Halloween Party lud, kam es in dem Glasbungalow in den Bergen des kleinen Örtchens New Jericho, den er gemeinsam mit seinem Vater und dem Haushälter-Ehepaar Vera und Curtis bewohnte, zu einem für ihn extrem verstörenden Ereignis. Exakt 32 Jahre später, am 31.10.2018 lädt er einen Teil der ehemaligen Gäste erneut zu einer Halloween Party in den überdimensionalen Bungalow hoch über den dunklen Wäldern ein. Ralph, Scotty, Louise, Terry, Nick, Ashley, Donna, Kim, Janet und Henry. Sie alle haben sich seit diesen 32 Jahren nicht mehr gesehen. Brandon will gemeinsam mit seinen damaligen Freunden die 80er Jahre wieder aufleben lassen und eine Art 1986 Halloween-Revival-Party feiern. Seine Gäste sollen entsprechend verkleidet, alleine und ohne Partner kommen. So verlangt es Brandon zumindest gegenüber Kim am Telefon. Selbige sieht es als Auszeit vom Alltag, um ein wenig Zeit für sich zu haben. Eine geradezu willkommene Abwechslung.
 
Als die Gäste am Halloween Abend des Jahres 2018 am Pförtnerhäuschen des riesigen Anwesens von der damaligen, wie heutigen Haushälterin Vera in Empfang genommen werden, fordert sie die Truppe auf, ihre Handys abzugeben. Diese gab es 1986 schließlich auch nicht, argumentiert sie. Dem Klischee eines leider arg konstruierten Psychothrillers entsprechend, ist die Zufahrtsstraße zu dem abgelegen Haus, aufgrund der starken Regenfällen in den letzten Tagen in keinem guten Zustand und so verspricht die Hausangestellte, dass ihr Mann Curtis die gesamte Entourage mit seinem Jeep bis zum Bach bringen wird. Die Herrschaften mögen den restlichen Weg zum Haus dann alleine mit dem Jeep zurücklegen. Curtis könne den kurzen Weg zurück laufen. Als Brandons Gäste im Haus eingetroffen sind, kommt es bei seiner waghalsigen Begrüßung zu einem folgenschweren Unfall, als sich der riesige Kronleuchter von der Decke der Eingangshalle löst und Brandon unter sich begräbt. Als seine Gäste Hilfe holen wollen, müssen sie feststellen, dass dies nicht möglich ist. Das versprochene Festnetz ist nicht zu gebrauchen, der Bach ist zu einem reißenden Strom angeschwollen und plötzlich rasseln auch noch die Rollläden herunter. Die Gäste auf dem hektargroßen Anwesen können ihrem fremdgesteuerten Alptraum somit nicht mehr entkommen. Eine Art Psychoterror beginnt, bei dem einer nach dem anderen drauf gehen soll.

Der, 1966 in Berlin geborene Autor Jonas Winner bedient in seinem siebten Thriller "Die Party" wirklich jedes Klischee. Ein abgeschiedenes, von der Außenwelt abgeschnittenes Haus, keine Möglichkeit der Kommunikation und bis zum nächsten Ort sind es vierzig Meilen. Für einen Spaziergang also etwas weit. Die Konversationen seiner Protagonisten sind in ein grässliches Wirrwarr getaucht, kaum zu entzerren und so fällt es dem Leser enorm schwer, Winners verqueren Gedankengängen folgen zu können. ©Random House/Erik WeissDas Lokalkolorit wird fast gänzlich vernachlässigt, sodass man in Jonas Winners Plot auf verlorenem Posten steht. Auch Atmosphäre will sich keine einstellen, kein Charisma und auch kein Flair. Der Autor besitzt zudem eine schrecklich ungelenke, holprige, leicht verkrampfte und gezwungen wirkende Schreibe. Sein Plot ist auf der einen Seite zwar durchaus spannend gestaltet, auf der anderen Seite aber leider auch extrem unglaubwürdig. Die unausgegorenen Psychospielchen und billigen Effekthaschereien ähneln denen von Filmen in der Machart von "Saw". Nur, dass sie bei weitem nicht so scharfsinnig ausgearbeitet sind. Wenn man darüber hinwegsehen kann, was allerdings wirklich schwerfällt, wird man unter Umständen gut unterhalten. Dennoch quillt Winners zurechtgebogener, teils regelrecht chaotischer Plot über vor Ungereimtheiten. Die Charaktere sind nur schwach und oberflächlich gezeichnet, sodass es dem Leser ungemein schwer fällt, sich die jeweilige Person vorzustellen, sich in deren Lage zu versetzen, geschweige denn Sympathien, bzw. Antipathien für oder gegen selbige zu entwickeln. Die Gedankengänge, wie auch die Aktionen seiner Protagonisten sind oftmals irrational und mit nichts zu erklären, was den Blutdruck des Lesers zwar erhöht und die Adern an den Schläfen allmählich hervortreten lässt, aber eben nicht aufgrund eines spannenden, sauber ausgearbeiteten und zum Schaudern animierenden Plots.

 

Nachdem die ersten Opfer unter den Geladenen zu beklagen sind, giften sich die Übriggebliebenen heftig an, machen sich Vorhaltungen und distanzieren sich immer weiter voneinander. Ein nervtötendes Hin und Her an Schuldzuweisungen beginnt. Die Gedanken der Protagonisten drehen sich im Kreis, aber keinesfalls um die übel zugerichteten Toten und teilweise gar verstümmelten "Freunde", die es zu betrauern gäbe. Die Personen verhalten sich wie pubertierende Jugendliche, obschon sie bereits um die 50 Jahre auf dem Buckel haben. Winner wirft zudem auch noch Vergangenheit und Gegenwart durcheinander, was ebenfalls eher befremdlich wirkt. Bei der ziemlich planlosen Geschichte, mit ihren vielen Handelnden und irritierende Halbsätzen, blickt man irgendwann nicht mehr richtig durch. Die scheinbare Auflösung ist totaler Humbug und passt hinten und vorne nicht zusammen. Ich habe selten einen solchen Mist gelesen. Eine Geschichte wie ein Flickenteppich voller Zufälle und Ungereimtheiten. Die Geschichte kennt keine Plausibilität und ist zusammengestückelter, als Frankensteins Monster. "Die Party" bietet auch nichts wirklich Neues oder Innovatives...die üblichen Verdächtigen eben.

 

(Janko)


www.jonaswinner.com

https://www.facebook.com/Jonas-Winner-140189889411066/

 

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Paperback/Die-Party/Jonas-Winner/Heyne/e528413.rhd#info-writeComment

 

JONAS WINNER

Die Party

Thriller. Wer Glück hat, stirbt als Erster
ORIGINALAUSGABE
Paperback, Klappenbroschur, 368 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-43918-4
€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | 
CHF 18,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen: 10.09.2018


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