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Adrian Tchaikovsky - Der SymbiontAdrian Tchaikovsky - Der Symbiont

(Piper Verlag)

 

- gedankenüberfluteter und gesellschaftskritischer SciFi-Roman -

 

Der Xeno-Ökologe Professor Arton Darghdev erwacht aus einem 30 Jahre andauernden Kryoschlaf, als sein Billig-Raumschiff beim Anflug auf den Planeten Imno 27g auseinanderbricht. Die schützende Kugel aus Plastik und der da-zugehörige Fallschirm bremsen seinen Sturzflug, sowie den etlicher weiterer Strafgefangener, auf ein erträgliches Maß ab. Diejenigen, die auf Imnos Oberfläche zerplatzen, werden als akzeptable Verluste registriert. Die Expansionsabteilung des totalitären Mandats auf der Erde hat diese nahezu wertlose menschliche Fracht aus Dissidenten, zu dem weit entfernen "Aktiven Planeten" geschickt, um dort unter einer schützenden Kuppel zu arbeiten und zu sterben. Kiln beherbergte einst eine intelligente Spezies, von der es, abgesehen von den Ruinen ihrer Bauten, keinerlei Überbleibsel mehr zu geben scheint. Das Mandat verspricht sich von der Forschung neue Erkenntnisse bezüglich der Entstehung des dortigen Lebens und seiner scheinbaren Inkompatibilität gegenüber dem Unseren. Der Ich-Erzähler Professor Darghdev ist Teil einer Arbeitskolonie, die auf Imno 27g, besser bekannt als "Kiln", ebendiese Forschung betreiben sollen. Doch es kommt zu einem Aufstand unter den Arbeitern, der für Professor Arton Darghdev darin mündet, dass man ihn und einige weitere Abtrünnige dem Exkursionsteam zuteilt. Dem unmittelbaren Kontakt der Atmosphäre, der Flora und der Fauna Kilns ausgesetzt, scheint ihr Todesurteil damit besiegelt.

 

1972 in Woodhall Spa, England geboren, bedient sich Adrian Tchaikovsky eines unkonventionellen, kopflastigen Stils, angefüttert mit pointiertem Sarkasmus und Gesellschaftskritik. Tchaikovsky spielt mit gehobener, schon mal in Ironie getauchter Rhetorik, übertreibt es aber in der Regel nicht mit ihr. Dennoch ist man als Leser quasi Gefangener im Kopf von Arton Darghdev. Weniger auf Handlung, als auf eine gedankenüberflutete Erzählung aus, hat der britische Fantasy- und Science-Fiction-Schriftsteller, eine ganz spezielle Herangehensweise für seinen Roman gewählt. Die 448 Seiten, die "Der Symbiont" zu bieten hat, scheinen daher beinahe philosophischer Natur.

 

Das politische SciFi-Gedankenkonstrukt, welches 2024 unter dem Originaltitel "Alien Clay" erschien, zieht dabei immer wieder Vergleiche mit autoritären Regimen und deren repressiven bis mörderischen Umgang mit Dissidenten, Regimekritikern und Oppositionellen. Die Strafgefangenen im Arbeitslager werden nicht zimperlich behandelt. Ihre Arbeitsleistung ist austauschbar. Ihr Tod in jedem Fall verkraftbar. An dieser Stelle sei jedoch angemerkt, dass Tchaikovskys Beschreibungen des Arbeitslagers, wie auch die der tödlichen Faktoren Kilns, anfangs eher wie ein Ferienlager anmuten. Die Lektüre der anspruchsvollen und dystopischen Fiktion läuft, nicht zuletzt aufgrund ihres eigenwilligen Humors, der verwendeten Fremdwörter und den verschachtelten Gedankengängen, nicht immer ganz rund. Auf eine tiefere, empathische Zeichnung der Charaktere wird gleich ganz verzichtet. Ein atmosphärischer Aufbau meldet ebenfalls Fehlanzeige und die permanenten Wortwiederholungen Adrian Tchaikovskys (akademisch/Akademiker, orthodox/Orthodoxie, heterodox/Heterodoxie) gingen mir auf die Nerven. Vom sicherlich legitimen geschlechtsneutralen Gendern einmal ganz abgesehen, störten auch die ständigen Lobhudeleien auf den Intellekt. Das muss ein Akademiker doch merken oder sollte das etwa witzig sein?!? Auch die Gefahr, der sich die Arbeiter und das Arbeitslager ausgesetzt sehen, kommt nicht authentisch genug rüber. Alles bleibt fragmentiert. Da gestaltet sich die seltsam distanziert gehaltene Lektüre, auf die man sich als Leser einlassen können und wollen muss, einfach nur unnötig zäh. Man weiß auch gar nicht so recht, was die da auf Kiln überhaupt treiben. Anstatt dies gründlich aufzuzeigen, ergeht sich Adrian Tchaikovsky in endlosen Gedankengängen darüber, wer nun Denunziant ist und wer nicht. Auch das erscheint mir eher kontraproduktiv.

 

Man soll mich an dieser Stelle bitte nicht falsch zu verstehen, denn "Der Symbiont" hat durchaus seine Momente und die Beschreibungen der vollkommen anders gearteten Biologie auf Kiln entschädigt für vieles, allerdings kocht die Spannung erst im letzten Drittel hoch. Das Werk an sich ist schon interessant, seltsam und fremdartig, wie die Natur, das Leben und die Existenzen auf Kiln. Aber auch schwer verdaulich, wie wir wiederum für die Kilner. Bevor sich Adrian Tchaikovsky als freier Schriftsteller verdingte, studierte er an der University of Reading Psychologie und Zoologie und arbeitete anschließend in diversen Anwaltsbüros in Reading und Leeds. Der britische Autor ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt mit seiner Familie in Leeds.

 

(Janko)

 

https://adriantchaikovsky.com

https://www.facebook.com/adrian.tchaikovsky

 

Adrian Tchaikovsky - Der Symbiont

Piper Verlag

Politische SciFi

ISBN: 978-3-492-70727-5

448 Seiten

Klappenbroschur

Originaltitel: Alien Clay (2024)

Aus dem Englischen von Andreas Decker

Erscheinungstermin: 31.07.2026

EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

Weitere Formate:

ISBN eBook (epub): 978-3-492-61379-8

Erscheinungstermin: 31.07.2026

EUR 14,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

 

"Der Symbiont" beim Piper Verlag: https://www.piper.de/buecher/der-symbiont-isbn-978-3-492-70727-5

 

Leseprobe: https://www.piper.de/buecher/der-symbiont-isbn-978-3-492-70727-5


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