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SEEL, TINA - Der sonderbare Fall der Rosi Brucker

Tina Seel - Der sonderbare Fall der Rosi Brucker

(Emons Verlag)

 

- humorvoll überspitzter Kriminalroman mit zeitlichem und lokalem Bezug -

 

Titel, wie "Der sonderbare Fall der Rosi Brucker" machen mich grundsätzlich neugierig, scheint sich dahinter in der Regel doch eine tiefschürfende Lyrik zu verbergen. Nun ja, eine tiefschürfende Lyrik können wir im Falle der deutschen Schriftstellerin Tina Seel und ihrem kürzlich im Emons Verlag erschienenen, zweiten Kriminalroman vielleicht nicht ganz erwarten. Dafür aber einen durchaus intelligent aufgebauten, humorvoll überspitzten Unterhaltungsroman und eine unterschwellige Persiflage auf das Dorfleben in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Mit trockenem, rußgeschwärztem Humor, allerlei moralischen Verwerflichkeiten und gut abgegangenem Pfälzer Lokalkolorit, zeichnet die, 1965 in Landau/Pfalz geborene Autorin, auf 352 Seiten auch ein durchaus authentisches Abbild der damaligen Zeit.

 

Wir schreiben das Jahr 1975, befinden uns in einem Dorf unweit von Pirmasens und begleiten den fünfzehnjährigen Bäckerlehrling Harald "Hasel" Hasenbach, als er die Leiche der retardierten Winzertochter Rosi Brucker in einem Waldstück bei Allweiler entdeckt. Notdürftig unter einem Haufen Holz verscharrt, bedeckt Hasel "die dappich Rosi" nach vorsichtiger Begutachtung wieder und macht sich vom Acker. Doch anstatt die Polizei über den Tod der Rosi zu informieren, wird dem Sonderling mit dem Sprachfehler und der Hasenscharte, in einem Anflug anarchistischen Hochmuts klar, dass sich hier eine einmalige Chance auftut. So beschließt er kurzerhand, die Winzerfamilie zu erpressen. Hasel gaukelt ihnen eine Entführung vor, fordert ein Lösegeld und leitet damit in erster Linie die Spekulationen der verschrobenen Dorfbewohner, sowie die Ermittlungen der Kripo Pirmasens, in eine völlig falsche Richtung.

 

"Hasel hatte allerdings schon als Kind herausgefunden, dass der Schlüssel zu Atzes Schrank identisch war mit dem Schlüssel zu seinem eigenen Schrank. Die Möbelfirma hatte sich damals wohl nicht allzu sehr ins Zeug gelegt, halb Deutschland hätte Atzes Schrank öffnen können." (Zitat S. 54)

 

Als Otto Brucker seine 32 Jahre alte Tochter Rosemarie, nach einem anonymen Hinweis, mausetot unter einem Holzhaufen auffindet, denkt der patriarchalische, bärbeißige und störrische Weinbauer einmal mehr nur an sich und die Blamage, die der Umstand von Rosis Tod samt Erpressung mit sich bringen wird. Also bedeckt der Weinbauer "die dappich Rosi" nach vorsichtiger Begutachtung wieder und macht sich vom Acker. Doch anstatt die Polizei über den Tod seiner Tochter zu informieren, macht sich der bornierte, jähzornige und halsstarrige Weinbauer Otto Brucker, der sein Eheweib Alwine behandelt wie den letzten Dreck, letztlich Sorgen ganz anderer Art. Während die Polizei ihren Ermittlungen in und um das fiktive Örtchen Allweiler nachgeht, sind die Einwohner stets bemüht, scheinheilig den Anschein zu wahren. Vor lauter Eifersucht gönnt jeder seinem Nächsten die Wurst auf dem Brot nicht. Die Moral ist also schnell beim Teufel und so kommen alsbald auch Sodom und Gomorrha ans Allweiler Tageslicht.

 

Tina Seel hat mit 1975 einen guten Jahrgang gewählt. In diesem konnte sich die, heute in Berlin lebende Autorin "frei Schnauze" bewegen, da man sich zu diesem Zeitpunkt um Political Correctness nicht sonderlich scherte. Seel skizziert das typische, konservative Dorfleben der Pfalz nahe am damaligen Zeitgeschehen und hat die um sich greifende Tristesse des Alltags mit durchaus ernst gemeinten, dennoch heiteren und leicht ins Metaphorische abdriftenden Aspekten angereichert. Dabei führt sie in ihren kriminalistischen Unterhaltungsroman, gefühlt auf jeder zweiten Seite neue Charaktere ein. Man könnte fast meinen, sie wolle ganz Allweiler in ihrem Roman unterbringen. Die hierbei beschriebenen Eigenheiten der Pfälzer Dorfbewohner, mit ihren Vorurteilen und kurz angebundenen Gehässigkeiten, werden seitens der Verfasserin überzogen klischeebehaftet dargestellt. Tina Seels überladener Humor ist ab und an auch mal ein wenig drüber. Auf der anderen Seite ist "Der sonderbare Fall der Rosi Brucker" über weite Strecken richtig lustig. Wenn die Autorin beispielsweise die Macken und Wesenszüge der Dorfbewohner, den Dialekt oder Hasles Sprachfehler literarisch verarbeitet, erinnert das durchaus schon mal an Rita Falks Eberhofer-Krimis, die Unterfilzbach-Krimikomödien von Eva Adam oder die Kluftinger-Reihe von Klüpfel & Kobr. Wer auf die angesprochenen Krimi-Reihen steht, könnte sich in Allweiler vielleicht sogar richtig cozy und heimisch fühlen.

 

(Janko)

 

https://www.tinaseel.de

https://www.facebook.com/TinaSeelBerlin

https://www.instagram.com/tina_seel_autorin/

 

Tina Seel - Der sonderbare Fall der Rosi Brucker

Emons Verlag

Kriminalroman

ISBN: 978-3-7408-1896-8

352 Seiten

Broschur

Erscheinungstermin: 19.10.2023

EUR 14,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

Weitere Formate:

ISBN eBook: 978-3-98707-080-8

Erscheinungstermin: 19.10.2023

EUR 10,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

"Der sonderbare Fall der Rosi Brucker" beim Emons Verlag: https://emons-verlag.de/p/der-sonderbare-fall-der-rosi-brucker-6973

 

Leseprobe: https://emons-verlag.de/media/pdf/b4/ff/02/99203846.pdf


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